Logo Aktion-Tier

April 2018Die Reise der Pinguine Teil 2

Foto: © Daisy Gilardini Foto: © Daisy Gilardini
Foto: © Daisy Gilardini
Foto: © Daisy Gilardini
 
 

Ein Wiedersehen mit der Antarktis: Zwölf Jahre, nachdem Regisseur Luc Jacquet mit seinem Dokumentarfilm „Die Reise der Pinguine“ den Oscar® gewann, kehrt er in die Heimat der Kaiserpinguine zurück. „Die Reise der Pinguine“ gehört mit über 25 Millionen Zuschauern weiterhin zu den weltweit erfolgreichsten Naturdokumentationen. Auch in Deutschland erzielt der Film mit 1,4 Millionen Zuschauern für eine Doku einen bis dahin ungeahnten Erfolg. Die Faszination für die einzigartigen Bewohner der Antarktis hat Jacquet nie losgelassen, und so organisierte er erneut eine Expedition ins ewige Eis, die sich im Herbst 2015 auf den Weg machte, über Monate hinweg unter extremsten Bedingungen das Leben in diesem einzigartigen Ökosystem zu filmen, das wie kaum ein anderes unmittelbar vom Klimawandel bedroht wird.

Jacquet und sein Team drehten größtenteils in 4K-Ultra-HD-Auflösung und setzten dabei auch Drohnen und Tauchboote, die mit Kameras ausgestattet waren, ein. So entstanden sensationelle, noch nie dagewesene Bilder. Luc Jacquet: „Zwölf Jahre nach DIE REISE DER PINGUINE sah ich bei unserer Expedition „Wild-Touch Antarctica“ endlich die Kaiserpinguine wieder. Ich fühlte mich immer noch so sehr zu ihnen hingezogen wie damals. Vor allem ihre Silhouette erinnert von weitem so sehr an die eines Menschen, dass es einen richtig irritiert. Mit den Kaiserpinguinen in Berührung zu kommen, ist nicht einfach eine Beobachtung, es ist eine viel tiefer gehende Begegnung. Sie sind so zutraulich uns gegenüber. Eigentlich sind wir ja Raubtiere, und daher sollte sie eigentlich vor uns fliehen. Aber die Kaiserpinguine haben unsere Anwesenheit nicht nur hingenommen, sie waren sogar richtig Leitung von Laurent Ballesta, der nicht nur Meeresbiologe, sondern auch die weltweite Nummer Eins in Sachen Unterwasserfotografie ist. Unseren Tauchern gelang eine Weltpremiere: Zum allerersten Mal führten sie eine Reihe von Tauchgängen bis in 70 Meter Tiefe im antarktischen Ozean durch – bei einer Wassertemperatur von -1,8°...! Dank der Aufnahmen, die wir bei diesen Tauchgängen gemacht haben, sehen wir nun die Pinguine im Wasser; in ihrem wahren Element. Dort sind sie Wesen von höchster Eleganz, virtuose Schwimmer, die perfekt an das Leben im Ozean angepasst sind. neugierig und haben sich uns genähert. Es sind wahrhaft einmalige Tiere. Für mich gibt es keine schönere Erinnerung, als auf dem Packeis zu spazieren und dabei einen Kaiserpinguin als Gefährten zu haben, der ein Stück des Weges mitgeht. Es war ein unglaubliches Privileg, das Abenteuer fortzusetzen, und es ist jetzt auch mein Privileg, diese Eindrücke mit Ihnen, dem Publikum, zu teilen…“

Der technische Fortschritt erlaubte es uns, wahrhafte unglaubliche Bilder zu machen, 360-Grad-Aufnahmen und auch einen Filmton zu bekommen, der einen noch viel stärker als zuvor in die Szenerie hineinzieht. Die eigentliche Heldentat leisteten aber die Taucher unter der Leitung von Laurent Ballesta, der nicht nur Meeresbiologe, sondern auch die weltweite Nummer Eins in Sachen Unterwasserfotografie ist. Unseren Tauchern gelang eine Weltpremiere: Zum allerersten Mal führten sie eine Reihe von Tauchgängen bis in 70 Meter Tiefe im antarktischen Ozean durch – bei einer Wassertemperatur von -1,8°...! Dank der Aufnahmen, die wir bei diesen Tauchgängen gemacht haben, sehen wir nun die Pinguine im Wasser; in ihrem wahren Element. Dort sind sie Wesen von höchster Eleganz, virtuose Schwimmer, die perfekt an das Leben im Ozean angepasst sind.

Sein Lebenszyklus und sein Instinkt

Im Durchschnitt werden die Tiere etwas über einen Meter groß. Sie gehören wie alle Vögel zum Stamm der Wirbeltiere und können dort überleben, wo keine andere Spezies lebt. Jedes Jahr zu Beginn der Wintersaison, wenn alle andere Tiere die Region nach dem kurzen Sommer wieder verlassen haben, kehrt der Kaiserpinguin auf den Weißen Kontinent zurück, um seine Jungen zur Welt zur bringen – so wie seit Abertausenden von Jahren.

Im tiefsten antarktischen Winter, wenn nicht mehr als Dämmerlicht den Tag erhellt und die Kälte extrem ist, schlüpft das Pinguinküken aus seiner Schale. Es ist Juli. Das Küken bleibt in der Bauchfalte seines Vaters vor den Elementen geschützt und wartet dort warm und trocken auf die Rückkehr der Mutter, die zum Ozean aufgebrochen ist, um dort zu fressen und Vorräte zu sammeln. Sollte sich ihre Rückkehr verzögern, dann kann das Männchen, auch wenn es selbst schon seit vier Monaten hungert, noch eine letzte Reserve aktivieren, um dem Küken seine erste Mahlzeit zu verabreichen. Einige Tage nach der Geburt des Kükens ist die Mutter zurück. Das Pinguinpaar erkennt sich durch die Stimme wieder. Die Mutter und ihr Kind sehen sich dann zum ersten Mal und lernen die Stimme des anderen kennen. Mit äußerster Vorsicht übergibt das Männchen das Küken der Mutter und macht sich seinerseits zum Wasser auf. Die Eltern wechseln sich bei der Pflege des Kükens ab und bilden einen regelrechten Pendelverkehr zwischen Brutkolonie und Ozean. Das geht einen ganzen Monat lang so: Der eine Elternteil hält das immer noch sehr anfällige Küken warm, während der andere Pinguin Krill, Fische und Tintenfische jagt. Ende August, wenn es gerade einmal einen Monat alt ist, kann das Küken seine Körpertemperatur selbst regulieren. Die Eltern können es von nun an allein in der Kolonie zurücklassen. Um sich warmzuhalten, stellen sich die Pinguine eng zusammen auf und formen eine sogenannte Creche; und im Rhythmus der Beutezüge seiner Eltern wächst das Junge heran.

Der Oktober bringt den langersehnten Frühling. Es fängt an zu tauen. Und die kleinen grauen Federbälle fangen an, vorwitzig zu werden. Dabei plagt sie ein heftiger Juckreiz – sie versuchen durch Scheuern, die Überreste des Babygefieders abzustreifen. Nach wenigen Wochen ist dadurch die ganze Pinguinkolonie von grauem Federflaum überzogen. Das nunmehr herangewachsene Küken ist jetzt bereit für die Reise zum offenen Meer. Nach und nach stellen die Eltern das Füttern ein und verlassen die Kolonie, und nachdem das Junge eine Weile ziellos umhergeirrt ist, bricht es schließlich zum Rand des Packeises auf. Dort vergehen noch einige Tage, bis es sich tatsächlich traut, den großen Sprung zu wagen. Und schließlich hüpfen sie ins Wasser! Schon nach wenigen Minuten sind die Tiere, die ja nichts anderes als das Leben auf dem Eis kannten, zu herausragenden Schwimmern geworden und erobern die Meere.

Die Antarktis – der Weiße Kontinent

 Die Antarktis bedeckt den Südpol. Sie erstreckt sich über 14 Millionen km2 und ist damit ungefähr 40 Mal so groß wie Deutschland. Die Antarktis ist gigantisch, und sie ist alles andere als einladend. Das liegt zunächst an den Entfernungen – sie ist knapp 1000 Kilometer von Südamerika entfernt und 2000 Kilometer von Neuseeland. Das Packeis, das die antarktische Landmasse und das Meer drum herum bedeckt, ist in den 34 Millionen Jahren, seit die Antarktis vereiste, nie komplett verschwunden. An manchen Stellen ist die Eiskappe so hoch, dass sie im Vergleich sogar den Montblanc überragen würde; das dort vorhandene Eis macht allein 80 Prozent der Süßwasserreserven der Erde aus.

Sie verbringen die ersten Lebensjahre komplett im Wasser und legen dabei tausende von Kilometern zurück. Und irgendwann, Jahre später, kehrt dieses Küken, geleitet von uns unbekannten Kräften, eines Tages im April genau zur selben Zeit wie seine Artgenossen auf den Weißen Kontinent zurück, um sich seinerseits zu vermehren. Der Instinkt dieser Tiere ist ebenso geheimnisvoll wie faszinierend. Sie spüren Dinge kommen, sehen Gefahren voraus und wissen genau, welchen Weg sie nehmen müssen. Der Instinkt ist angeboren und unabänderlich. Wie genau diese Verhaltensweisen von Generation zu Generation weitergegeben werden, ist nach wie vor nicht geklärt, und doch ist es genau dieses Verhalten, das eine Art ausmacht. Der Instinkt drückt sich in spontanen, oft sekundenschnellen Handlungen aus. Grundsätzlich ist der Instinkt ein Mittel der Arterhaltung. Was bei niederen Tieren das ganze Leben bestimmt, scheint bei weiter entwickelten Spezies an Bedeutung zu verlieren, und umso wichtiger wird das, was das einzelne Individuum sich durch Erfahrung aneignet.