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Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln

Foto: Sabo

von Ingeborg Polaschek. Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen beginnt das Summen und Brummen in der Landschaft. Auch in unseren Gärten wird die Winterruhe unterbrochen durch unterschiedliche Insekten.

Frühaufsteher sind Hummeln mit ihren hübschen Streifenmustern auf dem Hinterleib. Emsig besuchen sie schon bei Temperaturen unter zehn Grad die ersten Frühlingsblüher, gut geschützt gegen Kälte durch ihr pelziges Haarkleid. Bald werden sich Bienen, Wespen und Hornissen an dem Nektar der verschiedensten Frühjahresblüher laben und durch ihre Bestäubungsarbeit zur Erhaltung der Artenvielfalt von Wild- und Kulturpflanzen beitragen. 

Unsere fleißigen Bienen gab es schon lange vor den Menschen auf dieser Erde. In Afrika, Spanien und in der Türkei wurden Höhlenzeichnungen gefunden, die beweisen, dass man sich schon zu jener Zeit den sprichwörtlichen Fleiß der Bienen zunutze machte, indem man aus Wildbienenstöcken Honig, Eier und Larven entnahm und als eiweißreiche Ergänzung der Nahrung verzehrte. Die Biene wurde im Laufe der Zeit sozusagen zum Haustier. Der Mensch lernte ihre Verhaltensweisen kennen. Zu beiderseitigem Nutzen bot man den fleißigen Insekten Bienenheime in vielen Varianten an. Leider ist aus Asien ein Parasit eingeschleppt worden, der unseren Imkern erhebliche Kopfschmerzen bereitet. Die Varroa-Milbe verursacht große Verluste unter den Bienenvölkern, und sie kann nur mit hohen Kosten und großem Aufwand bekämpft werden. Es wird alles getan, um die gefährliche Bienenkrankheit „Varroatose“ zu bekämpfen und unsere Honiglieferanten zu erhalten.

"Brummende Quälgeister"? - Richtiger Umgang ist gefragt

Wie ist es jedoch mit den anderen Brummern oder Leisefliegern, die uns umschwirren und hin und wieder einen Aufenthalt im Freien unerfreulich machen. Brauchen wir diese Quälgeister überhaupt? Ökologisch gesehen, muss diese Frage mit einem „Ja“ beantwortet werden, denn Ökologie ist die Wissenschaft von den Wechselbeziehungen der Organismen untereinander und mit ihrer Umwelt. Und wir alle wissen, wie dramatisch die Folgen sein können, wenn der Mensch ausrottend in bestehende Ökosysteme eingreift. Wir alle wissen aber auch, wie schmerzhaft Insektenstiche sein können.

Jedoch statt „töten und vernichten“ sollte man Insekten, die sich ins Haus verirrt haben „schützen und erhalten“ indem man Spinnen- und Insektengreifer zum Einfangen verwendet. Die Handhabung ist einfach und das verirrte Insekt wird unversehrt freigelassen. Für den Aufenthalt im Freien halten Drogerien und Apotheken verschiedene Haut- und umweltverträgliche Abwehrmittel bereit, die auch in der Hausapotheke vorrätig sein sollten. Für die erste Hilfe gehören einsatzbereite Kühlkissen und eine Pinzette zur Entfernung des Stachels zur Grundausstattung. Wenn sich Bienen und Wespen nicht bedroht fühlen, werden sie nicht stechen. Besondere Vorsicht ist notwendig, wenn Kinder draußen süße Geträn ke zu sich nehmen und Eis schlecken. Es hilft schon, wenn sie zum Trinken Strohhalme verwenden. Weniger bekannt ist, dass besonders Wespen nicht abgeneigt sind, auch an tierischen Produkten zu naschen. Das mit duftender Wurst belegte Pausenbrot ist ebenso ein Anziehungspunkt wie etwa süße Erdbeertorte. Daher ist auch hier Vorsicht angesagt bevor man in den Leckerbissen hinein beißt.

Befindet sich ein Wespen- oder Hornissennest in unmittelbarer Nähe eines Kinderspielplatzes oder im Rollladenkasten, kann eine Umsiedelung durch behördlich autorisierte Fachleute vorgenommen werden. Hier ist die zuständige Naturschutzbehörde ein hilfreicher Ansprechpartner. Dort liegen Adressen von geschulten Fachleuten vor. Ansonsten sind diese Insekten friedfertig und wollen nur in Ruhe gelassen werden. Auslöser für aggressives Verhalten dürfte vor allem die Erschütterung oder Zerstörung ihres Nestes sein. Im Übrigen sind Wespen- und Hornissenstaaten einjährig, und die im Herbst leer stehenden Nester werden nie ein zweites Mal besiedelt.

Nistplätze für Bienen

Nisthilfe
Einfach und effektiv: Ein Holzstück, in welches unterschiedlich große Löcher gebohrt werden, die jeweils mindestens 5 cm tief sein sollten. Foto: Ursula Bauer

Infolge der modernen Land- und Forstwirtschaft sowie der artenarmen, aufgeräumten Ziergärten wird es für Hautflügler immer schwieriger, geeignete Nistplätze zu finden. Durch diese von Menschen hervorgerufenen Umstände, finden die fleißigen Brummer immer weniger artgerechte Nistplätze. Sie bewohnen Vogelnistkästen, Hohlräume in Holzschuppen und nisten auf Dachböden in ausrangierten Möbeln und anderen Gegenständen, nicht zur Freude der Hausbewohner. Daher sollten wir wenn irgend möglich Nisthilfen für Hummeln, Solitärbienen, Wespen und Hornissen anbieten. Alte oder abgestorbene Bäume lassen wir als Nistplätze für Bienen, Wespen und Hornissen stehen. Für eine schöne Blumenwiese sind nicht nur Hummeln dankbar, und Insektennistwände befinden sich im Handel – man kann sie aber auch selbst herstellen.

In weiten Kreisen der Bevölkerung ist weniger bekannt, dass nicht nur die Honigbienen, sondern alle anderen gesellig oder solitär lebenden Bienenarten zu den besonders geschützten Arten zählen. Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen werden wissenschaftlich in der großen, weltweit verbreiteten Gruppe der „Hautflügler“ (Hymenoptera) zusammengefasst. Zahlreiche dieser Arten stehen bereits auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten Deutschlands. Es ist somit verboten, sie oder ihre Entwicklungsformen zu töten, wie auch ihre Nist-, Brut-, Wohn - oder Zufluchtsstätten zu beschädigen oder zu zerstören, denn stechlüsterne, über Menschen herfallende Heerscharen dieser Arten gibt es nur in schlechten Fernsehfilmen.