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Unsere bunte Insektenwelt

Hummel auf einer Blume
Hummeln sind staatenbildende Insekten. Foto: © SaBo

Von Ingeborg Polaschek. Annähernd vier Monate lang herrscht in unserem Klima unwirtliches Winterwetter. Kaum kann man es erwarten bis Schneeglöckchen ihre grünen Blattspitzen über die letzten Reste des Schnees strecken. Winterlinge, Scharbockskraut und auch Krokusse – eine der ersten Nektarquellen für Hummeln und Bienen – streben ebenfalls bald den Frühlingssonnenstrahlen entgegen. Eine bunte Insektenwelt erwacht aus dem Winterschlaf.

Es ist unbestritten, dass wir Menschen unseren kleinen Helfern erst Aufmerksamkeit schenken, wenn wir mit ihren Verteidigungswerkzeugen Bekanntschaft machen. Insektenstiche sind wirklich kein Vergnügen und man fragt sich, ob diese kleinen Zwicker und Brummer überhaupt nötig sind. Diese Frage erübrigt sich wenn man bedenkt, dass ein einziges Hornissenvolk täglich bis zu einem Pfund Insekten an seine Brut verfüttert. Die Antwort ist nämlich, dass es in der Natur weise eingerichtet ist indem der Eine von dem Anderen lebt. Es ist wie ein Mosaik. Fehlt ein Steinchen, kann das ganze Gefüge nicht mehr perfekt funktionieren, es gerät durcheinander und auch wir Menschen haben einen Anteil an dem Ausverkauf der Natur. Denken wir nur an die Vernichtung von Lebensräumen. Und denken wir an jede Spinne, die aus Unkenntnis zertreten wird, weil man sie nicht im Haus haben möchte. Wer weiß schon, dass gerade sie Jagd macht auf etliche kleine stechende Insekten, die uns nachts den Schlaf rauben und dass sie, wie auch Insekten, auf dem Speiseplan unserer Vögel steht. Statt die Spinne zu töten, ist wohl der bessere Weg, sie mit einem handelsüblichen Insektengreifer zu fangen und draußen freizulassen.

Fast schon eine Seltenheit, der Schwalbenschwanz...

Wer kennt nicht den schönen Schwalbenschwanz, wenn er im gaukelnden Flug in Doldenblüten nach Nahrung sucht? Er ist selten geworden wie viele andere Tagund Nachtfalter auch. Übermäßige Landschaftspflege, einhergehend mit der Vernichtung der Futterpflanzen seiner Raupen, haben den Rückgang dieser kleinen Schönheit bewirkt.

In jedem Falle ist das Anlegen einer Wildblumenwiese hilfreich. Hier finden etliche Schmetterlinge ihre Blumen und auch Hummeln, Bienen und Wespen laben sich an dem süßen Nektar. Selbst ein kleines Beet dieser Art wird ebenfalls von Tausenden kleiner Krabbelgäste aufgesucht. Je vielfältiger ein Garten bepflanzt ist, desto mehr Leben kann sich entwickeln. Verschiedene einheimische Gehölze mit duftenden Blüten, Früchten und Beeren sind ebenso wichtig wie eine Wildblumenwiese. Hundsrose, Haselnuss, Feldahorn, Feuerdorn, Pfaffenhütchen sowie Weißdorn und Schlehe sind aus der Vielzahl dieser Gewächse nur einige Anziehungspunkte für Vögel, Kleinsäuger, Insekten und Spinnen. Hummeln, die Frühaufsteher unter den Insekten, werden es sicherlich begrüßen, wenn sie früh blühende, nektarhaltige Sträucher und Stauden vorfinden. Allein in Deutschland sind von 29 vorkommenden Hummelarten bereits zehn Arten regional verschwunden. Monokulturen wie Herbizideinsätze und die damit einhergehende Zerstörung von Blütenpflanzen haben diesen Rückgang bewirkt. In einem leer geputzten, mit Unkrautvernichtungsmitteln zusätzlich belasteten Garten haben unsere kleinen Helfer keine Chance.

Im Handel werden Nisthilfen für Vögel jeder Art angeboten und auch vorrangig in den Hausgärten angebracht, ebenfalls vorgefertigte Schutz- und Überwinterungsquartiere für Florfliegen und Ohrwürmer („Ohrkneifer“) – die natürlichen Feinde von Blattläusen und Milben. Für Hummeln, Hornissen und Wespen gibt es die entsprechenden „Wohneinheiten“. Jedoch was nützt das schönste Haus, wenn es in einer Einöde steht ohne die notwendigen Futterpflanzen und wenn immer wieder Laubsauger eingesetzt werden? Daher sollten die verschiedensten Pflanzenarten reichhaltig vorhanden sein, denn nur so entsteht Lebensraum für viele Tiere. Umweltschutz ist auch Tierschutz.

Garten-Tipps

  • Doldenblütige Gewächse anpflanzen und zur Reife kommen lassen, denn Schmetterlingsschutz ist Raupenschutz. Allerdings haben nicht alle Raupen denselben „Geschmack“. Es kommen nur bestimmte Pflanzengruppen und -arten in Frage und diese werden von den Schmetterlingsweibchen mit Hilfe ihrer an den Füßen sitzenden Geschmacksorgane ausgesucht. Nur in diese Pflanzen werden sie ihre Eier ablegen. Denken wir nur an das Tagpfauenauge und den Kleinen Fuchs. Hier kommen nur Brennnesseln in Frage und selbst die schönste Wiesenblume werden sie verschmähen.
  • Von großem Nutzen sind alte Baumstümpfe. Hier ist ein unzähliges Heer von Insekten damit beschäftigt, totes Material zu Humus aufzubereiten. Dauergäste sind die Larven des stark bedrohten Hirschkäfers. Ihre Entwicklung kann sich bis zu fünf, manchmal auch bis zu acht Jahren hinziehen. Etwa 70 Prozent aller Käferarten sind auf dieses „Totholz“ angewiesen, und diese emsigen Holzbearbeiter wiederum bedeuten Nahrung für Vögel und kleine Säugetiere.