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Der Gartenteich

Gartenteich mit Seerosen
Je größer der Teich, desto leichter entsteht ein biologisches Gleichgewicht. Foto: © IPO
EIn Plätzchen am Gartenteich
Wo Wasser ist, da ist auch Leben: Am Gartenteich lassen sich wunderbare Beobachtungen machen! Foto: © IPO
Sommerteich
Auch das Umfeld unserer Teiche sollten wir so weit wie möglich interessant gestalten für alle an das Wasser gebundenen Tierarten. Foto: © IPO
Naturnaher Gartenteich
Seinen Teich sollte man so vielseitig wie möglich bepflanzen und ihn dadurch für Molch, Frosch und Co. interessant machen. Foto: © IPO
 
 

Von Ingeborg Polaschek, März 2015. Irgendetwas schwimmt immer. Man weiß nicht woher die kleinen Schwimmer und Krabbeltiere kommen – sie sind plötzlich einfach da. Von dem neuen Gewässer im Garten, obwohl erst neu angelegt und noch etwas spärlich bepflanzt, scheint eine erstaunliche Anziehungskraft auszugehen. Wo Wasser ist, da ist auch Leben. 

Das zeigen schon kleine Tümpel in freier Natur, die das Wasser wochen- oder monatelang halten. Selbst nach einer Trockenperiode bleiben noch Schlammflächen. Annähernd ausgetrocknet, beherbergen sie Kleinlebewesen wie Faden- und Trudelwürmer, Rädertierchen und Flohkrebse.

Ob und welche Kleinlebewesen unsere Gewässer in den Gärten hin und wieder besuchen, oder sich auch ständig schwimmend oder hüpfend dort bewegen, liegt zu einem großen Teil an der Umgebung. Ausschlaggebend ist es auch, ob die neuen Teichbesucher ihr ganzes Leben im Wasser verbringen oder nur zur Fortpflanzung und Ernährung nutzen. Fast täglich gibt es etwas Neues zu entdecken. Das Wachstum der Sumpf- und Wasserpflanzen verändert fast täglich das Gesicht des neuangelegten Kleingewässers. So entsteht durch eine fortwährende Wechselwirkung zwischen Vegetation und Wasser eine Mini-Wasserlandschaft, die nicht nur den Betrachter fasziniert, sondern auch für die verschiedensten Lebewesen sehr anziehend ist.

Es wird nicht lange dauern, bis buntschillernde Libellen - unsere schönsten Süßwasserinsekten-  über die Wasserfläche schwirren. Dort fangen sie Mücken, Fliegen, Schmetterlinge und teilweise auch ihresgleichen. Ihr Flug gleicht Hubschraubern und sie können auch wie diese rückwärts fliegen und in der Luft stillstehen. Alle Libellenarten sind Räuber, jedoch wie so oft befürchtet, stechen können sie nicht. Im Mittelalter wurden sie allerdings aus Unwissenheit wenig schmeichelhaft auch Augenstecher, Teufelsbolzen und Teufelsnadeln genannt. Ihre Larven kriechen auf dem Gewässergrund oder sie graben sich in den Boden ein. Einige Arten halten sich zwischen Wasserpflanzen auf und wir entdecken sie erst, wenn sie in ihren letzten Entwicklungsphasen frisch geschlüpft an Wasserpflanzenstängeln hängend ihre Flügel trocknen. Ein sehr beliebtes Motiv für Fotografen.

Es entwickelt sich ein Mikrokosmos

Lange wird es nicht dauern bis sich das neue Gewässer je nach Lage und Größe mehr und mehr belebt. Zur Freude des Betrachters, denn bekanntlich möchte auch der geduldigste Teichbesitzer schnell „der Natur auf die Sprünge helfen“. Allerdings darf er sich nicht in der freien Natur „bedienen“ und Molche, Frösche oder Kröten in seinen Teich umquartieren. Diese Entnahmen sind verboten und keinesfalls sinnvoll. Das gilt auch für den Laich dieser Wassertiere. Sinnvoll ist es jedoch, den neuen Teich so vielseitig wie möglich zu bepflanzen und ihn dadurch für Molch, Frosch und Co. interessant zu machen. Von den kleinsten Wasserlinsen bis hin zu meterhohen Uferpflanzen haben alle ihre Aufgaben und hier finden die Zuwanderer ein passendes Umfeld für ihre Lebensweisen. Je nach ihren Biotopansprüchen werden etliche Wasser liebende Tiere erscheinen und die Geduld des Wassergärtners reichlich belohnen. Aus Platzmangel ist es oft nicht möglich, drei unterschiedlich tiefe Teichzonen nachzubilden. Naturgemäß wären das die Tiefzone ab 60 cm, eine Sumpf- oder Flachwasserzone von 10-50 cm und ein ständig feuchter Bereich mit einer geringen Wassertiefe von 0-10 cm. Wenn diese erstrebenswerten Zonen aus den einen oder anderen Gründen nicht möglich sind, sollte das kein Kopfzerbrechen bereiten und auch keinen Verzicht auf Teichfreuden bedeuten. Man konnte nämlich im Laufe vieler Jahre des „Gartenteichbooms“ feststellen, dass es durchaus sinnvoll ist, auch kleinere Refugien für Wasser liebende Tiere anzulegen. Fertigteiche in den verschiedensten Größen und Tiefen haben Einzug in unsere Gärten gehalten, denn sie finden auch in der kleinsten Gartenlücke noch einen Platz. Inzwischen weiß man, dass auch kleinere Teiche Bedingungen erfüllen, die Amphibien an ein Laichgewässer stellen. Mit ausreichender Bepflanzung und günstigen Möglichkeiten für Zu- und Abwanderungen haben wir schon viel getan. Vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber viele Steine bilden auch einen Berg. Und wie schön und erholsam ist es doch, ein Mikrokosmos zu beobachten, das sich in unserem Mini-Wassergarten entwickelt. 

Je größer der Teich, desto leichter entsteht ein biologisches Gleichgewicht

Mit Fertigteichen, welche in verschiedenen Größen und Preislagen angeboten werden, kann man schöne Wasserlandschaften anlegen, zumal die verschiedenen Pflanzzonen meist vorgesehen sind. Bei Folienteichen lassen sich bestimmte Tiefen und Formen je nach den Möglichkeiten im Gelände selbst bestimmen. Hier muss der Bodengrund für die einzelnen Teichzonen vor dem Einlegen der Folie modelliert werden. Je größer der Teich, umso leichter stellt sich das biologische Gleichgewicht ein. Häufig wird nicht bedacht, wie notwendig schützende Verstecke für Molche, Salamander, Kröten und Frösche sind und es wird auch oft nicht bedacht, dass Unterwasserpflanzen für das gesamte Teichleben sehr wichtig sind. Sie reichern das Wasser mit Sauerstoff an und bilden Schutzzonen für kleine Lebewesen, die sich im Wasser entwickeln. Der grüne Unterwassergarten dient Fischen und Amphibien zur Eiablage. Unzählige Wassertiere nämlich leben nur während ihres Larvenstadiums im Wasser. Außerhalb der Laichzeit führen alle Arten mit Ausnahme des Wasserfroschs ein verborgenes Landleben. Das heißt, auch das Umfeld unserer Teiche sollten wir so weit wie möglich interessant gestalten für alle an das Wasser gebundenen Tierarten. An Stelle eines Englischen Rasens lassen wir einheimische bunte Blumen blühen. Viele Insekten werden die Blumenwiese besuchen und sich an dem süßen Nektar laben. Ein Holzstoß oder Baumstamm ist ebenfalls für Insekten reserviert und darf vermodern. In und an dem morschen Holz befinden sich unzählige Würmer, Schnecken und Gliederfüßer. Aufgeschichtete Steinhaufen mit Einschlupf- und Versteckmöglichkeiten in verschiedenen Größen oder offene Mauerfugen sind geradezu einladend für Reptilien und Amphibien. Dort werden sie nach entsprechender Nahrung suchen und je nach Art auch gut geschützt den Winter verbringen. Wie schön ist es für den Wassergärtner, wenn er nach einem strengen Winter eines Tages „ seine“ Molche wieder entdeckt und der Wasserfrosch sich auf einem Seerosenblatt sie Sonne auf den Rücken scheinen lässt. „Unser Frosch ist wieder da“!