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Lebensraum aus zweiter HandGewässer im Garten

Sommerteich
Auch das Umfeld unserer Teiche sollten wir so weit wie möglich interessant gestalten für alle an das Wasser gebundenen Tierarten. Foto: © IPO

Von Ingeborg Polaschek, September 2016. Wer einen Teich anlegen möchte, wird unweigerlich immer wieder mit der Bezeichnung „Zonen“ oder „Teichzonen“ konfrontiert. Sind diese Zonen überhaupt so sehr wichtig...? Man möchte doch nur einige Goldfische munter schwimmen sehen und bunte Seerosenblüten bewundern. Eine Kombination aus Teichfilter und Wasserspiel würde sicherlich genügen, um das Teichleben in Gang zu halten. Natürlich sind diese kleinen Teiche eine Freude für den Betrachter und praktisch sind sie außerdem. Steht ein Umzug bevor, hat man sie schnell entleert und kann sie ohne große Mühe am neuen Wohnort an einer passenden Stelle wieder aufstellen oder eingraben. Die Kinder können ihre geliebten Goldfische mitnehmen, und somit hat man auch keinen tränenreichen Abschied zu befürchten.

So einfach ist es allerdings nicht, wenn ein größeres Gewässer – sozusagen ein Lebensraum aus zweiter Hand – entstehen soll. Hier ist das Wissen um die einzelnen Teichzonen von Bedeutung. Diese sind nämlich die Grundlage für das Leben am und im Wasser und nicht zuletzt, um ein ähnliches biologisches Gleichgewicht zu ermöglichen, wie es Naturteiche aufweisen. Selbst Fertigteichhersteller haben ihre Becken meist in vier verschiedene Zonen aufgeteilt. Da ist die Sumpfzone im Uferbereich mit einem Wasserstand von 0-20 cm, dann folgt eine Flachwasserzone mit Wasserständen zwischen 20 und 60 cm und eine Tiefwasserzone von 70 cm und mehr (bei Fischbesatz 90-120 cm.). Nicht zu vergessen die Feuchtzone. Sie zeigt, obwohl sie oberhalb des Wasserspiegels liegt, doch meistens eine gewisse Feuchte. Auf diese Weise können sich selbst Kleingärtner orientieren und ihren Wunsch nach einem hübschen Teich erfüllen. Es sollte aber bedacht werden, dass die einzelnen Zonen fließend ineinander übergehen und dass die Pflanzen nicht wunschgemäß nur dort verweilen wohin sie der Mensch einpflanzte. Daher muss stark wuchernden Pflanzen bisweilen Einhalt geboten werden und man setzt sie in Pflanzkörbe oder in abgegrenzte Räume.

Die in der Natur vorkommenden Gewässer werden unterteilt in stehende Gewässer wie zum Beispiel Tümpel oder Teich und in Fließgewässer wie etwa Quelle, Bach oder Fluss. In verkleinerter Form nachgebildet, entstanden in unseren Gärten die schönsten, mit viel Liebe angelegten Gewässer, und es darf behauptet werden, dass diese einen Anteil daran haben, unsere Gärten auch für die Tierwelt interessanter zu machen. Eine verwirrende Vielfalt von Schwimmkäfern, Libellen und Wasserläufern stellt sich ein. Eintagsfliegen entdecken schnell das neue Gewässer und tummeln sich in der Dämmerung über der Wasserfläche. Unschätzbar auch der Erholungswert für Groß und Klein.

Besonders wichtig ist das Wissen um die einzelnen Zonen nicht nur beim Bau des Teiches, sondern auch zum Einkauf der Sumpf- und Wasserpflanzen. Hilfreich sind die Steckschildchen in den Pflanzentöpfen der angebotenen Gewächse. Der Käufer weiß sofort, für welche Zone die jeweilige Pflanze geeignet ist, und das Gestalten und Bepflanzen des Teiches wird wesentlich erleichtert. Berücksichtigt werden sollte auch der Ausbreitungsdrang verschiedener Wassergewächse. Diese Pflanzen kennen keine Grenzen. Etliche neigen zum Wandern, andere wieder möchten einen ruhigen Platz in voller Sonne, um ihre schönen Blüten zu zeigen. Für die Pflanzenauswahl ist es wichtig, ihre natürlichen Lebensbedingungen zu beachten. Durch eine nicht passende Zusammenstellung entsteht jedoch ein fortwährender Existenzkampf, und ein natürliches Gleichgewicht kann sich nicht einstellen. Das geschieht im Wassergarten ebenso wie auch „auf dem Trocknen“. Die Stärksten setzen sich durch. Je nach Art behaupten Schwimmblattpflanzen wie etwa Nymphaea ihren Platz. Besonders die Weiße Seerose, Nymphaea alba, breitet sich stark aus und verdrängt daher andere Gewächse des freien Wassers. Ebenso ist auch die Mummel, Nuphar lutea, mit ihren hübschen gelben Blütenkrönchen und den herzförmigen Blättern ein Gewächs für große Wasserflächen. Schwimmende Blattrosetten schickt der Frühlingswasserstern, Callitriche palustris, aus der Tiefe empor und bildet mit seinen stark verzweigten Stängeln hübsche Polster auf dem Wasser. Während es dort allenthalben blüht und die Südafrikanische Wasserähre (Aponogeton distachyos), ihren betäubenden Vanilleduft verströmt, ist auch der eingebrachte Teichboden bald mit Leben erfüllt. Hier ist die Region der Molche, Frösche und der anderen Wassertiere. Es ist erstaunlich, wie schnell sich Libellenlarven, Wasserkäfer, Krebstiere und Wasserwanzen ansiedeln.

Für jeden Gartenteich die passenden Pflanzen

Wer denkt nicht zuerst an Seerosen, wenn er vom künftigen Wassergarten träumt? Diese geheimnisvollen und sagenumwobenen Pflanzen gibt es inzwischen in vielen Formen und Farben. Man muss wissen, dass Seerosen Kinder des Lichtes sind. Mindesten fünf Stunden am Tag wollen sie das Sonnenlicht genießen. Was sie allerdings überhaupt nicht mögen, ist eine ständige Berieselung durch Wasserspeier oder bewegtes Wasser wie etwa in der Nähe eines Wasserfalles. So schön Seerosen auch sind, ihre Blätter sollten den Teich möglichst nur zur Hälfte überdecken. Andernfalls bleibt nicht genügend Licht für das Pflanzenwachstum in den tieferen Zonen des Teiches.

Sauerstoff spendende Unterwasserpflanzen

Frühlingswasserstern (Callitrische palustris), Raues Hornblattt (Ceratophyllum demersum), Quirliges Tausendblatt (Myriophyllum Verticillatum), Nadelsimse (Eleocharis acicularis), Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis), Krauses Laichkraut (Potamogeton crispus), Wasserfeder (Hottonia palustris), Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum). Es ist eine verwirrende Vielfalt an Pflanzen, die für Gartenteiche oder Wassergärten angeboten werden. Und natürlich möchte man keine Fehler machen, wenn es endlich möglich ist, die Bepflanzung vorzunehmen. Es wurde geklärt, ob man diese oder jene Wasserpflanzen am besten in Körbe oder in den freien Bodengrund setzen soll. Und fast jeder Neuling auf dem Wassergartengebiet erreicht irgendwann den Punkt des „Grübelns“. Besorgte Pflanzenfreunde begeben sich nur noch mit dem Metermaß an das neue Gewässer. Schließlich will man für jedes Pflänzchen den besten Platz finden. Man bedenke aber, dass ein Gartenteich oder Wassergarten kein streng architektonisches Gebilde ist, sondern auch mit den verschiedensten naturgegebenen Wettersituationen zurechtkommen muss. Ein Sumpfvergissmeinnicht (Myosotis palustris) wird nicht gleich ertrinken, wenn es nach einigen Regenschauern zwei Tage lang drei und mehr Zentimeter Wasser über den Wurzeln zu ertragen hat. Andererseits kann der Tannenwedel (Hippurus vulgaris) nicht nur unter Wasser, sondern auch im Flachwasserbereich gut gedeihen.

Man wird jedoch auch Verluste in Kauf nehmen müssen. Vielleicht hat man keine gesunde Pflanze erworben oder sie ist mit ihrem neuen Standplatz nicht zufrieden. Möglich auch, dass eine Spitzhornschnecke (Lymnaea stagnalis) ihren Hunger an unseren gerade erst eingesetzten, zartblättrigen Sumpfpflanzen stillte. Der Gartenteich jedoch wird immer lebendiger. Wasserläufer gleiten wie auf Schlittschuhen über die Wasserfläche oder springen plötzlich aus dem Stand in die Luft. Natürlich werden sich dort, wo es viele Insekten gibt, bald auch andere Tiere einstellen. Zwischen dem Pflanzengewirr taucht unversehens ein Teichfrosch (Rana esculenta) auf. Zunächst zeigt er nur Augen und Nasenlöcher, um dann fluchtartig mit einigen kräftigen Stößen der Hinterbeine im tieferen Teichwasser zu verschwinden. Molche entdecken das neue Gewässer und verbringen einen Sommer lang im Teich, bevor sie sich während der Wintermonate in schützende Verstecke in der Nähe zurückziehen. Von der Schwimmblattzone bis zum Gewässerrand ist der neue Gartenteich für viele kleine Lebewesen zu einem wichtigen Refugium geworden.

Unterwasserpflanzen

Oftmals Stiefkinder – da sie nicht mit den schönen Blüten der Seerosen aufwarten können – sind die überaus wichtigen Unterwasserpflanzen. Ohne sie ist ein natürliches Gleichgewicht im Gartenteich nicht möglich. Diese grünen Pflanzen binden unter Lichteinwirkung das im Wasser oder in der Luft vorhanden Kohlendioxyd und speichern es in Form von Kohlenhydraten. Dabei wird Sauerstoff abgegeben. Dieser verbessert die Wasserqualität, kommt der Atmung der Wassertiere zugute sowie der Zersetzung organischer Substanzen mit Hilfe sauerstoffbedürftiger Bakterien. Einige Unterwasserpflanzen leben völlig untergetaucht und schicken höchstens ihre Blüten über die Wasseroberfläche. Ihre Wurzeln dienen – soweit überhaupt vorhanden – lediglich zur Aufnahme von Nährstoffen aus dem Wasser oder zur Verankerung. Manche bedecken den Teichboden wie ein Rasen, bleiben auch im Winter grün und bieten gute Versteckmöglichkeiten. Ein Vorteil für viele während des Winters in der Teichtiefe verweilenden, kleinen Wassertiere.