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Vorsicht, Rattengift! Rodentizide – Unkontrollierbar und lebensgefährlich

Ein Bericht von Ursula Bauer – März 2020

Rodentizide sind chemische Substanzen zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen. Wir nennen diese Produkte meistens einfach „Rattengift“. Sie wirken nicht nur bei den sogenannten „Zielorganismen“ todsicher, sondern gefährden alle Tiere, uns Menschen und unsere Umwelt.

Rodentizide werden vorrangig in fester Form als Fraßköder angeboten: zum Beispiel als Linsen oder Tabletten, als Paste oder als Überzug von Getreide. Die Giftköder enthalten unterschiedliche Substanzen. Der Großteil aller Rodentizide auf dem Markt, nämlich 95%, enthält Wirkstoffe, welche die Blutgerinnung hemmen – sogenannte Antikoagulantien. Zum Beispiel Vitamin-K-Antivitamine. Vitamin K wird zur Bildung von Gerinnungsfaktoren in der Leber benötigt. Das hochdosierte K-Antivitamin im Rattengift führt zu einem K-Vitaminmangel, was wiederum eine verminderte Blutgerinnung bedingt. Es kommt zu inneren Blutungen und einem teilweise tagelang andauernden, qualvollen Tod.

Nicht nur Nagetiere sind von Primärvergiftungen betroffen

Nicht nur die Zieltiere, also Mäuse und Ratten, können sich mit den blutgerinnungshemmenden Produkten vergiften, sondern auch alle Wirbeltiere (u.a. Fische, Reptilien, Vögel, Säugetiere) und auch Menschen. Nicht fachmännisch ausgelegt, können zum Beispiel gefräßige Hunde das Gift aufnehmen, die einfach alles verschlingen, was so herumliegt. Oder Vögel, die gerade Giftweizen sehr verlockend finden. Schlimmstenfalls ist auch ein neugieriges Kleinkind unterwegs, das sich in einem unbeobachteten Augenblick das Rodentizid in den Mund stopft.

Sekundärvergiftungen

Selbst wenn das Gift nicht direkt gefressen wird, kann es in den Körper zum Beispiel von Raubtieren wie Eulen, Bussarden und Iltissen gelangen, die verseuchte Mäuse und Ratten erbeuten. Die Wirkung der modernen Rodentizide setzt erst nach 3-7 Tagen ein, damit die schlauen Ratten keine Verbindung zum Fraßköder herstellen. In dieser Zeit verhalten sich die kontaminierten Tiere normal und werden daher als Beute gesehen. Auch durch Gift verendete Ratten und Mäuse stellen eine Gefahr dar, wenn sie nicht schnell beseitigt werden. Aasfresser wie Krähen und Füchse nehmen sie gerne als willkommene Mahlzeit und vergiften sich dadurch selbst.

In zahlreichen wissenschaftlichen Studien aus Europa und anderen Kontinenten wurden Rückstände vor allem von Antikoagulantien der 2. Generation (siehe Kasten Seite 38) in Wildtieren wie Eulen, Füchsen, Iltissen und Mäusebussarden nachgewiesen. In Deutschland fand man die Wirkstoffe sogar in Fischen. Zum Teil zeigen die Untersuchungen, dass ein erschreckend hoher Anteil Tiere betroffen ist: zum Beispiel 361 von 430 untersuchten Raubvögeln in Dänemark oder 99 von 115 Füchsen in Nordirland.

Rodentizide mit Antikoagulantien sind gefährlich für die Umwelt

Vor allem Wirkstoffe der 2ten Generation belasten die Umwelt, da sie nicht oder nur sehr schwer abgebaut werden. Außerdem reichern sie sich im Organismus und somit in der gesamten Nahrungskette an. Wenn beispielsweise Iltisse regelmäßig vergiftete Ratten und Mäuse mit niedriger Giftkonzentration fressen, führt das in ihren Körpern zu einer immer höheren Schadstoffmenge. Bei Tieren am Ende der Nahrungskette wie etwa Greifvögeln, die unter anderem Iltisse fressen, summieren sich die Gifte dann zu immer größeren Werten.

Wir kennen das Problem mit biologisch kaum abbaubaren Giften zum Beispiel von dem 1972 in Deutschland verbotenen Schädlingsbekämpfungsmittel DDT. Es ist auch nach nunmehr 47 Jahren im Boden nachweisbar, reichert sich im Fettgewebe von Säugetieren an, tötet selbst in sehr niedriger Konzentration Wasserlebewesen und steht im Verdacht, Krebs zu erregen.

Jedes Tier reagiert anders auf Rodentizide. Hunde beispielsweise sind extrem empfindlich. Nehmen wir das gefährlichste Rattengift Brodifacoum. Während eine Maus erst bei einer Konzentration von 0,4 Milligramm pro kg Körpergewicht stirbt, tritt der Tod beim Hund schon bei einer Konzentration von 0,25 Milligramm pro kg Körpergewicht ein.

Grafik – Bioakkumulation
Den Vorgang der Anreicherung einer Substanz in einem Lebewesen durch Aufnahme über die Nahrung nennt man Bioakkumulation. – Foto: Ursula Bauer

Zulassungsverfahren

Jeder Wirkstoff in einem Schädlingsbekämpfungsmittel muss gemäß EU- Biozid-Verordnung (528/2012) genehmigt werden. An diesem Genehmigungsverfahren, welches unter anderem die Umweltrisiken eines Wirkstoffs untersucht, sind alle EU-Mitgliedsstaaten beteiligt. Die Erlaubnis einer Substanz erfolgt immer unter Auflagen (z.B. maximale Konzentration des Wirkstoffs, Anwendung nur durch Fachleute), welche die Mitgliedsstaaten umsetzen müssen. Erst dann darf ein Produkt damit hergestellt werden. Der fertige Rattengift-Artikel muss anschließend noch auf nationaler Ebene unter Berücksichtigung der EU Auflagen zugelassen werden. In Deutschland sind hierfür die Bundesstelle für Chemikalien (BfC) und Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zuständig. Die Zulassung beinhaltet die rechtsverbindlichen Anwendungsbestimmungen, die Teil der Gebrauchsanweisung des Produktes sind. Nun darf das Rodentizid Produkt vermarktet werden. Und hier entstehen die Probleme, denn der Verkauf der Rattengifte mit Antikoagulanzien ist nicht gesetzlich geregelt.

Genehmigung aus Mangel an Alternativen

Aufgrund ihrer Gefährlichkeit für die Umwelt, für Menschen und Nichtzieltiere sind Rodentizide mit Antikoagulantien der 2ten Generation im Grunde nicht zulassungsfähig. Darüber sind sich auch die EU-Mitgliedsstaaten einig. Daher wird auch alle 5 Jahre geprüft, ob es eine risikoärmere Alternative gibt. Da dies bisher leider nicht der Fall ist, werden blutgerinnungshemmende Rodentizide immer wieder genehmigt: zuletzt im Jahr 2017 für weitere 5 Jahre.

Es gibt zwei Generationen von Rodentiziden mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen:

Generation 1
(Wirkstoffe: Warfarin, Coumatetralyl, Chlorophacinon)

  • Die zu bekämpfenden Tiere müssen in der Regel mehrmals von den Ködern fressen, um die tödliche Dosis aufzunehmen.
  • Oft wirkungslos, da Ratten und Mäuse Resistenzen ausgebildet haben.
  • Anwendungsbestimmungen: Produkte können nicht nur von Fachleuten mit und ohne Sachkundenachweis, sondern auch von der breiten Öffentlichkeit (allerdings nur im privaten häuslichen Bereich) verwendet werden.

Generation 2
(Wirkstoffe: Bromadiolon, Brodifacoum, Difenacoum, Flocoumafen, Difethialon)

  • Äußerst giftige und hochwirksame chemische Mittel.
  • Werden auch über die Haut oder die Atemwege aufgenommen, müssen also nicht unbedingt verschluckt werden.
  • Anwendungsbestimmungen: Produkte mit diesen Wirkstoffen dürfen seit 2013 nur noch im Fachhandel verkauft und auch nur noch von ausgebildeten Schädlingsbekämpfern, teilweise zusätzlich mit Sachkundenachweis, verwendet werden.

Risikominimierungsmaßnahmen sind unzureichend

Im Rahmen des Zulassungsverfahrens wird versucht, vor allem die Antikoagulantien der 2ten Generation durch entsprechende Vorgaben sicherer zu machen. So dürfen Produkte mit bestimmten Wirkstoffen nur von festgelegten Personengruppen und nicht von der breiten Öffentlichkeit verwendet werden. Ferner ist es untersagt, die Mittel gegen andere Tiere als die in den Präparten beschriebenen sogenannten Schadnager (Ratten und Mäuse) anzuwenden. Außerdem sind die Anwendungsvorschriften einzuhalten in denen unter anderen beschrieben wird, wie und wo das Produkt ausgelegt werden darf. 

Aber selbst offizielle Stellen bemängeln, dass trotz entsprechender Vorgaben die gefährlichen Schädlingsbekämpfungsmittel häufig falsch angewendet werden. Sowohl von Fachleuten als auch von Privatpersonen. Vielleicht, weil die Gebrauchsanweisungen und Sicherheitsdatenblätter nicht gelesen oder nicht verstanden werden, oder weil einfach zu sorglos mit den tödlichen Giften umgegangen wird. Da werden zum Beispiel ausschließlich für den Innenbereich vorgesehene Fraßköder auch draußen ausgelegt, vergiftete Weizenkörner nicht in den vorgeschriebenen Köderboxen deponiert, sondern einfach verstreut oder feuchtigkeitsempfindliche Produkte in der Kanalisation eingesetzt. Zur nicht sachgemäßen Anwendung zählt auch, dass Reste der gefährlichen Produkte oder vergiftete Ratten und Mäuse nicht ordnungsgemäß entsorgt werden und noch mehr verseuchte Kadaver als ohnehin schon in den Mägen von hungrigen Wild- oder Haustieren landen.

Beispiel für einen nicht ordnungsgemäßen Gifteinsatz

Hier wurden Ratten-Köderboxen in der Nähe von Mülltonnen an einem Wohnblock aufgestellt. Das dürfen nur Fachleute. Und diese müssen immer entsprechende Warnschilder mit Angaben zur Schädlingsbekämpfungsfirma und zum ausgelegten Gift aufstellen.

Köderboxen für mehr Sicherheit?

Viele Hersteller behaupten, dass Ratten- und Mäusegift für andere Tiere ungefährlich ist, wenn Köderboxen verwendet werden. Das stimmt aber nicht, weil die meisten Gifte erst nach 3-7 Tagen wirken. Die Zieltiere fressen in der Box das Gift und laufen wieder nach draußen, wo sie eventuell von anderen Tieren gefressen werden können, die dann Sekundärvergiftungen erleiden können.

Wer möchte, kann sich jedes Gift besorgen

Im Rahmen der deutschen Zulassungsverfahren wird versucht, vor allem die Antikoagulantien der 2ten Generation durch entsprechende Anwendungsvorschriften sicherer zu machen. So dürfen die Produkte nur von bestimmten Personengruppen verwendet werden, welche die Mittel auf eine ganz bestimmte Weise und auch nur gegen sogenannte Schadnager auslegen dürfen.

Aber alle Vorschriften und Bestimmungen sind sinnlos, wenn jedermann sich jede Substanz im Internet beschaffen kann. Wir haben ein wenig recherchiert und sind sehr schnell auf ein Angebot gestoßen: Giftweizen mit dem Wirkstoff Brodifacoum, ausdrücklich frei verkäuflich! Brodifacoum ist das potenteste, verfügbare Rattengift überhaupt. Als Antikoagulanz der 2ten Generation darf Brodifacoum zu Recht nur von berufsmäßigen Verwendern (z.B. professionelle Schädlingsbekämpfer) benutzt werden und darf nur in verschließbaren, stabilen Köderboxen ausgelegt werden. Und jetzt dieses Angebot im Internet. Mit einem Klick kann das hochgefährliche Produkt entgegen der gesetzlichen Bestimmungen bestellt und natürlich auch verwendet werden. Zum Vergiften von Ratten und Mäusen oder von Hunden und Tauben. Wer kann das kontrollieren?

In der EU-Zulassung von Giften enthaltenen Auflagen ist zu lesen, dass diejenigen, welche die jeweiligen Produkte anbieten, dafür Sorge zu tragen haben, dass sie nur von den gesetzlich festgelegten Personengruppen verwendet werden. Manche Anbieter nehmen das auch sehr ernst und verlangen vor der Auslieferung eines Rattengiftes mit Antikoagulatien der 2. Generation die Zusendung eines Sachkundenachweises und/oder einer Lizenz. Anders in unserem Beispiel, welches beileibe kein Einzelfall ist. Entweder kennt der Anbieter die Bestimmungen nicht, oder er ignoriert sie. Wir haben sofort das für den Anbieter zuständige Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit darüber informiert, dass hier ein gefährliches Gift verbotenerweise der Allgemeinheit angeboten wird.

Die Gefahr des Missbrauchs von Rattengiften ist sehr groß und betrifft nicht nur reglementierte Produkte, sondern auch die regulär zum Beispiel in Baumärkten von der Öffentlichkeit zu erwerbenden Nagerbekämpfungsmittel.

Wer Produkte einsetzt, ohne zur entsprechenden Verwendergruppe zu gehören, oder sich nicht an den Anwendungsbereich und/oder die Anwendungsbestimmungen hält, handelt ordnungswidrig und kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro bestraft werden.

Warum werden Ratten und Mäuse bekämpft?

Es gehört wohl einfach zur Realität, dass Ratten und Mäuse, wenn sie in Massen auftreten, Probleme verursachen können. Ein Rudel Nager im Haus kann Kabel anfressen und Wände aushöhlen, Ratten im Vorratskeller oder in der Futterkammer eines Tierheims oder Reitstalls große Schäden anrichten. Nicht zu vergessen sind unter anderem Lebensmittelbetriebe, Mülldeponien, Mühlen und landwirtschaftliche Betriebe. Die Nager können nicht nur wirtschaftlichen Schaden verursachen, sondern sollen auch gefährliche Krankheiten wie Leptospirose, Salmellose, Fleckfieber (Typhus), Tollwut, Trichinose und Tuberkulose übertragen. Auf Menschen, Haus- und Nutztiere. Oft ist es unumgänglich, dass chemische Mittel eingesetzt werden, aber im kleinen privaten Bereich sollten wir nach Möglichkeit auf Alternativen zurückgreifen, wenn sich zum Beispiel eine Mäusefamilie im Haus eingenistet hat.

Giftige Alternative?

Alpha-Chloralose, ein neuer Wirkstoff, den es als Paste oder als Überzug von Getreide gibt, wird immer wieder als besonders human bei gleichzeitig guter Wirksamkeit angepriesen. Es handelt sich hierbei um ein frei verkäufliches Hypnotikum (Schlafmittel) zur Bekämpfung von Mäusen. Anders als bei den beschriebenen Antikoagulanzien, bei denen die vergifteten Tiere erst nach Tagen langsam und quälend innerlich verbluten, wirkt Alpha-Chloralose wie ein Schlafmittel und führt durch Absenkung der Körpertemperatur und Verlangsamung aller Körperfunktionen zum Koma und schließlich zum Tod. Und dass innerhalb weniger Stunden. Hört sich gut an.

Die Hersteller weisen auch immer wieder darauf hin, dass Alpha-Chloralose für Haustiere und folglich auch für Raubtiere und Aasfresser ungiftig sei. Praktizierende Tierärzte sind da jedoch ganz anderer Meinung, und es gibt inzwischen schon diverse tiermedizinische Internetseiten, die vor dem Wirkstoff warnen und mögliche Behandlungen bei Vergiftungen beschreiben. Vergiftungssymptome bei Hunden und Katzen sind unter anderem: Seitenlage, Krampfen/Zittern, Untertemperatur, extreme Schreckhaftigkeit sowie eng stehende, schlitzförmige Pupillen. Hunde sollen außerdem stark speicheln. Zum Tod kommt es schließlich entweder durch Unterkühlung oder durch Atemstillstand nach einem Krampfanfall.

Also doch kein humanes Gift ohne Risiken. Derzeit soll es sogar vermehrt zu Alpha-Chloralose-Vergiftungen bei Heimtieren kommen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Produkt entgegen der ausdrücklichen Anweisung in der Packungsbeilage nicht nur in geschlossenen Räumen, sondern auch im Außenbereich verwendet wird. Und dann sind neben unseren Haustieren auch Wildtiere durch Sekundärvergiftungen gefährdet. Also besser FINGER WEG!

Alternativen zum Gift!

Lebendfallen

Hier werden die Mäuse oder Ratten mit Futter in die Fallen gelockt, bleiben unverletzt und können in einer möglichst großen Entfernung (mindestens 1 km) wieder freigelassen werden. Als Köder ist Käse übrigens heutzutage nicht mehr attraktiv. Bewährt haben sich vielmehr Nusskerne, Schokolade oder mit Erdnussbutter vermischte Haferflocken. Die Lebendfallen sollten immer entlang von Wänden aufgestellt werden, da Mäuse ungern Räume durchqueren.

Wirkung: Wenn man es richtig macht und den Geschmack der Nager trifft, recht effektiv. Nachteil: Diese Methode eignet sich nur für eine oder wenige zu fangende Nager.

Natürliche Methoden

Zum Beispiel Pfefferminze, Lavendel oder Abwehrsprays mit ätherischen Ölen. Sollen Mäuse und Ratten vertreiben. Wirkung: Ein Versuch lohnt sich, da es sich um ungefährliche Substanzen handelt. Der Erfolg ist jedoch eher fraglich.

Ultraschallgeräte

Hier sollen Mäuse und Ratten durch Ultraschallwellen in die Flucht gejagt werden. Die Geräte scheinen für Menschen und Haustiere ungefährlich zu sein (und nicht als störend empfunden werden). Wirkung: Die Meinungen von Nutzern gehen auseinander und reichen von „wirkungslos“ bis „alle Mäuse weg“. Der Versuch in unserer Geschäftsstelle in Berlin war nicht von Erfolg gekrönt.

Schlagfallen

Die altbekannte Mausefalle, bei der der Maus oder Ratte durch einen zurückschlagenden Metallbügel das Genick gebrochen wird, kennt wohl jeder. Wirkung: Der Tod durch Genickbruch geht schnell. Wenn man entschlossen ist, die Tiere zu töten oder die Populationen recht groß sind, sind Schlagfallen dem Einsatz von blutgerinnungshemmenden Giften, die einen langsamen und qualvollen Tod bringen, bestimmt vorzuziehen.

Klebefallen

Hierbei handelt es sich im Prinzip um ein unglaublich starkes Klebeband in einem kleinen Schutztunnel, welches mit einem Lochstoff (z.B. Vanille) behandelt wurde. Wirkung: soll sehr wirksam sein. Aber die festgeklebten Mäuse verenden langsam und qualvoll. Manche beißen sich die festsitzenden Füßchen ab. Diese Fallen sind Tierquälerei. Der Einsatz ist gemäß Tierschutzgesetz §4 verboten. Dennoch sind sie freiverkäuflich.

Vorbeugungsmaßnahmen (Präventionsmethoden)

  • Mögliche Zugänge (Löcher, Spalten, Kabelschächte) für Nager verschließen.
  • Tatsächlich können Ratten auch über die Kanalisation (z.B. Toilette) hereinkommen. Hier gibt es entsprechende Schutzvorrichtungen, die leicht eingebaut werden können.
  • Keine Lebensmittelreste durch die Toilette entsorgen!
  • Nahrungsquellen (Kompost, Abfall, Tierfutter, Lebensmittel usw. für Nager unzugänglich machen)
  • Versteckmöglichkeiten (z.B. Abfall- und Gerümpelberge) entfernen und ggf. auch Gebüsche unmittelbar an Gebäuden auslichten.

Das können Sie tun:

  • Melden Sie Ihrer Hausverwaltung sofort, wenn Sie Köderboxen ohne Warnhinweis oder frei ausgelegtes Rattengift finden.
  • Sie können herumliegendes vermeintliches Gift auch vorsichtig (mit Handschuhen, bitte Einatmen vermeiden) einsammeln und in einer dichten Plastiktüte sicher verschlossen zur nächsten Polizeistation bringen und Anzeige erstatten.
  • Bei größeren Giftmengen bitte Polizei und lokales Umweltamt verständigen.
  • Wenn Sie tote Ratten und/oder Mäuse finden, die keine Verletzungen aufweisen, welche auf einen natürlichen Tod hindeuten, könnte es sich um vergiftete Tiere handeln. Diese bitte mit Handschuhen in zwei Plastikbeutel sicher einschließen und im Hausmüll entsorgen oder in die Tierkörperbeseitigungsanlage bringen. Dadurch verhindern Sie, dass Tiere, die die Kadaver fressen, Sekundärvergiftungen erleiden.
  • Achten Sie auf Ihr Haustier! Sollte es besonders müde sein und/oder blutig erbrechen, muss es sofort zum Tierarzt. Auch bei schwachen Symptomen. Je schneller eine Behandlung (meist mit Vitamin K1, da dies dem durch das Antikoagulanz verursachten Vitamin K-Mangel entgegenwirkt) erfolgt, umso besser sind die Überlebenschancen.
  • Sprechen Sie Ihren Tierarzt bei Verdacht auf eine Vergiftung auch auf das Mäusegift „Alpha-Chloralose“ an, damit er einen Behandlungsversuch starten kann!

Schlussbemerkung

Es ist nicht leicht, als Tierfreund über das Thema Rattengift zu schreiben. Allein die Fachsprache ist so weit weg von der eigenen Denkweise, in der Begriffe wie „Schadnager“ und „Schädling“ nicht vorkommen. Vor allem Ratten sind äußerst intelligente, soziale Tiere, und es bedarf vieler kluger Köpfe, sie mit einem besonders hinterhältigen Gift am Ende doch zur Strecke zu bringen. Die Energie, die in die Entwicklung immer potenterer Wirkstoffe besteckt wird, sollte man meines Erachtens besser für die Ursachenforschung und entsprechende Lösungen nutzen. Fakt ist, dass der Mensch (wie immer) die Ursache des Problems ist, welche ich unter anderem in der Massentierhaltung, in landwirtschaftliche Monokulturen und in unserer Wegwerfgesellschaft sehe. In der Massentierhaltung können sich Erkrankungen zu Seuchen entwickeln, in Monokulturen fehlen Fressfeinde, so dass sich „Schädlinge“ ausbreiten und von dem, was wir täglich wegwerfen, können sich nicht nur Mäuse und Ratten dick und vollfressen. Wir sind die Verursacher des „Nagerproblems“ und mehr als Gift fällt uns nicht ein. Doch – noch mehr Gift. Ironischerweise vergiften wir uns dabei selbst.

Ich hoffe, dass Sie, liebe Leser, im Fall der Fälle eine geeignete Alternative finden. Die süßeste Waffe gegen störende Mäuse und Ratten ist sicherlich eine Katze – am besten aus dem Tierheim.