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Ist Fleisch ein Umweltkiller?

von Jan Peifer. Für den Verbraucher ist das abgepackte Stück Fleisch in der Supermarkt-Kühltheke mittlerweile zum Alltag geworden. Wo es aber herkommt, wie es entsteht, das sieht man ihm nicht an. Die Werbung lockt vollmundig mit dem Fleisch als Stück Lebenskraft – doch was steckt wirklich drin an Lebenskraft, an Energie? Und wie viel Energie ist nötig, um es überhaupt zu produzieren? Das letzte, was der Kunde im Supermarkt mit dem oft allzu billigen Fleisch in Verbindung bringt, ist das Lebewesen Tier, von dem es stammt. 

Doch der Anfang der Kette liegt weit zurück; mit dem Anstieg der industriellen Massentierhaltung steigt auch der Bedarf an Futtermitteln. Neben Tiermehl, im Wesentlichen pflanzliche Biomasse. So werden zum Anbau von Futtermais, Sojapflanzen und Futtergetreide immer neue Ackerflächen gerodet. Vor allem in Südamerika werden jährlich immer noch etwa 16 Millionen Hektar Regenwald vernichtet, um Holz, Zellstoff und Platz für noch mehr Rinder zu gewinnen, sowie Felder zum Anbau von Futterpflanzen als Grundnahrung für diese Tiere zu schaffen. Mit dem Regenwald gehen Lebensräume unzähliger Arten unwiederbringlich verloren; gleichzeitig treibt die Rodung den Treibhauseffekt an, da enorme Kapazitäten für die Bindung von CO2 verloren gehen.

Die Fleischproduktion wächst hier unaufhaltsam, wie ein Blick auf die Exporte von Rindfleisch aus Brasilien deutlich macht: Wurden im Jahr 2005 noch 304 600 Tonnen auf dem Weltmarkt abgesetzt, sind es im Jahr 2007 schon über 455 000 Tonnen – eine Steigerung um mehr als 50 Prozent. Bei der so genannten „Veredelung der Nährstoffe“, der Verwertung der pflanzlichen Nährstoffe durch das Tier, gehen ca. 80-90 Prozent der pflanzlichen Eiweiß-Stoffe, der pflanzlichen Proteine sowie 100 Prozent der Ballaststoffe verloren.

Für ein Kilo Fleisch benötigt man 20 Kilo Pflanzen

So benötigt man zur Produktion von einem Kilo Fleisch im Durchschnitt etwa 20 kg pflanzliche Masse. Nach Angaben von Umweltorganisationen wird bereits heute die Hälfte des weltweit verfügbaren Ackerlandes als Weideland und Ackergrund für den Futteranbau genutzt. Die Fleischproduktion verschlingt jedes Jahr mit 660 Millionen Tonnen Getreide mehr als ein Drittel des Weltgetreideverbrauches. Der Getreidepreis steigt mit der wachsenden Fleischproduktion, was zur Verschärfung der Probleme bei der Nahrungsmittelversorgung in Drittwelt- und Entwicklungsländern führt. Deutlich macht dies ein einfaches Experiment: Schon die in den USA für die Fleischproduktion verwendete Getreidemenge würde ausreichen, jeden Menschen weltweit mit einer täglichen Ration zu versorgen, die das Überleben sichern könnte. Da aber vor allem die reichen Industrieländer auf ihren Fleischkonsum offenbar nicht verzichten wollen, ist mittlerweile weltweit die gleiche Anzahl an Menschen vom Tod durch Unter- oder Mangelernährung bedroht wie durch Übergewicht. Obwohl die Verkaufspreise weiter sinken, ist Fleisch ein Luxusgut geworden, das reicheren Ländern „Genuss“ auf Kosten der Armen beschert.

Doch es gibt noch einen Aspekt, unter dem die Massentierhaltung kritisch gesehen werden muss – abgesehen von grundsätzlichen, ethischen Problemen. Eine im Rahmen des UN-Klimagipfels im Jahr 2008 veröffentlichte Studie der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO zeigt auf, dass 18 Prozent der weltweit freigesetzten Treibhausgase von etwa 1,5 Milliarden Rindern, 1,7 Milliarden Schafen und Ziegen sowie unzähligen Schweinen und Geflügel erzeugt werden – und damit mehr als vom gesamten Transportsektor. Japanische Forscher haben ausgerechnet, dass ein Kilo Fleisch die Entstehung von 36 kg Kohlendioxid bedeutet, das entspricht einer Fahrt von 250 km mit einem Durchschnittsauto.

Angesichts des weltweit steigenden Fleischkonsums stellt sich immer dringlicher die Frage: Wo soll das noch hinführen? Nach Statistiken der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle in Bonn (ZMP) konsumierte im Jahre 2003 jeder Deutsche 93,9 kg Fleisch – 1950 waren es noch knapp 26 kg pro Kopf. Die Ausgaben der Verbraucher für Fleisch sanken zwar im Zeitraum 1998 bis 2003 unwesentlich um 1,7 Prozent, bildeten aber 2003 mit immer noch 24 Prozent den größten Anteil an den Ausgaben für Nahrungsmittel.