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Tierquälerei erster Klasse Die Weihnachtsgans

Foto: © aktion tier e.V.

Von Jan Peifer, Dezember 2010. Gerade in der Vorweihnachtszeit ist Gänsefleisch beliebt, als Gänsebraten und „Martinsgans“ kommt es traditionell auf den Teller, Foie gras gilt immer noch als Delikatesse – der Konsum zur Weihnachtszeit macht fast die Hälfte des Jahresgeschäftes aus. Woher das Fleisch in der Kühltheke aber stammt, was hinter der Leberpastete steckt, ist vielen Verbrauchern unbekannt.

Zwar ist die Produktion von Gänsestopfleber in Deutschland durch das Tierschutzgesetz verboten, Import und Verkauf sind jedoch erlaubt. Der neben Ungarn und Bulgarien wichtigste Produzent von Stopfleber in Europa (und gleichzeitig weltweit) ist Frankreich – bis zu 80 % der gehandelten Produkte aus Stopfleber stammen aus dem Nachbarland. Der grausamen Prozedur des „Stopfens“ fallen unzählige Enten und Gänse zum Opfer, alleine Deutschland importiert jährlich ca. 150 Tonnen französische Stopfleber – bis zu 50 % des Geschäftes werden auch hierzulande zur Weihnachtszeit gemacht. Zahlreiche Beobachtungen belegen, dass die Vögel während der Zeit des Stopfens zu Tode gemästet werden, sie werden jedoch in der Regel geschlachtet, bevor sie an den Folgen der Mast und der Zwangsverfettung der Leber sterben. Das Fleisch der Tiere bietet für die Stopfmäster ein lukratives Nebengeschäft: „Gans aus bäuerlicher Haltung“, „Ungarische Hafermastgans“ oder „aus kontrollierter Haltung/Aufzucht“ sind Bezeichnungen, die nicht geschützt sind. Häufig findet nur der aufmerksame Verbraucher im Kleingedruckten den Hinweis „aus Stopfmast“: ca. 6000 Tonnen Gänsefleisch aus Stopfmast importierte Deutschland 2008, der größte Teil wird auch derzeit als Keule oder Brustfleisch eingeführt. Die meisten Verbraucher lehnen die Stopfleber zwar ab, viele unterstützen aber mit dem Kauf des Fleisches die Produktion. Dabei kann der Verzehr von Geflügelfleisch aus den unterschiedlichen Formen der industriellen Massentierhaltung nicht nur Gewissensbisse, sondern durchaus sogar gesundheitliche Risiken für den Konsumenten bedeuten, wie Experten warnen. Viele Tiere werden (teilweise trotz Verbot) daher auch mit Antibiotika behandelt, um die Qualen der Mast bis zur Schlachtung zu überstehen. Im schlimmsten Fall können diese Medikamente auch beim Menschen lebensgefährliche Resistenz gegen Krankheitserreger hervorrufen.

In den vergangenen Jahren konnte die Nachfrage nach Gänsefleisch in Deutschland nur zu maximal 20 % aus eigener Produktion gedeckt werden, über drei Viertel des hier verzehrten Gänsefleisches werden aus dem meist osteuropäischen Ausland importiert. Besonders Polen und Ungarn gehören zu den Hauptexporteuren; das Risiko, beim Griff in die Kühltruhe Fleisch von Tieren aus der Stopfmast zu finden, ist also erheblich. Herkunft und Aufzucht der Tiere werden zudem oft bewusst verschleiert oder gar nicht angegeben. Wird eine deutsche Mastgans teilweise noch ca. ein halbes Jahr auf der Weide gemästet, gelangt gerade das Fleisch der Tiere aus der Stopfmast nach oft nur 9-15 Wochen in die Supermärkte. Tierschützer bemängeln allerdings auch in Deutschland eine fehlende, bundesweit einheitliche Haltungsverordnung für Mastgänse. Gerade in der letzten Zeit der Mast werden die Tiere oft auf viel zu kleinem Raum eingepfercht. Daher rät auch aktion tier besonders zu Weihnachten, genau auf die Herkunft des Fleisches zu achten oder besser noch ganz darauf zu verzichten, um nicht (unwissentlich) Tierquälerei zu unterstützen und zu finanzieren. Wer nicht auf den Gänsebraten verzichten kann, der sollte ihn beim regionalen Bauern frühzeitig vorbestellen und sich am besten bei der Abholung vor Ort von der artgerechten Haltung der Tiere überzeugen.

© Ursula Bauer

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