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Weihnachten ganz ohne Tierleid„Gans“ schön gemein

Gänsemastanlage in Deutschland
Gänse werden in Deutschland meist in riesigen Betrieben gehalten und gemästet. Foto: © Jan Peifer
Gänsemastanlage in Deutschland
Gänse werden in Deutschland meist in riesigen Betrieben gehalten und gemästet. Foto: © Jan Peifer
Gänsen wird täglich ein Metallrohr über den Hals in den Magen geschoben.
In engen Käfigen leben die Tiere, täglich wird ihnen ein Metallrohr über den Hals in den Magen geschoben. Foto: © Jan Peifer
Für die Produktion von „foie gras“ werden die Gänse (und Enten) zwangsernährt.
Für die Produktion von „foie gras“ werden die Gänse (und Enten) zwangsernährt. Foto: © Jan Peifer
Verbotene Gänsehaltung in Deutschland
Diese Haltung ist aus Tierschutzgründen bereits seit Jahren in Deutschland verboten, dennoch findet sich das Fleisch der gequälten Tiere in fast allen deutschen Supermärkten. Foto: © Jan Peifer
Verbotene Gänsehaltung in Deutschland
Diese Haltung ist aus Tierschutzgründen bereits seit Jahren in Deutschland verboten, dennoch findet sich das Fleisch der gequälten Tiere in fast allen deutschen Supermärkten. Foto: © Jan Peifer
 
 

Über das Jahr spielt Gänsefleisch für viele Verbraucher keine große Rolle – doch zur Weihnachtszeit ist die Gans vielerorts kaum wegzudenken. Das Gänseessen zu Weihnachten, die Martinsgans oder auch die Gänseleberpastete am festlichen Büffet – der Konsum von Gänsefleisch zu Weihnachten macht fast die Hälfte des Jahresgeschäfts aus. Woher das Fleisch der Tiere stammt oder was sich hinter „foie gras“, der Gänseleberpastete, verbirgt, ist aber vielen Verbrauchern nicht bewusst.

Ein Bericht von Jan Peifer

Dabei ist die Produktion von foie gras als eine der schlimmsten denkbaren Formen von Tierquälerei in Deutschland verboten: Hierfür werden Gänse zwangsernährt. Mit langen Metallrohren wird ihnen ein Brei aus Mais und Pfeffer mehrmals am Tag direkt in den Magen gepumpt. Das sogenannte Stopfen oder auch „Nudeln“ bewirkt ein krankhaftes Wachstum der Leber, denn hier lagern Gänse ebenso wie andere Vögel überschüssiges Fett ein. Die Tiere werden im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode gemästet, in der Regel werden sie nach etwa zweieinhalb Monaten geschlachtet, bevor sie an den Folgen der Mast verenden würden – die natürliche Lebenserwartung von Gänsen liegt bei bis zu über 20 Jahren.

Neben Bulgarien und Ungarn ist der größte Produzent von foie - gras Frankreich. Besonders grotesk: Auch in Frankreich ist die grausame Tortur eigentlich verboten. Da der Stopfleber jedoch ein ganz besonderer Stellenwert als Kulturgut zugesprochen wird, findet das Tierschutzgesetz keine Anwendung und wird ausgehebelt. Und so stammen bis zu 80 % der Stopfleber, die auch in Deutschland verkauft wird, aus französischer Produktion. Obwohl der deutsche Gesetzgeber ebenso wie viele andere europäische Länder (darunter Dänemark, Finnland, Italien, Luxemburg, Norwegen, Polen und Großbritannien) die Herstellung nicht erlaubt, sind Import und Handel durch den freien EU-Binnenmarkt völlig legal. Viele Verbraucher lehnen foie gras mittlerweile dank der Aufklärung von Tier- und Verbraucherschützern ab. Doch unterstützen viele Konsumenten die Produktion weiterhin, ohne es zu bemerken. Denn das Geschäft mit den Stopfgänsen beschränkt sich nicht auf die Leber der Tiere. Ebenso vermarktet werden ihr Fleisch und auch die Daunen, die als Abfallprodukt zuhauf etwa in günstigen Federkissen landen.

Seit Jahren bemängeln Tierund Verbraucherschutzorganisationen in diesem Zusammenhang fehlende oder mangelhafte Kennzeichnungspflichten: Viele Produkte führen Verbraucher in die Irre. Bezeichnungen wie „bäuerliche Aufzucht“, „traditionelle Landwirtschaft“ o.ä. finden sich nahezu auf jedem Gänsefleischprodukt. Sie vermitteln ein Gefühl von Idylle, doch meist bedeuten sie genau das Gegenteil. Solche Bezeichnungen sind nicht geschützt und werden auch nicht überwacht – sie dienen nur der Manipulation der Kunden und sollen den Absatz fördern. Zwar müssen mittlerweile die Herkunft und die Verarbeitung von Gänsefleischprodukten nachvollziehbar sein.

Doch nicht alle Produktionsschritte (Aufzucht, Schlachtung, Zerlegung, Verarbeitung und Verpackung) finden an einem Standort, häufig nicht einmal im gleichen Land, statt. Schnell lässt sich die wahre Herkunft so verschleiern. Darüber hinaus ist auch der Hinweis auf die Haltungsform nicht verpflichtend, der Hinweis „Produkt aus Stopfmast“ findet sich daher, wenn überhaupt, oft nur im Kleingedruckten.

Ein deutlicher Hinweis auf Ursprung und Qualität des Fleisches ist indes der Preis. Da das Fleisch von Stopfgänsen durch den Verkauf der Fettlebern mitfinanziert wird, kann dieses deutlich günstiger angeboten werden. Ein Kilogramm Gänsefleisch im Discounter kostet nur wenige Euro – ein Kilogramm Gänsefleisch aus kontrollierter und zertifizierter Haltung kostet leicht das Zehnfache. Neben dem Preis ist eine solche Herkunft auch anhand des Biosiegels erkennbar. Hier ist die Stopfmast ebenso ausgeschlossen, allerdings kann auch hier die Nachfrage aus der heimischen Produktion längst nicht mehr gedeckt werden. Auch Biogänse werden geschlachtet, und auch sie haben nur noch ein kurzes Leben. Der einzig konsequente Weg, kein Tierleid zu unterstützen, ist daher der Verzicht auf Gänsefleisch und alle anderen „Produkte tierischen Ursprungs“, wie etwa Daunen und Federn. Sowohl in der Textilproduktion als auch in der Nahrungsmittelindustrie gibt es mittlerweile genügend Alternativen, die keinerlei Verzicht mehr bedeuten – und obendrein ein gutes Gewissen beim Weihnachtseinkauf und Festtagsessen ermöglichen.

Im Durchschnitt verspeist jeder Bundesbürger pro Jahr rund 400 Gramm Gänsefleisch, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sowie des Zentralverbands der deutschen Geflügelwirtschaft werden insgesamt knapp 25.000 Tonnen Gänsefleisch jährlich verzehrt. Allerdings stammen etwa 85 % davon nicht aus Deutschland, sondern werden importiert, hauptsächlich aus Ungarn und Polen.

© Ursula Bauer

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