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NRW will mehr TierschutzDas Kükenschreddern soll verboten werden

Von Jan Peifer, Dezember 2016. Die Eierindustrie freut sich seit Jahren über einen stetig steigenden Konsum von Hühnereiern. 2015 lag dieser in Deutschland bei 233 Eiern pro Kopf und Jahr (im Einzelhandel verkaufte Schaleneier sowie verarbeitete Eier).

wachsenden Nachfrage haben sich auch die Anforderungen an die Legehennen verändert, diese müssen so viele Eier legen wie nie zuvor. Die deutschen Eiererzeuger allein können diesen Bedarf dennoch nicht decken – rund ein Drittel der hier verkauften Eier wird importiert. Noch vor wenigen Jahren mussten mehr als 90% aller Legehennen im Käfig leben, dies hat sich mit der Einführung des Herkunftsstempels mittlerweile glücklicherweise geändert. Doch auch von der Änderung der Haltungsbedingungen für einen Großteil der Hühner bleibt ein grundlegendes Problem ungelöst und unberührt. Denn ob in Käfig-, Freiland- oder Biohaltung: Eier legen können nur weibliche Hennen, ihre männlichen Geschwister bleiben für die Eierindustrie uninteressant. Da sie weniger Fleisch ansetzen als Hühnerrassen, die für die Fleischproduktion gezüchtet und gemästet werden, sind sie auch als Masthühnchen nicht rentabel. Die Folge: Da männliche Küken von Legehennen in der modernen Landwirtschaft nicht gewinnbringend eingesetzt werden können, werden sie in der Regel unmittelbar nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet. Selbst hier werden noch Kosten gespart. Jedes Jahr werden allein in Deutschland rund 50 Millionen männliche Küken an ihrem ersten Lebenstag vergast oder lebendig geschreddert („gemust“) und anschließend z.B. zu Tierfutter verarbeitet. Diese grausame Praxis ruft Tierschützer seit Jahren auf den Plan.

Als erstes Bundesland hatte Nordrhein-Westfalen daher schon 2013 das Kükenschreddern per Erlass verboten. Doch elf Brütereien klagten dagegen, mit Erfolg. Das Töten der männlichen Küken sei durchaus mit dem Tierschutzgesetz in Einklang zu bringen, urteilte das Oberverwaltungsgericht in Münster. Denn es sei unmöglich, das Geschlecht der Tiere vor dem Schlupf zu bestimmen, und so seien die als Ausschuss anfallenden männlichen Küken ein unvermeidbarer Baustein in der Kette der Eiererzeugung, ihre Tötung daher mit dem vom Tierschutzgesetz geforderten „vernünftigen Grund“ ausreichend gerechtfertigt.

Mittels Infrarotmessung könnte das Geschlecht von Küken noch im Ei bestimmt werden Doch der grüne Umweltminister Nordrhein-Westfalens, Johannes Remmel, will diesen Entscheid nicht hinnehmen und kündigte an, im Notfall bis vor das Bundesverwaltungsgericht zu ziehen, um dem Kükenschreddern doch noch ein Ende zu bereiten. Dieser Weg allerdings kann lange dauern. Ein Hoffnungsschimmer für manchen Tierschützer ist indes eine Ankündigung von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Zwar hatte er noch im Frühjahr das Töten männlicher Küken als alternativlose Notwendigkeit verteidigt. Gleichzeitig hatte er jedoch angekündigt, sein Ministerium unterstütze die Entwicklung von wissenschaftlichen Methoden an den Universitäten von Leipzig und Dresden, um das Geschlecht der Küken schon kurz nach der Befruchtung der Eier mittels Infrarotmessung bestimmen zu können. Ursprünglich sollte diese Technik bis 2017 zur Verfügung gestellt werden, die Forscher rechnen jedoch mit der Massentauglichkeit mittlerweile nicht mehr vor 2020. Auch der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer kündigte daher an, in seinem Bundesland das Kükenschreddern noch vorher zu unterbinden. Eine Ankündigung mit Signalwirkung, denn nicht nur rund ein Drittel aller deutschen Eier stammt aus Niedersachsen. Hier findet sich auch insgesamt die höchste Dichte von landwirtschaftlich gehaltenen Tieren bundesweit. Bundesweit zeigen sich Tierschützer und auch Politiker optimistisch, ein Ende des Kükenschredderns wird wohl kommen.

Wer aber das mit dem Konsum von Eiern verbundene Tierleid nicht unterstützen möchte, der sollte schon heute auf Eier verzichten und auf die zahlreichen pflanzlichen Alternativen zurückgreifen, mit denen von „Rührei“ bis zum „Eiersalat“ schon jetzt längst kein Verlust auf dem Teller mehr einhergeht. 

Legehennen in Freilandhaltung
Foto: Ursula Bauer

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