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Die Hauspute

Pute auf der Wiese
Puten sind vorrangig am Boden unterwegs, können jedoch auch kurze Strecken fliegen. Foto: © Ursula Bauer
Ein Puter schlägt ein Rad.
Dieser männliche Bronze-Puter schlägt ein Rad, um den Weibchen zu imponieren. Foto: © Ursula Bauer
Puter mit Hautlappen
Männliche Puten haben besonders bunte und lange Hautlappen an Kopf und Hals. Foto: © aktion tier
Hybridputen in der Intensivmast
In der Intensivmast werden bis zu 10.000 Hybridputen pro Betreib gehalten. Foto: © aktion tier e.V.
Kelly Bronze-Puten
Kelly Bronze- Puten in Freilandhaltung. Foto: © aktion tier
 
 

Von Ursula Bauer, September 2015. Die Pute, auch Haustruthahn genannt, ist die domestizierte Form des aus Amerika stammenden wilden Truthahns (Meleagris gallopavo) und gehört zur Familie der Hühnervögel (Galliformes).

Ursprung und Biologie

Wilde Truthühner leben heute noch zum Beispiel in Kanada, den USA und Mexiko – vorrangig in lichten Wäldern, Savannen und Sumpfgebieten, inzwischen jedoch auch in der Nähe des Menschen beispielsweise in großen Parks. Die tag- und dämmerungsaktiven Vögel halten sich vorrangig am Boden auf und können schnell und ausdauernd laufen. Sie sind zwar flugfähig, schaffen allerdings nur kürzere Strecken. Die Nacht verbringen sie in Bäumen, wo sie Schutz vor Fressfeinden finden. Bei Truthühnern sind die Männchen mit einem Körpergewicht von bis zu 10kg deutlich größer und schwerer als die Weibchen (ca. 5kg). Auch die charakteristischen Hautlappen an Kopf und Hals sind bei männlichen Puten viel ausgeprägter als bei den Hennen. Man nennt diese vom Geschlecht abhängigen, gut erkennbaren Unterschiede im Erscheinungsbild Geschlechtsdimorphismus.

Truthühner leben natürlicherweise in lockeren Gruppen zusammen – die weiblichen Vögel mit ihrem Nachwuchs auf der einen Seite und reine Männchengruppen auf der anderen. Zur Paarungszeit gesellen sich die Hähne zu den Hennen  und vollführen Tänze, bei denen sie ihre Schwanzfedern zu einem Rad auffächern und laute Balzrufe ausstoßen.

Während des Winters tragen die männlichen Truthühner untereinander Rangkämpfe aus, bei denen die Tiere mit den buntesten und längsten Hautlappen an Kopf und Hals die besten Chancen haben. Jeder der dominanten Hähne begattet während der Paarungszeit in der Regel mehrere Weibchen. Diese bauen anschließend Nester am Boden, in welche jeweils 8-15 Eier abgelegt werden. Nach einer Brutzeit von ca. 28 Tagen schlüpfen die Küken, die als Nestflüchter bereits 1-2 Tage später mit ihrer Vogelmutter mitlaufen und selbstständig Futter suchen. Am Anfang ernähren sich die Küken ausschließlich von Insekten, ab einem Alter von ca. 6 Wochen werden sie dann zu Allesfressern und nehmen neben der tierischen Nahrung auch Blätter, Früchte, Samen und Wurzeln auf.

In freier Wildbahn liegt die Lebenserwartung von Truthühnern bei etwa 3 Jahren. In Gefangenschaft können sie jedoch über 10 Jahre alt werden.

Bezeichnungen

Das weibliche Tier wird Pute oder Truthennen genannt, das männliche Puter oder Truthahn. Die Jungen heißen Putenküken.

Nutzung und Haltungsformen

Wegen ihres Fleisches wurden Puten bereits im 15. Jahrhundert von den Azteken in Südamerika als Nutztiere gehalten. Später kamen sie dann mit spanischen Seefahrern nach Europa und zwischen 1530 und 1550 schließlich auch nach Deutschland. Puten sind unser größtes und schwerstes Hausgeflügel. Sie werden nicht in Rassen unterteilt, sondern in 12 anerkannte Farbschläge, die ihrerseits wieder in drei Gewichtsgruppen untergliedert sind: die schweren, mittelschweren und leichten Farbschläge.

> Qualzucht Hybridpute

Das fett- und kalorienarme Putenfleisch wird immer beliebter. Zur Fleischerzeugung werden in Deutschland sowohl in der Ökohaltung als in der konventionellen Intensivhaltung überwiegend Hybridzüchtungen (Kreuzungsprodukt zwischen verschiedenen Zuchtlinien) verwendet, wobei hierzulande fast ausschließlich die schwere, weiße Masthybridpute „B.U.T. Big 6“ gehalten wird. Traditionelle Putenschläge wie die „Bronze-Pute“ (z.B. Kelly Bronze) oder die „Cröllwitzer- Pute“ kommen außer in einigen wenigen Ökobetrieben nur noch in Hobbyhaltungen vor.

Die intensiv züchterisch bearbeitete Hochleistungs-Hybridpute erreicht in etwa 22 Wochen ihr Schlachtgewicht (Truthahn bis 21 kg, Truthenne bis 11 kg).

Diese Vögel sind etwa dreimal so schwer wie der wilde Truthahn. Durch das schnelle Wachstum, das unnatürlich hohe Körpergewicht und die überdimensionale Brustmuskulatur (die Putenbrust macht heute über 30% des gesamten Körpergewichtes aus) kommt es zu diversen körperlichen Problemen. So müssen diese Hybridputen künstlich besamt werden, da sie nicht mehr in der Lage sind, sich auf natürliche Weise zu vermehren. Puten, die zu schwer und daher zu unbeweglich sind, können ihr Gefieder nur noch teilweise selbst reinigen und verdrecken zusehends. Außerdem wachsen bei Hochleistungsputen die Muskeln schneller als ihre inneren Organe, was diverse Krankheiten bedingt. Die Mehrheit der Tiere leidet zudem an einer Beinschwäche und einer verminderten Knochenfestigkeit, so dass sich die Beine der Vögel unter dem zu schweren Körper verbiegen und ein normales, schmerzfreies Stehen und Laufen unmöglich wird. Auch schmerzhafte Gelenkveränderungen treten häufig auf – ebenfalls eine Folge der extremen Zucht.

Hybridputen sind auch bei optimalen Haltungsbedingungen gar nicht mehr in der Lage, ihre natürlichen Verhaltensweisen, wie beispielsweise das Aufsuchen erhöhter Sitzgelegenheiten als Schutz vor Bodenfeinden, auszuleben.

> Puten in der Intensivmast

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 460 Tausend Tonnen Putenfleisch produziert, was knapp 38 Millionen geschlachteter Puten entspricht (Quelle DESTATIS, 2013). Der Anteil der Puten in Freilandhaltung beträgt nur wenige Prozent, über 90% der Truthähne leben in spezialisierten Mastanlagen mit 5.000-10.000 Tieren pro Betrieb.

In der intensiven Putenmast werden die Tiere nach Geschlecht getrennt aufgezogen. In nur 22 Wochen wird beispielsweise aus einem männlichen Küken ein schlachtreifer Puter mit einem Mastendgewicht von 19 bis 22 Kilogramm. Zum Ende der Mast hin können sich die schwergewichtigen Hybridputen nicht mehr aufrecht halten. Häufig brechen die Beine unter dem Gewicht des Körpers, und es kommt zu schlimmen Verletzungen, die unbehandelt bleiben.

In Masthallen mit 10.000 und mehr Tieren sind arttypische Verhaltensweisen wie Scharren oder Flügelschlagen nicht möglich. Außerdem führt die bedrückende Enge bei den Vögeln zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus. Als Präventivmaßnahme wird den Putenküken ohne Betäubung der sensible Oberschnabel mittels eines glühenden Drahtes oder eines Laserstrahls abgetrennt. Diese Verstümmelung ist für die Tiere sehr schmerzhaft, da nicht nur Hornteile, sondern auch Teile des Oberschnabelknochens amputiert werden.

Tageslicht bekommen Puten in konventionellen Mastbetrieben nie zu Gesicht. Durch ein ausgeklügeltes Beleuchtungsprogramm mit Kunstlicht wird den Tieren in den fensterlosen Hallen fast permanent vorgegaukelt, dass „Tag“ ist. Diese langen Lichtphasen sowie keinerlei Bewegungs- oder Beschäftigungsmöglichkeiten bedingen bei den Puten eine abnorme, fast ununterbrochene Futteraufnahme, die schnell zu der gewünschten Gewichtszunahme führt.

Diese Tortur überleben viele Truthähne nicht. Die Sterblichkeitsrate während der Mast liegt zwischen 3-10%.

> Puten in Freilandhaltung

Hierzulande ist die gewerbliche Freilandhaltung von Puten äußerst selten anzutreffen und spielt lediglich im Rahmen der ökologischen Landwirtschaft eine Rolle. Es werden kleinere Bestände als in der Intensivmast gehalten, den Vögeln wird Auslauf im Freien gewährt, und das Schnabelkürzen ist nicht erlaubt, so dass diese Haltungsform am ehestens als artgemäß zu bezeichnen ist. Allerdings haben auch hier, wie bereits erwähnt, Hochleistungsputen wie die „B.U.T. Big 6“, aufgrund des schnellen Wachstums und des hohen Gewichts große körperliche Probleme. Daher wäre es im Sinne der Tiere wünschenswert, wenn in Zukunft ganz auf Hybridputen verzichtet und stattdessen nur noch gesunde, kleinwüchsigere Putenschläge gehalten würden.

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