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Wieder eine TierseucheKommt die Schweinepest?

industrielle Schweinemast
In der industriellen Schweinemast werden Tiere auf engem Raum gehalten. Foto: Jan Peifer
Dicht gedrängt müssen die Schweine stehen, so können sich Seuchen sehr leicht ausbreiten. Foto: Jan Peifer
Dicht gedrängt müssen die Schweine stehen, so können sich Seuchen sehr leicht ausbreiten. Foto: Jan Peifer
 
 

Ein Bericht von Jan Peifer – Die afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine hoch ansteckende Virusinfektion, die Haus- und Wildschweine befällt. Die Erkrankung verläuft bei einer Ansteckung nahezu immer tödlich, ist aber auf den Menschen und andere Haustiere nicht übertragbar. Sie stammt ursprünglich aus Afrika und trägt daher auch ihren Namen. Vor etwas mehr als zehn Jahren schaffte sie den Sprung nach Asien und Europa, vermutlich durch illegale Entsorgung von kontaminierten Speiseresten.

Zuerst wurden Fälle der Seuche in Georgien gemeldet, dann vermehrt auch aus dem Süden Russlands. 2014 erreichte sie schließlich die Außengrenzen der EU in Polen und Litauen, nur wenig später folgten Meldungen aus Lettland und 2017 aus Rumänien und Tschechien. Die ASP breitet sich nahezu unkontrollierbar aus, denn eine Impfung ist nicht möglich. Ursprünglich wurde sie durch Zecken übertragen, heute wird sie vor allem durch den Menschen und den grenzübertretenden Verkehr eingeschleppt. Besonders gefährlich sind dabei nicht nur verunreinigte Schweinetransporter oder Kleidung und Ausrüstung von Jägern. Auch unüberlegt entsorgte Nahrungsreste sind ein großes Risiko. Denn selbst in verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurst und Schinken kann das Virus sich halten und sogar unentdeckt vermehren – was für Wildschweine eine willkommene Nahrungsquelle, etwa in den Abfallbehältern von Autobahnraststätten ist, bildet damit auch eine Ansteckungsgefahr für die Schwarzkittel.

Die ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, schon beim Verdacht auf eine Infektion muss das Veterinäramt unterrichtet werden. Bestätigt sich ein Verdacht, wird in der Regel der gesamte Tierbestand getötet (gekeult), um ein weiteres Ausbrechen zu unterbinden. Für Landwirte ist dieses rigide Vorgehen nicht nur mit hohem Aufwand, sondern auch mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden; der Deutsche Bauernverband schätzt den möglichen Schaden für die Tieragrarindustrie im Falle eines Ausbruchs der ASP in Deutschland auf bis zu zwei Milliarden Euro jährlich. Dieser dürfte sich nicht nur in einem wahrscheinlich sehr weit absinkenden Preis für Schweinefleisch zeigen, auch der Export in Drittländer würde massiv einbrechen. Die Reaktionen sind daher fast überall ähnlich.

Um Wildschweinwanderungen zu unterbinden, plant Polen die Errichtung eines mehr als 1.000 km langen Schutzzauns entlang des gesamten Grenzverlaufs zu Weißrussland und der Ukraine. Noch 2018 soll mit dem Bau begonnen werden. Um höhere Abschusszahlen von Wildschweinen zu ermöglichen, sollen polnische Jäger Sonderurlaub erhalten. Der polnische Zaun folgt dem Vorbild Tschechiens, hier wurde ein 45 km langer Zaun bereits errichtet. Und auch Dänemark macht sich für eine derartige Grenzsicherung stark; ein entsprechendes Bauvorhaben entlang der deutsch-dänischen Grenze wird derzeit geprüft.

Drastische Maßnahmen werden vorsorglich auch in Deutschland ergriffen: Immer mehr Länder zahlen Jägern Prämien für den Abschuss von Wildschweinen, darunter Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Bayern. Zudem wurde eine Aufhebung der Schonfrist beschlossen, vermehrt sollen junge Bachen und Frischlinge geschossen werden. Tierschützer geben allerdings zu bedenken, dass die Gefahr durch Wildschweine möglicherweise viel geringer ist als bisher angenommen. Denn Wildschweine sind standorttreu, infizierte Tiere sterben schnell und haben verhältnismäßig wenige Möglichkeiten, das Virus weiterzugeben. Mit Hausschweinen kommen sie physisch kaum in Kontakt. Schon jetzt liegt die Zahl der in Deutschland geschossenen Wildschweine im Schnitt der letzten zehn Jahre bei etwa 500.000 pro Jahr, vereinzelt sogar sehr viel höher. Auf eine verstärkte Bejagung reagieren die Tiere stets mit steigendem Populationswachstum, wie hoch die Zahl der hierzulande lebenden Wildschweine tatsächlich ist, ist völlig unklar.

Eine große Wildschweindichte, vor allem in bevölkerungsnahen Gebieten, ist dafür seit jeher ein Dorn im Auge vieler Landwirte. Denn Wildschweine können nicht nur Krankheitserreger in die Nähe von Hausschweinen bringen, sie verursachen auch ernstzunehmenden Schaden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen wie z.B. Maisfeldern. Daher warnen Vertreter wichtiger Organisationen vor einer Panikmache beim Thema Schweinepest auf Kosten der Wildschweine. Viel effektiver sei die Kontrolle der Abfallentsorgung, da hauptsächlich durch den Menschen verunreinigte Fleischerzeugnisse in Umlauf gelangen und Gefährdungspotenzial bieten. Nicht zuletzt liegt die Wurzel des Problems aber, wie vielerorts, an den billigen, überall und jederzeit verfügbaren Produkten aus der Massentierhaltung. Nicht nur um der Verbreitung der Schweinepest Einhalt zu gebieten, sollte zum Wohle aller Menschen und Tiere auch auf höherer Ebene an dieser Stellschraube gedreht und die Massentierhaltung eingedämmt werden.