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Perverse Massentierhaltung Das Schweinehochhaus

Das Schweinehochhaus in Maasdorf bei Halle in Sachsen-Anhalt
Das 'Schweinehochhaus', eine sechsstöckige Schweinezuchtanlage, ist das einzige seiner Art in Deutschland und galt lange als Vorzeige- und Prestigeobjekt für die Staats- und Parteiführung der DDR. Foto: © Kai Horstmann
Schweine in engen Kastenständen
Eingezwängt in engen Kastenständen, die Schweine können sich noch nicht einmal umdrehen. Foto: © Jan Peifer
Zuchtsau im 'Schweinehochhaus'
Weniger „Zucht“-Leistung bedeutet das Aus für die Tiere. Foto: © Jan Peifer
Fahrstuhl im 'Schweinehochhaus'
Mit einem Fahrstuhl werden die 500 Sauen zwischen den 6 Etagen hin und her transportiert. Foto: © Jan Peifer
Verladen vom Ferkeln
Auch bei der Verladung der Ferkel wird brutal vorgegangen, Zeit bedeutet Geld. Foto: © Kai Horstmann
Brutales Verladen von Ferkeln
Schläge und Tritte: So werden Ferkel aus dem Schweinehochhaus verladen. Foto: © Kai Horstmann
Demonstration vor dem Schweinehochhaus
Fast 400 Demonstranten aus dem gesamten Bundesgebiet hatten sich vor dem Schweinehochhaus zusammengefunden. Foto: © Timo Stammberger
500 Zuchtsauen leben heute im Schweinehochhaus
Tierschützer haben Anzeige erstattet, sowohl wegen den zu engen Kastenständen als auch wegen tierschutzwidriger Verladung der Ferkel. Foto: © Jan Peifer
 
 

Von Jan Peifer, Juni 2015. 25 Meter ragt der Betonklotz in die Luft – das „Schweinehochhaus“, eine sechsstöckige Schweinezuchtanlage, steht in Maasdorf bei Halle in Sachsen-Anhalt und ist das einzige seiner Art in Deutschland, ja in Europa. 1969 mit Unterstützung der damaligen Sowjetunion errichtet, galt es lange als Vorzeige- und Prestigeobjekt für die Staats- und Parteiführung der DDR.

In diesem Haus kulminierte sinnbildlich die Fortschrittlichkeit des Arbeiter- und Bauernstaats, war doch das Schweinehochhaus das Modernste und gleichzeitig Beeindruckendste, was die landwirtschaftliche Technik und Architektur zu bieten hatte. Die einzelnen Etagen wurden mit Aufzügen verbunden, so konnten Arbeitswege kurz und der Personalbedarf klein gehalten werden; möglichst viele Schweine auf möglichst wenig Grundfläche – ein Musterbeispiel für Effizienz. Sowohl Sowjetunion als auch DDR gibt es nicht mehr, doch das Schweinehochhaus steht noch immer. Mit nur einer kurzen Unterbrechung direkt nach der Wiedervereinigung war es fast permanent in Betrieb, nach Aussage des Betreibers beherbergt es heute 500 Zuchtsauen. Dabei handelt es sich um Hybriden, also durch Züchtung auf Leistung optimierte Tiere der Rassen „Landrasse“ und „Great White“, die jährlich Tausende Ferkel produzieren müssen.

Auch wenn man dem Hochhaus sein Alter von mehr als 40 Jahren deutlich ansieht, hat sich an den Lebensbedingungen der Tiere nichts geändert. Eingezwängt in Kastenstände, haben sie keine Möglichkeit zur Bewegung oder zur Auslebung arttypischen Verhaltens, sie können sich nicht einmal umdrehen. Lediglich eine Eisenkette vor der Nase der Tiere dient als „Beschäftigungsmaterial“. Das Einzige, was ihnen möglich ist, ist Fressen, besamt zu werden und Ferkel zu gebären. Schweine, von Natur aus sehr reinliche Tiere, würden normalerweise niemals an dem Ort schlafen und essen, wo sie ihr Geschäft verrichten müssen – hier ist es ihnen nicht anders möglich. Die Unterbringung von Sauen in Kastenständen ist bei Schweinezüchtern beliebt, denn sie ermöglicht die optimale Raumnutzung. Kastenstände jedoch beschneiden das Tier in all seinen Bewegungsmöglichkeiten und sind deshalb in vielen Ländern, darunter Großbritannien, Schweden und der Schweiz, bereits verboten. Auch in Deutschland ist die dauerhafte Haltung im Einzelkäfig nicht erlaubt, die Kastenstände sind strengen Regeln unterworfen. Doch ob diese hier eingehalten werden, darf bezweifelt werden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in der Schweinezucht wie auch in anderen Bereichen der Agrarindustrie geltende Vorschriften sehr weit gedehnt werden, schon einmal wurde Deutschland vom Europäischen Gerichtshof verurteilt, weil EU-Richtlinien für die Tierhaltung nicht umgesetzt und eingehalten wurden. Der Werbeslogan der innehabenden Firma des Hochhauses, der JSR GmbH, lautet: Making pork more profitable, auf Deutsch: Wir machen das Schwein noch profitabler – das lässt vermuten, dass das Tierwohl hier wohl nicht an erster Stelle steht.

Die Schließung des Schweinehochhauses ist gefordert

Doch dem Fortbestand des Schweinehochhauses droht nun von einer anderen Seite ein jähes Ende: Nachdem Bildmaterial auftauchte, das die Zustände im Inneren der Anlage veröffentlichte, haben Tierschützer vor Ort demonstriert und die Schließung des Hochhauses gefordert. Fast 400 Demonstranten aus dem gesamten Bundesgebiet hatten sich zusammengefunden, darunter auch Vertreter der Grünen im Landtag, die die Forderung unterstützen. Außerdem wollen die Tierschützer auch den politischen Druck erhöhen, eine entsprechende Petition an den zuständigen Landrat haben bereits über 10.000 Personen unterschrieben. Deutlich sind auf den Bildern die Missstände zu sehen: Viele Tiere sind verletzt und verdreckt, weil sie in ihren eigenen Exkrementen liegen müssen. Obwohl die Aufnahmen nachts entstanden, ist die Halle taghell erleuchtet. Teilweise ist nicht einmal eine ordnungsgemäße Fütterung sichergestellt – das bestätigte auch ein Vertreter des Landwirtschaftsministeriums in Sachsen-Anhalt und verhängte strenge Auflagen für den Betreiber. Doch ein bitterer Beigeschmack bleibt bestehen: Selbst wenn im Schweinehochhaus alle Regeln und Vorschriften eingehalten würden, wäre diese Unterbringung meilenweit von einer artgerechten Haltung und damit auch von der Vorstellung vieler Verbraucher entfernt, die dem Marketingversprechen vom vorgegaukelten Bauernhofidyll noch immer glauben. Deshalb bleibt zu hoffen, dass der öffentliche Druck groß genug wird, um das Schweinehochhaus als Relikt einer vergangenen Ära bald zu schließen.

Lesen Sie hier "Kein Brandschutz im Schweinehochhaus". 

Angler Sattelschwein
Foto: © Ursula Bauer

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