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Tiertransporter stoppenTierleid auf Rädern

Foto: © Jan Peifer
Jeden Tag werden über 3,7 Millionen Tiere in Deutschland transportiert. Foto: © Jan Peifer
Eng zusammengepfercht werden Tiere in Deutschland transportiert. Foto: © Jan Peifer
Eng zusammengepfercht werden Tiere in Deutschland transportiert. Foto: © Jan Peifer
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Ein Bericht von Jan Peifer

Die Zahlen sind gigantisch: Rund 165 Millionen sogenannter Nutztiere leben in deutschen Ställen, also mehr als doppelt so viele Tiere wie Menschen in unserem Land. Etwa 13 Millionen Rinder, 28 Millionen Schweine, 40 Millionen Legehennen, fast 70 Millionen Masthühner sowie Puten, Schafe, Ziegen und weitere Tiere, die hauptsächlich für unseren Verzehr gehalten werden. Fast alle müssen ihr Leben in der industriellen Massentierhaltung verbringen, die offiziell „technisierte Viehhaltung meist nur einer Tierart in Großbetrieben zur Gewinnung möglichst vieler tierischer Produkte“ (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) heißt.

Und dies ist nur eine Momentaufnahme: Insgesamt leben und sterben in dieser Haltungsform allein in Deutschland unfassbare rund 740 Millionen Tiere jedes Jahr, denn nur die wenigsten von ihnen werden älter als einige Wochen oder Monate, bevor ihre Mastplätze durch Nachfolger ersetzt werden. Obwohl sich in Umfragen immer mehr Verbraucher dafür aussprechen, eine „tiergerechte Haltung“ zu unterstützen, obwohl es immer mehr Siegel und Kennzeichnungen gibt, die dieses Konsumverhalten ansprechen, stammen mehr als 95% der angebotenen Produkte wie Fleisch und Wurstwaren aus der Massentierhaltung.

Für alle diese Tiere aber gilt: Der Tod im Schlachthof ist ihnen sicher.

Der Weg dorthin erfolgt im Tiertransporter, ebenso wie der Weg zwischen den einzelnen Lebensstationen. Jeden Tag werden rund 3,7 Millionen Tiere in Deutschland transportiert, oft über lange Strecken und auch über Grenzen hinweg. Nicht selten finden Aufzucht, Mast und Schlachtung nicht nur an verschiedenen Orten, sondern sogar in verschiedenen Ländern statt. Vor allem in ländlichen Gebieten wächst die Anzahl großer Tiermastanlagen, kleine landwirtschaftliche Betriebe müssen schließen. Gleiches gilt für Schlachthöfe: Die größten schlachten hunderttausende Tiere am Tag, dies erfordert mitunter lange Wege. Um Kosten zu sparen, werden diese oft unter schlimmen Bedingungen durchgeführt, zu Lasten der Tiere. Die Transporte sind nicht nur leidenschaftlichen Tierschützern daher schon lange ein Herzensthema und ein Dorn im Auge, denn auf ihnen wird noch einmal das ganze Leid der industriellen Massentierhaltung und -verwertung sichtbar und fühlbar.

Die EU-Richtlinie zum Schutz von Tieren beim Transport gilt in Deutschland als Tierschutztransportverordnung. Sie regelt u.a. die Dauer, die Ausstattung der Fahrzeuge, die Menge der zu transportierenden Tiere und die Sachkunde von Fahrern und Betreuern. Allerdings werden ähnlich wie im Tierschutzgesetz (welches auch für die Transporte gilt) nur Mindeststandards vorgegeben, welche mit den Bedürfnissen der Tiere oder einem artgerechten Umgang wenig zu tun haben. So ist etwa die Höchstdauer eines Transportes in der Regel innerhalb der EU auf acht Stunden begrenzt, sie kann aber unter bestimmten Voraussetzungen verlängert werden. Auslandstransporte, bei denen spezielle Vorrichtungen wie Tränken und Ventilatoren vorgeschrieben sind, können bei Einhaltung von Pausenzeiten nahezu unbegrenzt andauern. Dabei dürfen Pferde auf einer Ebene transportiert werden, Rinder auf zwei Ebenen, Jungtiere und Geflügel sogar auf bis zu fünf Ebenen. Nicht transportiert werden dürfen hoch trächtige Tiere oder Mutter- und Jungtiere unmittelbar nach der Geburt und generell Tiere, die verletzt oder krank sind und sich nicht ohne Schmerzen bewegen können. Doch selbst diese Mindestanforderungen werden oft nicht erfüllt.

Ob kontrolliert oder nicht – Tiere leiden während der grausamen Transporte immer unter Enge, teils extremen Temperaturen, Wasser- und Futtermangel und permanentem Stress, viele verletzen sich oder sterben gar schon auf dem Weg zum Schlachthof. Sie verhungern, verdursten, zerdrücken und verletzen sich gegenseitig oder beginnen gar, aus Verzweiflung ihre Artgenossen anzufressen. Eine sogenannte „Sterbequote“ wird daher durch die Transportunternehmen immer schon mit eingerechnet. Wer diese grausamen Todesfahrten nicht unterstützen möchte, sollte lieber auf tierische Produkte verzichten und auf pflanzliche Alternativen zurückgreifen.

Regelmäßig sorgen Tiertransporte für traurige Schlagzeilen

Nur etwa 1% der täglichen Tiertransporte wird überhaupt kontrolliert, obwohl bei mehr als jedem dritten Transport teils gravierende Mängel festgestellt werden. Nicht eingehaltene Pausenzeiten und mangelhafte oder fehlende Versorgung für die Tiere, Überladung des Transporters, fehlende oder fehlerhafte Ausstattung z.B. mit Futterversorgung, Tränken und Ventilation, ein nicht verkehrssicherer Zustand des Fahrzeugs und fehlende Qualifikation der Fahrer sind keine Seltenheit. Da auch die Fahrer oft unter großem Druck stehen, werden zusätzlich Regeln gebrochen, Lenkzeiten nicht eingehalten etc. Immer wieder kommt es daher auch zu katastrophalen Verkehrsunfällen mit verunglückten oder umgekippten Transportern.