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Die Hausziege (Capra aegagrus f. hircus)

Ziegen auf dem Lottihof.
Ziegen beim aktion tier Projektpartner 'Lottihof' in Seefeld (Mecklenburg-Vorpommern). Foto: © Sabo
Bezoarziege
Bezoarziege, fotografiert im Tierpark Berlin. Foto: FF. Spangenberg (own work) / CC BY-SA 3.0 CC BY
Ziegen sind intelligent und sehr neugierig. Foto: © Ursula Bauer
Ziegen sind reine Pflanzenfresser. Blätter mögen sie besonders gerne. Foto: © Ursula Bauer
Ziegen sind Gruppentiere
Ziegen sind ausgesprochene Gruppentiere, die Kontakt zu Artgenossen brauchen. Foto: © Ursula Bauer
Ziege mit typischem Kinnbart
Bei allen Ziegenrassen tragen zumindest die Böcke einen Kinnbart. Foto: © Ursula Bauer
Ziegenböcke
Ziegenböcke tragen teilweise erbitterte Kämpfe um die Weibchen aus. Foto: © Ursula Bauer
Die ausschließliche Stallhaltung von Ziegen ist nicht artgerecht. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Die Hausziege (Capra aegagrus f. hircus) ist ein paarhufiges, wiederkäuendes Säugetier und gehört, wie beispielsweise Schafe und Rinder, zur Familie der Hornträger (Bovidae). Als Stammform unserer Hausziegen gilt die im westlichen Asien lebende Bezoarziege (Capra aegagrus), die mit ihren langen Hörnern an einen Steinbock erinnert.

Ursprung und Biologie

Die Domestizierung der Ziege begann noch vor der des Schafes vor rund 11.000 Jahren im Vorderen Orient. Ziegen werden also schon sehr lange als Haustiere gehalten und es existieren weltweit 200 bis 350 Ziegenrassen.

Natürlicherweise tragen sowohl männliche als auch weibliche Hausziegen Hörner, wobei die der Böcke in der Regel wesentlich größer sind. Um die Haltung zu vereinfachen werden, wie bei Rindern, jedoch auch Ziegen häufig die Hörner entfernt (Enthornung). Außerdem wird versucht, genetisch hornlose Ziegen zu züchten.

Ziegen sind reine Pflanzenfresser aber hinsichtlich des Futters recht wählerisch. Mit einer artenarmen Grasfläche sind sie nicht zufrieden. Sie lieben die Vielfalt - duftende Kräuter, ein bisschen Baumrinde zwischendurch, dann wird an einer Distel genascht und Blätter sind ganz besonders lecker. Aber nur die höchsten am Baum, was kein Problem ist, da Ziegen hervorragend klettern können. Diese intelligenten Tiere sind außerdem sehr neugierig und freiheitsliebend und nutzen jede sich bietende Gelegenheit, um aus einem ihrer Meinung nach zu langweiligen Stall oder Gehege zu entkommen. Als gesellige Herdentiere besitzen Ziegen ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie brauchen Kontakt zu Artgenossen, mit denen sie unter anderem regelmäßig Rangkämpfe austragen. Nicht nur die Böcke, sondern auch die Weibchen beteiligen sich an diesen Rangeleien.

Bei Wildziegen leben die weiblichen Tiere mit ihrem Nachwuchs in der Gruppe, während die Böcke in sogenannten Junggesellengruppen herumziehen und sich in der Paarungszeit der Weibchenherde anschließen. Dort kämpfen die Männchen dann erbittert um das Recht, die weiblichen Ziegen zu begatten. Bei Hausziegen werden die Böcke in der Regel ebenfalls nur zum Decken in die Herde gelassen und ansonsten häufig einzeln weggesperrt, was für die betroffenen Tiere alles andere als artgerecht ist.

Weibliche Ziegen bringen nach etwa 4 Monaten Tragzeit meist zwischen Januar und Mai 1 bis 2 Jungtiere zur Welt, die innerhalb von 24 Stunden laufen können (Nestflüchter). Es gibt jedoch auch Rassen wie beispielsweise die Afrikanische Zwergziege, die bis zu 3 x in 2 Jahr jeweils 2 oder mehr Zicklein gebären. Das Euter der Ziege hat, wie das der Pferde und Schafe (und das der Menschen), 2 Zitzen oder Striche.

Ziegen können bis zu 20 Jahre alt werden.

Bezeichnungen

Das männliche Tier heißt Bock, das weibliche Ziege oder Geiß. Das Ziegenjunge wird Ziegenkitz oder Ziegenlamm genannt.

Nutzung und Haltungsformen

Ziegen waren früher die „Kuh des kleinen Mannes“. Sie brauchten, anders als Rinder, keinen großen Stall und keine fetten Weideflächen. Wer kein eigenes Land besaß, ließ seine Ziege Bereiche abfressen, die anderweitig nicht genutzt werden konnten (z.B. Bahndämme und Straßenränder). Hierzu wurden die Tiere meist an einem in die Erde getriebenen Pflock angebunden. Neben Fleisch und Milch fand auch die Haut der Ziegen Verwendung. Daneben wurden Ziegen früher als Zugtiere eingesetzt und vor den Pflug oder vor kleine Wagen gespannt. Heute werden Ziegen weltweit vor allem zur Fleisch- und Milchgewinnung gehalten.

Ziegenhaltung in Deutschland

Von den schätzungsweise 160.000 in Deutschland gehaltenen Ziegen werden ca. 20.000 Tiere gemolken und etwa 30.000 Tiere des Fleisches wegen gehalten. Die übrigen Ziegen leben entweder in Hobbyhaltungen, in Streichelzoos oder werden zur Landschaftspflege eingesetzt. Die durchschnittliche Bestandsgröße eines wirtschaftlich orientierten Ziegenbetriebes liegt hierzulande bei etwa 100 Tieren. Der Anteil ökologisch gehaltener Tiere liegt bei Ziegen mit etwa 10% höher als bei jeder anderen Tierart. Hier sind es vorrangig Milchziegen, die in Ökobetrieben leben und somit zumindest während der Sommermonate auf die Weide dürfen.

Aus klimatischen Gründen ist in Deutschland die ganzjährige Weidehaltung von Ziegen nicht möglich. Sie müssen also notgedrungen den Winter im Stall verbringen. In größeren, ertragsorientierten Betrieben findet die Haltung jedoch häufig ausschließlich im Stall statt, wo Gruppen von bis zu 50 Tieren in der Regel in Freilauf- oder Boxenställen ohne Anbindehaltung leben. Im Gegensatz zu Österreich und der Schweiz ist das Anbinden von Ziegen im Stall in Deutschland jedoch nicht gesetzlich verboten (Ausnahme ökologische Tierhaltung). Ziegen sind bewegungsfreudige Gruppentiere. Daher ist die ganzjährige Stallhaltung, die Anbindehaltung und auch die Einzelhaltung aus Tierschutzgründen abzulehnen.

Anders als in der Rinder-, Geflügel- und Schweinehaltung gibt es in Deutschland bisher noch keine industrielle Intensivhaltung von Ziegen. In Ländern wie Holland, Frankreich, Spanien und Griechenland ist sie jedoch grausame Realität. Wie bei Tierfabriken üblich werden auch hier viele Milchziegen auf möglichst wenig Platz ohne Auslauf im Freien gehalten – entweder in Boxenställen, in Anbinde- oder in Laufställe. Es finden betäubungslose Kastrationen und Enthornungen statt, gemolken wird vollautomatisch.

Auch in Deutschland gab es vor einigen Jahren den Versuch einer niedersächsischen Firma, im Kreis Holzminden eine industrielle Ziegenfarbrik mit 7.500 Milchziegen zu errichten. Gegen das Projekt setzten sich eine Bürgerinitiative, diverse Natur- und Tierschutzverbände sowie Politiker aus verschiedenen Parteien ein, so dass der Antrag der Firma schließlich abgelehnt wurde.

Fleisch- und Milchziegen

Bei Fleischziegen sind die schnelle Gewichtszunahme (guter Fleischansatz) und die Bemuskelung wichtig. In Deutschland wird vorrangig die ursprünglich aus Südafrika stammende Burgenziege zur Fleischerzeugung gehalten. Daneben gibt es auch kleinere Bestände anderer Fleischziegenrassen wie beispielsweise die Owambo Ziege. Natürlich können auch Fleischziegen nach dem Ablammen weiter gemolken werden, ihre Milchleistung ist jedoch nicht hoch.

Zu den Milchziegen werden Rassen gezählt, die täglich rund 1,5 Liter Milch geben. Tiere mit hoher Milchleistung können es sogar auf die doppelte Menge bringen. Milchziegen werden 2 x täglich entweder von Hand oder, bei einer großen Herde, mit Melkmaschinen gemolken. Charakteristische Milchziegen sind beispielsweise die Appenzellerziege, die Saanenziege sowie die Bunte und die Weisse Deutsche Edelziege.

Neben den reinen Fleisch- und Milchziegen gibt es sogenannte Doppelnutzungsrassen, die sowohl relativ viel Milch geben als auch ein hohes Schlachtgewicht aufweisen. Hierzu zählen beispielsweise die Anglo Nubier Ziege und die Thüringer Wald Ziege.

Wollziegen

Die bedeutendsten Wollziegen sind die Angoraziege und die Kaschmirziege. Während die Angoraziege eine eigene Rasse darstellt, bezieht sich der Begriff Kaschmirziege auf eine Gruppe von rund 20 Ziegenrassen mit langer, feiner Wolle.

Angoraziegen liefern sehr leichte und fluffige, als Mohair bekannte Wolle, aus der Teppiche, Kleidung und Decken hergestellt werden. Sie werden 2x jährlich geschoren – der jährliche Wollertrag pro Tier liegt, je nach Geschlecht, bei 3 bis 6 kg.

Die Kaschmirwolle ist sehr fein und weich. Zur Gewinnung dieser Luxuswolle werden in wirtschaftlich hoch entwickelten Ländern die Kaschmirziegen wie Schafe geschoren. Große Kaschmir- Farmen gibt es vorrangig in China, Australien, Neuseeland und Schottland. In Ländern der Dritten Welt wird die Unterwolle der Kaschmirziegen dagegen mehrmals pro Jahr von Hand ausgezupft oder ausgekämmt. Dabei werden jährlich nur etwa 200 Gramm Wolle pro Tier gewonnen. Kleidung und Teppiche aus Kaschmirwolle sind entsprechend wertvoll und teuer.

Ziegen in der Landschaftspflege

Da Ziegen selbst dorniges Gestrüpp und Disteln fressen, werden sie immer häufiger eingesetzt, um ökologisch wertvolle Flächen wie Magerrasen vor der Verbuschung zu bewahren. Oft in Herden gemeinsam mit Schafen, wobei die Schafe die grasigen Flächen abweiden und die Ziegen „fürs Grobe“ zuständig sind. Kräftige, robuste Ziegenrassen wie Walliser Schwarzhalsziegen und die Pinzgauer Ziege eignen sich besonders gut für die Landschaftspflege.

Schaf oder Ziege?

Innerhalb der Familie der Hornträger zählen Schafe und Ziegen zur Unterfamilie der Ziegenartigen (Caprinae) und manchen Menschen fällt es schwer, ein Schaf von einer Ziege zu unterscheiden. Es gibt jedoch 2 gute Unterscheidungsmerkmale, die auch für den Laien leicht zu erkennen sind: Bei Ziegen haben zumindest die Böcke immer einen sogenannten Ziegenbart, bei Schafen kommt dieser Kinnbart jedoch nie vor. Außerdem hängt der Schwanz bei Schafen immer herunter, während ihn Ziegen senkrecht aufstellen können.

Foto: aktion tier e.V./Bauer

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