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Born to be free – Delfinarien schließen

Bis heute fängt man Delfine auch aus der freien Natur, um sie in Delfinarien überall auf der Welt zur Schau zu stellen. Foto: © Sabo

Laura Zimprich, Dezember 2014. Delfine zählen nicht nur zu den intelligentesten, sondern wohl auch zu den faszinierendsten Tieren der Welt. Daher ist der Wunsch, sie einmal aus der Nähe zu sehen, sie vielleicht sogar anzufassen oder mit ihnen zu schwimmen, nur allzu verständlich. Delfinarien lassen diesen Wunsch Wirklichkeit werden. Doch der Preis, den die Delfine dafür zahlen ist hoch – zu hoch!

Vom Ozean ins Betonbecken

Obwohl sie Säugetiere wie wir Menschen sind, haben sich Delfine perfekt an ein Leben im Wasser angepasst. Sie können mehrere hundert Meter tief tauchen und orientieren sich unter Wasser mittels Ultraschalllauten, die von Beutetieren oder Hindernissen als Echo zurückgeworfen werden. In Delfinarien wird den hochentwickelten Meeressäugern ihr akustisches Auge zum Verhängnis. Die ausgesandten Töne stoßen sofort an Grenzen, ihr Echolot verkümmert.

Mit Psychopharmaka ruhig gestellt

In freier Natur leben Delfine in einem komplexen Sozialsystem, haben eine eigene Sprache und erkennen sich gegenseitig an einem individuellen Laut, vergleichbar mit einem Namen. In Delfinarien werden die Tiere wahllos mit Artgenossen aus anderen Teilen der Welt zusammengepfercht. Ihr hochentwickeltes Sozialleben reduziert sich dadurch auf eine primitive Hackordnung, die die Betreiber mittels Gabe von Hormonen und Psychopharmaka zu kontrollieren versuchen.

Filterpumpen statt Meeresrauschen

Es gibt wohl kaum etwas Widernatürlicheres als einen Delfin in Gefangenschaft. Ein Tier, dessen natürlicher Lebensraum die unendliche Weite des Meeres ist, eingesperrt in einem nur wenige Quadratmeter kleinen Becken. Permanent dem Lärm von Filterpumpen ausgesetzt, gezwungen, die immer gleichen Kunststücke aufzuführen oder sich von dutzenden Menschen anfassen zu lassen. Viele der Tiere sind chronisch krank und werden mit Antibiotika und Fungiziden am Leben erhalten.

Treibjagden für die Delfinarien

Bis heute werden Delfine aus der freien Natur gefangen, um sie in Delfinarien zur Schau zu stellen. Traurige Berühmtheit hat in diesem Zusammenhang das japanische Dorf „Taiji“ erlangt. Jedes Jahr werden dort tausende Delfine in eine Bucht getrieben und mit Messern und Speeren getötet. Regelrecht finanziert werden diese Treibjagden von der Delfinarienindustrie. Denn vor Ort sondern Delfintrainer die attraktivsten Tiere aus, die dann lebend gefangen und an Zoos und Vergnügungsparks in aller Welt verkauft werden, für bis zu 150.000 US Dollar pro Tier.

Es geht auch anders

In England, Österreich und der Schweiz gehört die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft bereits der Vergangenheit an. In Deutschland wurden in den letzten Jahren die meisten Delfinarien geschlossen. Derzeit gibt es noch zwei, in Nürnberg und in Duisburg. animal public setzt sich für eine Änderung des Tierschutzrechts ein, damit die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft hierzulande und in der EU endlich verboten wird. Eine Auswilderung der derzeit in Delfinarien gehaltenen Tiere ist in vielen Fällen zwar nicht möglich, jedoch kann man die Meeressäuger in abgetrennte Meeresbuchten zu bringen, um ihnen ein artgemäßes Leben zu ermöglichen.

Anhörung zu Delfinarien im Landtag NRW

Am 28.04.2014 hat sich der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des nordrheinwestfälischen Landtags mit einem Antrag der PIRATEN Fraktion zum „Verbot der Haltung von Delphinen“ (Drucksache 16/4588 und 16/4956 ) beschäftigt.

Darin fordern die Piraten:

  • Die Haltung von Delfinen in Nordrhein Westfälischen Zoos mit einer angemessenen Übergangsfrist zu verbieten;
  • Bei den derzeit in Nordrhein Westfälischen Zoos lebenden Delfinen die Möglichkeit der Auswilderung zu ermitteln, hierbei ist die Möglichkeit von durch Tierpflegern betreuten, eingezäunten Meeresbuchten mit in Betracht zu ziehen
  • Eine Bundesratsinitiative zum Deutschlandweiten Verbot von Delfinarien zu initiieren 

Das Duisburger Delfinarium, um das es bei der Anhörung insbesondere ging, gilt als der größte Delfinfriedhof Europas. Über 60 Tiere starben hier seit Bestehen des Delfinariums, allein 15 Tiere in den letzten 22 Jahren.

Im Zuge der Anhörung räumte der Duisburger Zoodirektor zudem ein, dass den Delfinen – entgegen vorheriger anderslautender Behauptung – in den letzten Jahren das Psychopharmaka Diazepam verabreicht wurde. Dieses Psychopharmaka wird häufig in Delfinarien eingesetzt, um die Tiere an die tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen anzupassen.

animal public lehnt die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft als nicht artgerecht ab und fordert die Schließung der letzten beiden Delfinarien in Deutschland. Daher haben wir uns in einer eigenen Stellungnahme an die Mitglieder des Landtags gewandt.

In den letzten Jahren haben sieben von ehemals neun Delfinarien in Deutschland geschlossen. In anderen europäischen Ländern, wie Österreich, der Schweiz oder Großbritannien gibt es aus Tierschutzgründen gar keine Delfinarien mehr. Es wird Zeit, dass auch das Leiden der Delfine in Nürnberg und Duisburg ein Ende hat.

Der Landtag NRW wird voraussichtlich erst Ende Herbst über den Antrag der Piraten entscheiden.

Bitte helfen Sie uns, das Leiden der Delfine zu beenden. Besuchen Sie keine Delfinarien, nicht in Deutschland und auch nicht im Urlaub!