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Neue Reisebestimmungen für Hunde

Urlaub mit Hund: Hier muss einiges beachtet werden! Foto: © Sabo

Von Ann Kari Sieme, April 2015. Auch in der Urlaubszeit wollen viele Hundebesitzer nicht auf ihren Vierbeiner verzichten und nehmen ihren treuen Wegbegleiter mit. Um jedoch keine bösen Überraschungen bei der Einreise mit dem Hund in das gewünschte Urlaubsland zu erleben, sollte man sich vorher die Zeit nehmen und sich detailliert über die entsprechenden Einreisebestimmungen informieren und die gesetzlichen Regelungen für den Aufenthalt im Land recherchieren. Vergessen Sie hierbei bitte auch nicht die Länder, die Sie lediglich durchqueren oder in denen Sie eventuell zwischenlanden, um an dem gewünschten Urlaubsort anzukommen.

Seit dem 29.12.2014 gelten in der EU teilweise neue Bestimmungen für das Reisen mit Hund. Die neue Verordnung (EU) Nr. 576/2013 des europäischen Parlaments und des Rates hebt die bisher gültige Verordnung (EG) 998/2003, die seit Mai 2003 den Reiseverkehr mit Hunden geregelt hat, auf. Die entsprechende Durchführungsverordnung der Kommission gilt ebenfalls ab dem 29.12.2014.

Aber, was ist neu – was bleibt beim Alten?

EU-Heimtierpass

Neu ist zu aller erst einmal der überarbeitete EU-Heimtierpass. Positiv ist hier, dass bereits vor dem 29.12.2014 ausgestellte Heimtierpässe unverändert gültig bleiben, um die administrative und die finanzielle Belastung der Tierhalter in Grenzen zu halten. Im äußeren Erscheinungsbild hat sich bei dem EU-Heimtierpass nichts geändert. Im Inneren muss der Tierarzt jedoch künftig etwas mehr eintragen und beachten. So muss ab sofort jeder Tierarzt seine Kontaktdaten vermerken und diese durch seine Unterschrift bestätigen. Auch der Tierhalter muss seine persönlichen Angaben zukünftig signieren. Anschließend wird diese Seite beispielsweise durch eine Laminierung fälschungssicher gemacht. Auch die Impfaufkleber werden in dem neuen, seit dem 29.12.2014 gültigen Heimtierausweis mit einer selbstklebenden Laminier Folie überzogen. Diese Folie ist ohne sichtbaren Schaden nicht mehr zu entfernen und bietet daher eine hohe Fälschungssicherheit. Auch hier gilt: Wer bereits einen EUHeimtierausweis für seinen Hund hat, muss die Neuerungen nicht in dem vorhandenen Ausweis übernehmen.

Tollwutimpfung und die Einreise in ein EU-Land

Wie bisher auch muss jeder Hund für die Einreise in ein EU-Land eine gültige Tollwutimpfung nachweisen können. Eine Sondergenehmigung erhalten Welpen, die entweder jünger als 12 Wochen alt sind und keine Tollwutschutzimpfung erhalten haben oder Welpen zwischen 12 und 16 Wochen, die eine Tollwutimpfung erhalten haben, die Impfung jedoch weniger als 21 Tage, die zur Erreichung des Impfschutzes notwendig sind, her ist. Um diese Sondergenehmigung zu erhalten, bedarf es einer schriftlichen Erklärung, aus der hervorgeht, dass die Welpen seit ihrer Geburt bis zur Einreise keinen Kontakt zu wildlebenden Tieren für Tollwut empfänglicher Arten hatten. Die Erklärung muss vom Tierhalter oder einer ermächtigten Person unterschrieben werden. Die Sondergenehmigung erhalten außerdem Welpen, die von ihrem Muttertier, von dem sie noch abhängig sind, begleitet werden und mittels Ausweis des Muttertiers belegt werden kann, dass sie vor der Geburt eine den Gültigkeitsvorschriften entsprechende Tollwutimpfung erhalten hat. Für die Einreise in ein EU-Land bedarf es außerdem einer Kennzeichnung des Hundes mittels Mikrochip. Als Kennzeichnung kann auch eine Tätowierung gelten, die vor dem 3.Juli 2011 gestochen wurde und noch gut lesbar ist. Jeder Hund, der in ein EU-Land einreisen will, muss einen ordnungsgemäß ausgefüllten und ausgestellten EU-Heimtierausweis mitführen.

Einreise aus Drittländern

Neu ist, dass die Einreise von Hunden aus Drittländern, die eine Antikörpertiter-Bestimmung erfordert, nur noch über die von den Mitgliedsstaaten aufgelisteten Einreiseorte möglich ist. An diesen bestimmten Einreiseorten sollen die zuständigen Behörden Kontrollen durchführen. Ausgenommen von dieser Neuregelung sind registrierte Militäroder Such- und Rettungshunde, denen eine Einreise auch über andere Einreiseorte genehmigt werden kann.

Vereinfachte Einreise für Hunde, die an Veranstaltungen teilnehmen

Die Anzahl der Hunde, die im Reiseverkehr mitgeführt werden dürfen, ist auf fünf beschränkt. Von dieser Beschränkung ausgenommen sind zukünftig Hundegruppen, die zwecks Teilnahme an Ausstellungen, Wettbewerben und Sportveranstaltungen oder zum Training für solche Veranstaltungen mitgeführt werden. Die Teilnahme an einer Veranstaltung muss schriftlich vom Hundehalter oder einer ermächtigten Person belegt werden. Diese Vereinfachung wird vor allem Hundeschlittensportler freuen und gilt für Hunde die den 6. Lebensmonat vollendet haben.

Einreise nach England

Die Einreise nach Großbritannien wurde bereits in den Jahren 2000 und 2012 deutlich vereinfacht. Um aus einem EU-Land mit Ihrem Hund in Großbritannien einzureisen, muss das Tier einen gültigen EU-Heimtierausweis mit sich führen und mittels Mikrochip oder einer vor dem 03.07.2011 gestochenen und weiterhin gut lesbaren Tätowierung gekennzeichnet sein. Zudem muss eine gültige Tollwutschutzimpfung nachgewiesen werden. Für die Einreise nach Großbritannien bedarf es weiterhin einer Bandwurmbehandlung. Diese muss 1 bis 5 Tage vor der Abreise abgeschlossen sein. Die Notwendigkeit der Bandwurmbehandlung entfällt, wenn Sie aus Finnland, Irland, Malta oder Norwegen einreisen.

Ein Bluttest und eine Zeckenbehandlung sind seit 2012 bei der Einreise aus einem EU-Land nicht mehr notwendig. Die strikten Quarantänebestimmungen für die Einreise nach Großbritannien wurden bereits im Jahr 2000 aufgehoben. Zusammengenommen reduzieren alle Vereinfachungen die Vorbereitungszeit für eine Einreise nach Großbritannien von sechs Monaten (Dauer zwischen dem bis 2012 benötigtem Bluttest bis zur Einreise) auf lediglich 21 Tage (Mindestdauer zwischen der Tollwutschutzimpfung und der Einreise). Die Einreise nach Großbritannien mit bestimmten Rassen ist strikt untersagt. Dieses Verbot bezieht sich nicht nur auf Züchtungen der Rassen Pitbull Terrier, Dogo Argentino, Fila Brasileiro und Japanese Tosa, sondern auch auf Hunde, die diesen Rassen äußerlich ähneln. Da empfindliche Strafen bei einem Verstoß verhängt werden, ist bei Unsicherheiten dazu zu raten, den Hund lieber zu Hause zu lassen.

Einreise nach Dänemark

Wie England hat auch Dänemark strikt untersagt, Hunde bestimmter Rassen oder Kreuzungen aus diesen Rassen einzuführen. Am 1.Juli 2010 wurde die Liste der verbotenen Hunde auf 13 Hunderassen erweitert:

  • Pitbull Terrier
  • Tosa Inu
  • Amerikanischer Staffordshire Terrier
  • Fila Brasileiro
  • Dogo Argentino
  • Amerikanische Bulldogge
  • Boerboel
  • Kangal
  • Zentralasiatischer Ovtcharka
  • Kaukasicher Ovtcharka
  • Südrussischer Ovtcharka
  • Tornjak
  • Sarplaninac

Hunde dieser Rassen, die vor dem 17. März 2010 angeschafft wurden sind Gegenstand einer Übergangsregelung und dürfen weiterhin gehalten und mit eingeführt werden. Sie müssen jedoch auf Straßen, Wegen und Plätzen grundsätzlich an einer 2m-Leine geführt werden und einen sicher verschlossenen Maulkorb tragen. Von dieser Übergangsregelung sind Hunde der Rassen Pitbull Terrier und Tosa Inu ausgeschlossen.

Das erlaubte Abschießen von Hunden durch Privatleute, wenn sich das Tier auf ihrem Grundstück befindet ist mit den Änderungen nicht mehr gestattet. Vor dem Erschießen des Hundes musste der Besitzer zwar gewarnt werde, dies war aber bei einem dem Grundstückbesitzer unbekannten Hundehalter schon durch das einfache Setzen einer Anzeige in der örtlichen Tageszeitung möglich. Zukünftig werden Besitzer von Hunden, die zum wiederholten Male auf fremden Grundstücken streunen mit einem Bußgeld belangt. Eine weitere Änderung hat der sogenannte Bissverletzungsparagraph erfahren. Bis zum 1. Juli 2014 konnte ausschließlich die dänische Polizei darüber entscheiden, ob es sich bei einer vorliegenden Verletzung um eine Bissverletzung handelt und ob der „Täterhund“ daraufhin getötet wird. Seit Eintritt der Änderung hat der Hundehalter die Möglichkeit, einen Hundesachverständigen mit zuzuziehen. Welche Qualifikationen ein Sachverständiger der über Leben und Tod entscheidet vorweisen können muss, ist jedoch bisher nicht bekannt.

Alle Hunde der oben aufgeführten Rassen, die nach dem 17. März 2010 angeschafft wurden, werden in Dänemark umgehend getötet. Die Rassezugehörigkeit kann durch die dänische Polizei ohne irgendwelche kynologische Vorkenntnisse „bestimmt“ werden. Weist ein Welpe oder Junghund also irgendwelche Ähnlichkeiten mit einer der verbotenen Rassen auf, besteht für ihn akute Lebensgefahr. Auch wenn zum 1. Juli 2014 auf Druck vieler Tierschützer Änderungen am dänischen Hundegesetz vorgenommen wurden, sollte sich jeder Hundefreund gut überlegen, seinen Vierbeiner auf eine Reise nach Dänemark mitzunehmen.

Grundsätzlich kann der Urlaub mit Hund zum Höhepunkt des Jahres und für alle Beteiligten ein tolles Erlebnis werden. Damit diesem Vergnügen jedoch nichts im Weg steht, sollte so ein Urlaub immer gut geplant und vorbereitet sein. Da es trotz EU-Bestimmungen zu unterschiedlichen Auslegungen der Länder kommen kann, ist es dringend ratsam, sich rechtzeitig vor der Abreise mit dem zuständigen Konsulat in Verbindung zu setzen und sich die Bestimmungen schriftlich bestätigen zu lassen.

Ihnen und Ihrem Hund einen tollen Urlaub und viel Spaß bei der gut vorbereiteten Erkundung fremder Länder!