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Urlaub vom Tierleid Korsika – ein Geheimtipp für Tierfreunde

Ursula Bauer mit Esel
Korsika ist ein Paradies für Tierfreunde! Foto: © Peter Göttler
Korsika
Korsika ist eine etwa 8.700 Quadratkilometer große, wunderschöne Insel im Mittelmeer. Foto: © Ursula Bauer
Schaf auf Korsika
Korsika ist tierfreundlich: es gibt hier beispielsweise keine Massentierhaltung. Foto: © Ursula Bauer
Rinder laufen auch in den Dörfern teilweise frei herum
Rinder laufen auch in den Dörfern teilweise frei herum. Foto: © Ursula Bauer
Schweinekindergarten auf der Straße. Foto: © Peter Göttler
Mutterschwein mit Frischlingen
Mutterschwein mit Frischlingen sucht am Strand nach Fressbarem. Foto: © Ursula Bauer
Bockkäfer auf Zistrose
Ein Bockkäfer sitzt auf einer Zistrose. Foto: © Ursula Bauer
Eidechse auf Korsika
Eidechsen sind auf Korsika allgegenwärtig. Foto: © Ursula Bauer
Ursula Bauer mit Hund
Auf Korsika gibt es zum Glück keine Straßenhunde. Foto: © Peter Göttler
Alte Esskastanie mit Früchten
Alte Esskastanie mit Früchten. Foto: © Ursula Bauer
Freilaufende Rinder auf Korsika
Eine freilaufende Rinderherde am Strand. Foto: © Ursula Bauer
Griechische Landschildkröte
Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni). Foto: © Ursula Bauer
Rinder auf Korsika
Rinder in den Bergen von Korsika. Foto: © Ursula Bauer
 
 

Von Ursula Bauer, Sommer 2013. Wohin reist ein Tierschützer, wenn er Urlaub vom Tierelend machen möchte? Ein Ort ohne Horden verhungerter Straßenkatzen, keine Souvenirshops voll Nippes aus toten Tieren, nirgends dürre Esel, die übergewichtige Touristen durch die Gegend schleppen müssen. Diesen Ort gibt es tatsächlich: eine etwa 8.700 Quadratkilometer große, wunderschöne Insel im Mittelmeer.

Korsika ähnelt vom Umriss her einer geballten Faust mit erhobenem Daumen. Die zumindest im Landesinneren mit 5 Einwohnern pro km2 sehr dünn besiedelte, französische Insel besteht zum Großteil aus Hochgebirge. Eine imposante Gebirgslandschaft mit insgesamt 50 Zweitausendern durchzieht diesen Minikontinent von Nordwest nach Südost und geht zum Meer hin in Hügelland über. Die Küste Korsikas besteht aus zahllosen Buchten mit Sandstrand oder hohen, teilweise steil ins Meer abfallenden Granitformationen.

Bedeutend und sehenswert sind Städte wie Bastia, Bonifacio, Calvi und die Hauptstadt Ajaccio, in der Napoleon Bonaparte am 15. August 1769 das Licht der Welt erblickte. Auch die teilweise an steile Hänge oder sogar auf Felsformationen errichteten mittelalterlichen Bergdörfer, die man auf kleinen, gewundenen Straßen erreicht, sind lohnende Ausflugsziele. Die meist mehrstöckigen, streng geometrisch gebauten Häuser aus Naturstein sind teilweise so eng aneinandergedrückt, dass kein Auto mehr hindurch passt. Vor allem im Mittelalter mussten die Bewohner Korsikas mit Überfällen und Piratenangriffen rechnen. Eine exponierte Dorflage mit gutem Fernblick und eine ausgeklügelte Wehrarchitektur waren zu dieser Zeit überlebenswichtig.

„Dieser hauchzarte Duft nach Thymian und Mandeln, Feigen und Kastanien … und dieser Hauch von Kiefer, diese leichte Andeutung von Beifuß, diese Ahnung von Rosmarin und Lavendel … ach, meine Freunde, dieser Duft!“ Mit diesen blumigen Worten beschreibt ein korsischer Häuptling in ‘Asterix auf Korsika’ sehr treffend den Geruch der Insel. Ja, Korsika riecht einfach umwerfend gut! Selbst Napoleon behauptete nach seiner Verbannung, seine Heimatinsel mit verbundenen Augen am Duft zu erkennen. „Schuld“ an diesem olfaktorischen Erlebnis ist der immergrüne, mediterrane Buschwald (Macchia), der mehr als ein Viertel von Korsika bedeckt. Die Macchia setzt sich neben Bäumen, Farnen und Gräser vor allem aus Ginster, Lavendel, Myrthe, Rosmarin, Zistrose und Wachholder zusammen. Viele dieser Pflanzen sondern zum Schutz vor der Sonne aromatisch duftende ätherische Öle ab.

Neben der Flora ist auch die wildlebende Tierwelt Korsikas sehr beeindruckend. So leben auf der Insel zwar recht wenige Säugetierarten, darunter jedoch noch etwa 800 der streng geschützten Mufflon- Wildschafe. Der aufmerksame Wanderer kann sich über zahlreiche Eidechsen, Feuersalamander, Geckos, Gottesanbeterinnen, Zorn- und Ringelnattern freuen. Und wer besonders viel Glück hat, begegnet in der Küstenregion sogar einer griechischen Landschildkröte. Nach Heuschrecken, laut zirpenden Zikaden, Hummeln und Schmetterlingen muss man nicht lange suchen. Sie begleiten einen auf Schritt und Tritt. In der artenreichen Macchia finden auch die zahlreichen Bienenvölker der Korsen ganzjährig Nahrung. Dieser Wildblütenhonig schmeckt unglaubl ich lecker. Auch die Vogelwelt der Insel bietet neben gängigen mitteleuropäischen Arten einige Besonderheiten wie Fischadler und Bartgeier. Wer mit der Fähre nach Korsika übersetzt, kann Delphine oder sogar einen Finnwal im Wasser beobachten. Neben den geschilderten Reizen bietet Korsika jedoch zumindest mir vor allem eins: keine geschundenen Tiere! So gibt es auf der Insel beispielsweise keine Massentierhaltung. Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist meist kleinbäuerlich. So wuseln um verstreute Höfe Schweine, Esel, Pferde, Enten, Hühner und Gänse durcheinander. Hofhunde liegen nicht an der Kette, sondern wo immer sie wollen. Und das am liebsten in der Einfahrt, von der Sonne beschienen.

Jeder Landbesitzer musste früher pro Jahr 4 Bäume anpflanzen

Charakteristisch für Korsika sind die freilaufenden, oft halbverwilderten Hausschweine, die sich vorrangig von den zahlreich auf der Insel zu findenden Eicheln, Bucheckern und vor allem Kastanien ernähren. Früher war die Edel- oder Esskastanie eine wichtige Nahrungsquelle der Korsen. Die Kastanien wurden zu Mehl verarbeitet und an das Vieh verfüttert. Als Maßnahme gegen die drohende Entwaldung Korsikas verfügten die Genueser im 16. Jahrhundert, dass jeder Landbesitzer pro Jahr mindestens 4 Bäume anpflanzen musste. Obwohl mehrere Baumarten zur Auswahl standen, pflanzten die Korsen hauptsächlich Esskastanien. Neben kleineren Wäldern und verstreuten Beständen existiert noch heute ein riesiger Kastanienwald in der hügeligen Gegend zwischen Aleria und Bastia im Osten Korsikas – die sogenannte Castaniccia (Kastanienhain). Es lohnt sich, die verschiedenen Produkte mit Esskastanien wie Marmelade, Backwaren oder Bier zu kosten, die es auf der Insel zu kaufen gibt.

Etwa 30.000 halbwilde Hausschweine, die sich häufig mit den ebenfalls vorkommenden Wildschweinen vermischen, sollen auf der Insel leben. Ganze Schweinerotten können einem am Strand oder mitten auf der Straße begegnen. Völlig entspannt kommen die neugierigen Tiere näher und erweisen sich mitunter sogar als richtig aufdringliche Bettler. Hier ist auf jeden Fall Vorsicht angebracht. Die am Touristenproviant interessierten Burschen können schmerzhaft zubeißen und sollten daher nie gefüttert oder gestreichelt werden.

Vor allem im hügeligen Hinterland Korsikas finden sich gartenähnliche Haine aus Orangen-, Zitronen-, Mandel- und Olivenbäumen, die sich mit kleinen Weinbergen abwechseln. Hier werden Schafe und Ziegen meist in alter Tradition von Hirten geführt. Häufig wandern die Herden im Sommer in die höhergelegenen Bergregionen, wo die Hirten kleine Steinhütten (sogenannte Bergerien) errichtet haben, in denen sie nicht nur leben, sondern auch die Schafs- und Ziegenmilch zu Käse verarbeiten. Zum Tragen der Vorräte und persönlichen Gegenstände nehmen die Hirten meistens Esel mit. Auch diese dürfen dann nach Belieben herumstromern und den Sommer in den Bergen genießen.

Freilaufenden Rindern begegnet man ebenfalls häufig auf Korsika. Am Strand teilen sich Touristenhorde und Rinderherde einvernehmlich die schönsten Liegeplätze in der Sonne. Und in den bergigen Regionen muss man damit rechnen, dass hinter der nächsten Kurve eine Kuh mit ihrem Kalb am Straßenrand grast. Die Tiere sind an den nur mäßigen Autoverkehr gewöhnt und lassen sich nicht stören. Sehr selten kommt es zu Unfällen, da die Autofahrer in der Regel rücksichtsvoll sind und um die zum Teil mitten auf der Straße liegenden Tiere herumfahren. Sogar beim Klettern in den alpinen Bergregionen trifft man regelmäßig auf Rinder, die in schwindelnder Höhe Felsenkräuter abweiden. Das Interesse an Menschen ist aber insgesamt eher mäßig, man bleibt lieber auf Distanz und jeder geht seiner Wege.

Vielleicht ist die ausgeprägte Freiheitsliebe der Korsen der Grund dafür, dass auch die Tiere auf der Insel frei herumlaufen dürfen. Wer selbst nicht kontrolliert und gegängelt werden möchte, lässt auch seinen Mitgeschöpfen ihren Freiraum. Ich bin verliebt in diese Insel, die ich nun schon 6 Mal besucht habe. Lassen Sie, liebe Leser, sich doch auch einmal verzaubern und machen Sie Urlaub auf Korsika – der Insel der Freiheit.