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Asiens graue Riesen leiden für den Tourismus

Gefesselter Reitelefant in Thailand. Foto: © privat

Während unseres Winterhalbjahres ist in vielen asiatischen Ländern Hauptreisezeit. Gerne entrinnen wir dem nasskalten Wetter und lassen uns in Indien, Kambodscha oder Thailand von der Sonne verwöhnen. Viele Touristen möchten dabei auch mit wilden Tieren auf Tuchfühlung gehen. Besonders beliebt ist das Reiten auf Elefanten.

Ein Bericht von Ursula Bauer, aktion tier- Geschäftsstelle Berlin | September 2019

Was Urlauber jedoch unbedingt wissen müssen: Das Leben der Asiatischen Elefanten in Gefangenschaft ist für die meisten Dickhäuter eine Katastrophe. Es beginnt schon damit, dass zahlreiche Babyelefanten illegal in freier Wildbahn gefangen werden, da eine Vermehrung in Gefangenschaft schwierig ist. Mit grausamen Methoden wie Schlagen und Nahrungsentzug werden die Jungtiere dann dazu gebracht, den Menschen als Herrn zu fürchten und zu akzeptieren.

Auch die anschließende Abrichtung für den Tourismus erfolgt unter Gewaltanwendung. Mit Haken und Stöcken werden die Elefanten dann ein Leben lang unter permanenter Kontrolle gehalten. In ihrer „Freizeit“ stehen sie größtenteils angekettet auf Betonboden, oft ohne Kontakt zu Artgenossen. Die Ernährung ist meist einseitig, beispielsweise mit Ananasblättern, und es fehlt an tierärztlicher Betreuung. Reitelefanten müssen mitsamt der unbequemen Reitsättel oft stundenlang bei unerträglicher Hitze in der prallen Sonne auf Touristen warten. Aufgrund der schlechten Haltungsbedingun-gen neigen die Tiere zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit. Die reizarme Umgebung, fehlende Beschäftigung sowie Bewegungsmangel führen außerdem schnell zu Verhaltensstörungen. Diese äußern sich zum Beispiel in permanenter Unruhe und stereotypen Bewegungsabläufen wie dem sogenannten „Weben“, bei dem die Dickhäuter ständig den Kopf hin und her wiegen.

Die imposanten grauen Riesen sind nicht nur hinsichtlich ihrer Größe außergewöhnlich. Auch ihre natürlichen Lebensgewohnheiten sind derart speziell, dass eine Haltung in Gefangenschaft nicht ansatzweise art- und verhaltensgerecht sein kann. Ein wildlebender Asiatischer Elefant ist jeden Tag etwa 18 Stunden in Bewegung und frisst dabei bis zu 200 kg frisches Pflanzenmaterial wie Gras, Früchte, Wurzeln, Rinde und Zweige. Der Dickhäuter-Speiseplan ist unglaublich vielfältig und umfasst ca. 180 unterschiedliche Pflanzenarten. Außerdem leben Elefanten in Herden von bis zu 20 Tieren, sind sehr intelligent, sozial und kommunikativ. Elefanten sind auch keine Haustiere. Anders als Hunde, Rinder, Pferde und Katzen wurden sie nicht domestiziert, also über mindestens 10 Generationen von Menschen gehalten und gezielt gezüchtet. Durch die fehlende Haustierwerdung haben Elefanten nach wie vor das Verhalten von Wildtieren und gelten in Gefangenschaft als gefährlich. Immer wieder kommt es zu spontanen Ausbrüchen oder Angriffen auf Menschen, zum Teil mit tödlichem Ausgang.

Wir bitten alle Asien-Reisenden, die Ausbeutung der Elefanten nicht zu unterstützen. Weder durch einen Ausritt, noch durch den Besuch einer Show oder Farm, wo unnatürlich viele Elefantenbabys als angebliche Waisen zum Kuscheln präsentiert werden. Schon beim Buchen der Reise sollte man einen Anbieter wählen, der ganz bewusst Events mit Elefanten aus seinem Programm gestrichen hat.

Wissenswertes über Elefanten

Große Landsäugetiere mit Rüssel, die in der Ordnung der Rüsseltiere zusammengefasst sind, gibt es seit etwa 56 Millionen Jahren. Die früher sehr zahlreichen und verschiedenartigen Vertreter dieser Ordnung waren fast auf der gesamten Erde verbreitet. Heute sind nur noch unsere drei Elefanten-Ar ten übrig: der Afrikanische Savannen- und der Afrikanische Waldelefant sowie der Asiatische Elefant. Ohne Rüssel aber trotzdem mit den Elefanten eng verwandt sind die im Wasser lebenden Seekühe. Und, unglaublich aber wahr: auch der nur kaninchengroße und fast wie ein pummeliges Meerschweinchen aussehende Klippschliefer (Procavia capensis) gehört zur näheren Verwandtschaft.

Fälschlicherweise wird oft behauptet, Elefanten würden von Mammuts abstammen. In Wahrheit handelt es sich bei den Mammuts um eine ausgestorbene Elefanten- Gattung. Früher lebten in wärmeren Phasen in Europa sowohl Mammuts als auch die ebenfalls von der Erde verschwundenen Europäischen Waldelefanten. Beide sind zwar Verwandte, jedoch keine direkten Vorfahren unserer modernen Elefanten. Sowohl die fossilen als auch die rezenten Elefantengattungen und -arten entwickelten sich durch diverse Mischungen aus einer frühen Stammform, dem in Afrika lebenden Urelefanten Primelephas.

Lebensweise und Fortpflanzung

Die grauen Riesen ernähren sich rein vegetarisch und verbringen den größten Teil des Tages mit der Nahrungssuche. Elefanten sind sehr sozial und leben meistens in Herdenverbänden: Die weiblichen Tiere zusammen mit dem Nachwuchs und die Bullen in eigenen „Männerherden“. Manchmal leben Bullen, die mit etwa 15 Jahre aus der Mutter-Kind-Gruppe ausgeschlossen werden, auch als Einzelgänger. Nur während der Paarungszeit kommen männliche und weibliche Elefanten zusammen. Nach einer Tragzeit von 22 Monaten (das sind fast 2 Jahre!) kommt das etwa 130 kg schwere Elefantenkalb zur Welt.

Die Vermehrung in Gefangenschaft ist relativ schwierig. Eine Elefantenkuh wird erst mit 12 bis 20 Jahren geschlechtsreif. Ihre Fruchtbarkeit dauert meistens nur bis zum 40ten Lebensjahr. Angesichts der Lebenserwartung von bis zu 70 Jahren ist das eine relativ kurze Spanne. Auch wird beileibe nicht jeder Bulle als Paarungspartner akzeptiert. Hinzu kommt, dass Elefantenkühe nur wenige Male im Jahr paarungsbereit sind und diese Bereitschaft von außen nicht zu erkennen ist. Daher müsste ein Elefantenmann täglich mehrere Stunden mit einer Elefantendame zusammen sein, um den geeigneten Zeitpunkt dann auch nutzen zu können. Was schwer umsetzbar ist.

Verhängnisvolles Elfenbein

Elfenbein ist seit Jahrtausenden beliebt. Die Stoß- und Eckzähne verschiedener Säugetiere wie Flusspferd, Walross, Pottwal, Narwal, Mammut und Elefant liefern das Zahnbein, das wegen seiner Seltenheit und Schönheit zeitweise teurer als Gold war. Neben Schmuck, Kunstgegenständen und allerlei kostbarem Zierrat wurde Elfenbein in Zeiten des Überangebots aber auch für Klaviertasten, Türgriffe, Knöpfe und Billardkugeln verwendet. Heute werden verstärkt kitschige Touristen-Souvenirs aus diesem ganz besonderen Material gefertigt.

Da Elefanten-Stoßzähne bis zu 3 m lang werden und über 100 kg wiegen können, ist gerade dieses Elfenbein bis heute ein lohnendes Geschäft. Nachdem die europäischen Kolonialmächte in Afrika den vorher gemäßigten und auf Nachhaltigkeit bedachten Elfenbeinhandel übernommen hatten, begann im 19. Jahrhundert ein skrupelloses Abschlachten. Während vor der Kolonialzeit geschätzte 20 Millionen Elefanten auf dem schwarzen Kontinent lebten, waren es 1979 nur noch 1,3 Millionen. Aktuelle Zählungen kommen auf einen Restbestand von etwa 350.000 Exemplaren. Und immer noch soll etwa alle 15 Minuten ein Elefant in Afrika seiner Stoßzähne wegen von Wilderern getötet werden. Beim Asiatischen Elefanten besitzen nur die Bullen Stoßzähne und hier auch nicht jeder. Durch die Dezimierung der „Elfenbeinträger“ bekamen die zahnlosen Männchen zunehmend besser Chancen, sich fortzupflanzen und die genetische Information „keine Stoßzähne“ weiter zu vererben. Was dazu geführt hat, dass in einigen Regionen die stoßzahnlosen Männchen bereits die Mehrheit bilden. In Sri Lanka beispielsweise sollen die Zahnlosen bereits 90 Prozent des gesamten Elefantenbullen-Bestands ausmachen. Trotzdem sind Asiatische Elefanten sogar stärker gefährdet als ihre afrikanischen Verwandten. Vor allem aufgrund des Verlusts von Lebensraum, denn der Mensch nimmt sich immer mehr Elefantengebiet, um es zu besiedeln oder zu bewirtschaften. Auch die traditionell in Asien stärker als in Afrika verwurzelte „Nutzung“ der Dickhäuter als Arbeitselefanten lässt die wildlebenden Bestände schrumpfen, da viele Elefantenbabys in freier Wildbahn gefangen werden. Seit etwa 4.000 Jahren dienen Elefanten als Reittiere und Lastenträger und wurden sogar zum Kämpfen im Krieg ausgebildet. Heute werden sie vorrangig zur Holzgewinnung und für den Tourismus eingesetzt.

Zwischen 1977 und 1997 waren alle drei rezenten Elefantenarten im Washingtoner Artenschutzübereinkommen in Anhang I gelistet. Sämtliche Tier- und Pflanzenarten des Anhang I sind vom Aussterben bedroht und daher mit einem internationalen Handelsverbot belegt. Dieser Schutz bezieht sich immer sowohl auf das lebendige Individuum als auch auf Produkte daraus. Bei Elefanten sind dies zum Beispiel Gegenstände aus Elfenbein. Ausgenommen vom Elfenbein- Vermarktungsverbot sind Antiquitäten aus dem wertvollen Stoff, die ein bestimmtes Alter haben. Da sich die Bestände in Botsuana, Namibia, Südafrika und Simbabwe seit dem Inkrafttreten des Handelsverbots erholt haben, wurden die Elefanten dieser Länder nach Anhang B herabgestuft, was einen regulierten Handel unter bestimmten Voraussetzungen möglich macht. Trotz dieses internationalen Schutzreglements soll aber immer noch etwa alle 15 Minuten ein Elefant in Afrika seiner Stoßzähne wegen von Wilderern getötet werden, und der illegale Handel geht weiter.