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Die Entstehung der Pelztierzucht

Amerikanische Nerze in den konventionellen winzigen Käfigen
Amerikanische Nerze in den konventionellen winzigen Käfigen (etwa die Größeeines DIN-A2-Blattes). Foto: aktion tier e.V.
Ein Trapper mit Fuchsfellen in den Adirondacks, USA.
Ein Trapper mit Fuchsfellen in den Adirondacks, USA. Bildlizenz: gemeinfrei
Zwei Silberfuchs-Schweife an einem Narrenkostüm.
Zwei Silberfuchs-Schweife an einem Narrenkostüm. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Das Foto zeigt einen Langschwanz-Chinchill
Die ersten Chinchilla-Farmen entstanden Anfang des 20ten Jahrhunderts in Chile. Das Foto zeigt einen Langschwanz-Chinchilla (Chinchilla lanigera) als Heimtier. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Ein Europäischer Nerz
Der Europäische Nerz (Mustela lutreola) wurde aufgrund des weniger attraktiven Fells nie in der Pelztierzucht verwendet. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Von temporären Modeerscheinungen einmal abgesehen, waren die Felle von bestimmten Tieren seit jeher begehrt. So wird beispielsweise der Pelz des Zobels seit mehr als 1.000 Jahren als Kostbarkeit gehandelt.

Ein Bericht von Ursula Bauer, Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Im Preis- und Qualitätsranking folgen auf den Zobel dann Chinchilla, Nerz, bestimmte Fuchsarten und -züchtungen, Wiesel, Hermelin und Persianer. Das Schlusslicht bildet das relativ preiswerte Fell der Kaninchen. Ursprünglich wurden alle Pelztiere in ihrer natürlichen Umgebung von Trappern gejagt oder mit Fallen gefangen. Durch die exzessive Nachstellung gingen die Wildtierbestände der besonders stark nachgefragten Arten jedoch in teilweise erschreckendem Maße zurück. So waren südamerikanische Chinchilla, sibirische Zobel und nordamerikanische Silberfüchse derart rar geworden, dass ihre Felle schon seit Mitte des 19ten Jahrhunderts auf dem freien Markt nicht mehr zu haben waren.

Der Bedarf vor allem an diesen Edelpelzen konnte nicht mehr aus der freien Wildbahn gedeckt werden. Es sollen Trapper und Fallensteller gewesen sein, die sich angesichts der versiegenden Einnahmequelle Gedanken darüber machten, wie Pelz quasi künstlich gewonnen werden könnte. 1894 beschlossen dann zwei Kanadier, Silberfüchse zu züchten. Und tatsächlich gelang es ihnen nach etlichen Fehlversuchen, wildgefangene Silberfüchse zu vermehren und deren Nachkommen groß zu ziehen. Die gesicherte Beschaffung der kostbaren Felle durch die Haltung der Tiere in Farmen entwickelte sich schnell zu einem lukrativen Geschäft. Bereits im Jahr 1938 stammten in Kanada 43 Prozent der Silberfuchs-Pelze aus der Zucht. über die USA verbreitete sich die Pelztierzucht 1913 nach Europa. Hier wurden zuerst Farmen in Schweden, Finnland und Norwegen errichtet. Deutschland zog 1921 nach, gefolgt von anderen Ländern

Mitteleuropas. 1924 folgte Japan, 1928 die Sowjetunion. Die Pelzproduktion entwickelte sich in einigen Ländern zu einem regelrechten Industriezweig, 1939 betrug die weltweite Silberfuchsfell-Produktion ca. eineinviertel Millionen Stück. Gleichzeitig ging der Wildfang permanent zurück und spielt heute überhaupt keine Rolle mehr. In den Farmen wurden perfekte Pelze erzeugt und durch Mutationszucht unterschiedliche Farbvarianten produziert, die dem jeweils aktuellen Modegeschmack gerecht wurden.

Heute befinden sich die meisten Farmen in Skandinavien, den USA, Kanada, China und in der Sowjetunion. Das mit Abstand am häufigsten gezüchtete Pelztier ist der Amerikanische Nerz (Mink).

Der Silberfuchs

Bei dem Silberfuchs oder Schwarzsilberfuchs handelt es sich nicht um eine eigene Fuchsart, sondern um eine Farbvariante des Rotfuchses. In freier Wildbahn kommt es gelegentlich zu dieser spontanen Farbmuta- tion. Kleine Bestände wildlebender Silberfüchse finden sich jedoch nur im nördlichen Teil Nordamerikas (u.a. Alaska, Kanada). Ab etwa 1900 wurden neben dem Silberfuchs auch andere Tiere wie beispielsweise Blaufüchse (Farbvariante des Polarfuchses), Nerze, Nutrias, Zobel und Chinchillas als Farmtiere gehalten.

Nerzkäfige - Unter den Käfigen türmen sich Kotberge auf
Unter den Käfigen türmen sich Kotberge auf. Für die geruchsempfindlichen Nerze ein quälender Zustand. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Muff aus Rotfuchs
Tot, aber nicht schick – Muff aus Rotfuchs. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Nerzmantel
Etwa 50 Nerzfelle sind zur Herstellung eines Mantels nötig. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Artgerecht zählt nicht

Bereits bei den Silberfüchsen hatten die Pelztierfarmer diverse Erfahrungen gesammelt und die Haltung immer weiter optimiert. So wurden die Tiere anfänglich in Gehegen am Boden gehalten. Nachdem vermehrt Parasitenbefall durch den Kontakt mit dem Kot auftrat, sperrte man die Tiere aus hygienischen Gründen in Drahtkäfige, durch deren Maschen die Fäkalien hindurchfallen konnten. Diese grausame Art der Haltung hat sich dauerhaft bei allen Arten von Pelztieren durchgesetzt.

Die fortschreitende Industrialisierung der Pelzproduktion etwa ab den 1950er Jahren führte unter anderem zu immer höheren Bestandszahlen, immer kleineren Käfigen und unnatürlichem Futter. Nerzfarmen mit bis zu 150.000 Tieren sind keine Seltenheit. Die extremen Haltungsbedingungen, die das Ausleben biologischer Bedürfnisse nicht zulassen und der Wegfall praktisch sämtlicher Beschäftigungsmöglichkeiten führte bei den Tiere sehrschnell zu körperlichen Beeinträchtigungen und entsprechend gravierenden Verhaltensstörungen. Außerdem werden die Tiere aus Gründen der Gewinnmaximierung möglichst jung getötet. Minks beispielsweise können in freier Wildbahn bis zu 10 Jahre alt werden. In den Farmen werden sie mit nur 6 Monaten „geerntet“. Das Wohlergehen der Tiere? Ist bis heute in der Farmzucht kein Kriterium! Alles was zählt sind die Qualität der Pelze und möglichst hohe Stückzahlen.

Situation in Deutschland

Vor allem die Aufklärungsarbeit und der Druck durch Tierschutzorganisationen haben dazu geführt, dass die kommerzielle Pelztierhaltung in Deutschland stark rückläufig ist. 1979 gab es noch 170 Pelzfarmen, 2009 waren es 30, und aktuell existieren nur noch sechs dieser Institutionen. In allen werden Amerikanische Nerze gehalten. Zwei der Standorte sollen angeblich Ende 2017 geschlossen werden, in den verbleibenden 4 Farmen leiden dann insgesamt immer noch ca. 37.000 Minks. Gemäß Medienberichten werden bis heute in keiner der sechs Farmen die in Etappen angehobenen gesetzlichen Vorgaben zur Pelztierhaltung (verankert in der Tierschutz-Nutztierverordnung) umgesetzt. Diese schreiben unter anderem eine nutzbare Fläche von einem Quadratmeter pro Nerz und die Bereitstellung von Wasser vor. Die Tiere besitzen Schwimmhäute zwischen den Zehen und benötigen daher Badewasser. Um die Haltevorschriften gesetzlich umsetzen zu können, wurde extra ein Gesetz erlassen, wonach ab 2022 Pelzfarmen in Deutschland nur noch betrieben werden dürfen, wenn die Haltungsvorgaben eingehalten werden. Klingt verwirrend und bürokratisch – eben typisch deutsch.

Doch selbst wenn es hierzulande irgendwann einmal keine Farmen mehr gibt, geht das Leiden für den Luxusartikel Pelz in anderen Ländern weiter. So lange wir Dinge aus Pelz kaufen und tragen. Hoffnung gibt hier die Tatsache, dass 80% der Deutschen für ein Verbot von Zuchtfarmen in Deutschland sind und sich sogar 82% gegen das Tragen von Pelz ausgesprochen haben. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Pelztierfarmen weltweit aussterben.

Foto: Jan Peifer

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