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VerbraucherschutztippsWoher kommen die bunten Eier?

Der Eier-Stempel ist bei bunten Eiern nicht mehr zu sehen.
Man erkennt die Herkunft der bunten Eier nicht, denn der Eier-Stempel ist bei bunten Eiern nicht mehr zu sehen. – Foto: Couleur Pixabay

Von Jan Peifer, März 2020

Bunte Ostereier haben eine lange Tradition, die weit über das Christentum hinausreicht. Diese Tradition spielt heute für die meisten Menschen keine Rolle mehr, Ostereier gehören einfach zu Ostern wie der Osterhase. Jedes Kind sucht sie gern, zum Osterfrühstück kommen sie selbstverständlich auf den Teller. Wer die Eier nicht selber färben möchte, findet mittlerweile fast ganzjährig bunte Eier im Supermarkt. Bunte Ostereier aber zählen zu den verarbeiteten Produkten und sind als solche von der Pflicht zur Herkunftskennzeichnung ausgenommen. Seit 2004 gilt dies EU-weit für rohe, lose verkaufte Eier und gibt das Herkunftsland, die Haltungsform (Bio-, Freiland-, Boden- oder Käfighaltung) sowie den Erzeugerbetrieb an.

Eine sehr lange Zeit war vor allem aus Kostengründen die Käfighaltung die meistverbreitete Haltungsform für Legehennen. So lebten vor zehn Jahren rund 70% der Hühner in der Legebatterie. Diese war viele Jahre lang ein Hauptthema für viele Tierschützer, wurde immer mehr zum Politikum und in Deutschland 2009 verboten, 2012 folgte das EUweite Verbot. Heute leben mehr Hühner in Ökohaltung als in den sogenannten Kleingruppen, die die konventionelle Legebatterie abgelöst haben. Allerdings müssen noch immer etwa 10% der Legehennen in Deutschland ihr Leben hinter Gittern verbringen.

Mittlerweile wurde zwar beschlossen, auch die Kleingruppenhaltung im Käfig abzuschaffen, doch die Übergangsfrist läuft noch bis 2025.

Auch die Nachfrage beim Einkauf hat sich verändert: Immer mehr Menschen greifen zum Ei mit der Kennzeichnung 0 für Biohaltung. Eier aus Käfighaltung müssen mit der 3 gekennzeichnet werden; sie werden im Einzelhandel nicht mehr verkauft, da es hierfür keine Nachfrage mehr gibt. Diese Käfigeier werden für Industrieprodukte verwendet, also für Nudeln oder Gebäck. Oder sie werden als Ostereier verkauft, denn hier müssen nur der Hersteller und ein Mindesthaltbarkeitsdatum ausgezeichnet werden. Nicht einmal die verwendeten Farbstoffe müssen angegeben werden, da diese nicht als Nahrungszusatz gelten. Zwar müssen die Farben für die Lebensmittelherstellung zugelassen sein, sie können aber durch kleine Risse in der Schale auch ins Innere des Eis geraten und werden so beim Verzehr unbewusst mit aufgenommen. Wer Eier aus der Käfighaltung bewusst meiden möchte, sollte also der Versuchung widerstehen und seine Eier selbst färben. Allerdings sollte man sich auch hier ein paar Gedanken machen. Denn mit der wachsenden Nachfrage nach Bioeiern können die heimischen Erzeuger schon lange nicht mehr mithalten.

So kommt ein großer Teil der bei uns verkauften Bioeier mittlerweile aus dem Ausland, hauptsächlich den Niederlanden.

Hier leben Biohühner in großen Hallen mit mehreren Zehntausend Tieren. Gemäß dem EU-Biosiegel dürfen pro m² Stallfläche sechs Hühner gehalten werden (in der Bodenhaltung sind es neun Tiere, in der Fleischmast deutlich mehr). Insgesamt dürfen gemäß der Vorschrift bis zu 3.000 Tiere in einem Stall leben. Doch mit einfachen und ganz legalen Tricks wird diese Grenze leicht umgangen: Mit dem Einbau von Zwischenetagen lässt sich die Besatzdichte pro m² einfach verdoppeln, mit dem Einbau von Zwischenstellwänden in der Stallanlage aus einem Stall einfach mehrere machen. Auch Bioeier werden mittlerweile in Massentierhaltung produziert. Die Vorschriften des EU-Biosiegels können mehr oder weniger streng ausgelegt werden, (auch) aus diesem Grund gibt es Verbandssiegel wie demeter oder Ökoland. Sie werden nach deutlich strengeren Richtlinien vergeben, die Produkte werden vor allem in Bioläden und Reformhäusern verkauft.

Aber auch das strengste Siegel kann nicht verhindern, dass für eine große Nachfrage viele Tiere benötigt werden.

Und nicht nur die Legehennen leiden unter Stress und Enge in großen Ställen. Weil sie für die Eierindustrie wertlos sind, werden noch immer jedes Jahr Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert, auch für die Produktion von Bioeiern. Wer also keine eigenen Hühner im Garten hält und von ihnen ab und an ein Ei bekommt, sollte sich den nächsten Ostereinkauf gut überlegen. Denn Bioeier sind vielleicht eine Alternative, allerdings nicht die beste.

Bei (veganen) Schoko-Eiern jedoch kann jede/r beherzt zugreifen – hier verursacht höchstens die Waage nach den Ostertagen ein schlechtes Gewissen.