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Arachnophilie: Spinnenliebe

Gartenkreuzspinne.
Gartenkreuzspinne mit erbeuteter Fliege. Foto: © Ursula Bauer
Gartenkreuzspinne
Unterseite einer Gartenkreuzspinne mit Spinnwarzen im Hinterleib. Foto: © Ursula Bauer
Gerandete Jagdspinne
Die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) lebt am Ufer stehender oder fließender Gewässer und erbeutet neben Insekten und Kaulquappen auch kleine Fische. Foto: © Ursula Bauer
Krabbenspinne.
Die Krabbenspinne kann ihre Färbung dem Lebensraum anpassen. Sie ist ein Lauerjäger und webt keine Fangnetze, sondern tötet z.B. Bienen oder Wespen mit einem giftigen Biss in den Nacken. Foto: © Ursula Bauer
Weißknievogelspinne
Die Weißknievogelspinne (Acanthoscurria geniculata) lebt im brasilianischen Regenwald und ist eine bodenbewohnende Spinne. Sie ernährt sich von Eidechsen, Schmetterlingen und anderen Tieren in ihrem Lebensraum. Foto: © Ursula Bauer
Chitinhaut
Die starre Chitinhaut der Spinnen verleiht dem Körper die erforderliche Stabilität. Wenn die Spinne wachsen will, muss sie sich häuten. Foto: © Ursula Bauer
 
 

von Ursula Bauer. Mein Biologenherz schlägt für Spinnen – vor allem für unsere heimischen Webspinnen. Spinnen sind nicht sonderlich beliebt und entsprechen absolut nicht unserer Vorstellung von einem Kuscheltier. Vielleicht sind sie uns aber auch nur sehr fremd. Um das zu ändern möchte ich Ihnen, liebe Leser, die „kleinen Spinner“ an dieser Stelle etwas näher bringen.

Bei Spinnen scheiden sich die Geister. Manche finden sie faszinierend und halten sich sogar exotische Vogelspinnen als Haustiere. Bei anderen wecken Spinnen jedoch Ekel, Abscheu und Grusel. Geschürt wird die bei vielen Menschen zumindest latent vorhandene Abneigung durch unzählige Horrorfilme mit reißerischen Titeln wie „Spider Attack“, „Mörderspinnen“ und „Spinnen des Todes“, in denen Spinnen zu riesigen Monstern mutieren, Menschen töten und ganze Städte in Angst und Schrecken versetzen. Ist die Furcht vor Spinnen derart stark ausgeprägt, dass regelrecht Panik empfunden wird, sprechen wir von Arachnophobie. Woher kommt diese Arachnophobie, also die krankhafte Angst vor Spinnen? Ich habe vor vielen Jahren selbst einmal die Panikattacke eines Freundes miterlebt. Angesichts eines winzigen Spinnchens, welches über das Armaturenbrett krabbelte, stoppte dieser erwachsene Mann sein Auto mitten auf einer Kreuzung und floh Hals über Kopf. Erst nachdem ich das Tier in sicherer Entfernung ausgesetzt hatte, war er bereit, die Fahrt fortzusetzen – schweißgebadet und am ganzen Körper zitternd. Psychologen sehen eine Ursache dieser Angststörung in der Tatsache, dass Menschen dahin tendieren, vor Tieren und Gegenständen Angst zu haben, die vom menschlichen Erscheinungsbild stark abweichen. Allerdings gibt es zahlreiche Tiere, die noch weitaus weniger dem Menschen ähneln als Spinnen. Zum Beispiel Schnecken oder Würmer, die noch nicht einmal Beine haben. Aber von einer Schnecken- oder Regenwurmphobie hat man noch nie gehört. Des Weiteren könnte die Angst vor Spinnen auch genetisch fixiert sein. Schließlich gibt es tatsächlich diverse gefährliche Spinnentiere und selbst heute sterben jedes Jahr mehrere tausend Menschen zum Beispiel an Stichen von Skorpionen. Die vor Urzeiten angelegte, früher durchaus berechtigte Furcht vor Spinnen könnte also weitervererbt und daher bis heute erhalten sein, selbst wenn aktuell die Gefahr durch Spinnen in den meisten Ländern dieser Erde verschwindend gering ist.

Die Angst vor Spinnen ist oft angelernt

Letztendlich könnte die Angst vor Spinnen auch einfach nur erlernt sein. Wenn die Eltern sich vor den Achtbeinern fürchten, denken die Kinder, dass diese Tiere gefährlich sind und übernehmen automatisch das elterliche Verhaltensmuster. Ich persönlich halte diese Erklärung für sehr plausibel. Meine Mutter hat uns von klein auf vorgelebt, dass alle Lebewesen, auch die kleinsten Krabbeltierchen, Achtung und Respekt verdienen. Jedes Wesen in Not wird gerettet, nie wird ein Tier geschlagen, geschweige denn getötet (Ausnahme Stechmücken). Ich und meine drei Geschwister haben dieses Verhalten adaptiert. Angst oder gar Panik vor Spinnen kennen wir nicht. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Furcht vor Spinnen bei sogenannten Naturvölkern so gut wie unbekannt ist.

Von den weltweit etwa 38.000 bekannten Spinnenarten kommen knapp 1.000 Arten in Deutschland vor. Spinnen findet man in allen Lebensräumen außer im Meer. Sie besiedeln selbst die Oberflächen von Gewässern und eine Spinnenart, die auch in Deutschland vorkommende Wasserspinne (Argyroneta aquatica), lebt sogar unter Wasser mit Hilfe einer Luftglocke. Um gleich mit einem gängigen Vorurteil aufzuräumen: Spinnen können nicht stechen – weder exotische noch heimische. Denn Spinnen besitzen keinen Stachel wie etwa Bienen, Hummeln oder Wespen. Spinnen beißen. Ihre Beißwerkzeuge bestehen aus zwei Dornen am Vorderkörper, die mit je einer Giftdrüse verbunden ist. Mit diesen Dornen wird die Beute gebissen und durch das Spinnengift gelähmt. Durch einen zweiten Biss wird eine Flüssigkeit in das Beutetier gespritzt, wodurch sich sein Inneres auflöst und von der Spinne ausgesaugt werden kann. Für den späteren Verzehr werden auch gerne betäubte Beutetiere gut eingesponnen ins Netzt gehängt. Vor dem Biss einer europäischen Spinne braucht sich niemand zu fürchten – ihr Gift ist für Menschen ungefährlich und ihre Beißwerkzeuge viel zu schwach, um die menschliche Haut zu verletzen. Wirklich giftig sind nur einige wenige tropische Spinnenarten.