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Arachnophilie: Spinnenliebe

Spinnennetz.
Das Spinnennetz dient der Spinne zum Beutefang. Die Fäden bestehen aus Spinnenseide. Foto: © Ursula Bauer
Radnetz.
Spinnengewebe dient vorrangig dem Schutz und dem Beutefang. Am bekanntesten sind die von unserer heimischen Kreuzspinne hergestellten Radnetze. Foto: © Ursula Bauer
Fangnetz der Trichterspinne.
Häufig findet man die Netze von Trichterspinnen in schwer zugänglichen Verstecken, z.B. im Gestrüpp. Foto: © Ursula Bauer
Baldachinnetz.
Die nach der Baldachinspinnen (Linyphiidae) benannten Baldachinnetze findet man oft an den Halmen hoher Gräser. Foto: © Ursula Bauer
Zitterspinne.
Mit Hilfe ihrer großen, dreidimensionelen Raumnetze können Zitterspinnen auch wesentlich größere Beutetiere überwältigen. Foto: © Ursula Bauer
Gartenkreuzspinne.
Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) in einem Schlupfwinkel am Rand ihres Radnetzes. Foto: © Ursula Bauer
 
 

Die eifrigsten Spinner sind die Weibchen

Echte Spinnen besitzen sechs bis acht Augen und haben wie alle Vertreter der Spinnentiere 8 Beine – Insekten dagegen nur 6. Mit diesen Beinen, die mit unterschiedlichen Haaren und Gruben versehen sind, können sich die Spinnen nicht nur fortbewegen, sondern auch hören, riechen und fühlen. Und ihre Netze weben. Das hierfür benötigte Sekret wird in den Spinndrüsen im Hinterleib produziert und als sehr feiner Strahl über die Spinnwarzen nach außen abgegeben. An der Luft erhärtet es sofort zu der feinen Spinnseide, die nun weiterverarbeitet werden kann. Verschiedene Drüsen im Spinndrüsenapparat produzieren unterschiedliche Sekret- Arten für eine Reihe verschiedener Fäden. Unsere Gartenkreuzspinne etwa besitzt sechs Spinndrüsen und kann daher sechs verschiedene Fadensorten herstellen. Durch das Zusammendrehen mehrerer Einzelfäden entstehen recht dicke und stabile Fäden. So besteht beispielsweise der Sicherheitsfaden der Gartenkreuzspinne aus 200 Einzelfäden.

Übrigens sind die eifrigsten „Spinner“ die Weibchen. Sie weben teilweise komplizierte Fangnetze und Kokons für ihre Eier. Die männlichen Spinnen können zwar auch Netze bauen, sind aber viel auf Wanderschaft und wenig ortstreu. Die Spinnseide ist nicht nur sehr elastisch, unglaublich reißfest und dehnbar, sondern auch fester als Stahl. Die zahlreichen Versuche, diese wundersamen Spinnfäden künstlich herzustellen, haben bisher noch nie ein Ergebnis hervorgebracht, welches annähernd dem natürlichen Produkt entspricht. Eine in Neuguinea heimische Seidenspinne baut das angeblich größte Netz der Welt. Es kann bis zu zwei Meter Durchmesser erreichen und ist derart stabil, dass es angeblich von einheimischen Fischern sogar zum Fischfang benutzt wird.

Spinnengewebe dient vorrangig dem Schutz und dem Beutefang. Hier hat jede Spinnenart ihre ganz eigene Strategie entwickelt. Am bekanntesten sind wohl die von unserer heimischen Kreuzspinne hergestellten Radnetze. Ebenfalls sehr häufig kann man in der Krautvegatation die Netze der Baldachinspinnen finden, die in verschiedenen horizontalen Ebenen angelegt sind. Andere Arten bauen Trichter- oder Röhrennetze. Viele Spinnennetze bestehen aus klebrigen und nicht klebrigen Fäden. In der Regel werden Klebetröpfchen nur auf dem spiralig verlaufenden Fangfaden angebracht. Die Mitte des Netzes, in dem die Spinne sitzt sowie die nach außen verlaufenden Befestigungsfäden sind dagegen ohne „Klebstoff“. Wenngleich alle Spinnen Fäden produzieren können, webt doch nicht jede Art ein Fangnetz. Neben den Netzbauern gibt es beispielsweise noch die Lauerjäger, die lediglich dünne Signalfäden auslegen und in einem Versteck warten, bis die Beute über die Fäden stolpert. Arten, wie etwa die Krabbenspinne, sitzen, teilweise farblich dem Untergrund perfekt angepasst, auf Blumen und stürzen sich auf Fluginsekten, welche die Blüten auf der Suche nach Nektar besuchen. Springspinnen wiederum wandern herum und überwältigen Beutetiere, die sie mit ihren großen Augen erspäht haben.

Der Flug einer Baldachinspinne erreicht bis zu 1000 Meter Höhe

Die Spinnfäden werden außerdem als Flughilfe genutzt. Von einem erhöhten Punkt aus stellt die Spinne ihre Spinnwarzen in die Höhe und produziert einen langen Faden, der vom Wind erfasst wird und die Spinne mitreißt. Dem Wind völlig ausgeliefert, weiß die Spinne nie, wohin sie fliegt und wann sie wieder landen wird. Bis 1.000 Meter hoch kann so ein Flug gehen. Das hat man durch Flugzeuge festgestellt, die in dieser Höhe solche „Flugspinnen“ erfasst haben. Vor allem im Herbst segeln oft massenweise junge Baldachinspinnen an ihren Fäden durch die Luft. Diesem Phänomen verdanken wir den Begriff „Altweibersommer“, da die langen Spinnenfäden die Menschen an das graue Haar alter Frauen erinnern. Spinnen sind reine Fleischfresser, die sich in der Regel von Insekten ernähren. Sie reagieren auf alles, was sich bewegt und nicht wesentlich größer als sie selbst ist. Daher ist auch die Paarung für die Spinnenmännchen eine gefährliche Angelegenheit, denn das meist deutlich größere Weibchen kann schnell mal den Spinnenmann mit einer potentiellen Beute verwechseln. Eine Besonderheit hinsichtlich der Ernährung ist beispielsweise die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus), die an Gewässern lebt und Molche, Kaulquappen und sogar kleine Fische jagt.

Spinnen gibt es seit fast 300 Millionen Jahren

Chitinhaut
Abgestreifte Chintinhäute von Vogelspinnen. Foto: © Ursula Bauer Foto: © Ursula Bauer

Schätzungen zufolge fressen etwa 13.000 Spinnen, die auf 100 Quadratmeter naturnahem Wiesenland leben, jährlich etwa 5 Kilogramm Insekten. Als Schädlingsvertilger sind diese geschickten Jäger also sehr nützlich. Und auch als Mitbewohner im Haus leisten sie wertvolle Dienste, indem sie lästige Fliegen, Asseln und Mücken fressen. Etwa 20 heimische Spinnenarten haben sich als sogenannte Kulturfolger auf ein Leben in menschlichen Behausungen spezialisiert. Zu den häufigen Arten zählen die Haus-Winkelspinne (Tegenaria domestica) und die Zitterspinne (Pholcus phalangioides). Während die meisten „Hausspinnen“ eher feuchte Kellerräume bevorzugen, lebt die zierliche Zitterspinne auch in beheizten Neubauwohnungen, wo sie ihr unregelmäßiges Netz in einer Zimmerecke baut. Ihren Namen verdankt diese Spinne ihrem interessanten Schutzverhalten. Bei Gefahr beginnt sie zu zittern, wodurch ihre Konturen verschwimmen und sie für potentielle Fressfeinde nicht mehr so leicht wahrnehmbar ist. Auch wenn man ein Spinnennetz mit Bewohner in seiner Zimmerecke nicht mag, sollte man zumindest im Keller oder Schuppen diese harmlosen Mitbewohner tolerieren. Anstelle eines inneren Skeletts aus Knochen besitzen Spinnen ein Außenskelett aus Chitin. Bei manchen Tieren wie etwa Käfern ist diese Chitinhülle fest und hart wie ein Panzer. Die Chitinhaut der Spinnen ist nicht so massig, verleiht dem Körper jedoch die erforderliche Stabilität. Und sie ist starr, daher muss sich die Spinne häuten, wenn sie wachsen will. Ja, auch die teilweise sehr filigranen Beine häuten sich mit. Praktisch: Hat die Spinne einmal ein Bein verloren, kann dieses mit der nächsten Häutung regeneriert werden. Spinnen sind hochinteressante, überwiegend völlig harmlose Nützlinge, die einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts leisten. Es gibt sie seit fast 300 Millionen Jahren, also schon lange bevor Dinosaurier die Erde bevölkert haben. Ihre Netze sind ein grandioses Wunder der Natur! Wenn wir sie schon nicht lieben können dann sollten wir sie wenigstens respektieren und schützen.