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Texas Klapperschlange (Crotalus atrox)
Texas Klapperschlange (Crotalus atrox) im Reptilienschutzzentrum aktion tier BRANDENBURG. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Kopf und Schwanzende einer Klapperschlange. Foto: © Ursula Bauer
Marko Hafenberg beim Umsetzen einer Klapperschlange
Marko Hafenberg (Leiter aktion tier BRANDENBURG) setzt vorsichtig eine Klapperschlange um. Foto: © aktion tier e.V./Bauer
Diamant- Klapperschlange (Crotalus adamanteus), Präparat. Foto: © Ursula Bauer
 
 

Von Ursula Bauer, Juni 2015. Klapperschlangen gehören zur Familie der Vipern (Viperidae) und innerhalb derer zur Unterfamilie der Grubenottern (Crotalinae). Die Bezeichnung „Grubenotter“ verdanken alle Schlangen dieser Unterfamilie einem besonderen Sinnesorgan, dem sogenannten Grubenorgan, welches sich in zwei Vertiefungen seitlich des Kopfes zwischen Auge und Nasenloch befindet. Mit Hilfe dieses Organs können Grubenottern die kleinsten Temperaturschwankungen wahrnehmen und Beutetiere anhand deren Körperwärme aufspüren. Klapperschlangen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie können sich dank des Grubenorgans auch in völliger Dunkelheit orientieren und auf die Jagd gehen. Innerhalb der Grubenottern umfasst die Gattung der Klapperschlangen (Crotalus) insgesamt 29 Arten, welche ausschließlich im Amerika beheimatet sind, wo sie sowohl in trockenen Wüstengegenden als auch in Sumpfgebieten leben. Die Diamant-Klapperschlange (Crotalus adamanteus) gilt mit einer Maximallänge von 2,50m und einem Gewicht von bis zu 5kg als größte Klapperschlangen-Art. Dagegen ist die kleinste Art, die Pygmy-Klapperschlange (Sistrurus miliarius) mit einer Länge von etwa 60 Zentimetern und einem Gewicht von nur 113 Gramm ein regelrechter Zwerg.

Klapperschlangen sind lebendgebärend (ovovivipar). Das weibliche Tier legt also keine Eier ab, sondern brütet diese innerhalb seines Körpers aus. Die weiche Eihülle, die jedes Jungtier umgibt, platzt während des Geburtsvorgangs, so dass pro Brut 4 bis 12 vollentwickelte kleine Schlangen zur Welt gebracht werden. Die Klapperschlange ist ein Bodenbewohner und kann nicht klettern. Auf ihrem Speiseplan stehen vorrangig kleinere Säugetiere wie Mäuse, Ratten und Kaninchen. Daneben werden gelegentlich auch Frösche, junge Murmeltiere oder Vogeleier verzehrt.

Sämtliche Klapperschlangen- Arten verfügen über einen hoch entwickelten Giftapparat, der wie die Kanüle einer Spritze funktioniert. Das in einer von Muskulatur umgebenen Drüse hinter den Augen produzierte Gift fließt beim Zubiss durch die röhrenförmigen Giftzähne und kann so von der Schlange genau dosiert und tief in die Beute oder den Gegner injiziert werden. Die beiden Giftzähne am vorderen Oberkiefer liegen normalerweise verdeckt im Mundraum eingeklappt und werden beim Öffnen des Maules dann nach vorne aufgestellt. Klapperschlangen benötigen ihr Gift zum Töten der Beutetiere und zur Vorverdauung derselben sowie zur Verteidigung gegen Feinde.

Wie gefährlich ist der Biss einer Klapperschlange für Menschen?

Im schlimmsten Falle tödlich! Besonders gefährdet sind Kinder, alte Menschen und Allergiker sowie Personen mit Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen. Bei einem erwachsenen, gesunden Menschen ist die Gefahr eines lebensbedrohlichen Bisses geringer, da zumindest in Deutschland ärztliche Hilfe und entsprechende Gegengifte schnell verfügbar sind. Auch die Giftdosis spielt eine entscheidende Rolle: so injizieren große Klapperschlangen wie die Diamant- oder die Texas- Klapperschlange bei einem Biss eine größere und damit gefährlichere Giftmenge als kleine Arten.

Die genaue Zusammensetzung des Klapperschlangengiftes ist bis heute nicht bekannt. Man weiß jedoch, dass jede Art über einen individuellen „Giftcocktail“ verfügt, der vorrangig hämotoxisch wirkt. Hämotoxine oder Blutgifte führen an der Bissstelle schnell zu äußerst schmerzhaften und teilweise sehr umfangreichen Schwellungen. Außerdem entstehen Blutblasen und es kommt zu einer lokalen Gewebezerstörung, die sich auch auf größere Regionen des menschlichen Körpers ausdehnen kann. Da Klapperschlangen oft Beutetiere töten, die größer als sie selbst sind, ist dieser Effekt, bei dem das Opfer durch das Gift innerlich aufgelöst oder zersetzt und dadurch quasi vorverdaut wird, durchaus sinnvoll. Manche Klapperschlangen-Arten produzieren zusätzlich neurotoxische Giftanteile. Neurotoxine oder Nervengifte sind wesentlich gefährlicher als Hämotoxine, da sie lähmend wirken, die Lungenfunktion einschränken und zum Erstickungstod führen können.