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Der Friedhof – stilles Grab für Eichhörnchen

Je nach Größe des Friedhofs können bis zu 100 Wasserbecken auf dem Gelände stehen: eine große Gefahr für Kleintiere, die auf Wassersuche sind. Foto: © Carola Götze
Wasserbecken können mit Holzstöcken als Kletterhilfe ausgerüstet werden. Foto: © aktion tier Eichhörnchen
Mit einfachen Mitteln lassen sich unter Umständen Tierleben retten. Foto: © aktion tier Eichhörnchenhilfe
Der Parkfriedhof am Britzer Garten bietet eine sinnvolle Alternative zu den üblichen Friedhofsbrunnen. Foto: © aktion tier Eichhörnchenhilfe
 
 

Von Tanya Lenn, April 2017. Im Herbst des letzten Jahres war ich mehrfach auf dem Friedhof in Stahnsdorf unterwegs. Durch diese Friedhofsbesuche wurde mir eine lange verdrängte Problematik bewusst, und ein Anruf einer aufmerksamen Tierfreundin bei uns und einem anderen Verein bestärkte noch unser beider Entschluss darüber aufzuklären und zu erreichen, dass sich etwas ändert. Es geht um die Wasserbecken, die sich auf den meisten Friedhöfen Deutschlands befinden. Wir haben daraufhin einige Berliner Friedhöfe aufgesucht, um uns über die Gegebenheiten zu informieren.

Wer schon mal einen Friedhof besucht hat, dem mag es aufgefallen sein: Um den Besuchern die Grabpflege zu erleichtern und Gießwasser bereitzustellen, stehen je nach Größe des Friedhofs bis zu 100 Wasserbecken auf dem Gelände. Diese sind unterschiedlich hoch gefüllt. Es bedienen sich jedoch nicht nur Menschen an dem Wasser. Es zieht auch die dort lebenden Tiere an, und die Wasserbecken werden für sie schnell zur Todesfalle. Durstige Eichhörnchen, Vögel und andere Kleintiere rutschen am Rand schnell ab. Friedhofsbesucher berichteten, dass sie sogar schon eine ertrunkene Katze in einem Becken fanden. Die Tiere im Becken können sich an der glatten Wand nicht hochziehen und kämpfen in dem Wasser um ihr Leben – ein entsetzlicher Todeskampf, wenn nicht gerade ein Besucher helfend eingreifen kann. Wenn Muttertiere, deren Junge im Nest auf sie warten, ertrinken, stirbt der ganze Wurf mit ihnen.

Es gibt durchaus Friedhöfe, auf denen lediglich Wasserhähne aus dem Boden herausragen oder auf denen geschlossene Wasserbehälter stehen, die keine Leben gefährden. Das ist natürlich die optimale Lösung. Eine gute Sache wäre auch, die Becken mit Gitter abzudecken. Allerdings wäre es schwierig dies durchzusetzen und kostenintensiv, schnell und überall die althergebrachten Becken abzuschaffen und Alternativen aufzustellen. Aber es muss sich unserer Meinung nach dringend etwas verändern, so viele (Tier-)Leben werden geopfert. Abgesehen davon, dass es sicher auch Wassersparender und hygienischer wäre, die oben beschriebenen Alternativwasserquellen zu errichten. So lange es jedoch diese Todeswasserbecken gibt, sollte versucht werden, lebensrettende Lösungen zu finden. Dabei gäbe es u. a. eine einfache kostengünstige Methode, um so viele Leben zu retten. Der Südwest-Friedhof Stahnsdorf macht es vor. Auch der Berliner Bezirk Reinickendorf ist vorbildlich. Die Friedhofsbecken sind hier mit dicken Holzbohlen/-stöckern und Hinweisschildern ausgerüstet. Die Mitarbeiter verschiedener Friedhöfe und Tierschützer meinten jedoch, es gäbe immer wieder Besucher, die diese dicken Äste aus den Becken entfernen.

Helfen Sie bitte mit!

Bis sich eventuell irgendwann einmal etwas an der schrecklichen Situation grundlegend ändert, haben wir eine Bitte an unsere Leser – und bitte geben Sie es an Freunde und Bekannte weiter: Sollten Sie Wasserbecken auf Friedhöfen vorfinden, gefüllt oder auch nicht, packen Sie als Ersthilfemaßnahme einen dicken Stock, wie auf den Fotos zu sehen, hinein. Er sollte möglichst oben aus dem Becken herausragen. Oder falls einer bereits vorhanden ist, belassen Sie ihn dort, er kann Leben retten. Auch wenn sich kaum Wasser im Becken befindet, ist so eine Ausstiegshilfe wichtig, denn oft sind diese Becken tief, und geschwächte Tiere schaffen es nicht allein heraus und kommen auch in flachem Wasserstand um. Regelmäßige Friedhofsbesucher könnten z. B. flache Tonschalen mitnehmen und dort mit Wasser aufstellen, dann brauchen die Tiere gar nicht erst zu den tiefen Becken. Bei unseren Besuchen auf den Friedhöfen trafen wir sowohl die dortigen Mitarbeiter als auch Besucher. Erstaunlich, was uns alles berichtet wurde und wie viele Tiere auf Friedhöfen leben – und wie viele tierliebe Leute doch regelmäßig dort die Eichhörnchen und Vögel füttern und einige ihnen Wasserschalen hinstellen, so dass sie nicht die potenziellen Todesbecken aufsuchen müssen. Aber es gibt eben auch die anderen, die meinen, ertrinkende Tiere – das ist „Natur, man sollte sich nicht einmischen, und das gehört halt zum Lebensrisiko“ (O-Ton!). Wobei wir meinen, dass diese Becken so eben nicht in der Natur vorkommen.

Wir haben bei unseren Recherchen die zuständigen Berliner Verwaltungen und Behörden angeschrieben und stießen dabei auf sehr unterschiedliche Reaktionen. Einige Bezirke dankten für den Hinweis und sagten zu, es überprüfen zu wollen. Einige Bezirke reagierten gar nicht. Wir versuchen, auch Politiker zur Unterstützung zu gewinnen. Es gibt also noch viel zu tun: zuständigen Verwaltungen schreiben oder Besuche abstatten, und viele Friedhöfe müssen überprüft werden – wir bleiben weiter dran.

Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung – das wichtige Thema.

Wer ein Hörnchen oder einen Igel aus der Nähe gesehen hat und in ihr Gesichtchen geschaut und sie näher kennenlernt, der schützt vielleicht auch die anderen und guckt sich wieder in der Natur um und versucht Lebensraum zu erhalten. Deshalb haben wir wieder ein paar Schulklassen besucht und eine Waldschulklasse vor Ort empfangen. Mit interessierten Kindern und Lehrern macht so eine Stunde wirklich Spaß!

Es gibt noch viele „Baustellen“, an denen wir weiter dranbleiben müssen – neben der Hörnchenbetreuung. So ist es z.B. manchmal ein Problem, Leute zu bewegen, die von ihnen gefundenen und/oder aufgezogenen Tiere zwecks Vergesellschaftung mit Artgenossen und Auswilderung herauszugeben und nicht einfach so in ihrem Hof auszusetzen oder gar im Käfig in der Wohnung zu behalten. Da sind wir in den meisten Fällen völlig machtlos, weil die Ämter aus verschiedenen Gründen nicht mithelfen (können? wollen?). Wir wollen versuchen, eine bessere Unterstützung zu erhalten.

Eichhörnchen gehören in die Freiheit
Foto: © Ursula Bauer

Das Eichhörnchen

Baumfällarbeiten gefährden Eichhörnchen Achtung Autofahrer – jetzt sind geschäftige Eichhörnchen unterwegs! In Deutschland gibt es keine wildlebenden Grauhörnchen! Hilfe - ein Eichhörnchen läuft mir nach! Huch, mein Mitbewohner ist ein Eichhörnchen! [Externer Link | Interview unserer Eichhörnchen-Expertin Tanya Lenn in der Zeitung "BZ"] Notfall-Erstversorgung von jungen Eichhörnchen [Video] Animal Hoarding Fall Brandenburg Das Eichhörnchen aktion tier Eichhörnchenhilfe aktion tier Projekt Eichhörnchenseil