Logo Aktion-Tier

Wie kommen sie gut durch die kalten Tage?Wildtiere im Winter

Auch Waschbären sind im Winter unterwegs auf Nahrungssuche. Foto: PublicDomainImages / CC0 1.0 Universell CC0 1.0

Von Ingeborg Polaschek, Dezember 2014. Es ist kalt geworden in Feld und Flur. Viele Vogellieder sind verstummt. Die munteren Sänger haben uns, einer inneren Uhr folgend verlassen, um in wärmeren Gefilden den Winter zu verbringen. Besonders jene Vogelarten, die sich vorwiegend von Insekten ernähren, würden in unseren Breiten verhungern.

Für andere Arten wie etwa Amseln, Meisen, Rotkehlchen und Finken haben wir Futterstellen eingerichtet und für geschützte Unterschlüpfe gesorgt. Ein lautes Schmatzen unter einem dichten Gebüsch lässt vermuten, dass dort ein Igel noch etwas Schmackhaftes gefunden hat. Er wird sicherlich bald unter dichten Reisig- oder Laubhaufen sein Winterquartier einrichten. Entdecken wir ihn jedoch bei klirrender Kälte und einer geschlossenen Schneedecke umherirren, kann man davon ausgehen, dass er nicht gesund ist oder in seinem Schlafquartier gestört wurde. Hilfe finden wir bei Tier- und Igelschutzvereinen. Auch Kontaktaufnahme mit einer Igel-Hotline ist hilfreich. Der Dachs, landläufig auch „Grimbart“ genannt, ist im Gegensatz zum Igel kein Winterschläfer, denn er unternimmt hin und wieder Ausflüge in die Umgebung seines mit Gras, Waldstreu und Laub ausgepolstertem Baues. Auf seinen Streifzügen könnte er auch munteren Eichhörnchen begegnen. Diese kleinen Kletterkünstler halten ebenfalls nur eine Winterruhe. Hin und wieder verlassen auch sie ihren Schlafplatz, um nach ihren im Herbst vergrabenen Nüssen zu suchen – genau beobachtet von hungrigen Eichelhähern. Diese nämlich möchten auch einen Teil der willkommenen Winternahrung haben. Unterwegs sind ebenfalls Waschbären und suchen Nahrung. Diese putzigen Wildtiere haben sich allerdings im Laufe der Jahre zu „Problembären“ entwickelt. Besser gesagt, wir haben sie dazu gemacht. Die schlauen Waldtiere erkannten schnell, wie leicht es ist in besiedelten Gebieten Nahrung aller Art zu finden. Geschickt wühlten sie in Mülltonnen und wurden derart lästig, dass man die Deckel jener für Waschbären gut duftenden Tonnen sichern musste. Für Schlafplätze ist ebenfalls gesorgt in leer stehenden Gebäuden, Schuppen, unter Dächern und überall dort, wo sie mit Leckerbissen rechnen können. Denken wir nur an Nahrungsreste nach Grillabenden und Feten. Das Überhandnehmen dieser gewitzten Bären ist menschengemacht. Nicht geleerte Katzenfutternäpfe sind ebenso anziehend wie mit Küchenabfällen bestückte Komposthaufen und überreife, nicht geerntete Früchte.

Viele Wildtiere sind geschützt durch ihr Winterfell

In den meisten Fällen ist dieses Fell dichter und länger als das Sommerfell mit einer gleichen Anzahl der Haare. Auffällig ist der Fellwechsel jener Tiere, die sich mit einem weißen Fell tarnen wie etwa Polarfuchs, Schneehase und Hermelin (Großes Wiesel). Ein dichtes, isolierendes Fell und ein gutes Fettpolster sind die besten Voraussetzungen, um den Winter unbeschadet zu verbringen. Kleine, lautlose Flattertiere – noch allzu oft verkannt und gefürchtet finden leicht überall Unterschlupf. Die Zwergfledermaus – ein Däumling der Fledertiere – misst von der Nasenspitze bis zum Hinterteil nur gut vier Zentimeter. Im Gegensatz ist die Mausohr- Fledermaus mit 40 cm der Spannweite ihrer Flügel und acht Zentimetern Kopf-Rumpf-Länge ein recht stattlicher Insektenjäger. Da Fledermäuse je nach Art gerne in Hausnähe, Schuppen, Mauerritzen leben und überwintern, verzichten wir auf aggressive Holzschutzmittel und halten Ritzen im Gemäuer und Einfluglöcher offen. Keine Bange, Fledermäuse verwickeln sich nicht in Frauenhaare, ziehen auch nicht „das Böse“ an und sind weit davon entfernt, im Haus umher zu „geistern“. Sie möchten nur geschützt und ungestört den Winter verbringen. Jedoch spielt der Verlust geeigneter Winterquartiere eine erhebliche Rolle bei dem rapiden Bestandsrückgang. Fledermäuse bevorzugen ungestörte Naturkeller mit Einschlupfmöglichkeiten. Leider sind in den letzten Jahren Stollen und Naturhöhlen aus Sicherheitsgründen spaltenlos zugemauert und zu eng vergittert worden. Daher sollten wir akzeptieren, wenn sich die kleinen Flattertiere unseren Keller als Winterquartier ausgesucht haben. Es ist eine große Hilfe für Fledermäuse, wenn wir diesen nützlichen Insektenjägern im Winter wie auch im Sommer durch die Anbringung von Winter- und Sommerquartieren artgerechte Nistmöglichkeiten geben. Jede Fledermausart ist so stark spezialisiert, dass sie nicht jedes Versteck nutzen kann. Das führt natürlich zu einem großen Bedarf an Winter- wie Sommerquartieren. Es ist daher zu empfehlen, vor Einbau oder Anbringung fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hierfür können Sie gern die Beratung durch die aktion tier Fachberatungsstelle für Wild- und kleine Haustiere in Anspruch nehmen.

Vorsicht Gefahr!

Auf der Suche nach Überwinterungsplätzen sind besonders jene Tiere gefährdet, die in Bodennähe den Winter verbringen. Hier sind ungesicherte Lichtschächte eine große Gefahr. Im Herbst durch Falllaub bedeckt und für Tiere nicht erkennbar, stürzen diese während der Nahrungssuche ab und haben keine Chance herauszufinden. Ohne viel Aufwand bewahren Abdeckungen (Fachhandel) die kleinen Tiere vor dem Absturz. Nicht weniger gefährlich sind Kellertreppen. Seitlich am Rand aufgelegte Bretter sind geeignete Fluchtwege. Feldhasen haben ein dichtes Fell und ihnen genügt eine Erdmulde, die sie zum Schutz gegen schlechte Witterung mit den Füßen ausscharren. Kaninchen hingegen haben es im Winter gemütlicher. Gesellig in Kolonien leben sie dicht zusammen und trotzen den kalten Wintertagen. Sie bevorzugen sandige Böden und graben dort Erdbauten, die in Kolonien dicht beieinander liegen. Im Gegensatz zum Hasen, dessen Junge bereits sehend und behaart zur Welt kommen, sind Kaninchen noch blind und nackt, wenn sie geboren werden. Das Weibchen bringt von März bis September 3-6 Würfe mit 5-12 Jungen zur Welt. Da sie bereits nach 6-8 Monaten geschlechtsreif sind, ist ihre Vermehrungsrate sprichwörtlich. Allerdings sind auch Rückgänge zu verzeichnen. Diese wurden durch Verlust geeigneter Lebensräume und Seuchen verursacht wie Myxomatose und Chinaseuche. Derzeit hat sich der Bestand bei günstigen Umweltbedingungen stabilisiert, andererseits sind Kaninchen in verschiedenen Gebieten nur noch spärlich anzutreffen.