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Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)

Von Ingeborg Polaschek, März 2011. Nur vierzehn Zentimeter misst der kleine Sänger (Phoenicurus phoenicurus), aber er macht besonders aufmerksam durch seinen schönen Gesang. Mit kräftigen, gequetschten Trillern und zaghaft zwitschernden Tönen am Ende seines Liedes versucht er, die Aufmerksamkeit eines Weibchens zu erregen.

Beim Balzen streckt er sich nach vorn, lässt seine Flügel hängen und fächert seine Schwanzfedern. Rostorange leuchten sie wie ebenso sein Brustgefieder. Seine Oberseite ist bräunlichgrau, der Kopf schön gezeichnet mit der mehr oder weniger weißen Stirn in einer schwarzen, sich bis in den Kehlbereich hinziehenden Gesichtsmaske.

Durch diese auffälligen Kennzeichen ist er leicht vom Hausrotschwanz zu unterscheiden dem diese Zeichnung fehlt wie auch die rostorange Färbung des Brustgefieders. Bereits vor dem Weibchen ist er aus dem afrikanischen Winterquartier zurückgekommen, hat ein geeignetes Revier gefunden und markiert es durch seinen lauten Gesang. In aufgelockerten Misch- und Laubwäldern, in Parks und ausgedehnten Gärten sowie auf Friedhöfen finden Gartenrotschwänze in Mauernischen, Felsspalten und Nistkästen meist in einer Höhe von einem bis fünf Metern über dem Boden geeignete Brutplätze, um ihre Jungen großzuziehen. Sie machen nicht nur Gebrauch von den naturgegebenen Nistplätzen, sondern sie bauen auch ihre Kinderstuben in den eigenartigsten Gegenständen. Da gibt es alte Kochtöpfe, Schuhe und selbst ein in einer Hütte umgekehrt aufgestellter Besen fand ihr Gefallen. Eines Tages wurde ihr Nest auf den Borsten entdeckt. Der freundliche Gartenbesitzer war hilfreich und erweiterte die „Einflugschneise“ an der Tür. Den an der Außenseite der Hütte angebrachten Nistkasten hatten die kleinen Vögel verschmäht.

Von Mai bis Juli hat unser Gartenrotschwanzpärchen alle Schnäbel voll zu tun, denn inzwischen ist auch das Weibchen aus Afrika heimgekehrt. Sie ist matter gefärbt als das Männchen und besitzt auch keinen weißen Stirnstreifen. Emsig wird sie eine Auswahl treffen aus den verschiedensten Bruthöhlen oder Nistplätzen auf die sie durch das Männchen aufmerksam gemacht wird mit Schwanzspreizen und schönen Gesängen. Hat sie sich für eine Nisthöhle entschieden, polstert sie diese sorgfältig mit Gras, Tierhaaren, Moos und Federn aus. Sie legt Mitte Mai bis Juni meist fünf bis acht ovale, grünlichblaue, fein gesprenkelte Eier, die sie nach Ablage des letzten Eies in etwa 13 Tagen alleine ausbrütet. Noch hat das Männchen mit der Aufzucht keine Mühe und beschränkt sich auf die Bewachung seines Reviers und des Brutplatzes. Mit Verfolgungsjagden werden ledige Rivalen vertrieben und auch das Verjagen anderer Arten ist hin und wieder notwendig. Dabei kann es zu Hetzjagden und Kämpfen kommen.

Der Gartenrotschwanz ist ein Frühaufsteher

Sein ausdauerndes Singen steht in Mitteleuropa regelmäßig mit auf der Tagesordnung. Der Frühaufsteher beginnt bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang, hin und wieder ahmt er auch Laute anderer Vögel nach. Hierzu orientiert er sich nach dem akustischen Angebot in seinem Revier. Gerne benutzt er höhere Warten für sein Singen wie Baumwipfel, Hausdächer, Leitungsdrähte, Schornsteine und Antennen. Sein Alarmruf bei Gefahr ist ein lautes „Tui-tick-tick“. Ständig mit dem Schwanz wippend und knicksend beobachtet er seine Umgebung nach fliegenden oder krabbelnden Insekten. Ein geschickter Flugsprung bringt den erwünschten Jagderfolg. Inzwischen sitzen sechs junge Rotschwänzchen im Nest, und die Eltern haben alle Schnäbel voll zu tun, um den Hunger der ewig bettelnden Brut zu stillen. Sie erbeuten vorwiegend Insekten und deren Larven, Spinnen, kleine Würmer und im Herbst Beeren und andere Früchte. Etwa 16 Tage lang heißt es nun Füttern und Wärmen. In den ersten Tagen geben die Vogeleltern leise gequetschte Laute von sich, um die kleinen zum Öffnen der Schnäbel (Sperren) zu veranlassen. Zuerst stehen winzige Insekten auf dem Speiseplan, späterhin gibt auch größere Happen. Diese werden von den Eltern geduldig in die kleinen Schnäbel gesteckt und immer wieder herausgezogen bis die Jungen das Abschlucken begriffen haben. Anschließend müssen die Kotballen aus dem Nistbereich davongetragen werden, denn sie könnten verschiedene Nesträuber aufmerksam machen. Auch wäre für die kleinen Vögel ein verschmutztes Gefieder, gerade während der ersten Flugversuche, sehr hinderlich. Ihr Jungendgefieder ist mit Ausnahme des rostroten Schwanzes und Bürzels hell- und dunkelbraun gefleckt.

Etwa am sechsten Tag öffnen die Jungen ihre Augen und nach 16 Tagen unternehmen sie ihre ersten Ausflüge. Nicht lange wird es dauern bis die jungen Gartenrotschwänze wie auch ihre Eltern und viele andere Zugvögel, von einer bestimmten Unruhe erfasst werden. Die Zeit der Herbstzüge ist gekommen und ein langer Flug nach Afrika liegt vor ihnen. Dort überwintern sie je nach Brutgebiet im nördlichen Teil des tropischen Afrikas und in der Savanne. Hoffen wir, dass sie im Frühjahr wohlbehalten zurückkehren und uns mit ihrem schönen Lied erfreuen.