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Wegen Hitze verlassen Vogeljunge ihre Nester

Der kleine Mauersegler ist zu schwach um die Augen zu öffnen. Foto: © aktion tier

01. Juli 2019 | Von Ursula Bauer. Egal ob Mensch, Tier oder Pflanze – alle leiden unter der momentanen Hitze. Ganz besonders heiß wird es manchen Vogelkindern in ihren Nestern. Sie können nicht einfach einen kühleren Ort aufsuchen oder Wasser trinken, wenn sie durstig sind. Der prallen Sonne ausgesetzt sind vor allem Nester an Gebäuden zum Beispiel von Schwalben, Mauerseglern oder Spatzen. Aber auch Küken in Nistkästen, die an sonnenexponierten Stellen hängen, haben es schwer. Wenn es gar nicht mehr auszuhalten ist, verlassen die Vögelchen ihre Brutstätte, obwohl sie noch lange nicht flügge sind.

Gerade wurde uns ein kleiner, flaumiger Mauersegler in die Geschäftsstelle gebracht, der in seiner Verzweiflung aus dem Nest gesprungen war. Er war ausgetrocknet und zu schwach, um die Augen zu öffnen. Wir haben das Vögelchen sofort in die Obhut unserer Mitarbeiterin Jeannette Dressler gegeben. Sie ist ausgebildete Tierpflegerin mit Schwerpunkt Wildvogelpflege und kennt sich mit Mauerseglern sehr gut aus. Diese Vögel sind speziell, denn die Küken sperren nicht erwartungsvoll den Schnabel auf, sondern stülpen diesen über den Kopf des Altvogels und schlucken den hervorgewürgten Insektenbrei. Daher müssen Mauersegler in Gefangenschaft immer gestopft werden. Dazu wird der Schnabel sehr vorsichtig aufgebogen und der tierische Nahrungsbrei in den Schlund gestopft. Das ist eine Arbeit für Fachleute! Versuchen Laien, den Schnabel aufzupressen, kann es leicht zu Verletzungen bis hin zur Schnabelfraktur (Schnabelbruch) kommen. Außerdem darf man die Tiere nur mit frischen Insekten füttern. Andere Nahrung schadet ihnen. Leider ist unser Pflegling trotz der intensiven Pflege und stündlicher Fütterungen in der darauffolgenden Nacht an Entkräftung gestorben.

Dass unter der Hitze leidende Jungvögel ihre Nester verlassen, kann man im Grunde nicht verhindern.

Sind die Tiere schon recht gut entwickelt und die Elternvögel in der Nähe, ist im Prinzip auch kein Eingreifen erforderlich. Anders verhält es sich bei sehr jungen Küken, die ohne menschliche Hilfe sterben würden. Wer solche ein Vögelchen findet, sollte sich an eine fachkompetente Pflege- und Auffangstation wenden. Tierheime zu kontaktieren macht wenig Sinn, denn diese sind in der Regel weder entsprechend ausgestattet noch befugt, Wildtiere aufzunehmen.

Da die wenigen Fachstationen meisten überfüllt und an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit sind, sollte man damit rechnen, dass man den Vogel selbst aufpäppeln muss. Informationen hierzu erhält man bei den Auffangstationen, die auch im weiteren Verlauf der Aufzucht beratend zu Seite stehen.

Auch die aktion tier- Fachberatung für kleine Wild- und Haustiere steht für eine telefonische Auskunft gerne zur Verfügung. Entsprechende Fachliteratur findet sich außerdem im Internet und Buchhandel.

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