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Ein Bericht von Ann Kari Sieme

Ein offensichtlich verletztes Schwanenjunges am Berliner Lietzensee brauchte Hilfe. aktion tier Mitarbeiter machen sich auf den Weg, um dem Tier zu helfen.

Alles begann mit einem verzweifelten Anruf einer besorgten Bürgerin am 09.08.2010. Ein offensichtlich verletztes Schwanenjunges am Lietzensee, der innerhalb eines Parkes, nur ein paar hundert Meter von unserer Geschäftsstelle entfernt gelegen ist, bräuchte Hilfe.

Die Dame erzählte, dass die am Lietzensee ansässige Schwanenfamilie zurzeit sechs Junge großzieht. Fünf der Jungen kämen mit Ihren Eltern regelmäßig an Land um sich von Passanten und Parkbesuchern füttern zu lassen. Nur der sechste, auch etwas kleinere Jungschwan, hätte seit Tagen das Wasser nicht verlassen sondern zöge, leise vor sich hinpiepsend, immer nur unruhig seine Bahnen auf dem See.

Also machte ich mich gleich am nächsten Morgen, mit meiner Kollegin und einem Kescher bewaffnet auf den Weg zu den Schwänen. Nach einer nicht ganz unkomplizierten Einfangaktion stellte sich heraus, dass der Kleine einen Angelhaken tief im Bein stecken hatte. Die Angelsehne hatte sich um das Bein gewickelt und schnürte dieses so ab, dass der Fuß schon stark angeschwollen war und dem Jungtier große Schmerzen bereitete. Wir verluden den Kleine, der sich relativ schnell nach dem Einfangen wieder beruhigt hatte, ins Auto und fuhren mit ihm in die Tierklinik nach Düppel. Dort entfernte Frau Dr. Kerstin Müller den Fremdkörper sofort. Leider musste sie feststellen, dass die Verletzung durch den Haken sehr tief ging und das bereits abgestorbene Gewebe unter Narkose operativ entfernt werden musste. Der Jungschwan musste dann auch mehrere Male operiert werden und blieb gut zwei Wochen in der Tierklinik.

Gegen Ende der zwei Wochen ereignete sich dann ein neues Drama am Lietzensee. An einem Sonntag tauchte plötzlich ein fremdes, junges Schwanenpaar auf, um das begehrte Brutgebiet für sich zu beanspruchen. Parkbesucher und Anwohnen wurden Augenzeugen eines Kampfes zwischen den beiden männlichen Höckerschwänen, der mit dem ansässigen Altschwan mit einigen, allerdings nicht schweren Blessuren endete. Als die Neuankömmlinge sich dann auch noch auf eines der Jungen stützte, kamen die besorgten Schwanenfreunde dem Kleinen zur Hilfe und versuchten, durch Werfen von Stöcken und Ästen die Angreifer abzuwehrenden. Leider waren ihre Versuche vergebens und das immer wieder durch die beiden fremden Schwäne unter Wasser gedrückte Schwanenjunge ertrank.

Erbost über die „feindliche Übernahme“ entschieden einige Anwohner kurzerhand, die noch verbliebenden 4 Jungtiere und ihre Eltern in Sicherheit zu bringen. Mit viel Geduld fingen sie den männlichen Altschwan und die Jungen und brachten diese in einen Schuppen im Park. Die Schwanenmutter hatte sich verängstigt im Schilf versteckt. Am Montag darauf fingen meine Kollegin und ein Anwohner die Schwänin dann mit viel Zureden und mehreren Brötchen dann doch noch ein. Herr Ehlert von der Berliner Senatsverwaltung war mit einem großen Lieferwagen gekommen und alle Beteiligten fuhren, die komplette Vogelfamilie im Gepäck erst einmal in die Tierklinik, um das inzwischen genesene fünfte Jungtier abzuholen. Dann ging es weiter an den Wannsee, wo zahlreiche Schwäne in großen Kolonien zusammenleben. Daher herrscht dort auch ein geringerer Revierdruck. Die wieder vereinte Schwanenfamilie wurde in die Freiheit entlassen und machte sich gleich gemeinsam auf Erkundungstour.

Leider lässt sich in dem Altern, in dem sich der kleine verletzte Schwan befand, noch nicht feststellen, ob es sich um ein Weibchen oder ein Männchen handelt, was eine Namensgebung für mich unmöglich machte. Aber ob nun Agathe oder Augustin, ich hoffe, wir und die Anwohner vom Lietzensee haben dir und deiner Familie zu einem guten Start in ein langes und glückliches Schwanenleben verholfen.