Logo Aktion-Tier

Das Geschäft mit der Riesenschlange

Ein Bericht von Ursula Bauer

Eine etwa 3,50 langen Tigerpython schlängelt sich um den Hals einer Frau, die sich mitten in Berlin in einer belebten Einkaufsmeile aufhält. Für 5 Euro kann man die Schlangenträgerin ablichten oder bekommt das Tier gleich selbst um den Hals gelegt.

Zwei Frauen mittleren Alters und offensichtlich osteuropäischer Herkunft stehen am 05. August in Berlin am Weltkugelbrunnen zwischen Gedächtniskirche und Europacenter. Die eine im aufreizend knappen, weißen Outfit mit hochhackigen Schuhen. Die andere eher unscheinbar in T-Shirt und Streifenhose, dafür jedoch mit einem echten Hingucker ausgestattet – einem lebendigen, etwa 3,50 langen Tigerpython, der sich um ihren Oberkörper schlängelt.

Diese Schlangenfrau ist offenbar der Lehrling, wird von der Dame in Weiß instruiert, wie sie sich mit der Riesenschlange zu bewegen hat, um Touristen zu einem Foto zu bewegen. Für 5 Euro kann man die Schlangenträgerin ablichten oder bekommt das Tier gleich selbst um den Hals gelegt. Wir haben die Szenerie eine Weile beobachtet und entsetzt festgestellt, dass der dunkle Tigerpython von jedermann gestreichelt werden kann und auch kleinen Kindern umgelegt wird. Das ist gefährlich und grob fahrlässig. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zu 75 Prozent der hierzulande gehaltenen Reptilien mit unterschiedlichen Salmonellenarten infiziert sind, die teilweise auch auf Menschen übertragbar sind. Wenngleich Angriffe auf Menschen selten sind, so verfügen Riesenschlangen dennoch über scharfe, nach innen gerichtete Zähne, mit denen sie schmerzhaft zubeißen können. Kinder könnten außerdem als Beutetiere angesehen und im schlimmsten Falle umschlungen und gewürgt werden.

Der Python befand sich auch gerade in der Häutungsphase, die mehrere Tage dauern kann und innerhalb derer das Tier absolute Ruhe benötigt. Normalerweise streift eine Schlange ihre Haut im Ganzen ab, indem sie sich an Gegenständen im Terrarium reibt. Bei unserer Riesenschlange klebte dagegen die alte Haut in Fetzen am Körper, wurde von den Frauen stückweise abgezogen und, wenig geschmackvoll, auf die eigenen Arme geklebt. Eine derart gestörte Häutung kann stressbedingt oder aufgrund eines zu trockenen Terrarienklimas vorkommen. Klare Haltungsfehler also.

Die von aktion tier herbeigerufenen Polizisten weisen die Schlangenfrauen an, den Tigerpython sofort in seiner winzigen, aus Flechtwerk bestehenden Transportkiste zu verstauen, welche nicht einmal zusätzlich gesichert und somit keinesfalls ausbruchsicher ist. Die Frau in Weiß scheint die Besitzerin der Schlange zu sein, zeigt den Beamten verschiedene Dokumente. Zum Erstaunen der Tierschützer ist die Haltung der Riesenschlange vom Ordnungsamt Mitte genehmigt. Gemäß der Berliner Verordnung über das Halten gefährlicher Tiere wild lebender Arten, zu denen auch Pythons gehören, die über 2 m lang werden, bedarf es einer Ausnahmeerlaubnis, die nur erteilt wird, wenn der Halter unter anderem über die erforderliche Sachkunde verfügt, das Tier artengemäß und ausbruchsicher unterbringt und gewährleistet ist, dass sich keine anderen Personen Zugang zu dem Tier verschaffen können. Diese Vorgaben decken sich nicht mit unseren Beobachtungen. Aber auch für das zur Schaustellen der Schlange gibt es eine Genehmigung nach § 11 Tierschutzgesetz des Veterinäramts Mitte. Mit der Einschränkung, dass die Schlange nur von ihrer Besitzerin getragen und nur im Rahmen von Festen und Veranstaltungen vorgeführt werden darf. Wir werden umgehend die Behörden informieren und darauf drängen, dass die §11-Genehmigung zurückgezogen sowie die Haltung kontrolliert wird.

Angesichts dieses weiteren Beispiels einer unverantwortlichen, nicht tiergerechten und in diesem Falle zusätzlich profitorientierten Privathaltung eines exotischen Wildtieres bekräftigt aktion tier seine Forderung nach einem bundesweiten Verbot von Exoten in Privathand.

Pressestimmen