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Animal Hoarding Fall Zebrafinken

Ein Bericht von Ursula Bauer

Es begann mit vier gekauften Zebrafinken und endete mit 53. Einiges lässt an Animal Hoarding denken– krankhaftes Tierhorten. Dass es letztendlich nicht dazu kam, ist der Einsicht des Tierhalters und dem schnellen Eingreifen von aktion tier zu verdanken.

In der Küche der geräumigen Wohnung im Berliner Bezirk Wedding steht eine Voliere, in der es flattert und zwitschert. 53 Zebrafinken sitzen dicht gedrängt auf den Holzstangen, einige bebrüten ihre Eier in den aufgehängten Nistkästen. Der Halter, ein freundlicher 73-jähriger Rentner, hat selbst erkannt, dass er der Vogelschar nicht mehr Herr wird und den Tierschutz um Hilfe gebeten. Der ständige Nachwuchs, das Füttern und die Massen an täglich anfallendem Vogelkot sind ihm schließlich zu viel geworden. Am Anfang hat er immer noch die Eier entfernt aber auch das schafft er inzwischen nicht mehr.

Wir haben bereits eingehende Erfahrungen mit ausufernden Tierhaltungen und wissen daher, dass hier Eile geboten ist. Wenn wir die Vögel nicht abholen, sind es nächstes Jahr vielleicht schon doppelt so viele. Unser Projektpartner, das Tierschutzzentrum Meißen-Winkwitz, ist auch gleich bereit, den gesamten Schwarm aufzunehmen. Eine entsprechend große Voliere ist vorhanden. Die 53 Zebrafinken lassen sich dann auch relativ schnell einfangen und in zwei Transportkäfigen unterbringen. Wir zählen 45 Eier in den Nistkästen. Ein Teil davon wäre sicherlich ausgebrütet worden. Diese Zebrafinkenhaltung und die Umstände, die zu der abnorm hohen Anzahl an Vögeln führten, lassen uns unweigerlich an Animal Hoarding denken. Der Ursprung sind meistens wenige Individuen, die sich dann unkontrolliert vermehren. Manchmal werden auch zusätzlich aktiv Tiere aufgenommen. Was in diesem Fall mit zwei gekauften Zebrafinken- Pärchen harmlos begann, hätte im Chaos enden können.

Wie bei Gerhard Adam aus Berlin-Spandau, der in seiner Dachgeschoßwohnung Anfang 2009 schließlich über 1.700 Wellensittiche versorgte. Dem „Vogelmann“ wurden damals alle Sittiche weggenommen und ein Tierhalteverbot erteilt. Aber nicht allein die unverhältnismäßig hohe Anzahl von Tieren charakterisiert einen Animal Hoarding- Fall. Es werden auch die Mindeststandards der Tierhaltung nicht mehr eingehalten. So kam auch der Zebrafinken-Halter mit dem Saubermachen der Voliere nicht mehr hinterher. Außerdem pickten sich die Vögel aufgrund der bedrückenden, unausweichlichen Enge gegenseitig die Federn aus. Einige der Prachtfinken waren bereits fast nackt. Wie sich bei der späteren tierärztlichen Untersuchung im Tierschutzzentrum Meißen herausstellte, litten die Zebrafinken außerdem unter relativ starkem Milbenbefall.

Inzucht steigert die Anfälligkeit für Krankheiten

Da der gesamte Bestand aus vier Zebrafinken hervorgegangen war, haben sich natürlich permanent blutsverwandte Tiere gepaart. Bei den Nachkommen aus einer derartigen Inzucht steigt die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten – gleichzeitig verkürzt sich die Lebenserwartung des einzelnen Vogels. Jetzt fliegen alle 53 Zebrafinken in ihrer großen Voliere im Tierschutzzentrum aktion tier Meissen frei herum, erhalten artgemäßes Futter und Medikamente gegen die Parasiten. Nisthilfen werden hier allerdings nicht mehr zur Verfügung gestellt, da eine Vermehrung im Tierheim nicht in Frage kommt.

Wir würden uns freuen, wenn sich noch mehr Menschen sofort melden würden, wenn ihre Tierhaltung beginnt, aus dem Ruder zu laufen und die Situation schwierig wird. Eine frühe Hilfe spart Geld und kommt letztendlich nicht nur den Tieren, sondern auch den überforderten Haltern zu Gute.

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