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Animal Hoarding Fall in Brandenburg Zossen – aktion tier übernimmt 20 Hunde

Ein Bericht von Ursula Bauer

Zurzeit ist unser Tierheim im brandenburgischen Zossen ziemlich voll. Seit dem 24. Mai leben zusätzlich acht große Mischlinge und zwölf Französische Bulldoggen bei uns. Dass die Tiere aus unhaltbaren Zuständen befreit wurden, ist einem im Wald ausgesetzten Hund, dem detektivischen Gespür unserer Mitarbeiter und dem berühmten Quäntchen Glück zu verdanken.

Im ungemütlich kalten Februar erhielten wir die Nachricht, dass sich ein herrenloser Hund etwa acht Kilometer vom Tierheim entfernt in einem Waldstück an einer stark befahrenen Straße aufhalten würde. Die scheue Mischlingshündin, der wir den Namen `Nuri` gaben, saß neben einem offenen Sack mit Trockenfutter. Offensichtlich war das Tier mit dem Futter zur „Selbstversorgung“ ausgesetzt worden. Unsere geduldigen Mitarbeiterinnen Myriam Laser und Michaela Gebhardt opferten zahlreiche Stunden ihrer Freizeit, bis sich `Nuri` schließlich nach Tagen einfangen und ins Tierheim bringen ließ.

Erste Verdachtsmomente

Mischlingshündin Malou. Foto: © aktion tier Zossen

Kurze Zeit später wurde ein weiterer Mischlingshund in einem eingezäunten Waldgrundstück ca. sechs Kilometer vom Tierheim entfernt gemeldet. Auch diese Hündin, die inzwischen auf den Namen `Malou` hört, wurde sehr wahrscheinlich ausgesetzt. Drei Tage später kam dann ein blinder Mischlingsrüde zu uns, der hilflos herumirrend im Industriegebiet einer Stadt etwa vierzig Kilometer vom Tierheim entfernt gefunden worden war. Gleich fiel unserer Tierpflegerin Myriam Laser auf, dass sich `Malou` und `Igor` erstaunlich ähnlich sehen.

Von allen drei Fundhunden war `Igor` der einzige mit einem Microchip, registriert auf das Ehepaar B. aus Zossen. Allerdings hatte die Familie den Hund im Haustierregister abgemeldet und ein neuer Besitzer war nicht eingetragen. Also rief Myriam Laser bei den Bs an und fragte, wem Igor aktuell gehört. Herr B. konnte sich dummerweise nicht erinnern, wem er den Hund übereignet hatte, und wollte den Vierbeiner plötzlich zurück haben. Da er sein Eigentumsrecht weder durch einen Impfpass noch ein anderes Dokument beweisen konnte, blieb `Igor` bei uns.

`Georgia` bringt Gewissheit

Das Gesäuge der Hündin ist noch deutlich ausgebildet. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Georgia war nur Haut und Knochen, als sie bei uns als Fundhund abgegeben wurde. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Das Ehepaar B. war in der Vergangenheit schon mehrfach negativ aufgefallen, da immer wieder deren Hunde als Fundtiere bei uns abgegeben wurden. So auch `Georgia`, eine Französische Bulldogge, die im Mai in Zossen auf der Straße aufgelesen wurde. Herr B. meldete sich zwar umgehend im Tierheim, konnte jedoch wie bei Igor nicht nachweisen, dass die Hündin ihm gehört. Wir waren froh, das Tier erst einmal behalten zu können, denn `Georgia` war in einem bemitleidenswerten Zustand: bis auf die Knochen abgemagert, in einem Ohr wuchs ein Tumor, im anderen hatte sich aufgrund einer chronischen Entzündung ein sogenanntes Blutohr gebildet.

Außerdem musste die Hündin vor kurzem Junge gehabt haben, denn aus ihren dicken Zitzen kam noch Milch. Als am nächsten Tag eine Tierärztin des Veterinäramtes Teltow-Fläming bei uns war, hat sie sich die `Georgia` näher angesehen und sofort beschlagnahmt.

Blutohr (Othämatom) beim Hund

Ein Blutohr ist im Prinzip ein Bluterguss (Hämatom) im Ohr. Es kann zu Beispiel durch eine Bissverletzung oder, wie bei unserer `Georgia`, durch eine Gehörgangsentzündung entstehen. Wenn der Hund das juckende Ohr heftig kratzt und seinen Kopf schüttelt, können Blutgefäße verletzt werden, so dass sich Blut im Ohr sammelt und dieses anschwillt. Erfolgt keine Behandlung, kann sich das betroffen Ohr wie bei Georgia verformen. 

Der blinde Mischlingsrüde Igor. Foto: © aktion tier Zossen

Bei der Gelegenheit erzählte Myriam Laser der Amtstierärztin dann gleich noch von `Igor`, der ebenfalls ursprünglich auf Familie B. registriert war. Wie sich herausstellte, hatten Vertreter des Veterinäramtes dort im Februar eine Kontrolle durchgeführt und die Hundehaltung als gerade noch tolerierbar beurteilt. Aber die Tierärztin erkannte Igor wieder, als ihr ein Foto gezeigt wurde. Der alte Mischling war zweifelsfrei im Februar im Bestand des Ehepaars B. gewesen. Auch `Malou` und `Nuri` wurden von der Amtstierärztin als Hunde der Bs identifiziert. Nach der Kontrolle im Februar war behördlicherseits eine Bestandsreduzierung angeordnet worden, dem das Ehepaar B. anscheinend nachgekommen war, indem es verbotenerweise `Nuri`, `Malou` und `Igor` einfach aussetzte.

Das Veterinäramt beschlagnahmt 20 Hunde

Der verwahrloste Kettenhund. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Ein Teil der beschlagnahmten Mischlingshunde im Tierheim. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Unter der 20 Hunden waren 12 Französische Bulldoggen. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Um diesem schlimmen Verdacht nachzugehen, wurde am 24. Mai eine weitere amtstierärztliche Kontrolle durchgeführt, unterstützt durch Vertreter von Polizei und Ordnungsamt. Was die Beamten vorfanden, war nicht mit den geltenden Tierschutzvorschriften vereinbar, daher wurden alle zwanzig Hunde des Ehepaars beschlagnahmt und in unser Tierheim gebracht.

Dort hieß es „Ärmel hochkrempeln und arbeiten“ – am Anfang rund um die Uhr. Die Hunde wurden nach Geschlechtern getrennt untergebracht, schließlich ist Nachwuchs im Tierheim nicht gewollt. Zum Glück vertragen sich alle miteinander, so dass eine platzsparende Gruppenhaltung möglich ist. Eine Ausnahme bildet hier ein schon etwas älterer großer Mischlingsrüde, der angeblich an der Kette gehalten wurde, was hierzulande gemäß Tierschutz-Hundeverordnung verboten ist. Dieser Hund scheint nicht so viel Kontakt zu den anderen gehabt zu haben, daher wird er im Tierheim auch einzeln gehalten.

Das beschlagnahmte Hunderudel besteht aus zwölf mehr oder weniger reinrassigen Französischen Bulldoggen sowie acht mittelgroßen bis großen Mischlingshunden, zum Teil mit deutlichem Herdenschutzhund-Einschlag.

Die fünf Rüden und fünfzehn Hündinnen sind allesamt Menschen gegenüber zutraulich, freundlich und gut zu handeln. 

Die schlimmen Folgen der schlechten Haltung

Tierärztliche Versorgung und Pflege des verfilzten Felles. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Bei diesem Bulli haben sich in den verdreckten Nasenfalten Entzündungen gebildet. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Verdreckt und verfilzt. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Aber unsere Tierpflegerin Myriam Laser bekommt das schon wieder hin. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Extrem verfilzter Mischlingsrüde. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Da hilft nur noch Po rasieren und stundenlanges Ausbürsten. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Eine erste tierärztliche Untersuchung offenbarte allerdings die Folgen der nicht artgerechten Haltung. Vom Liegen auf hartem Untergrund haben mehrere Hunde Liegeschwielen. Alte, vernarbte Bissverletzungen bei allen Tieren deuten darauf hin, dass die Haltung so beengt war, dass sich aufkommende Aggressionen in Beißereien entladen haben.

Außerdem sind 80% der Hunde teilweise gravierend unterernährt und haben auffällig abgenutzte hintere Zähne, als ob sie ständig auf harten Materialien wie Steinen oder Metall herumgekaut hätten.

Aufgrund mangelnder Pflege sind die Tiere von Parasiten wie Flöhen befallen und haben verdreckte und teilweise entzündete Ohren. Das kurze Fell der Bullis riecht unangenehm und man bekommt von dem seltsamen Fettfilm schnell schwarze Hände, wenn man die Tiere streichelt. Außerdem sind die Krallen zu lang und die Hautfalten über den kurzen Nasen sind verdreckt und teilweise infiziert.

Bei den Mischlingen mit langem Fell hat der offensichtliche Pflegerückstand (im Fell der Tiere haben wir Kletten vom letzten Herbst gefunden) zu teilweise extremen Verfilzungen geführt. Da die Haut unter den dicken Filzplatten nicht mehr ausreichend belüftet wird, können sich Bakterien einnisten und schmerzhafte Hautkrankheiten wie Ekzeme verursachen.

In den ersten Tagen nach der Beschlagnahmung waren wir erst einmal mit der tierärztlichen Erstversorgung und der zeitraubenden Fellpflege beschäftigt. Bei zwei Hunden müssen bald bösartige Tumore (einer an den Brustdrüsen, einer im Gehörgang) operiert werden und eine Bullihündin leidet unter einer schweren Erkrankung der Leber, die einer speziellen Behandlung bedarf. Auf dem Programm steht weiter die Kastration sämtlicher Bulldoggen, damit eine Verwendung zur Zucht in Zukunft mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen ist.

Animal Hoarding-Fall

Wir beurteilen die Tierhaltung des Ehepaares B. in Zossen als einen Fall von Animal Hoarding. Dieser Begriff stammt aus dem Amerikanischen und bedeutet „Tiere sammeln“ oder „Tiere horten“. Nach unserer Definition haben wir es mit Animal Hoardern oder Tiermessies zu tun, wenn eine unverhältnismäßig hohe Anzahl von Tieren gehalten wird und dabei die gesetzlichen Vorschriften nicht mehr erfüllt werden. Zwanzig Hunde in einem Zwei-Personen-Haushalt ist definitiv viel zu viel und der schlechte Zustand der Tiere belegt die völlig unzureichende Haltung.

Da sich mehrere Hunde sehr ähnlich sehen und eine Bulli- Hündin ein gut ausgebildetes Gesäuge aufwies ist davon auszugehen, dass die Vermehrung nicht kontrolliert wurde. Eventuell sogar absichtlich, um Welpen zu verkaufen. Um zu verhindern, dass das Ehepaar B wieder Hunde anschafft, will das Veterinäramt dafür sorgen, dass den beiden das Halten und Betreuen von Hunden auf unbestimmte Zeit verboten wird.

Phänomen Animal Hoarding

Mehr Informationen zum Phänomen Animal Hoarding erhalten Sie hier.

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Qualzucht Französische Bulldogge

Durch die zuchtbedingt verengten Atemwege bekommt dieser Hund kaum Luft und muss operiert werden. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Diese Bullihündin hat noch nicht einmal ein Stummelschwänzchen. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Die beschlagnahmten Hunde wurden uns übereignet, so dass wir sie vermitteln dürfen. Bezüglich der großen Mischlingshunde machen wir uns keine Sorgen aber wer nun meint, er könnte günstig eine Französische Bulldogge bei uns erwerben, sollte bedenken, dass sich unsere Mitarbeiter jeden Interessenten ganz genau ansehen und intensive Gespräche führen. Tiere dieser Rasse sind vom Charakter her liebenswert, freundlich und immer gut gelaunt. Auf der anderen Seite sind sie jedoch auch bedauernswerte Resultate einer profitorientierten Qualzucht.

Die Hunde leiden von Geburt an unter zahlreichen, zuchtbedingten körperlichen Problemen. An erster Stelle steht wohl die weit verbreitete Kurzatmigkeit aufgrund der stark verkürzten Schnauze. Gut zu erkennen an den röchelnden Geräuschen, die fast jeder Bulli von sich gibt, wenn er verzweifelt nach Luft ringt. Wie die meisten Vertreter dieser Rasse haben auch alle unsere Tiere eine verkürzte Schwanzwirbelsäule. Der vorhandene Stummelschwanz ist teilweise auch noch verkrüppelt (Knick-, Korkenzieherschwanz).

Diese Fehlbildungen treten häufig zusammen mit Missbildungen an weiteren Abschnitten der Wirbelsäule auf. Folgen dieser Verkrümmungen können Störungen in den Hinterbeinen sein, die bis zur Lähmung führen können. Auch Harn- und Kot-Inkontinenz vor allem mit zunehmendem Alter sind auf diese rassebedingten Missbildungen zurückzuführen.

Aufgrund der vielfältigen körperlichen Behinderungen werden Französische Bulldoggen in der Regel höchstens 12 Jahre alt. Dagegen kann ein robuster Mischling bis zu 18 Jahre alt werden.

Wer eine Französische Bulldogge halten will, muss nicht nur täglich die Nasenfalten und die äußeren Tränengänge säubern sondern sich auch auf eventuell erforderliche, dauerhafte Medikamentengaben oder teure Operationen einstellen.

Interessenten wenden sich bitte an:
aktion tier Zossen
Straße der Jugend 156
15806 Zossen
Telefon: 03377-20 15 17