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Sauerei im Schweinestall

Ein Bericht von Ursula Bauer

Heute haben wir eine Hundehaltung in einem kleinen Dorf im Landkreis Wittenberg kontrolliert. Die Besitzer eines Bauernhofs hatten uns gemeldet, dass ihre Mieter, ein Paar mit vier Kindern, seit Jahren einen Labrador-Mix in einem ehemaligen Schweinestall des Resthofes halten würde.

Anfangs wäre Hund Otto noch regelmäßig ausgeführt worden. Im Laufe der Zeit wurde das jedoch eingestellt und die Familie würde sogar in Urlaub fahren, ohne das Tier zu versorgen. Da kaum noch saubergemacht wird, sei das „Hundegefängnis“ meisten stark verdreckt.

Was wir heute dann vorfanden, übertraf alle schlimmen Vorahnungen. Der ehemalige Stall hat nur eine schmale, vergitterte und mit einem Hängeschloss gesicherte Tür, durch die Tageslicht kommt. Es zieht durch alle Ritzen. Drinnen ist es weitestgehend dunkel, kalt und der Gestank ist bestialisch. Denn der Betonboden ist mit Kothaufen übersäht. In der Ecke liegt eine alte, kaputte und ebenfalls verkotete Matratze. Daneben eine zu kleine und daher nutzlose Hundehütte aus Holz. In einem Plastikeimer ist ein Rest Wasser, der Fressnapf ist leer.

Otto ist ein übermittelgroßer, stämmiger Hund mit einem breiten Kopf und kurzem, hellen Fell. Seine braunen Augen schauen friedlich und ein bisschen ängstlich. Aber statt sich zu freuen, dass endlich jemand vorbeikomm, schleicht Otto gleich zu seiner vergammelten Matratze und legt sich hin. So als hätte er die Hoffnung aufgegeben, dass noch irgendetwas Schönes in seinem Leben passiert.

Wir werden alles daransetzen, dem Hund zu helfen, und halten Euch auf dem Laufenden.

Update 20. Februar, 11:56

Inzwischen haben wir herausgefunden, dass Otto gestern von einer Amtstierärztin abgeholt und in ein Tierheim gebracht wurde. Wir freuen uns sehr, dass der Hund nicht mehr in dem dreckigen kalten Stall in „Isolierhaft“ leben muss und hoffen, dass er nach der amtlichen Freigabe ein schönes neues Zuhause bekommt.

Update 19. Februar, 21:38

Es gibt Neuigkeiten! Wie wir soeben erfuhren, wurde Otto abgeholt und ist nicht mehr in dem Schweinestall. Wir versuchen herauszufinden, von wem er geholt und wohin er gebracht wurde. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Update 19. Februar, 12:00

Vielen Dank für eure Anteilnahme für Otto! Wenn wir dürften, wäre Otto schon in unserer Obhut... Aber auch wir als Tierschutzorganisation müssen uns an Gesetze halten und können nicht einfach einen Hund mitnehmen. Das wäre Diebstahl. Das zuständige Veterinäramt ist bereits involviert und es wurden auch schon mehrere Kontrollen durchgeführt. Entsprechend wurden Auflagen erteilt, welche die Hundehalter, wie wir gestern festgestellt haben, nicht erfüllt haben.

Wir haben das natürlich sofort dem Veterinäramt gemeldet und angeboten, Otto sofort in unsere Obhut zu nehmen. Aber die Amtstierärztin war noch nicht zu einer Beschlagnahmung bereit. Sie wird jetzt ein Bußgeld verhängen mit Androhung der Wegnahme des Hundes. Man hat uns versprochen, den Hund zu beschlagnahmen, wenn keine deutlichen Verbesserungen zu bemerken sind.

Wir werden nun ständig dokumentieren, wie es Otto geht und das Veterinäramt weiter informieren. Die behördliche Beschlagnahmung in Verbindung mit einem Tierhalteverbot stellt sicher, dass die Leute nicht gleich wieder einen Hund anschaffen. Deshalb wäre das aus unserer Sicht die beste Lösung.

Für uns ist die Zwingerhaltung übrigens grundsätzlich ein Unding. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Gitterkäfig oder einen ehemaligen Schweinestall handelt. Einen Hund isoliert und allein wegzusperren ist unmenschlich und alles andere als artgerecht. Aber es ist leider gemäß Tierschutz-Hundeverordnung immer noch erlaubt.