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Verletze Brieftaube in Berlin gestrandet

Ein Bericht von Xenia Tregub

Anfang der Woche erhielten wir einen besorgten Anruf eines aktion tier- Mitgliedes. Die alte Dame hatte eine verletze Taube inmitten der Spandauer Hochhäuser gefunden. Das Tier war gegen eine Scheibe geflogen und blutete nun am Flügel.

Die Frau hat die Taube liebevoll mit einem Handtuch eingesammelt und ihr eine Trink- und Futterschale auf ihrem Balkon hingestellt. Zum Tierarzt konnte sie aber nicht allein fahren. Kurzerhand entschlossen wir uns die Taube abzuholen und in die Kleintierklinik der FU Berlin zu fahren, wo sie die nötige tierärztliche Versorgung erhielt.

Beim Abholen der Taube sahen wir, dass es sich um eine polnische Brieftaube handelte. Denn Brief- und auch Rassetauben tragen immer mindestens einen persönliche Fußring mit Länderkürzel (in diesem Fall PL für Polen) zur Identifikation. Ähnlich der Mikrochips für Hunde und Katzen tragen die Vögel ihre Fußringe ein Leben lang und können dadurch ihrem Eigentümer zugeordnet werden.

Was aber macht eine Brieftaube aus Polen in Berlin?

Was viele nicht wissen: Neben Hunde- und Pferdesport ist auch der Brieftaubensport weit verbreitet. In der Hauptsaison nehmen Züchter manchmal jedes Wochenende mit ihren Vögeln an Wettflügen teil. Dazu bringt ein Transporter die Tiere an einen für sie unbekannten Ort, ca. 100-1000 Kilometer von ihrem Taubenschlag entfernt.

Die Brieftauben sind heimattreu und fliegen auf schnellstem Weg zurück zu ihren Schlag. Auf den Besitzer des schnellsten Vogels wartet unter Umständen ein saftiges Preisgeld von mehreren 100.000 Euro.

Über die Frage, wie die Brieftauben es schaffen, stets nach Hause zu finden, wird in Fachkreisen viel diskutiert und es gibt verschiedene Theorien, von denen jedoch noch keine wissenschaftlich bewiesen werden konnte.

Eines machen sich die Taubenzüchter zu Nutzen: die Treue der Tiere. Tauben sind monogam und verbringen ihr Leben lang mit dem gleichen Partner. Die Brut wird zusammen großgezogen. Bei den Wettkämpfen wird das Paar getrennt und den Flieger treibt beim Rückflug die Sehnsucht zu Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h.

Beim Taubensport wird bei jedem Wettflug eine gewisse Verlustquote vorab mit einkalkuliert. Zum Beispiel durch Stürme oder Greifvögel sterben zahlreiche Brieftauben oder sie verfliegen sich und stranden verletzt oder völlig erschöpft in den Städten.

Da Zuchttauben an spezielles Futter gewöhnt sind und, anders als die Stadttauben, eben nicht alles fressen, verhungern gestrandete Tauben oft in den Städten. Wie viele Brieftauben beim Wettflug ihren Schlag nicht erreichen, wird jedoch meist nicht erfasst.