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Skrupelloser Welpenhandel:Mein Polenhund Luna

Luna scheint in der Obhut von aktion tier Mitarbeiterin Ursula Bauer zunächst auf dem Weg der Besserung, spielt und frisst. Foto: aktion tier e.V.
So klein, so niedlich... Luna fand auf dem Polenmarkt schnell neue Besitzer. Diese ahnten nichts von ihrem bevorstehenden Leid... Foto: Ursula Bauer
Vom Polenmarkt direkt zum Tierarzt: Irgendetwas stimmt nicht mit Luna. Foto: aktion tier e.V.
Tierärztin Höhne stellt fest: Luna hat Parvovirose, eine typische Krankheit von Billigwelpen, die häufig zum Tod führt. Foto: Ursula Bauer
Luna bekommt von unserer Tierärztin vor Ort die ersten Medikamente verabreicht. Foto: Ursula Bauer
Luna muss zukünftig schwere Medikamente nehmen. Ob sie überleben wird, ist zu diesem Zeitpunkt ungewiss. Foto: aktion tier e.V.
Am Ende erliegt der Welpe seiner schweren Krankheit. Es ist eine traurige Mahnung: NEIN zu Billigwelpen, NEIN zum Hundekauf auf Märkten oder im Internet! Foto: Ursula Bauer
 
 

von Ursula Bauer, März 2010. Wenn ich in meiner Küche umhergehe, habe ich immer noch das Gefühl, von zwei großen dunklen Hundeaugen beobachtet zu werden. Dabei ist es schon viele Wochen her, dass die kleine Luna auf ihrem Lammfell in der Ecke lag, gerade einmal eine Handvoll Hund. In den letzten Tagen konnte sie kaum noch den Kopf heben. Nur ihre Augen haben mich auf Schritt und Tritt verfolgt, stumm, um Hilfe bittend, die ich ihr leider nicht geben konnte. 

Dabei fing alles so gut an. Luna war bei mir und damit scheinbar in Sicherheit. Eine junge Frau hatte den Mischlingswelpen auf dem Polenmarkt in Slubice gekauft. Als Geschenk für eine Freundin. Zufällig war ich auch gerade dort mit einem Fernsehteam von SAT 1. Wir überredeten die Käuferin, Luna kostenlos von unserer Tierärztin in Deutschland untersuchen zu lassen. Wie sich herausstellte, litt das höchstens sechs Wochen alte Hundchen an hohem Fieber, blutigem Durchfall und extremem Wurmbefall. Alles deutete auf die schlimme und oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit Parvovirose hin. Unsere Tierärztin behielt Luna gleich da, um sie intensiv betreuen zu können. Angesichts der zu erwartenden hohen Tierarztkosten willigte die Hundebesitzerin ein, aktion tier ihre Luna zu übereignen.

Zwischen Medikamenten und "Kuschelbär"

Für mich war der Fall damit abgeschlossen. Luna, die gerade erst ihrer Hundemutter entrissen worden war, wollte jedoch nicht allein in ihrer Hundebox beim Tierarzt bleiben und jaulte die ganze Praxis zusammen. Kurz entschlossen nahm ich sie zu mir – mitsamt einer Wagenladung Medikamente, Spritzen und Spezialfutter. Kein Problem, wir schaffen das schon. Luna war rund um die Uhr bei mir. Es waren lustige und schöne Tage. Die Kleine fraß gut, nahm brav ihre Medikamente und auch der blutige Durchfall ging zurück. Sie tobte tagsüber durchs Büro, kämpfte mit ihrem Kuschelbären und ging liebend gerne mit mir spazieren. Leider durfte sie wegen der Ansteckungsgefahr keinen Kontakt zu anderen Hunden haben. Ihr Lieblingsplatz war vorne in meiner Jacke. Hier hatte sie es warm und immer alles im Blick. Weil Luna nicht allein sein konnte, schlief ich den größten Teil der Nächte neben ihr auf dem Küchenboden. Luna war nicht stubenrein, deshalb musste sie bei mir Zuhause in der Küche wohnen. Natürlich war aber auch der Rest der Wohnung nicht vor ihr sicher und bei jeder sich bietenden Gelegenheit stürzte sie sich auf meinen Bettvorleger, um ihm den Garaus zu machen.

Der Medikamentenberg wuchs

Nach fünf Tagen Glück wollte Luna dann plötzlich nichts mehr fressen. Am Abend vorher hatte sie noch ein Stückchen Wurst von meinem Abendbrot erbettelt und plötzlich war ihr der Futternapf völlig egal. Als Hundemama klingelten bei mir sofort alle Alarmglocken. Der Durchfall war wieder da und mit ihm Massen von abgestorbenen Würmern. Wir fuhren jeden Tag zum Tierarzt. Lunas Medikamentenberg wuchs weiter. Die Kleine wurde zwangsernährt, erbrach den größten Teil des Futters jedoch nach kurzer Zeit wieder. Als Luna schließlich Untertemperatur hatte, brachte ich sie in die Tierklinik, wo sie gleich an den Tropf gehängt wurde. Obwohl mir die behandelnden Tierärzte Mut machten und witzelten, dass aus Luna noch einmal ein riesiger Dobermann werden würde, fiel mir der Abschied unendlich schwer. Ich flüsterte ihr noch einmal zu, dass sie bitte durchhalten und bei mir bleiben soll … aber da hatte die schlimme Krankheit schon gesiegt. Luna ist in der gleichen Nacht gestorben. Ich weiß nicht, was schlimmer war. Die Trauer um meinen kleinen Hund und das Gefühl, versagt zu haben, oder der Hass auf die skrupellosen Tierhändler, die todkranke, viel zu junge Welpen verhökern. 

Trauriges Fazit

Luna wurde auf dem Polenmarkt für 35 Euro gekauft. Der Kampf um ihr Leben hat 800 Euro und viele Tränen gekostet. Meine Wohnung ist nun durch das aggressive Virus für ca. zwei Jahre verseucht und daher für ungeimpfte Hunde lebensgefährlich. Wenn Lunas Tod überhaupt einen Sinn gehabt hat, dann den, dass ich weiter gegen die Hundemafia kämpfen und alles dafür tun werde, dass Menschen Abstand vom miesen Geschäft mit diesen kleinen, unschuldigen Lebewesen nehmen.