Jahresbericht 2020

Eine "wilde Ecke" bereichert jeden Garten. Foto: © K. Tackmann

Vorwort

Liebe Tier- und Naturfreunde, im Jahre 2020 sah sich die Weltbevölkerung erstmalig mit einer Situation konfrontiert, die weitreichende Auswirkungen haben sollte. Innerhalb kurzer Zeit verbreitete sich das Corona-Virus in nahezu alle Länder dieser Erde.

Es veränderte das alltägliche Leben einschneidend. Dramatische Bilder aus den besonders betroffenen Regionen wie z.B. Italien machten deutlich, welch schlimme Folgen eine Infektion gerade für ältere Menschen haben konnte. In der Folge wurden erstmals in der Bundesrepublik Kontaktbeschränkungen erlassen, und infizierte Personen mussten sich in eine häusliche Quarantäne begeben. Das „Home-Office“ war plötzlich der Arbeitsplatz vieler Menschen, die nun Kinderbetreuung und Job in den eigenen vier Wänden parallel leisten mussten.

Bei derart weitreichenden Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben war natürlich auch der Tierschutz davon betroffen. Plötzlich tauchten Fragestellungen auf, mit denen man sich in der Vergangenheit noch nie beschäftigen musste. Wer kümmert sich um meinen Hund, wenn ich plötzlich wegen angeordneter Isolation mich nicht mehr aus dem Haus bewegen darf? Was passiert in einem Tierheim, wenn ein Mitarbeiter sich mit dem Virus infiziert und eventuell andere, mit diesem in Kontakt gekommene Helfer auch nicht mehr in die Einrichtung dürfen? Wie sollen dann die Tiere versorgt werden?

Glücklicherweise konnten alle aus der Pandemie resultierenden Probleme letztlich so gelöst werden, dass die Versorgung der Tiere zumindest in unseren Projekten zu keinem Zeitpunkt in Frage stand. Weitaus schwerer davon betroffen waren unsere Aktivitäten im Bereich der von unserer Satzung geforderten Aufklärungsarbeit, die nun einmal darauf basiert, dass wir mit möglichst weiten Teilen der Bevölkerung ins Gespräch kommen können. Bei den von der Bundesregierung bzw. den einzelnen Bundesländern erlassenen Hygiene- und Kontaktbestimmungen war das zwischenzeitlich ein Ding der Unmöglichkeit. Um wenigstens der wachsenden Unsicherheit der Tierbesitzer entgegen wirken zu können, haben wir Informationsmaterial zu den Fragen erstellt, die aus den Anforderungen der Corona-Pandemie resultieren.

aktion tier e.V. begeistert Menschen für den Tierund Naturschutz. Denn nur was wir kennen und verstehen, werden wir lieben und schützen!

Die Nachfrage nach Haustieren stieg…

Gleichzeitig war in den Nachrichten zu hören, dass während der Pandemie und der zunehmenden Isolation in den eigenen vier Wänden immer mehr Menschen sich plötzlich den Wunsch nach einem Haustier erfüllt haben. Gerade Züchter erlebten eine noch nie dagewesene Nachfrage nach den von Ihnen zum Verkauf angebotenen Hunden und Katzen. Wer nun davon ausgeht, dass sich unsere Bevölkerung plötzlich als zunehmend tierlieb erweist, sieht sich vermutlich getäuscht. Die Erfahrung lehrt, dass gerade spontan und unüberlegt angeschaffte Haustiere die ersten sind, die bei einer Veränderung der persönlichen Lage in einem Tierheim abgegeben werden. Sicherlich verschafft der Pandemie bedingte Arbeitsplatz im eigenen Haushalt mehr Möglichkeiten, sich um ein Haustier zu kümmern oder mit dem eigenen Hund regelmäßig einen Spaziergang zu machen. Aber es ist absehbar, dass dies kein Dauerzustand sein wird.

Wohin nun mit dem neuen Haustier?

Wie sich schon bald herausgestellt hat, wurden Lockerungen der strikten Kontaktbestimmungen beschlossen, und Arbeitgeber sahen sich nicht mehr in großem Umfange verpflichtet, alle ihre Angestellten ins Home-Office schicken zu müssen. Die dann aus der Anschaffung des neuen Mitbewohners resultierenden Probleme tauchten dann schnell auf, obwohl diese doch so einfach vorhersehbar gewesen wären.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass gerade im Umgang mit Haustieren Emotionen mehr Einfluss auf das Verhalten der Menschen nehmen als die in solchen Fällen eigentlich streng gebotene Rationalität. Das zu verändern war schon immer eines der wesentlichen Ziele unseres Vereines. Dieses Beispiel zeigt jedoch, dass wir, trotz eines jahreslangen Bemühens und des hundertausendfachen Verteilens von Informationen rund um das Thema Tierhaltung, von einem verantwortungsvollen Umgang von allen Teilen der Bevölkerung mit Tieren noch weit entfernt sind. Wir werden lernen müssen, trotz aller Herausforderungen dieser Pandemie, einen Umgang mit dem Virus zu erreichen, der es uns ermöglicht, auch weiterhin den Anforderungen unserer Arbeitswelt und dem täglichen Leben nachzukommen.

Aufklärungsarbeit ist wichtiger denn je!

Für uns als Verein bedeutet dies, dass wir nicht locker lassen werden, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Tier und unserer Umwelt zu erreichen. Anderenfalls werden wir nicht nur immer wieder dieselben Probleme beklagen müssen, sondern werden weiterhin millionenfach Tierleid produzieren. Dies gilt nicht nur für unüberlegt angeschaffte Haustiere, die anschließend in Tierheimen „entsorgt“ werden sollen, sondern auch für alle Bereiche unserer Ernährung und des Umgangs mit unseren natürlichen Ressourcen.

Gemeinsam stark für Tiere.

Um die Welt für Tiere zu verbessern, setzen wir an ganz unterschiedlichen Stellen des Tier- und Naturschutzes an. Über unsere kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit schaffen wir nicht nur ein nachhaltiges Bewusstsein für den Tier- und Naturschutz, sondern helfen im Rahmen unserer lokalen Projekte aktiv Tieren in Notlagen.

Klimaschutz ist Tierschutz… und umgekehrt!

Es macht wenig Sinn, dass die Bereiche Tier- und Umweltschutz separiert nebeneinander agieren. Klimaschutz bedeutet auch den Abbau einer tierquälerischen Massentierhaltung, die Unmengen von CO2 produziert. Tierschutz bedeutet auch den Erhalt von Lebensräumen für bedrohte Tierarten, deren Anzahl durch den Eingriff des Menschen immer mehr verringert wird. Insofern gilt es sich im Tierschutz auch davon zu befreien, dass dies immer nur die Versorgung von in Not geratenen Tieren umfasst. Veränderung durch Aufklärung über die komplexen Zusammenhänge, die weit über die Versorgung von Hund und Katze hinausgehen, kann ein Weg aus der Krise sein. Dies zu erreichen, kann auf vielfältigen Wegen geschehen. Durch unsere Informationsstände, an denen unsere Mitarbeitern überwiegend die erwachsene Bevölkerung unseres Landes versuchen zu erreichen, aber auch durch pädagogische Angebote, die sich speziell an Schulkinder richten.

Unser Tierschutzpädagogik-Projekt im Großraum Berlin ist eines davon und hat gezeigt, dass gerade die Jüngeren in unserem Lande oftmals viel mehr Verständnis für Tier- und Umweltschutz entwickeln, als dies die Erwachsenen tun. Obwohl diese ja eigentlich die Vorbilder für eine nachfolgende Generation sein sollten…

Wir sind weiterhin in vielen unteschiedlichen Bereichen des Tierschutzes aktiv!

Natürlich bedeutet dies nicht, dass wir unsere üblichen Aufgaben im Tierschutz vernachlässigen. Der Unterhalt unserer Tierheime und anderer Stationen ist nach wie vor wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Umfangreiche Maßnahmen z.B. im Rahmen unseres Streunerkatzenprojektes „Kitty“ sind nach wie vor wichtig und sinnvoll, da für deren Versorgung von der Rechtslage eigentlich niemand zuständig ist. Dieser unbefriedigende Umstand führt dazu, dass das Elend dieser Tiere weiterhin zunimmt, wenn man nicht dagegen wirkt. Dies tun wir seit vielen Jahren, und die Erfahrungen geben uns Recht, dass die Rahmenbedingungen unseres Projektes zu einer humanen und tierschutzgerechten Verringerung der Streunerpopulationen führen.

Gesichter unserer Vereinsarbeit

Tierschutzpädagogin Xenia Tregub (li.) mit Myriam Laser (Tierheimleitung aktion tier Tierheim Zossen).

Unserer Meinung nach fängt Tierschutz im Kopf an! Deswegen setzt aktion tier e.V. neben der Unterstützung von Tierheimen und Tierschutzeinrichtungen seit vielen Jahren auf Präventions- und Aufklärungsarbeit. Für uns ist Aufklärungsarbeit und Tierschutzbildung der Schlüssel zu einem besseren Miteinander von Mensch, Umwelt und Tier. Wir möchten keine neuen Tierheime bauen, die dann in kürzester Zeit wieder voll sind, auch wenn das im Tierschutz leider noch immer unkonventionell zu sein scheint. Vielmehr wollen wir durch unsere Aufklärungsarbeit verhindern, dass ein Tier überhaupt erst ins Tierheim kommt. Denn Tierschutz beginnt bereits im Kopf und beim Handeln eines jeden Menschen - und nicht erst im Tierheim.

Tierschutzfälle 2020

aktion tier im Gespräch mit den Behörden.
Um Tieren in Not zu helfen, ist oftmals aufwendige Ermittlungsarbeit nötig. Dieses Foto entstand 2009 während der Aufklärung eines Animal Hoarding Falls. Foto: aktion tier e.V.

Auch in diesem Jahr hatten wir es wieder mit ganz unterschiedlichen Tierschutzfällen zu tun. Denn fast täglich werden uns in unserer Berliner Geschäftsstelle oder über unsere Partnerprojekte Fälle von nicht artgerechter Tierhaltung und Tierquälerei gemeldet. Wenn möglich führen wir selbst Tierschutzkontrollen vor Ort durch, dokumentieren die mangelhaften Zustände der Tierhaltung und verständigen die Behörden. Jede Anzeige bedeutet für uns also zunächst aufwendige Ermittlungsarbeit im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden gesetzlichen Möglichkeiten, um stichhaltige Beweise zusammenzutragen und die Missstände zur Anzeige bringen. Viele Fälle dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlichen, aber einige konnten wir exemplarisch für Sie zusammengestellt.

Kanadagänse mit Kippflügeln

Kanadagans mit Kippflügeln
Bei dieser jungen Kanadagans sind beide Flügel deformiert. Foto: aktion tier, Ursula Bauer

In diesem Jahr wurden wir auf zwei junge Kanadagänse mit sogenannten Kippflügeln aufmerksam gemacht. Die Vögel lebten unter der Obhut ihrer Eltern an einer Stelle am Berliner Wannsee.

Kippflügel entstehen, wenn sich die Flügel bei Jungtieren falsch entwickeln und verdrehen. Unnatürliches, zu energie- oder proteinreiches Futter, dem wichtige Vitamine und Mineralstoffe fehlen, soll zu diesen Fehlbildungen führen. Betroffen sind vorrangig Enten und Gänse. Kippflügel kommen aber auch bei Hühnervögeln (z.B. Wachtel, Fasan) und anderen Vogelarten vor. Sie können ein- oder beidseitig auftreten. Die Vögel sind dann aufgrund der Behinderung meistens flugunfähig.

Trotz mehrmaliger Versuche gelang es uns nicht, die betroffenen Jungvögel einzufangen. Eine vogelkundliche Tierärztin hatte angeboten, die Flügel mit Bandagen in die korrekte Form zu bringen. Da ein Erfolg nicht garantiert war und die Gänse in Gefangenschaft unweigerlich auf Menschen geprägt worden wären, haben wir unsere Bemühungen schließlich eingestellt.

Stattdessen haben wir an der betreffenden Seestelle, wo sich auch mehrere Bootsanlegestellen befinden und exzessiv Brot verfüttert wird, mit den Menschen geredet und über die schädliche Brotfütterei informiert. Außerdem haben wir mehrere Infotafeln angebracht. Die Gesundheit der Tiere sollte immer wichtiger sein als der persönliche Spaß am Füttern.

Animal Hoarding-Fall im Südharz

Die Tiere werden von der Außenwelt komplett isoliert gehalten.
Die Tiere werden von der Außenwelt komplett isoliert gehalten. Foto: privat

Im April 2015 zog Frau M. mit 3 Hunden und 1 Pferd aus Baden- Württemberg in einen kleinen Ort am Südharz. Im Oktober 2020 waren es dann 9 Hunde und 2 Pferde. Die Tierzahl schien auf den ersten Blick überschaubar, aber wir waren selbst vor Ort, und angesichts der chaotischen Zustände und der messiehaft wirkenden Unterbringung sehr beunruhigt. Das „Anwesen“ bestand aus zwei alten Häusern, von denen eines inzwischen teilweise eingestürzt und daher unbewohnbar ist. In dem noch intakten Gebäude lebte die Halterin zusammen mit ihren neun mittel- bis großen Mischlingshunden.

Gassigehen kannten die Hunde nicht. Lediglich der mit Gerümpel, Abfall und Bauschutt übersäte Hinterhof stand ihnen zur Verfügung. Diese lieblose und in keiner Weise artgerechte Haltung, die eher wie das Wegsperren von Strafgefangenen wirkt, verstieß sowohl gegen Tierschutzgesetz als auch die Tierschutzhundeverordnung. Die mangelnde Bewegung und die ewig gleiche, reizarme Umgebung hatten schon Spuren hinterlassen. So waren die meisten Hunde auffallend gereizt und hatten sich zu Dauerbellern entwickelt. Zeugen erzählen außerdem von regelmäßigen, fürchterlichen Beißereien, die bestimmt Verletzungen nach sich ziehen.

Über dem kleinen Hof lag ein strenger Geruch, da er als Hundeklo diente. Zwischen den zahlreichen Haufen lagen auch noch Pferdeäpfel, denn ein brauner Wallach musste sich diesen „Lebensraum“ mit den Hunden teilen. Er stand apathisch in einer Ecke auf ein paar Strohhalmen unter einem löchrigen Stofffetzen, der wohl als Witterungsschutz gedacht, aber gänzlich unzureichend ist. Das Pferd wurde fast ständig von den gelangweilten Hunden angebellt und angegriffen, hatte keine Möglichkeit auszuweichen und kam nie zur Ruhe. Durch eine Mauer vom Hundehof getrennt gibt es einen weiteren kleinen Auslauf, in dem ein zweites Pferd in Einzelhaft lebte. Etwa 2/3 der Fläche waren mit Kot bedeckt und auch in dem an die Hauswand gebauten Unterstand häufen sich die Pferdeäpfel. Wir haben die eklatanten Verstöße gegen zahlreiche Tierschutzvorschriften gleich beim Veterinäramt angezeigt. Mit Erfolg, denn am 25. November 2020 hat das Veterinäramt alle Tiere eingezogen und im lokalen Tierheim untergebracht. Hier wurden sie tierärztlich versorgt und auf eine Vermittlung in ein gutes neues Zuhause vorbereitet.

Nur die konsequente Wegnahme aller Tiere hilft.

Die Rückfallquote von Animal Hoarden liegt unserer Erfahrung nach bei nahezu 100%.

Daher ist die konsequente Wegnahme aller Tiere durch das Veterinäramt unserer Meinung nach die erfolgversprechendste Maßnahme; im Sinne von Mensch und Tier!

Taubenhasser treibt in Berlin sein Unwesen

Tote Tauben auf dem Gendarmenmarkt
Tote Tauben auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. Foto: privat

Bis zu 300 tote Tauben sowie eine unbekannte Anzahl verendeter Wildvögel und Säugetiere gingen auf das Konto eines Taubenhassers, der Berlin Mitte bereits seit 2019 sein Unwesen trieb.

Am Hausvogteiplatz und am nahegelegenen Gendarmenmarkt, wo mehrere hundert Stadttauben leben, die seit vielen Jahren von einer Gruppe Frauen, darunter Frau K., gefüttert werden, tauchte immer wieder ein Mann um die 50 auf, der die „Taubenfrauen“ beleidigte und bedrohte. Als sich die Frauen nicht einschüchtern und vom Füttern abhalten ließen, legte der Taubenhasser Rattengift aus. Dieses grausame Gift wirkt bei allen Tieren. Sie sterben langsam aufgrund innerer Blutungen. Immer mehr tote Tauben wurden am Hausvogteiplatz und auf dem Gendarmenmarkt gefunden. Trotz zahlreicher Anzeigen bei der Polizei, denn auch Haustiere, Wildtiere und nicht zuletzt Menschen waren in Gefahr, geschah nichts. Indessen blieb der Taubenhasser nicht untätig, sondern streute ab September in regelmäßigen Abständen große Mengen von dunkelrot gefärbtem, mit Rattengift versetzten Weizen sowie Nagergift in pillenform aus. Einige Tauben wurden noch zum Tierarzt gebracht, aber es gab keine Rettung.

Wir begleiteten die Fütterer und beobachteten den Platz in der Hoffnung, den Mann auf frischer Tat zu ertappen. Nachdem Recherchen seine Identität ergaben und er auch von einer RTL-Reporterin beim Giftstreuen beobachtet wurde, gab es eine Strafanzeige, die hoffentlich zu einer entsprechenden Verurteilung führt.

Seither wurde an den beiden Plätzen kein Rattengift mehr gefunden, aber der Taubenhasser taucht immer noch regelmäßig auf, um die Wassernäpfe zu zertrampeln, das Futter mit Reinigungsmittel zu besprühen und die Frauen zu bedrohen. Daher sind wir auch weiterhin so oft wie möglich beim Füttern dabei.

Hund lebt vier Jahre im Schweinestall

Otto in seinem dreckigen Gefängnis
In dem ehemaligen Scheinestall, in dem Otto lebt, ist es weitestgehend dunkel, kalt, und der Gestank ist bestialisch.

Otto ist ein übermittelgroßer, stämmiger Hund mit einem breiten Kopf und kurzem, hellen Fell. Seine braunen Augen schauen friedlich und ein bisschen ängstlich. Er ist Besuch offensichtlich nicht gewohnt.

Otto erwartet wohl auch nicht mehr, dass irgendetwas Spannendes in seinem Leben passiert. Zumindest zeigt er wenig Interesse an uns. Nach einem nur angedeuteten Wedeln dreht er sich um und legt sich auf eine verdreckte Matratze. Mit einem Seufzer sinkt der schwere Kopf auf die Unterlage, wenige Zentimeter entfernt von mehreren Kothaufen.

Der Anfang

Ende Juni letzten Jahres erhielten wir eine erste Mail zu Otto von einem aktion tier Mitglied. Die junge Frau schrieb, dass ihre Eltern auf ihrem nicht mehr bewirtschafteten Bauernhof in einem kleinen Dorf im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt leben. Sie selbst wäre schon vor längerer Zeit ausgezogen. Und regt sich jedes Mal über Otto auf, der immer in einem kleinen Schweinestall eingesperrt ist. Der große Vierbeiner gehört einem Paar, das mit seinen vier Kindern als Mieter mit auf dem Resthof wohnt. Nachdem er Ende 2015 angeschafft wurde, hätte man Otto anfangs noch zu regelmäßigen Gassirunden aus seinem Gefängnis geholt. Im Laufe der Zeit sei das jedoch eingestellt worden und die Familie würde sogar regelmäßig in Urlaub fahren, ohne das Tier zu versorgen. Da kaum noch saubergemacht wird, sei der Stall meistens stark verdreckt. Angezeigt hätten unser Mitglied und ihre Mutter die katastrophale Tierhaltung schon mehrfach beim Veterinäramt und die Beamten hätten auch kontrolliert. Allerdings seien die Zustände nach einer kurzen Besserung bald wieder so schlimm wie vorher gewesen.

aktion tier schaltet sich ein

Wir leiten die Schilderungen unseres Mitglieds mit den schrecklichen Beweisfotos an das Veterinäramt weiter, in der Hoffnung, dass nun, wo sich ein großer Tierschutzverein einklinkt, Nägel mit Köpfen gemacht würden. Falsch gedacht. Das Amt erklärt, Kontrollen durchgeführt und keine Mängel festgestellt zu haben. Und wenn doch, würden entsprechende Auflagen erteilt. Die scheinen die Hundebesitzer jedoch wenig zu kümmern. Zumindest zeigen die regelmäßigen Fotos und Nachrichten unseres Mitglieds immer die gleiche Situation: kein Futter, alles voll mit Kot, dazwischen ein frustrierter Otto mit hängendem Kopf.

Kontrolle vor Ort

Schließlich haben wir genug von dem Hin und Her und fahren selbst nach K. Was wir vorfinden, übertrifft alle schlimmen Vorahnungen. Der ehemalige Schweinestall hat nur eine schmale, vergitterte und mit einem Hängeschloss gesicherte Tür, durch die Tageslicht kommt. Es zieht durch alle Ritzen. Drinnen ist es weitestgehend dunkel, kalt, und der Gestank ist bestialisch. Denn der Betonboden ist mit Kothaufen und Urinflecken übersäht. In der Ecke liegt eine alte, kaputte und ebenfalls verkotete Matratze. Daneben steht eine für den großen Otto zu kleine und daher nutzlose Hundehütte aus Holz. In einem Plastikeimer ist ein Rest Wasser, der Fressnapf ist leer. Am liebsten würden wir den ruhigen, traurigen Hund gleich mitnehmen. Aber das dürfen wir nicht. Wer Menschen anprangert, die gegen geltendes Tischschutzrecht verstoßen, muss sich selbst an Regeln halten. Mehr als Fotos und Videos zu erstellen sowie die Zeugen befragen, geht daher im Moment nicht.

Wir sind hier nicht im Wilden Westen!”

Zurück in Berlin telefonieren wir mit der zuständigen Amtstierärztin. Unsere Fotos hat sie vorher erhalten. Das Gespräch ist unbefriedigend, da die Frau ständig wiederholt, dass man hier nicht im Wilden Westen sei und daher nicht sofort losstürme, wenn jemand einen Fall von schlechter Tierhaltung meldet. Außerdem würde man sich von uns nicht unter Druck setzen lassen. Dann kommt noch ein langes Palaver über die Tierhalter, über die man nichts Schlechtes sagen könne, und man müsse denen auch glauben, dass sie mit Otto spazieren gehen. Was unsere Zeugen sagen, wäre dagegen, aus was für Gründen auch immer, nicht sehr glaubwürdig.

Wir fragen uns ernsthaft: Auf wessen Seite steht diese Beamtin, die eigentlich Tierquälerei verhindern soll?

Dann sichert man uns am Ende aber doch noch zu, in den nächsten Tagen rauszufahren um, falls es so aussieht wie auf unseren Fotos, ein Bußgeld zu verhängen und neue Auflagen zu erteilen. Erst wenn die nicht erfüllt würden, könne man über eine Fortnahme nachdenken. Lahmer Osten statt Wilder Westen! Genervt von dieser Mischung aus Unwillen, Überheblichkeit und Desinteresse veröffentlichen wir die ganze Geschichte mit Fotos in den sozialen Medien. Innerhalb weniger Stunden haben sie ca. 9.500 Menschen gelesen, es gibt massenweise Kommentare und Fragen. Die Menschen sind von Ottos Schicksal erschüttert, was heutzutage bei der allgemeinen Flut an Geschichten und Bildern schon etwas heißen will.

Otto wird abgeholt

Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht mit Gedanken an den einsamen Otto, der in seinem zugigen Loch friert, erhalten wir am nächsten Tag einen Anruf von unserem Mitglied. Otto wurde von der Amtstierärztin und einem Mitarbeiter des lokalen Tierheims abgeholt. Das Tierheim in Wittenberge bestätigt uns dann auch die Aufnahme des Hundes. Was für eine Überraschung nach dem Telefonat am Tag zuvor. Allerdings wurde Otto den Besitzern nur von Amts wegen fortgenommen. Diese haben nun die Möglichkeit, die Haltung zu verbessern und könnten den Hund dann theoretisch zurückbekommen. Kein schöner Gedanke. Der finstere Schweinestall ist auch mit sauberem Boden kein Ort, an dem ein Tier leben sollte.

In den sozialen Netzwerken gehen die Diskussionen inzwischen weiter, und es ist anzunehmen, dass sich viele denken können, welches Veterinäramt zuständig ist. Vielleicht haben neben unserer Kontrolle und Anzeige auch diverse Anrufe mit dazu beigetragen, dass sich die Behörde dann doch zum Handeln entschlossen hat.

Otto ist in Sicherheit

Im Laufe der nächsten Tage erhalten wir die Information, dass die Besitzer freiwillig auf ihren Vierbeiner verzichtet haben. Angeblich hätten sie Morddrohungen erhalten. Von unserer Seite aus wurden niemals Namen oder Adressen genannt. Das gebietet der Datenschutz.

Otto ist auf jeden Fall in Sicherheit und wurde inzwischen in ein gutes Zuhause vermittelt. Wir haben die Besitzer des Resthofes dringend gebeten, ihren Mietern gegenüber ein Tierhalteverbot auszusprechen, was auch umgehend erledigt wurde. Somit muss zumindest in diesem Schweinestall nie mehr ein Hund leiden.

Kampagnen & Aufklärungsabeit

Kampagnenstart vor dem Berliner Hauptbahnhof. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Präventions- und Informationsarbeit ist ein wesentlicher Teil der Tätigkeiten von aktion tier - menschen für tiere e.V.. Denn wir sind überzeugt davon, dass Tierleid in vielen Fällen durch Unwissenheit verursacht wird. Um dem entgegenzuwirken, widmen wir uns jedes Jahr im Rahmen einer neuen, bundesweiten Aufklärungskampagne ganz besonderen Tier- und Naturschutzthemen. Zu diesen Themen erstellen wir Publikationen und verbreiten das gesammelte Wissen an unseren Informationsständen, im Internet, über unsere Pressestelle und in den Sozialen Medien. Auch unsere bereits gestarteten Kampagnen werden regelmäßig inhaltlich überarbeitet und auf den aktuellsten Stand angepasst. So können wir sicher sein, immer die aktuellen Informationen zu verbreiten. Bei jeder unserer Kampagnen geben wir unseren Lesern und Zuhörern nicht nur Wissen mit auf den Weg, sondern auch Handlungsempfehlungen. Denn jeder kann und sollte unserer Meinung nach im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag dazu leisten, Tierleid zu verhindern. Deswegen geben wir mit jeder Kampagne dem einzelnen Tierfreund Tipps, was er oder sie selbst tun kann, um eine positive Veränderung herbeizuführen.

Nur gemeinsam mit Ihnen sind wir stark!

Ob als Konsument, Naturschützer oder Tierhalter: Sie selbst können jeden Tag etwas für Tiere bewirken. Denn jede große Veränderung fängt im Kleinen an.

Tipps für Hundebesitzer in Corona Quarantäne

Die Coronakrise verunsicherte viele Tierfreunde, weil sie nicht wussten, wie ihr Hund bei einer freiwilligen oder behördlich auferlegten häuslichen Quarantäne von Herrchen und Frauchen Gassi geführt werden kann.

Deshalb haben wir einige Gassigeh-Regeln aufgeführt, um Helfenden wie auch Tierbesitzenden die Unsicherheit zu nehmen. Da Hundefreunde sicherlich andere Menschen mit Hund kennen, empfahlen wir, sich gegenseitig aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis beim Gassigehen zu unterstützen und vorsorglich ein Netzwerk aufzubauen. Auch rieten wir dazu, die von uns empfohlenen Abläufe in aller Ruhe einzuüben, damit sie im Fall der Quarantäne ohne Stress abgerufen werden können. Bitte informieren Sie sich beim Besitzer VOR dem Gassi über die Eigenheiten des Hundes. Hat er vor bestimmten Situationen Angst? Wen oder was bellt er an etc.

Bitte geben Sie dem fremden Hund keine eigenen Leckerlies, da eine Futterunverträglichkeit vorliegen könnte. Bitte seien Sie zum ausgemachten Zeitpunkt pünktlich da, und geben dem Hundebesitzer Ihre Ankunft durch Klingeln oder Anrufen bekannt.

Geplante Reform der Tierschutzhundeverordnung

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) plante 2020 eine Optimierung der bestehenden Hundeverordnung des Bundes. Das sorgte für viele Fragen in der Bevölkerung.

Details zu den von der Bundeslandwir tschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) geplanten Änderungen der Tierschutzhundeverordnung gingen durch alle Medien. Viele Menschen hatten Klärungsbedarf, und so mancher Hundehalter zeigte sich verunsichert. Nicht zuletzt, weil die mediale Berichterstattung um die geplanten Änderungen zwar sehr umfangreich, aber leider nicht immer verständlich und richtig war.

Um den vielen Fragen gerecht werden zu können, die uns an unseren Informationsständen als auch in der Berliner Geschäftsstelle erreichten, veröffentlichten wir kurzerhand einen neuen Informationsflyer. Dieser diente als Zusammenfassung des aktuellen Sachstandes und konnte durch unsere Aufklärungsteams an interessierte Menschen verteilt werden. Mit über 4000 Aktionen pro Jahr klärt aktion tier – menschen für tiere e.V. an bundesweit aufgestellten Informationsständen interessierte Bürger über verschiedene Aspekte des Tierschutzes auf. Ein immer wieder kehrendes Thema ist dabei das der Haustierhaltung und die damit verbundene Verantwortung.

Weil uns eben dieses Thema besonders am Herzen liegt, finden wir es grundsätzlich begrüßenswert, wenn Tierschutzgedanken Platz in der Politik finden und im Sinne von Tierwohl diskutiert und vor allem gehandelt wird. Schließlich muss doch jeder potenzielle Tierhalter darauf hingewiesen werden, welche Pflichten er künftig hat und worauf zu achten ist!

“Mein tierfreundlicher Garten”

Begrünte Balkone und Hausgärten sind längst wichtige Zusatzbiotope geworden, die vielen kleinen und größeren Wildtieren Lebensraum und Nahrung bieten. 2020 konnten wir noch mehr Menschen dazu motivieren, ihr persönliches Grün in eine Oase für Tiere zu verwandeln.

Selbst etwas zu säen und wachsen zu sehen macht Freude. Und wenn man bei der Wahl des Saatgutes und der Pflanzen auf heimische Gewächse setzt, lockt man schnell viele nützliche Insekten und im Garten sogar Igel, Vögel und viele andere Tiere an.

Die Art der Pflanzen ist für die ökologische Bedeutung unseres Gartens/Balkons von größter Wichtigkeit. Oft ist die Rede von "heimischen Pflanzen", denen man den Vorzug geben sollte. Vielleicht werden Sie denken: Aber die wachsen doch draußen in freier Natur, was sollen die dann auch noch in meinem Garten? Leider wird in der freien Landschaft permanent Natur zerstört oder durch intensive Nutzung, verbunden mit dem Einsatz von Pestiziden, für die meisten Lebewesen wertlos. Immer mehr Tier- und Pflanzenarten sind dadurch vom Aussterben bedroht. Dieser Tendenz können wir entgegenwirken, indem wir unseren Garten in ein Stückchen Natur mit heimischen Arten verwandeln.

Im Jahr 2020 haben wir im Rahmen der Kampagne 10.000 Tüten mit insektenfreundlichem Saatgut kostenlos verteilt.

Das Prinzip war einfach: Den Inhalt des Tütchens Mitte April bis Ende Juni aussähen. Ob im Balkon, im eigenen Garten, in einer Grünanlage oder an einer Baumscheibe – jeder konnte mithelfen. Die Samen mussten einfach nur leicht in die Erde gedrückt warden und schon konnte sich eine insektenfreundliche Blütenfläche entwickeln. Der Inhalt eines Tütchens reichte für jeweils 2m².

Pflanzen stellen die Ernährungsgrundlage zahlreicher Insekten dar, die entweder Teile davon fressen, ihren Saft trinken oder ihre Blüten besuchen, um Nektar und Pollen zu sammeln. Diese Insekten wiederum dienen räuberisch lebenden Tieren wie Spinnen als Nahrung. Beide Gruppen sind lebenswichtige Nahrung für zahlreiche Wirbeltiere wie Eidechsen, Vögel, Fledermäuse, Maulwürfe, Igel und Spitzmäuse. Mit fremdländischen Pflanzen wie dem beliebten Kirschlorbeer oder Lebensbaum (Thuja), können unsere Wildtiere wenig anfangen. Wenn man diese Exoten einmal näher betrachtet wird man feststellen, dass kaum Fraßspuren daran zu finden sind. Unsere Insekten sind auf heimische Pflanzen „programmiert“. Teilweise geht die Spezialisierung sogar so weit, dass nur eine einzige Pflanzenart gefressen wird. Wie wichtig die hiesigen Arten im Gegensatz zu fremdländischen sind, zeigen die folgenden Beispiele:

  • Über 30 Vogelarten fressen die Früchte des bei uns beheimateten Weißdorns (Crataegus spec.). Die Beeren des häufig angepflanzten, nah verwandten, aber aus Amerika stammenden Scharlach-Weißdorn (Crataegus pedicellata) finden dagegen nur zwei Vogelarten schmackhaft.
  • Rund 50 unserer heimischen Schmetterlingsarten nutzen die Brennnessel als Raupen-Fraßpflanze. Typische „Brennnessel-Schmetterlinge“ sind beispielsweise Tagpfauenauge, Landkärtchen und Kleiner Fuchs. Ihre Raupen ernähren sich ausschließlich von Brennnesseln (Urtica dioica), die Sie zumindest in einem kleinen Eckchen im Garten wachsen lassen sollten.
  • Die Wacholderbeeren unseres Juniperus communis mögen sogar über 40 Vogelarten, während die Früchte des oft in Gärten verwendeten China-Wacholders (Juniperus chinensis) so gut wie keine Abnehmer finden.

Auch Pflanzen, die allein aus optischen Gesichtspunkten züchterisch verändert wurden, stellen für Wildtiere in der Regel keine Bereicherung dar. Allen voran die Forsythie, eine gezüchtete Hybridpflanze, die weder Pollen noch Nektar produziert und für blütenbesuchende Insekten völlig nutzlos ist. Auch bei den meisten gefüllten Blüten ist für Insekten nichts mehr zu holen, da diese entweder keinen Nektar und keinen Pollen mehr produzieren oder die Tiere nicht an das Innere der Blüten herankommen.

Wildbienen: pummelige Hausbesetzer

Wer einen Vogel-Nistkasten im Garten aufhängt, rechnet eigentlich mit Spatzen, Meisen oder Kleibern, die ihn für ihr Brutgeschäft nutzen. Dass die Nisthilfe dann von Baumhummeln in Beschlag genommen wird, verwundert viele, kommt aber gar nicht so selten vor.

Denn die pummeligen Insekten bauen ihre Nester immer oberirdisch in Hohlräume. Besonders attraktiv sind, wie der Name vermuten lässt, Baumhöhlen. Aber auch Felsspalten, enge Winkel in Schuppen und Dachböden oder eben noch nicht belegte Vogelkästen werden gerne bezogen.

Vögel UND Hummeln unterstützen

Hummeln sind zwar hübsch und nützlich, aber auch Vögel sind auf Nistkästen angewiesen, da natürliche Brutstätten wie Baumhöhlen selten geworden sind. Um beiden Tierarten gerecht zu werden, können einfach mehr und am besten unterschiedlich große Vogelkästen aufgehängt werden.

Hummeln sind Wildbienen

Gemäß der wissenschaftlichen Klassifikation gehören Hummeln zur Familie der Echten Bienen (Apidae). Sämtliche Bienenarten, außer der vom Menschen gehaltenen Honigbiene, sind Wildbienen. Innerhalb der großen Bienen-Familie bilden Hummeln die Gattung Bombus, was so viel wie „dumpfer Ton“ oder „Brummen“ bedeutet. Eine passende Bezeichnung, denn vor allem Königinnen, die im zeitigen Frühjahr auf der Suche nach einem geeigneten Nest umherfliegen, tun dies mit lautem Gebrumm.

Hummeln sind unter anderem aufgrund ihrer großen Bestäubungsleistung sehr nützlich.

Eines dieser fleißigen Insekten kann täglich fast 1.000 Blüten anfliegen und bestäuben. Eine Honigbiene kommt dagegen nur auf etwa 200 Blüten. Vielleicht liegt es an der unglaublich hohen Schlagfrequenz von 240 Mal pro Sekunde, die eine Hummel mit ihren zwei Flügelpaaren schafft.

Tierschutz ist Klimaschutz!

Wussten Sie, dass für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch 15.000 Liter Wasser benötigt werden, um ein Kilogramm Kartoffeln zu produzieren, aber nur 290 Liter? Wenn Sie sich also für den Kauf von mehr Kartoffeln und weniger Rindfleisch entscheiden, helfen Sie, Wasser zu sparen. Und Sie tun etwas für den Tier- und gleichsam für den Umweltschutz.

Diese Zusammenhänge, so stellten wir in 2020 fest, sind aber vielen Menschen gar nicht klar. Vielmehr war das Thema Klimaschutz auch in 2020 noch in aller Munde. Wir bei aktion tier – menschen für tiere e.V. haben viele Reaktionen erhalten: Man müsse sich nun mehr für den Klimaschutz einsetzen, und es schien fast, als würde der Tierschutzgedanke zunächst für viele irgendwie in den Hintergrund rücken.

Bleibt der Tierschutz nun auf der Strecke?

Muss er dem Klimaschutz weichen? Mitnichten, sagen wir, denn Klimaschutz und Tierschutz sind untrennbar miteinander verbunden. Weil das vielen Menschen ganz offenbar gar nicht bewusst war, haben wir das Thema aufgenommen und unter anderem über unsere bundesweiten Informationsstände eine informative Broschüre verteilt. In zahlreichen Gesprächen haben die Kollegen und Kolleginnen der aktion tier Aufklärungsteams dazu beigetragen, die Verknüpfung beider Themenkomplexe darzustellen und die Menschen zu einer Änderung ihres Konsumverhaltens anzuregen. Denn auch beim Thema Klimaschutz wird schnell klar: Der Komsument hat mit seiner Kaufentscheidung die Kraft, etwas zu verändern. Fernab der „Fridays for Future“ Demonstrationen – an der heimischen Supermarktkasse, werden die wirklich einflussreichen Entscheidungen gefällt.

Wer sich hier beispielsweise gegen Fleisch aus der Massentierhaltung ausspricht, tut nicht nur etwas für den Tier-, sondern gleichzeitig für den Klimaschutz. Schließlich ist der hohe Fleischkonsum eine der Hauptursachen für die Abholzung des Regenwaldes in Südamerika. Wer bewusst beim Einkauf von Kosmetika auf den Verzicht von Palmöl achtet, macht sich ebenfalls mit seiner Kaufentscheidung für den Klimaschutz stark.

Wissen ist der Schlüssel!

Gerade weil jeder Einzelne mit seiner Kauf- und Konsumentschentscheidung so viel bewirken kann, werden wir weiterhin zu solch wichtigen Themen aufklären und Wissen vermitteln, das jeden befähigt, selbst aktiv zu werden. Nur gemeinsam können wir die Klimakrise bewältigen. Es sind die vielen, vielen kleinen Dinge, die am Ende die großen Veränderungen herbeiführen!

Neue Kampagne 2020: “Mein Kind wünscht sich ein Tier” - Ein Ratgeber für Eltern

In diesem Jahr ging es uns um ein Thema, das fast alle Eltern kennen dürften: Der Wunsch des Kindes nach einem eigenen Haustier. Die Corona-Pandemie föderte diesen Wunsch noch zusätzlich. Das ewige Zuhausebleiben nervte, es war langweilig ohne Freunde, die Decke fiel einem auf den Kopf. Ein Kaninchen wäre jetzt doch eine schöne Beschäftigung... Oder eine Kuschelkatze gegen die Einsamkeit… Die Beschaffung eines Tieres schien vielen Eltern einfach, schließlich hatten Zoogeschäfte häufig noch geöffnet, und im Internet ist man nur einen Mausklick vom Wunschtier entfernt. An Zeit magelte es ebensowenig. Warum also nicht den Kindern eine Freude machen in diesen besonderen Zeiten?

Doch bevor Eltern dem Betteln nachgeben, sollten sie sich bewusst sein, dass vor allem die Eltern selbst in der Verantwortung stehen. Und zwar ein ganzes Tierleben lang.

Damit die Haustierhaltung nicht auf Kosten des Vierbeiners geht, müssen außerdem im Vorfeld viele Fragen geklärt werden. Zum Beispiel, was genau hinter dem Tierwunsch steckt. Ist es vielleicht nur der Gruppendruck, weil alle anderen einen Hund haben? Oder das Bedürfnis, mit der Rassekatze anzugeben?

Entscheidend ist auch die Wahl des zukünftigen Familienmitgliedes. Denn ob Hund, Kaninchen oder Fisch – jedes Haustier hat als echtes Familienmitglied Anspruch auf tägliche Zuwendung, eine tiergerechte Unterbringung und liebevolle Pflege. Es muss außerdem zu den Lebensgewohnheiten, dem Platz und dem Geldbeutel der Besitzer passen.

Die Entscheidung für ein Tier sollte grundsätzlich die gesamte Familie in Ruhe gemeinsam treffen. Ob Hund oder Hamster – jedes Haustier hat als echtes Familienmitglied Anspruch auf tägliche Zuwendung, eine tiergerechte Unterbringung und liebevolle Pflege. Wenn sich dann alle einig sind, dass ein Tier angeschafft werden soll, kann man überlegen, was am besten zu den Lebensgewohnheiten, dem Platz und dem Geldbeutel passt.

Außerdem ist es unerlässlich, sich möglichst breit zu informieren. Es gibt zu jeder Tierart umfangreiche Literatur sowie Beiträge im Internet, und man kann sich außerdem zum Beispiel in einem Tierheim beraten lassen.

Mit dieser Kampagne „Mein Kind wünscht sich ein Tier“ möchten wir vorrangig Eltern von 4-14jährigen Kindern informieren und Anstöße zum Nachdenken geben. Denn bevor Eltern dem Betteln ihrer Kinder nach einem Haustier nachgeben, sollten sie sich bewusst sein, dass vor allem sie selbst in der Verantwortung stehen. Und zwar ein ganzes Tierleben lang. Finden Sie daher unbedingt heraus, warum sich Ihr Kind ein Tier wünscht. Die Gründe können sehr vielfältig sein, und nicht jeder rechtfertigt gleich die Anschaffung eines eigenen Haustieres.

"Mein Kind wünscht sich ein Tier"

Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Kampagnenseite.

Medien- und Pressearbeit

Die Medien- und Pressearbeit ist ein Baustein der umfangreichen Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die aktion tier betreibt. Unser Ziel ist es, auf Missstände im Tier- und Naturschutz aufmerksam zu machen und Lösungen anzubieten.

Print als starkes Medium

Vor allem in Tageszeitungen werden unsere Meldungen zum Tier- und Naturschutz aufgegriffen. Darüber konnten wir in 2020 fast 35 Millionen Menschen mit unseren Tierschutzthemen erreichen. Einige Meldungen sammeln wir in unserem Pressespiegel, der auf unserer Webseite abrufbar ist.

Breites Themenspektrum

Nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Tierschutz-Kompetenzzentren wie dem aktion tier Igelzentrum in Niedersachsen oder der aktion tier Eichhörnchenstation in Brandenburg verfügen wir über ein breites Fachwissen in vielen unterschiedlichen Bereichen des Tier- und Naturschutzes. Das ermöglicht es uns, verschiedene Themenkomplexe zu beleuchten, Missstände zu erkennen und entsprechende Meldungen dazu herauszugeben.

Unsere Pressemitteilungen

Alle Pressemeldungen finden Sie in unserem Pressearchiv.

Wissen als Schlüssel zu mehr Tierwohl: Tierschutz fängt im Kopf an!

Wir möchten Tierleid verhindern, bevor es entsteht. Deswegen arbeiten wir mit aller Kraft daran, das Verständnis und Wissen um Tiere und die Natur zu verbessern. Unser Wissen verbreiten wir nicht nur in persönlichen Gesprächen an unseren bundesweiten Informationsständen, sondern auch im Rahmen unserer Pressearbeit, in den Sozialen Netzwerken (wie Facebook und Instagram), über unsere Internetseite, im Vereinsmagazin “mensch & tier” und in unseren Informationsflyern und Broschüren.

Unsere Broschüren und Flyer

Jedes Jahr erarbeiten wir in unserer Berliner Geschäftsstelle neue Informationsflyer und Broschüren, die wichtige Tierschutzthemen aufgreifen und umfangreich beleuchten. Alle Themen werden umfangreiche recherchiert und zu großen Teilen mit eigenem Bildmaterial bebildert. Unsere Publikationen werden zudem regelmäßig fachlich überarbeitet und auf unserer Internetseite zum Download bereitgestellt.

Über unsere bundesweiten Informationsstände werden die Flyer und Broschüren an interessierte Bürgern ausgegeben. Zudem ermöglichen wir den kostenfreien Bezug über unsere Berliner Geschäftsstelle.

Das “mensch & tier” Magazin als eigene Publikation

Das Vereinsjournal “mensch & tier” erschien im Jahr 2020 viermal, jeweils mit einer Auflage von 200.000 Stück. Es wurde an unsere Vereinsmitglieder versendet. Seit einigen Jahren können unsere Mitglieder wählen, ob sie das Magazin in gedruckter Form und postalisch, oder aber als digitales E-Paper bzw. online via App abrufen möchten. Die Zahl derjeniger, die die digitale Version vorzieht, stieg in 2020, sodass Papier und Porto eingespart werden konnten. Auf der anderen Seite gab es auch Mitglieder, die das Heft nach dem Lesen weiterreichten oder an ihrer Arbeitsstelle (z.B. In Arztpraxen) auslegten. Über diese Wege erreichen unsere Tierschutzthemen noch mehr Menschen, was uns sehr freut.

Projekte und Partner 2020

Kinder sind die Tier- und Naturschützer von morgen. Um sie dafür zu sensibilisieren, gibt es das aktion tier Projekt JUNIOR. Foto: © aktion tier e.V.

Wir entwickeln Projekte, um Tierleid zu verhindern oder diesem präventiv entgegenzuwirken. Beispiele hierfür sind unser Projekt "Eichhörnchenseil", das Projekt "Tierschutzzimmer" oder das Straßenkatzen-Hilfsprojekt "Kitty". Außerdem betreiben wir (meist in enger Zusammenarbeit mit lokalen Tierschutzvereinen) Tierheime, Gnadenhöfe und Auffangstationen, um Tieren in Not schnell und fachgerecht helfen zu können. Außerdem unterstützen wir zahlreiche Projekt- und Kooperationspartner im In- und Ausland, die sich meist der Notaufnahme, Pflege, Versorgung und Vermittlung von ausgesetzten, misshandelten, beschlagnahmten und abgeschobenen Tieren angenommen haben. Durch dieses umfangreiche Gesamtkonzept kann vielen notleidenden Tieren geholfen werden.

Projekt JUNIOR & Tierschutzpädagogik

Die strengen Corona-Auflagen machten den aktion tier- Tierschutzunterricht im Jahr 2020 schwierig und bisweilen sogar unmöglich. Dieser Herausforderung stellte sich unsere neue Tierschutzpädagogin. Mit Xenia Tregub als neue Tierschutzpädagogin kam trotz Pandemie Anfang 2020 neuer Wind in unser Kinder- und Jugendprojekt. Unsere neue Kollegin nutzte die Lock-Down Zeit, um sich in unsere vielen vereinsinternen Themen einzuarbeiten und das JUNIOR Projekt, zu dem auch der Tierschutzunterricht und die Tierschutzzimmer gehören, kennenzulernen.

Bald konnte der Tierschutzunterricht an Berliner Schulen und Kitas aber wieder stattfinden, wenn auch unter strengen Auflagen. Die meisten Lehrer waren dankbar über Verstärkung im Schulbetrieb. Im Austausch mit den Kindern und Jugendlichen wurde Xenia Tregub deutlich, wie sehr die Pandemie deren Leben beeinflusst hat. Denn nicht nur die Eltern mussten sich mit der Pandemie neuen Herausforderungen stellen, auch der Alltag der meisten Schüler hatte sich drastisch verändert. 8-jährige sprachen nun von “home office” und “home schooling,” sangen zweimal “Happy Birthday” beim Händewaschen und spielten auf dem Schulhof mit Freunden den Corona-Alltag nach.

Der Austausch mir den Schüler war wichtiger denn je

Wichtiger Teil unseres Tierschutzunterrichts in diesen besonderen Zeiten war daher immer auch der Austausch mit den Schüler:innen. Wie geht es euch? Wie ist das Lernen für euch in Zeiten der coronabedingten Schulschließung? Was bewegt euch? Welche Sorgen habt ihr? So unterschiedlich wie die Kinder in unseren Tierschutzklassen sind, so unterschiedlich gingen sie auch mit dem Lernen von Zuhause aus um. Alle waren sich aber einig darin, dass die Eltern Lehr- und Erziehungskräfte nicht ersetzen können. Auch wenn für einige das „home schooling“ eine interessante Erfahrung war, wünschten sich alle Kinder ihre Normalität und Struktur zurück. Viele erzählten sogar von ihrer Angst vor einer erneuten Schulschließung oder neuen Kontakteinschränkungen. Der Tierschutzunterricht bot vielen Kindern eine dankbar angenommene Ablenkung vom Alltag. Die Themen, die dabei behandelt wurden, waren wie immer abhängig von der Klassenstufe, dem Lehrplan und dem Interesse der Schüler. So informierte Xenia Tregub beispielsweise eine Klasse über Tierversuche und stellte im Anschluss daran mit den Schülen vegane Sonnencreme her. Auf diese Weise wurden immer auch Alternativen zu den mit Tierschutzproblemen behafteten Themen geboten.

In einer anderen Schule hat Xenia Tregub mit den Kindern das Schulgelände tierfreundlicher gestaltet, indem gemeinsam auf einer größeren Fläche die insektenfreundliche Saatgutmischung von aktion tier ausgesät wurde. Die neue Wiese wird bald nicht nur schön aussehen, sondern auch die Lebensgrundlage für zahlreiche Insekten und Tiere darstellen, die sich von Insekten ernähren. Das alles können die Kinder hautnah in jeder Pause beobachten und miterleben. Außerdem gab es eine Tierolympiade (natürlich ohne echte Tiere), mehrere Müllsammelaktionen im Wald, und es wurde erklärt, wie unsere Wildtiere auf unterschiedliche Weise durch den kalten Winter kommen.

In einer anderen Unterrichtsstunde ging es dann um vegane und vegetarische Ernährung. Ziel des Unterrichts war es, den Kindern Wissen zu vermitteln, das es ihnen ermöglich selbst zu entscheiden, ob und welche tierischen Produkte sie essen möchten. Und was bedeutet “vegan” eigentlich? Wie kann man fleischloses Essen zubereiten? Letzteres probierten die Kinder mit unserer Tierschutzpädagogin im Anschluss der Stunde auch gleich aus. Es wurde gemeinsam vegan gebacken.

Straßenkatzen- Hilfsprojekt “Kitty”

Im Rahmen unseres Straßenkatzen- Projektes “Kitty” leisten wir seit 2002 über zahlreiche Stützpunkte in ganz Deutschland effektive und nachhaltige Hilfe für wildlebende Katzen.

Das im Jahr 2002 von aktion tier e.V. ins Leben gerufene „Projekt Kitty“ ist ein deutschlandweit einzigartiges Straßenkatzen-Hilfsprojekt, im Rahmen dessen jährlich mehrere tausend Katzen eingefangen, kastriert und medizinisch versorgt werden. Darüber hinaus betreuen Ehrenamtliche viele hundert Futterstellen und versorgen die hungrigen Samtpfoten mit Katzenfutter von aktion tier.

Derzeit 18 sogenannte “Kitty-Foren”, die im gesamten Bundesgebiet verteilt sind, bilden die Basis, von der aus die Hilfe für Straßenkatzen organisiert wird. Diese Stützpunkte werden von lokalen aktion tier- Projektpartnern geleitet, welche innerhalb eines Radius von etwa 50 km entsprechend ihrer Möglichkeiten aktiv werden und beispielsweise mit Futterspenden, Kastrationen oder medizinischen Behandlungen die örtlichen Straßenkatzenbetreuer unterstützen.

Exemplarisch möchten wir hier von einem Kitty-Forum berichten, welches sich im aktion tier-Tierheim in Zossen, ca. 50 km südlich von Berlin, befindet. Von hier aus betreuen wir unter anderem auch das Berliner Stadtgebiet. Daher machten wir uns auch im Mai 2020 gleich auf den Weg, als uns vier Katzenbabys auf einer Baustelle gemeldet wurden. Hier sollte ein ganzer Häuserblock saniert werden und in dem kleinen Innenhof stapelten sich allerlei Gerätschaften.

Hilfe für Straßenkatzen seit 2002 Kastration, tiermedizinische Versorgung und kontrollierte Fütterung sind wesentliche Bestandteile unseres Hilfsprojektes. Die nachhaltig gewährleistete Finanzierung durch aktion tier sowie die professionelle Organisation und Umsetzung durch Projektpartner und freiwillige Helfer verhalfen dem Projekt Kitty zu einem bundesweiten Erfolg.

Exemplarisch möchten wir hier von einem Kitty-Forum berichten, welches sich im aktion tier-Tierheim in Zossen, ca. 50 km südlich von Berlin, befindet. Von hier aus betreuen wir unter anderem auch das Berliner Stadtgebiet. Daher machten wir uns auch im Mai 2020 gleich auf den Weg, als uns vier Katzenbabys auf einer Baustelle gemeldet wurden. Hier sollte ein ganzer Häuserblock saniert werden und in dem kleinen Innenhof stapelten sich allerlei Gerätschaften. Dazwischen hatten die Anwohner einen kleine Höhle aus Styropor gebastelt, in der eine Straßenkatze ihre 4 Jungen zur Welt gebracht hatte. Die etwa 5 Wochen alten Babys konnten wir schnell sichern, aber die Mutterkatze sollte auch mit nach Zossen, um sie kastrieren zu lassen. Unser Plan war, mit Hilfe eines mauzenden Katzenbabys das Muttertier in eine große Falle zu locken, die von Hand ausgelöst werden kann. Leider waren die Verhältnisse vor Ort so beengt, dass die schlaue Katze „den Braten gerochen“ hat und einfach nur stoisch neben der Falle saß, anstatt hinein zu gehen. So mussten wir schließlich abbrechen, da es auch für unser „Lockkätzchen“ langsam zu kalt wurde. Die Babys kamen gleich in unser Tierheim nach Zossen, wo sie von der Tierärztin untersucht und für gesund befunden wurden. Nach einer prophylaktischen Wurmkur kamen die Kätzchen dann auf eine Pflegestelle, da man sich um derart junge Tiere sehr intensiv und auch nachts kümmern muss.

Die misstrauische Katzenmama fingen wir erst mehrere Wochen später ein und brachten sie nach der Kastration in einen benachbarten Hinterhof, wo sie weiter von Anwohnern gefüttert wurde.

aktion tier Tierheim Zossen: JUMA zu Gast

Unser Tierheim in Zossen ist eine weltoffene, vorurteilsfreie Einrichtung. Jeder, der Interesse hat, ist willkommen. Daher haben wir uns auch gefreut, als in diesem Jahr vom Verein JUMA eine Drehanfrage kam. JUMA steht für jung, muslimisch, aktiv. Der Berliner Senat unterstützt das Dialogprojekt des Vereins, welches muslimischen Jugendlichen die Möglichkeit geben soll, drohender Ausgrenzung und Diskriminierung entgegen zu treten. Zum Beispiel, indem sie sich einbringen und aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen.

Nuseyba (li) und Rahma mit Windhund Skuly.
Nuseyba (li) und Rahma mit Windhund Skuly. Foto: aktion tier zossen

Ein JUMA-Vorhaben im Jahr 2020 beschäftigte sich mit der Vorstellung verschiedener NGOs (übersetzt: Nicht- Regierungs-Organisationen). Dazu absolviert ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin bei der Organisation ein jeweils eintägiges Praktikum, über das ein Video produziert und später in den Sozialen Medien veröffentlicht wird. Das soll muslimischen Jugendlichen Lust machen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Für uns war die Vorstellung unseres Tierheims besonders interessant, da wir dadurch die Möglichkeit hatten, Ängste abzubauen und den artgerechten und vor allem gesetzeskonformen Umgang mit Haustieren zu thematisieren.

Anfang Oktober kamen dann Nuseyba und Rahmah von JUMA in unser Tierheim. Die beiden jungen Frauen waren von der Einrichtung sehr angetan und lobten unter anderem, dass unsere Tiere so viel Platz und immer einen Auslauf haben. Nach einem Orientierungs-Rundgang wurden die Arbeiten besprochen, die in einem Tierheim täglich anstehen und Rahmah wurde schnell klar, dass Saubermachen eine zentrale Rolle bei der Tierhaltung spielt. Sie hat jedoch klaglos die Kothaufen in einem Hundeauslauf eingesammelt, die Toilettenecken in den Kleintiergehegen abgetragen und Katzenklos gesäubert. Futter für die Kaninchen schnippeln war danach eine richtige Erholung, und auch für Schmuseeinheiten mit Hunden und Katzen sowie eine längere Gassirunde war noch genug Zeit.

Die beiden Musliminnen haben aus dem gedrehten Material ein schönes, informatives Video für die Sozialen Medien erstellt, welches auch die Schicksale von Tierheim Tieren berücksichtigt.

aktion tier Tierheim Zossen: Alea wurde im Wald zum Sterben zurückgelassen

Der Fall von Hündin Alea ging den Kollegen unseres Zossener Tierheims besonders ans Herz. Und er zeigt einmal mehr, wie wichtig unsere kontinuierliche Aufklärungsarbeit im Bereich Tierhaltung ist!

Mit nur acht Monaten wurde Alea im Wald zum Sterben zurückgelassen. Warum? Weil ein Hund, auch ein junger, Geld kosten kann. Als niedlichen Welpen angeschfft, merkten Aleas Besitzer wahrscheinlich schnell, wie viel Arbeit so ein Welpe macht, und auch als Junghund wurde Alea wohl nicht plötzlich ruhig und gesittet. So geschah es vor knapp vier Monaten, dass sich Alea schwer verletzte. Der Oberschenkelknochen sprang aus der Hüftpfanne, eine sehr schmerzhafte Verletzung, die einer sofortigen tierärztlichen Versorgung bedarf, um Folgeschäden zu vermeiden. Ob Alea jedoch einem Tierarzt vorgestellt wurde, wissen wir nicht. Aber wenn, wird Aleas Besitzern sicher gesagt worden sein, dass eine Operation notwendig sei, damit ihr Hund wieder schmerzfrei laufen kann. Vielleicht war genau das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bloß weg mit der Belastung. Von dem Geld kann man sich schließlich Besseres kaufen...

Zum Sterben tief im Wald an einen Baum gebunden

Aber anstatt Alea wenigstens irgendwo abzugeben, weil man mit Fragen rechnen oder die Verantwortung für sein Handeln übernehmen müsste, band man Alea lieber tief im Wald an einen Baum. Dass sie dort gefunden wurde, war pures Glück. So wurde am 15.02.2020 ein kleines, humpelndes Häufchen Elend vom Ordnungsamt Potsdam in unser Tierheim nach Zossen gebracht.

Umgehend wurde Alea unserer Tierärztin vorgestellt, die die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Schleunigst ging es zum Spezialisten, wo wir unseren Verdacht durch ein Röntgenbild bestätigt bekamen. Eine Femurkopfluxation (eine Ausrenkung des Oberschenkelknochenkopfes aus der Gelenkpfanne im Becken), leider schon älter. Bei sofortiger Behandlung hätte man Alea im Zweifelsfall sogar ohne große Operation schnell helfen können. Monate später war eine Operation unumgänglich.

Knapp 800,00 Euro hat uns die Operation gekostet, danach folgte Physiotherapie, um eine gute Genesung zu erzielen. Das alles wurde auch dank zusätzlicher Spenden finanziert. Leider hat sich die langanhaltende Verletzung auf Aleas Gangbild ausgewirkt, sodass sie lernen musste, wieder ordentlich zu laufen, damit sich auch die Muskulatur wiederaufbauen konnte.

Alea hat ihre Operation Ende März 2020 gut überstanden. Sie belastet das Bein so wie sie es sollte und war rasch wieder so gelenkig, dass sie leider für einen gewissen Zeitraum einen ziemlich großen Kragen tragen musste. Aber Alea trug ihn mit Fassung und ließ sich von ihrer tollen Pflegemutti verwöhnen. Alea fühlt sich auf ihrer Pflegestelle so wohl. Auch ihre Pfleger haben sich vollends in sie verliebt und sich entschlossen, Alea für immer bei sich zu behalten. Wir freuen uns sehr, dass Alea dort am Ende ein so tolles Zuhause auf Lebenszeit gefunden hat!

aktion tier Eichhörnchenhilfe: Ein hartes Jahr

Der Hochbetrieb ging besonders früh in diesem Jahr los: Durch die pandemiebedingten Einschränkungen hielten sich sehr viele Leute draußen auf, und so wurden viel mehr Eichhörnchen- Waisen gefunden, als sonst zu der Zeit üblich.

Ein Glück für die Hörnchenkinder, aber dadurch hatten wir in unserer aktion tier Eichhörnchenstation bereits Mitte April extrem viele Waisenkinder in unserer Obhut, und das Telefon stand nicht still.

Nun ist in diesem besonderen Corona-Jahr noch weiterer Müll dazugekommen, der Eichhörnchen gefährlich werden kann: zum Beispiel die Masken, die gedankenlos auf Straßen, Parkplätze etc. geworfen werden. In den Bändern bleiben die Tiere hängen und verheddern sich darin. Wir können das einfach nicht verstehen, warum es nicht möglich ist, Müll ordentlich zu entsorgen! Wir wünschen uns, dass die Menschen lernen, verantwortungsvoller mit der Natur und ihren Geschöpfen umzugehen. Deswegen haben wir auch in diesem Jahr viel Aufklärungsarbeit betrieben und von unseren Fällen berichtet, um die Menschen weiter zu sensibilisieren.

Unsere hauptsächliche Arbeit findet aber aufgrund der vielen tierischen Patienten in der Auffangstation statt. Hier werden die aufgenommenen Eichhörnchen behandelt, und wir versuchen, sie wieder fit oder groß und stark für die Freiheit zu machen. Diese Tätigkeit beschäftigt uns nahezu rund um die Uhr – nicht nur die jungen Hörnchen müssen durchgängig regelmäßig gefüttert werden.

Es ist leider auch so, dass wir zunehmend feststellen: Unsere Eichhörnchen kommen nicht mehr sonderlich gut mit den veränderten Umweltbedingungen zurecht. Auch die oft zu warmen Winter bereiten ihnen große Probleme. Als Folge davon sehen wir immer mehr stark geschwächte Tiere bei uns in der Eichhörnchenstation. Wir werden mit veränderten, schlimmen Erkrankungen der Hörnchen konfrontiert, die uns in dieser Form nicht bekannt waren. Parasiten haben viel leichteres Spiel.

Auch die Eichhörnchenjungen bereiten uns zunehmend große Sorgen und im wahrsten Sinne schlaflose Nächte. Sie sind oft sehr dünn, wenn sie zu uns kommen, und vor Erschöpfung und Schwäche nicht in der Lage, genug zu trinken. Vielen Eichhörnchen können wir nicht mehr helfen. Wir können sie nur noch möglichst schmerz- und angstfrei auf ihrem letzten Weg begleiten. Deshalb freuten uns die Fälle umso mehr, in denen wir Eichhörnchen-Gruppen über Auswilderungsvolieren gesund in die Freiheit entlassen können. Unsere Schützlinge dürfen in ihrem eigenen Tempo die Voliere verlassen, können aber wieder zurückkommen, solange sie es brauchen und finden dort weiterhin Futterund Schlafplätze. Es ist auch schon vorgekommen, dass kranke, verletzte Eichhörnchen nach längerer Zeit zurückkommen, um erneut Hilfe zu bekommen. Dann sind wir natürlich gerne für diese Tiere da!

aktion tier Igelzentrum Niedersachsen

Auf unserer Igelstation im aktion tier Igelzentrum Laatzen waren, wie bislang in jedem Jahr, Anfang Oktober alle vorhandenen ca. 130 Boxen vollständig belegt. Neue Kapazitäten entstehen immer dann in kleinem Umfang, wenn zu Beginn der Saison eingelieferte Tiere wieder gesund und rechtzeitig ausgewildert werden können oder engagierte Igelfinder unter unserer Anleitung die Tiere bei sich zuhause aufpäppeln. An dieser Stelle möchten wir uns für das ehrenamtliche Engagement dieser Tierfreunde bedanken, die dadurch unsere Station entlasten und Platz schaffen für Igel mit schweren, zwingend stationär zu behandelnden Verletzungen.

Alle ab Ende November neu eingelieferten Igel können nicht mehr vor dem Winterschlaf ausgewildert werden und müssen demzufolge in unserer Obhut überwintern. Dies geschieht entweder direkt bei uns im aktion tier-Igelzentrum oder, wenn bei uns die Kapazitäten erschöpft sind, in der aktion tier-Wildtierstation Sachsenhagen, mit der wir sehr gut zusammenarbeiten. Bei uns wie auch in der Wildtierstation werden die Igel auch während des Winterschlafes weiter betreut und versorgt.

Das aktion tier Igelzentrum Niedersachsen erhält Scheck von Buck ’s Backparadies

Am 7. Dezember 2020 haben die Eigentümer der in Hannover wohlbekannten Bäckerei-Kette Buck’s Backparadies einen Scheck in Höhe von 1.800 Euro zur Unterstützung unseres Igelzentrums überreicht. Das Bäckermeister-Ehepaar Buck war selbst vorbeigekommen und hatte auch noch ein liebevoll gestaltetes Banner mitgebracht. Die Spende der tierlieben Bucks stammte aus einer großartigen Herbstaktion, in deren Rahmen in den 8 Filialen von Buck’s Backparadies niedliche Igel aus Laugenteig gebacken wurden. Pro Igel waren 20 Cent für unser Igelzentrum bestimmt gewesen. Auf diese Weise sind stolze 1.800 Euro zusammengekommen.

Ein neuer Tierarztraum für das Igelzentrum

Seit der Saison 2020 steht uns ein neuer Tierarztraum zur Verfügung. Eine tolle Erweiterung für das aktion tier Igelzentrum, schließlich haben wir es hier täglich mit verletzten Tieren zutun. Der Raum wurde vollständig renoviert und mit den entsprechenden Einrichtungsgegenständen für die Behandlung unserer stacheligen Patienten ausgestattet. Im Wesentlichen war dies dank der Unterstützung einer Großspenderin aus Berlin möglich, die nun mit ihrer großzügigen Spende zahlreichen Igel die Behandlung ermöglicht.

Milder Jahresbeginn 2020 war eher unglücklich für die Igel

Der Januar 2020 war verhältnismäßig mild. Wir rechneten daher damit, dass möglicherweise einige Tiere viel zu früh aufwachen und umherlaufen könnten. Grundsätzlich sind solche milden Temperaturen und Temperaturschwankungen für den Organismus des Igels eher unglücklich, da der Aufwachprozess die Tiere viel Energie kostet und sie in ihrem Rhythmus durcheinander kommen können. Wir setzten daher verstärkt auf Aufklärungsarbeit, denn wer einen zu früh erwachten Igel füttert, muss das Futterangebot unbedingt wieder einstellen, sobald die Temperaturen erneut sinken. So besteht die Chance, dass der Igel in seinen natürlichen Rhythmus zurückfindet und wieder einschläft.

“Ein ganz normaler Tag” in der Igelsaison 2020

An einem normalen Öffnungstag im November 2020 waren 17 Igel im aktion tier Igelzentrum Niedersachsen eingeliefert worden. Sie alle wurden von Findern ins Igelzentrum gebracht. Vier von ihnen konnten nach eingehender Untersuchung durch unsere Tierärztin wieder in die Obhut der Finder übergeben werden, da diese keine akuten gesundheitlichen Probleme aufwiesen.

Allerdings waren alle Tiere untergewichtig, so dass sie mit Hilfe der Finder weiter aufgepäppelt werden mussen. Die restlichen Tiere blieben im Igelzentrum, da sie weiter behandelt werden mussten.

Im Spätherbst ist das Telefonieren immer ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit: Das Telefon steht kaum still, und Menschen aus ganz Niedersachsen (und darüber hinaus) erbitten Beratung zum Thema Igelschutz. So war es auch in 2020, und wir führten etliche Beratungsgespräche.

Stachelige Notfälle

Auch in 2020 hatten wir wieder viele schwer verletzte Igel bei uns in der Igelstation. Ein Tier hatte sich beispielsweise in einem Netz verfangen. Deswegen ist es uns wichtig, noch einmal daran zu erinnern, dass Vogelnetze, Schnüre, Draht etc. in Bodennähe nichts zu suchen haben! Igel verfangen sich darin, verletzen sich oder verdursten. Schnüre und Fäden legen sich um den Igelkörper und wachsen ein, so dass der Igel eine unfreiwillige Taille bekommt. Es ist erstaunlich, was Igel alles aushalten, ohne zu sterben!

Schwere Verletzungen durch Gartenmaschinen

Auch mehr oder weniger schwere Verletzungen durch Gartengeräte waren in diesem Jahr wieder zahlreich. Vor allem motorisierte Gartengeräte wie Laubbläser und Laubsauger, Rasenmäher, Motorsensen und Freischneider sind für Igel lebensgefährlich! Auf deren Einsatz sollte daher nach Möglichkeit verzichtet werden.

Besonders problematisch sind die fast in jedem Garten laufenden Mähroboter, da diese in der Regel auch in den Abend- und Morgenstunden angeschaltet werden. Dann sind auch die dämmerungs- und nachtaktiven Stacheltiere unterwegs und werden leicht zu Opfern der scharfen Roboter-Klingen. Die Verletzungen, die wir dieses Jahr auf der Igelstation behandelten, waren mitunter fürchterlich, und einige Tiere konnten nur noch von unserer Tierärztin erlöst werden. Andere wiederum überlebten, waren aber nicht mehr vollständig zu rehabilitieren, sodass sie dauerhaft auf Pflegestellen bleiben müssen und nicht mehr in die Freiheit entlassen werden können.

Falsche Tierliebe: Kommt die Mutter sicher nicht zurück?

Ebenso wurden uns in 2020 wieder viele Igelsäuglinge in die Station gebracht. Leider stellte sich mehrfach heraus, dass die Finder zu schnell gehandelt hatten. Bevor man ein körperlich gesund erscheinendes Igelbaby der Natur (und damit möglicherweise der Mutter) entnimmt, sollte das Tierkind mindestens 3 Stunden lang aus ein paar Metern Entfernung beobachtet werden. Nur so kann man sicher sein, dass die Igelmutter wirklich nicht wiederkommt und das Igeljunge tatsächlich menschliche Hilfe benötigt. Man sollte immer bedenken, dass die Aufzucht von Igelsäuglingen (und allen anderen Tierkindern) am besten wie von der Natur eingerichtet gelingt: nämlich durch die Igelmutter. Die Versorgung eines Wildtieres in menschlicher Obhut kann immer nur die Notfalllösung sein

519 Igel

...hat das aktion tier Igelzentrum Niedersachsen im Jahr 2020 aufgenommen. Der überwiegende Teil von ihnen konnte wieder gesund in die Freiheit entlassen werden.

Auswilderungssaison 2020

In jedem Frühjahr warten die gesunden Igel darauf, wieder in die Freiheit entlassen zu werden. So auch in diesem Jahr. Der Werkhofleiter des Stadtfriedhofs Engesohde hatte bereits Ende Januar 2020 angefragt, ob nicht auch ein paar Igel auf diesem schönen Friedhof ein neues Zuhause finden könnten. Da wir sehr viele Igel auf einmal entlassen, sind wir immer dankbar für schöne Auswilderungsplätze und nahmen das Angebot dankend an.

Allerdings haben wir die Tiere nicht einfach so auf dem Friedhof freigelassen, sondern wie immer eine sanfte Auswilderung praktiziert. Um die Igel an die neue Umgebung zu gewöhnen, wurden sie erst einmal in einem schützenden Gehege, das wir in einer ruhigen Ecke der Anlage aufstellten, umfassend versorgt. Später öffneten wir die Türen, um erste Ausflüge zu ermöglichen. Futter und Wasser wurde weiter angeboten. Waren die Tiere schließlich in der Lage, selbstständig Nahrung und Unterschlupf zu finden, kamen sie immer seltener an den Futterplatz und blieben schließlich ganz weg.

Der 156 Jahre alte Friedhof Engesohde umfasst 22 Hektar. Aber nicht nur die über 30 Fußballfeldern entsprechende Größe ist außergewöhnlich. Auch die Grabmale und die großzügige Gestaltung der Anlage mit hohem Gartenkünstlerischen Anspruch machen diesen Friedhof zu einem ganz besonderen Ort. Sehr reizvoll für die Tierwelt ist der beachtliche Struktur- und Artenreichtum des Pflanzenbestandes. Unter anderem finden sich hier ein gemischter, zum Teil sehr alter Baumbestand, unterschiedlichste Heckenstrukturen und Strauchgruppen, Rasen- und Wiesenflächen sowie vielfältige Grabpflanzungen. Einen günstigeren und noch dazu gefahrlosen Lebensraum kann man sich als Igel wohl nicht wünschen, und wir sind uns sicher, dass unsere Stacheltiere hier alles finden, was sie zum Leben brauchen.

Danke an alle ehrenamtlichen Auswilderungsstellen!

Nach ihrer Entlassung von der Igelstation brauchen unsere Pflegeigel noch etwas Unterstützung und werden sanft mit Hilfe von ehrenamtlichen Igelfreunden ausgewildert, die das Stacheltier in ihrem Garten aufnehmen und eine Zeit lange mit Futter und Wasser versorgen. Wir danken allen, die in 2020 auf diese Weise einem Igel zurück in die Freiheit verholfen haben! Wer gern Auswilderungsstelle werden möchte, findet weitere Informationen auf der Webseite des aktion tier Igelzentrums.

Wildtierstation Sachsenhagen: Arbeiten in Krisenzeiten

Im Gegensatz zu vielen Geschäften, die ihren Betrieb aufgrund von Corona-Maßnahmen vorrübergehend komplett schließen mussten, ist das in einer Einrichtung, die lebende Tiere zu versorgen hat, natürlich nicht möglich. In der aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen haben wir zu Beginn der Corona-Maßnahmen versucht unsere Mitarbeiter zu schützen, indem wir auf einen Teil der Mitarbeiter (vor allem die Ehrenamtlichen und Teilnehmer des Freiwilligendienstes) verzichtet und sie vorrübergehend nach Hause geschickt haben. Auch unsere Umweltpädagogik haben wir zeitweise komplett eingestellt und keine betriebsfremden Personen auf unser Gelände gelassen. Das ging in den Monaten März und April 2020 ganz gut, denn in dieser Jahreszeit bekommen wir noch nicht so viele Findlinge am Tag. Im Mai hatte sich die Situation mit Beginn der Jungtierzeit aber schlagartig geändert. Bis zu 30 Neuzugänge am Tag sind nicht ungewöhnlich, und im Juli 2020 hatten wir bereits über 1.600 Pfleglinge aufgenommen. Deswegen brauchten wir wieder alle Mitarbeiter und arbeiteten in mehreren Schichten von 6:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr abends, um alle Tiere ausreichend versorgen zu können.

Die personelle Situation war nicht einfach, und es stand zu befürchten, dass jederzeit eine wertvolle Kollegin oder ein wertvoller Kollege aufgrund einer COVID-Infektion ausfallen könnte. Leider waren im Laufe des Jahres 2020 auch die finanziellen Einbußen spürbar, die durch fehlende Spenden von Tierfindern und Besuchern entstanden. Auch unser beliebtes Sommerfest und andere Veranstaltungen konnten in diesem Jahr nicht stattfinden.

Positive Entwicklung der Storchenpopulation

Die seit Jahren andauernde positive Bestandsentwicklung der Storchenpopulation in Niedersachsen schlägt sich auch in der Zahl der Weißstörche nieder, die in der Wildtierstation zur Pflege aufgenommen werden. Während in früheren Jahren nur einzelne verletzte Weißstörche oder aus dem Nest gefallene oder geborgene Jungstörche bei uns eingeliefert wurden, waren es im Jahr 2019 insgesamt 13 Störche und in diesem Jahr bis Ende Juni bereits 15 Störche.

Besonders ans Herz gewachsen sind uns zwei Jungstörche, die noch im Ei zu uns gekommen sind. Da eines der Elterntiere verstorben war, hätte der verbliebene Altvogel keine Chance gehabt, die Küken gleichzeitig zu hudern und Futter für sie zu suchen. Die zuständigen Storchenbetreuer haben die Eier deswegen geborgen und uns am 21.05.2020 in die Wildtierstation gebracht. Zuerst räumten wir den ungeborenen Störchen wenige Chancen ein, da wir nicht wussten, ob die Eier durchgängig bebrütet waren und auch der Schlupftermin nicht bekannt war.

Trotzdem haben wir sie in eine unserer Brutmaschinen eingelegt, und tatsächlich war am 29.05.2020 ein Ei angepickt, und am 30.05.2020 hat das erste Storchenküken das Licht der Brutmaschine erblickt. Das jüngere Geschwister schlüpfte zwei Tage später am 01.06.2020. Die Kleinen entwickelten sich sehr gut und machten ihre ersten Stehversuche. Dank guter Fürsorge unserer Mitarbeiter waren sie bis zum August fit für den Abzug in das Winterquartier. Vorher konnten sie gemeinsam mit unseren anderen Jungstörchen die umliegenden Wiesen nach Mäusen und Insekten absuchen. Immer sicher, dass sie bei uns in der Wildtierstation noch eine extra Portion Futter bekommen, solange sie noch nicht voll selbstständig sind.

aktion tier Tierheim Crimmitschau

Das kleinster der aktion tier-Tierheime hat unter der langjährigen Leitung von Karin Junold auch in 2020 beachtliche Tierschutzarbeit leisten können und das von der Pandemie geprägte Jahr trotz aller Widrigkeiten gut gemeistert.

Das aktion tier Tierheim Crimmitschau in Sachsen, das als Kitty Forum auch die Hilfe für Straßenkatzen in der Umgebung organisiert, ist ein verhältnismäßig kleines Tierheim. Dennoch wird hier seit vielen Jahren hervorragende Tierschutzarbeit geleistet. Neben der Aufnahme und Vermittlung von Tieren setzt das aktion tier Tierheim Crimmitschau das Straßenkatzen-Hilfsprojekt Kitty um, zieht mutterlose Katzenkinder auf und leistet Tierschutzunterricht in umliegenden Schulen und Kindertagesstätten. Letzteres war aufgrund der strengen Corona-Vorgaben in 2020 allerdings nur sehr eingschränkt. Mit den Gemeinden Neukirchen, Langenbernsdorf, Fraureuth sowie Ponitz (inklusive ihrer Ortsteile) bestand auch im Jahr 2020 ein Fundtiervertrag. Im Rahmen dessen wurden insgesamt 110 Fundtiere durch das aktion tier Tierheim Crimmitschau aufgenommen (9 Hunde, 99 Katzen, 2 Kleintiere). Auf der anderen Seite konnte für 93 Tiere ein schönes neues Zuhause gefunden werden.

Erfolgreiche Arbeit des Kitty Forums

Auch die Umsetzung des aktion tier Straßenkatzen- Hilfsprojektes Kitty war wieder ein wichtiger Teil der Tierschutzarbeit. So konnten 37 Straßenkatzen kastriert und wieder an ihren betreuten Futterstellen freigelassen werden. Sechs tragende Straßenkatzen wurden aufgenommen, deren Kitten in der Geborgenheit des Tierheim geboren sind. Die Kitten sind inzwischen vermittelt worden, ihnen bleibt das harte Leben als Straßenkatze erspart. Die scheuen Mutterkatzen, die den Menschen nicht gewöhnt sind, wurden kastriert und wieder an die betreuten Futterstellen gebracht. Einige stellten sich aber auch als ungewöhnlich zahm heraus, sodass sie vermittelt werden konnten.

Einen besonderen Fall stellte auch ein Wurf mutterloser Kitten dar. Die Kleinen überlebten dank der Handaufzucht durch Tierheimleiterin Karin Junold. Sie hatten ihre Mutter durch einen Verkehrsunfall verloren und wären ohne menschliche Hilfe gestorben. Mittlerweile sind sie alle glücklich vermittelt.

Tierschutzunterricht war pandemiebedingt kaum möglich

Auch im aktion tier Tierheim Crimmitschau wird Aufklärungsarbeit praktiziert. Tierheimleiterin Karin Junold besucht Schulen und Kindergärten, um den Kindern Tierund Naturschutzthemen näherzubringen. Auch hat sie als Tierheimleiterin langjährige Erfahrungen in der Tierpflege sowie der Aufzucht von Jungtieren, was die Schüler meist sehr spannend finden.

Die Besuche in den Schulen konnten aber leider aufgrund der Corona-Auflagen kaum stattfinden. Auch der beliebte Igelunterricht, der im Herbst von vielen Schulen angefragt wird, war durch die Pandemie leider nicht möglich. Lediglich ein Besuch im Kindergarten Nischwitz konnte 2020 stattfinden. In diesem Tierschutzuntgerricht ging es darum, warum es Tierheime überhaupt gibt und wie es kommt, dass Menschen ihre Haustiere dorthin bringen.

Weiterhin gute Zusammenarbeit mit den Behörden

Mit dem Landkreis / Veterinäramt Zwickau und den zuständigen Amtstierärzten besteht eine gute Zusammenarbeit. Es wurden gemeinsame Tierschutzkontrollen durchgeführt, in denen u.a die Haltung von Tieren kontrolliert wurde.

aktion tier Tierheim Teneriffa - “Acción del Sol”

Tierelend ist vor allem in den südlichen Ländern Europas ein Problem. Das Aussetzen von Tieren kommt immer wieder vor, und die herrenlosen, oft unkastrierten Tiere vermehren sich unkontrolliert. Von Hunger und Krankheiten geplagt, finden viele Tiere einen elenden Tod. Um diesem Tierleid entgegenzuwirken, gelang es aktion tier, nicht zuletzt dank der positiven Bereitschaft und Mitarbeit der spanischen Behörden, im Juli 2006 eines der modernsten Tierheime Europas auf der beliebten Ferieninsel Teneriffa in Spanien zu eröffnen. Durch gezielte Kastrationsaktionen und einer tierärztlichen Betreuung durch aktion tier konnte in den vergangenen Jahren bei vielen leidenden Hunden auf Teneriffa zum einen die unkontrollierte Vermehrung eingedämmt und ihnen zum anderen ein artgerechtes Leben ermöglicht werden. 10.000 m² Gelände mit eigener Tierarztpraxis stehen Hunden, die in Gruppenhaltung in weitläufigen Innen- und Außenzwingern leben, zur Verfügung. Durchschnittlich 200 Hunde verweilen im aktion tier Tierheim „Acción del Sol“, die sich sehnlichst ein neues Zuhause wünschen.

Kinder sind die Tierschützer von morgen!

Um langfristigen und nachhaltigen Tierschutz zu praktizieren, gehört (wie bei allen aktion tier Projekten) auch Präventionsarbeit zu den Aufgaben im Tierheim. Vor allem im Bereich Kinder- und Jugendbildung engagiert sich die langjährige Tierheimleiterin Marion Gonzalez: Neben zahlreichen Kindergruppen und Schulklassen, die das Tierheim besuchen, wurden bereits zwei aktion tier Tierschutzzimmer an Schulen auf Teneriffa eröffnet. Bei ihren Besuchen in unserem Tierheim “Accion del Sol” lernen die Kinder etwas über Tiere, ihre Bedürfnisse und dass wir Menschen die Verantwortung für unsere Tiere tragen. Gemeinsame Gassirunden und Spielzeit mit den Tierheimhunden sorgen für Abwechslung auf beiden Seiten. Das Tierheim verfügt zudem über einen extra Lehrbereich, in dem allerlei Aktivitäten für junge Tierschützer angeboten werden können. Obgleich unser Angebot 2020 aufgrund der Pandemie leider nur eingeschränkt ausgeführt werden konnte, besuchten uns 63 Schulklassen, die im Open Air Tierschutzzimmer willkommen geheißen wurden.

Die Pandemie brachte einiges durcheinander…

Begleitet von jeder Menge wechselnder Regelungen wurde der Tierheimalltag ganz schön durcheinandergwirbelt. Der Ablauf mit Gassigängern musste neu geregelt werden, Besucher hatten bei jedem Besuch dem Hygieneprotokoll zu folgen, und so manche Adoption musste coronabedingt verschoben werden.

Dabei den üblichen Tierheimalltag aufrecht zu erhalten und dem Versorgungsanspruch der vielen Hunde im Tierheim gerecht zu werden, war eine ziemliche Kraftanstrengung. Doch Ende 2020 konnten wir stolz behaupten, trotz aller Widrigkeiten 92 Hunden in ein tolles neues Zuhause vermittelt zu haben. Für diese Tiere hatte 2020 auf jeden Fall ein Happy End zu bieten.

aktion tier Tierrettung München

Wer von uns hätte je daran gedacht, dass das Jahr 2020 uns durch Corona in die größte weltweite Krise führt. Das hat auch die Arbeitsabläufe bei der Tierrettung München maßgeblich beeinflusst.

Unsere Notärzte konnten weiterhin Einsätze fahren, aber nur noch bis vor die Haustüre. Tiere mussten an unsere Ambulanz gebracht werden, damit wir im Rettungswagen die kranken Tiere behandeln konnten. Ausnahmen stellten einzig und ausschließlich tierische Patienten dar, die nicht geh- oder stehfähig sind (z.B. eine Magendrehung, epileptischer Anfall etc.). Diese werden dann vor Ort erst- und notfallversorgt und dann in den Rettungswagen gebracht. Nur durch diese Verhaltensregeln war es uns möglich, unseren tierärztlichen Notdienst aufrecht zu erhalten und Ansteckungen unserer Tierärzte durch die Patientenbesitzern zu vermeiden.

Tierärztinnen der aktion tier Tierrettung München an einem der Rettungsfahrzeuge. Foto: © Tierrettung München e.V.

Auch für Wildtiere blieben wir im Einsatz

Selbstverständlich war auch die medizinische Versorgung von Wildtieren während der Lockdown Zeit und des weiteren Pandemieverlaufs weiterhin gewährleistet. Überbringer informierten uns bereits telefonisch vorab, dass sie ein verletztes Wildtier gefunden hatten, und brachten dieses zu uns in die Herzogstrasse 84 in Schwabing. Dort konnten Finder das Wildtier in dem Behältnis vor unserer Eingangstür abstellen, den Begleitschein an unserer Eingangstür ausfüllen und diesen sicher auf oder unter dem Behältnis verwahren. Im Anschluss kümmerte sich der diensthabende Tierarzt um das Tier, ohne mit dem Finder in direkten Kontakt zu treten.

Pionierarbeit: Die erste Notfallrettung für Tiere

Die Tierrettung München e.V. ist seit 2001 als tierärztlicher Notdienst 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr im Stadtgebiet München im Einsatz. Damals war dieses Konzept komplett neu, heute hat es in vielen weiteren Städten Nachahmer gefunden.

Das freut uns, denn besonders am Wochenende war die Notfalllversorgung von Tieren für viele Tierbesitzer schwierig. Mit mehreren Rettungswagen ist die aktion tier Tierrettung München bis heute einer der modernsten und größten Tier-Rettungsdienste in Deutschland.

Masken waren Mangelware…

Im März 2020 waren Masken kaum zu bekommen. Da die Krankenhäuser bei der Zuteilung der Masken verständlicherweise Vorrang hatten, standen wir auf einer Warteliste und hatten dann aber tatsächlich Glück. Über die Nachbarschaftshilfe bekamen wir dann zu unserer großen Freude selbstgenähte, waschbare und wiederverwendbare medizinische Schutzmasken gespendet (damals gab es noch keine FFP2 Maskenpflicht). Organisiert wurde die Aktion über Trachten Pöllmann.

Unsere Tierärzte und Assistenten konnten diese Masken sehr gut gebrauchen, denn wir waren weiterhin 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche im Einsatz für Tiere in Not. Gerade in Zeiten, als der Weg zum Tierarzt für viele besonders schwierig war, waren wir für Menschen und ihre Tiere sehr wichtig.

Aktion “Hundehilfe 2020”: Helfende Menschen mit Hundeerfahrung für Hundebesitzer in Corona-Quarantäne

Unmittelbar bei Beginn der Corona-Pandemie haben wir in München die Selbsthilfegruppe „Hunde-Hilfe2020“ ins Leben gerufen; es haben sich über 430 Hundefreunde gemeldet, die in einem Notfall mit Hunden Gassigehen würden oder sie vorübergehend ganz zu sich aufnehmen, falls ein Hundehalter in gesetzliche Quarantäne muss. Erfreulicherweise musste diese Gruppe nicht häufig in Anspruch genommen werden. Dies zeigte, dass viele Menschen mit Hund scheinbar doch sehr gut organisiert waren.

Broschüre "Tipps für Hundebesitzer in Corona Quarantäne” Zusammen mit aktion tier e.V. in Berlin haben wir in 2020 die Publikation "Tipps für Hundebesitzer in Corona Quarantäne” erstellt, um besorgten Hundehaltern einen kleinen Leitfaden mit an die Hand zu geben, worauf zu achten ist.

3640 Noteinsätze

Auch 2020 können wir wieder über zahlreiche vielfältige Einsätze unserer tierärztlichen Ambulanz berichten, zu denen immer wieder Katzen gehörten, die aus dem Fenster fielen oder Vögel, die sich unterschiedlich verletzten. Ingsesamt 3640 Mal rückten unsere Einsatzfahrzeuge zu Einsätzen aus.

Besonders erschütternd und zugleich makaber war der Einsatz wegen der versuchten Kastration eines kleinen Hundes mit einem Kabelbinder. Der arme Hund musste entsetzliche Schmerzen leiden, und einen solchen Einsatz hatten unsere Kollegen des Rettungsteams Gott sei Dank noch nie zuvor. Er blieb nicht ohne Konsequenzen für den Tierhalter, und wir hoffen sehr, dass wir so etwas nicht wieder erleben und kein Tier so leiden muss.

Auch Aufklärungsarbeit, vor allem bezüglich Wildtieren, begleitete uns durch das Jahr 2020. Ein Waldkauz-Baby war im Allgäu durch einen Hubschrauber vom Baum geweht und von seiner Mutter getrennt worden. Man brachte ihn in die Tierklinik, wo es aufgepäppelt wurde. Anschließend brachte ihn die Tierpflegerin auf gutes Glück zu dem Fundort und entdeckte dort auch die Vogeleltern, die sich dann auch sofort um ihr Kind kümmerten. Dieser Fall ging gut aus, doch oft ist das nicht so. Deswegen raten wir immer wieder: Nehmen Sie keine – scheinbar verletzte oder verlassene – Jungtiere (z.B. Rehkitze) mit, das ist strafbar (Jagdwilderei) und das Tier wird von der Mutter nicht mehr angenommen.

Auch Vögel, die aus dem Nest fallen, werden im Allgemeinen von den Vogeleltern versorgt. Rufen Sie in vielen Fällen den Förster oder die Polizei an und bei Verletzungen, Unfällen, Auto-Unfällen die Tierrettung München.

Neue Büroräume für die Tierrettung!

Nach 15 Jahren wurden die Räume der Geschäftsstelle der Tierrettung München im Januar 2020 gekündigt. Das war ein herber Schlag für uns. Wo sollen denn neue Räume herkommen? Mitte Januar 2020 startete eine große Suchaktion nach neuen, geeigneten Räumlichkeiten. Dank der großen Medienberichterstattung wurden wir sehr schnell für unseren tierärztlichen Notdienst fündig. Alle Münchener Medien haben über die Kündigung unserer Geschäftsstelle berichtet und ihre Leser und Hörer aufgefordert, uns Vorschläge für neue Räume anzubieten. Es kamen sehr, sehr viel interessante Objekte. Von einer kleinen Scheune bei einem Bauernhof bis zu sehr eleganten Geschäften und bis hin zu riesigen Räumlichkeiten. Nichts davon aber war geeignet.

Unter den vielen Hinweisen war auch ein Eigentümer, der uns einen sehr interessanten Vorschlag unterbreitet hatte. Und dies stellte sich als kleines Wunder heraus. Er bot uns Büroräume in Schwabing West, in der Herzogstr. 127 an. Unser Notdienst konnte also im Stadtbezirk bleiben, wo wir eine sehr effiziente und schnelle Anbindung für unsere Notfalleinsätze haben. Aber noch mehr: Die Räume befinden sich im selben Haus, wo unsere Verwaltung schon immer ist. Hätte es nicht den Medienaufruf gegeben, hätten wir niemals erfahren, dass genau unter uns passende Büroräume frei werden. Zufälle gibt es! Durch diese zukünftig enge Anbindung des Notdienstes an unsere Verwaltung konnten wir seit dem 1. Juli 2020 sogar Wildtiere regelmäßig montags bis freitags zwischen 9:00 und 17:00 Uhr annehmen, ohne dass der Finder abwarten muss, ob ein diensthabender Tierarzt gerade in der Geschäftsstelle ist.

Nun war es noch erforderlich, einen Stellplatz für unseren Sprinter zu bekommen. Der Müller Drogeriemarkt hat einen Stellplatz für die Anlieferung seiner Waren. Sowohl der Müller Drogeriemarkt als auch die verantwortliche Hausverwaltung Nerthus haben uns gestattet, diesen Stellplatz sonn- und feiertags und nachts zu nutzen. Das ganze Team ist mehr als erleichtert. 20 Jahre tierärztlicher Notdienst geht in München für die Begleittiere und Wildtiere weiter.

aktion tier Tierheim Roggendorf

Ein Anruf mit unterdrückter Nummer auf dem Tierheim- Diensthandy war der Anfang dieser unschönen Geschichte. Eine männliche, akzentfreie Person meldete sich mit den Worten „Bei euch wurde ein Hund angebunden. Dass ihr den mal reinholt“, und da war das Gespräch auch schon beendet.

Tatsächlich fanden wir einen Hund, der an unserem neuen Zaun vor dem Tierheim gebunden wurde. Völlig verängstigt und irritiert. Verständlich, er konnte nicht verstehen was ihm da passiert ist. Wir wollten das nicht einfach so hinnehmen, erstatteten Anzeige und baten über die Sozialen Netzwerke um Mithilfe. Die Resonanz war groß, und schließlich bekamen wir einen Hinweis, der uns tatsächlich zum Besitzer des Hundes führte.

Einige Tage, nachdem „Chicco“, wie der Rüde heißt, am Tierheim ausgesetzt worden war, trafen wir uns dann mit Chiccos Besitzer. Dieser hatte den Hund aus verschiedenen Gründen nicht behalten wollen und daher am Tierheim angebunden, so erfuhren wir um Gespräch. Wir fanden eine Einigung mit ihm, die unter anderem die Kostenübernahme für Kastration und Erstuntersuchung vorsah. Die Anzeige erhielten wir dennoch aufrecht, denn Aussetzen ist unserer Meinung nach kein Kavaliersdelikt und weder dem Tier, noch dem Tierheim gegenüber fair. Wer meint, sein Tier einfach aussetzen zu müssen anstatt mit uns zu sprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden, muss damit rechnen, dass wir uns das nicht einfach gefallen lassen.

Aussetzen ist immer feige und verantwortungslos!

Leider, das war in den Kommentaren unter den Beiträgen in den sozialen Netzwerken deutlich geworden, gibt es Menschen, die der Meinung sind, es sei in Ordnung, ein Tier am Tierheim auszusetzen. Das sei ja besser als es zu töten oder im Wald verenden zu lassen. Doch diese Ansicht können wir nicht teilen. Im Schlechten gibt es nichts „Halbschlechtes“ und schon gar nichts Gutes. Tiere auszusetzen ist verantwortungslos und feige. Auch das Tierschutzgesetz macht hier keinen Unterschied. Es ist grundsätzlich verboten, ein in der Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder zurückzulassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Tier aus dem Auto geworfen, vor einem Tierheim abgestellt, im Wald angebunden oder beim Umzug „vergessen“ wurde.

Kosten zulasten von Vereinen und Spendern

Zudem müssen die zum Teil erheblichen Kosten vom Tierheim und damit von Spendern getragen werden. Eine unkastrierte, nicht geimpfte Hündin beispielweise kostet das Tierheim allein im ersten Monat ca. 750 EUR. Wenn der Tierschutz und damit die Spendern und Mitglieder schon dafür aufkommen, weil jemand sein Tier nicht weiter betreuen kann und möchte, ist es doch das Mindeste, freundlich um Hilfe zu bitten.

Am meisten leidet immer das Tier

Für Chicco war die ganze Situation eine Katastrophe. Er wurde durch sein Erlebnis traumatisiert, entwickelte sich aber dank der Mitarbeiter des Tierheims bald positiv. Über das aktion tier Vereinsmagazin “mensch & tier” sowie das Internet wurden diverse Aufrufe gestartet, die letztlich auch zu einem neuen Zuhause für Chicco führten. Ein Zuhause, in dem er geliebt und respektiert wird.

aktion tier Lottihof

Der Lottihof ist ein Gnadenhof für in Not geratene Tiere. Gleichzeitig wird hier das aktion tier Projekt “Junior” umgesetzt, um Kindern die Bedürfnisse von Tieren näherzubringen.

Durch die Pandemie wurde es zeitweise sehr ruhig auf dem Lottihof. Gemäß der geltenden Vorschriften blieb der Hof für Besucher längere Zeit geschlossen. Tierschutzunterricht oder Tierschtzferien waren nur in kleinem Rahmen möglich. Das beliebte Hoffest, das jährlich im August stattfindet, fiel pandemiebedingt aus. Das Team des Lottihofs war dennoch nicht untätig. Neben der Versorgung der vielen Tiere, die nun ganz ohne die sonst so zahlreichen helfenden Hände der kleinen und großen Besucher stattfinden musste, wurden kleinere uns größere Projekte umgesetzt.

Unter anderem wurde ein Pferdeparcours gebaut, der angepasst an die geltenden Coronaregeln auch schon bald eingeweiht werden durfte. Die Stammkinder des Hofes übten mit den Ponys die verschiedenen Stationen. Für Kinder sowie die Tiere sind diese Übungen wichtig, denn es schult den Umgang miteinander. Die Kinder lernen, die Tiere sicher durch jedes Hindernis zu führen und die Ponys können mir ihrer Hilfe Ängste abbauen. Auch das Ziegengehege bekam im Laufe des Jahres Aufmerksamkeit, es wurden umfangreiche Arbeiten durchgeführt. Für das Federvieh wurde aufgrund der behördlich auferlegten Stallpflicht, welche die Vogelgrippe zeitweise mit sich brachte, kurzfristig neue Ställe gebaut.

Gewinn- und Verlustrechnung für das Vereinsjahr 2020 (PDF)

Hinweis zur geschlechtergerechten Sprache

aktion tier – menschen für tiere e.V. möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass alle Menschen sich beim Lesen unserer Artikel angesprochen fühlen sollen, auch wenn wir in unseren Medien aufgrund des gestörten Leseflusses, der erhöhten Satzbauproblematik und der unnötigen Verlängerung von Texten auf das Gendern verzichten.

Wir möchten betonen, dass wir in jedem Fall tolerant und liberal sind und aus rein sprachlichen Gründen auf das Gendern verzichten und hoffen auf Ihr Verständnis.