Jahresbericht 2019

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen wird unsere Welt gerade vor eine der größten Herausforderungen der jüngeren Vergangenheit gestellt. Was zunächst als eine vermutlich lokale Bedrohung weit weg von uns begann, hat inzwischen alle Kontinente mehr oder minder stark erfasst. Das Corona- Virus stellt eine immense Bedrohung für die Gesundheit vieler, vor allem älterer Menschen dar, und die Bekämpfung dessen hat massive Auswirkungen in allen Teilen unserer Gesellschaft.

Die Wiesenhummel (Bombus pratorum) zählt zu den kleinen Arten und erscheint sehr zeitig im Jahr. Foto: © Ursula Bauer

Ob die angewandten Instrumente zu einer Eindämmung des Virus führen und wie lange wir davon betroffen sein werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum erahnen. Feststellen lässt sich lediglich, dass kein Bereich unseres gesellschaftlichen Lebens sich davon wird frei machen können und jedes Handeln, also auch das im Tierschutz, davon betroffen sein wird. Bereits jetzt beklagen erste Tierheime finanzielle Schwierigkeiten, da ihnen die Besucher wegbrechen und Veranstaltungen zur Spendenakquise aktuell nicht möglich sind. Auch wenn wir haben lernen müssen, dass Übertreibung oftmals als legitimes Mittel im Tierschutz aufgefasst wird, darf man vor dieser Entwicklung nicht die Augen verschließen. Sicherlich werden nicht alle Projekte davon gleich betroffen sein, aber der Besuch in einem Tierheim bewegt nun einmal viele Menschen, eine Spende vor Ort zu lassen. Dies ist aber zurzeit nicht möglich. Deutlich irritierender sind jedoch Meldungen, dass in Zeiten der Pandemie Hunde- und Katzenzüchter sich einer regen Nachfrage erfreuen. Offenbar entdecken viele Menschen innerhalb des Lockdowns ihre Tierliebe und halten es für eine gute Idee, sich nun ein Haustier zuzulegen. Generell spricht nichts dagegen, wenn man sich im Vorfeld mit den nicht unerheblichen Auswirkungen des neuen Familienmitgliedes auf das eigene Umfeld intensiv auseinandergesetzt hat. Aber genau das erscheint fraglich, wenn sich Menschen vor dem Hintergrund einer außergewöhnlichen Lebenssituation plötzlich dafür entscheiden.

So steht vielmehr zu befürchten, dass nach Ende der Pandemie vermehrt Menschen vor den Türen eines Tierheimes stehen und die Aufnahme ihres Haustieres verlangen. Wenn das Home-Office nicht mehr möglich ist und Kurzarbeit wieder in eine reguläre Beschäftigung umgewandelt wurde, lässt sich das Gassi-Gehen mit dem eigenen Vierbeiner doch nicht mehr so einfach in den Tagesablauf einbauen. Ganz zu schweigen von den Kosten, die die Versorgung eines Haustieres mit sich bringt.

Sollten diese Befürchtungen eintreten, werden wieder einmal die Tierheime die Unvernunft der Menschen ausbaden dürfen. Die vorhandenen Kapazitäten, die ohnehin schon meistens an der Grenze des Machbaren sind, dürften einen derart großen Ansturm kaum bewältigen können. Einziger Hoffnungsschimmer ist dabei die Tatsache, dass derartige Befürchtungen noch nicht eingetreten und zum jetzigen Zeitpunkt rein hypothetisch sind. Aber im Moment befinden wir uns ja auch noch mitten in der Pandemie.

So bleibt uns als große Tierschutzorganisation nur der Ansatz, weiterhin die Bevölkerung zu allen Belangen des Tierschutzes aufzuklären und ihnen ein verantwortungsbewusstes Handeln nahezulegen. Ob durch die vielen Kampagnen, die wir seit Jahren zu einzelnen Themen des Tierschutzes durchführen, die unzähligen Informationsschriften, die wir an die Bevölkerung verteilen oder auch durch Tierschutzunterricht, den wir bereits in der Bundeshauptstadt Berlin allen Schulen anbieten können; unser Ziel wird weiterhin bleiben, durch Aufklärung die Menschen zu einem bewussten Umgang mit dem Tier zu bewegen, um die nach wie vor vorhandenen Missstände zu verhindern. Denn das ist unsere einzige Möglichkeit, Tierleid wirksam und nachhaltig zu verhindern!

In diesem Jahr haben wir eine große Aufklärungskampagne durchgeführt.

Unsere Tierschutzkampagne 2019

Froschschenkel – Gaumenkitzel mit Risiken und Nebenwirkungen

Wer denkt, dass Froschschenkel in Deutschland nicht mehr angeboten werden, der irrt sich. Vor allem in französischen und asiatischen Restaurants kann man sie essen, und auch auf Märkten und Volksfesten werden sie wieder vermehrt angeboten. Da alle europäischen Frösche geschützt sind, werden die etwa 5.000 Tonnen Froschschenkel, die jährlich in der EU konsumiert werden, importiert – vorrangig aus Indonesien. Ein Blick auf die deutschen Importzahlen zeigt sogar eine wachsende Nachfrage. So stieg zwischen 2012 und 2016 die Menge der nach Deutschland eingeführten Froschschenkel von 30,7 Tonnen auf 41,5 Tonnen. Für 41,5 Tonnen Schenkel müssen, je nach Froschart, zwischen 150.000 und 300.000 Lurche sterben. Ziel unserer Kampagne war es, über die zahlreichen negativen Aspekte der Speise Froschschenkel zu informieren, an der unter anderem großes und sinnloses Leid haftet. So muss ein Tier sterben, um dann nicht einmal die Hälfte seines Körpers als Nahrungsmittel zu verwerten. Auch werden die nachts in Reisfeldern und Sümpfen gefangenen Frösche meist nicht getötet, bevor ihnen die Hinterbeine abgeschnitten oder aus dem Körper herausgedreht werden. Der weggeworfene „Restfrosch“ lebt meistens noch eine ganze Weile, bis endlich der Tod eintritt.

Außerdem trägt der unmäßige Fang von Fröschen für den Export erheblich zum Artensterben in den Herkunftsländern bei. Da die Zucht in Farmen schwierig ist, stammen die meisten Lurche aus der Natur. Dieser Wildfang erfolgt völlig unkontrolliert. Niemand weiß, welche Arten in welcher Stückzahl gejagt werden. Inzwischen ist knapp ein Drittel aller weltweit vorkommenden Amphibienarten vom Aussterben bedroht. Vor diesem Hintergrund grenzt es an Irrsinn, auch noch Millionen von Fröschen zu töten, nur um ihre Beine zu essen. Schließlich wird durch den massenhaften Fang bestimmter Froscharten auch das ökologische Gleichgewicht in den asiatischen Herkunftsländern erheblich gestört. Denn die Lurche ernähren sich unter anderem oder sogar ausschließlich von Insekten. Gibt es weniger Frösche, vermehren sich die Sechsbeiner rasant. Unter anderem die Malaria übertragende Anopheles-Mücken, wodurch die Zahl der Erkrankungen ansteigt. Aber auch Schadinsekten in den Reisfeldern. Als Reaktion werden verstärkt Insektenvernichtungsmittel wie das hochgiftige DDT eingesetzt.

Kampagnenvideo

Postkartenaktion

Dass sämtliche Amphibienarten innerhalb der EU geschützt sind, aber jährlich tausende Tonnen Froschfleisch importiert werden, ist ein nicht nachvollziehbarer Irrsinn, der nur mit einem konsequenten EU-weiten Importstopp beendet werden könnte. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Länder mit hohem Frosch-Konsum wie Frankreich und Belgien zustimmen würden. Was können wir also tun? aktion tier hat sich für eine kampagnenbegleitende Postkartenaktion entschieden, im Rahmen derer Restaurants in ganz Deutschland angeschrieben wurden, die offen mit Froschfleisch zum Beispiel im Internet werben. Mit Hilfe des informativen Postkarten-Textes haben wir die Betreiber freundlich gebeten, diese Speise aus ihrem Angebot zu streichen.

BZ, 27. Juni 2019

Kampagnenstart

Am 21. Juni 2019 starteten wir unsere Froschschenkel-Kampagne auf dem Alexanderplatz in Berlin. Der entsprechend mit Plakaten, Objekten und Anschauungsmaterial ausgestaltete Tierschutz-Anhänger war ein echter Publikumsmagnet, und viele Menschen sahen sich auf dem eingebauten Monitor unser eigens erstelltes Hintergrundvideo an. Wie immer informierten unsere Mitarbeiter die interessierten Passanten und verteilten den Kampagnenflyer sowie die dazugehörige Protest-Postkarte.

Unsere praktische Tierschutzarbeit war dieses Jahr sehr vielfältig. Neben Tierschutzkontrollen und diversen Tierrettungen haben wir auch Missstände wie etwa das Nichtentfernen von Plastiknetzen an Heuballen zur Pferdefütterung aufgedeckt, was erschreckenderweise nicht nur weit verbreitet, sondern auch für Tiere und Umwelt sehr gefährlich ist.

Hier einige Beispiele unsere Arbeit.

Tierschutzfälle 2019

Wer die eingewickelten Heuballen auf der Koppel als Futter auslegt, verstößt gegen Tierschutz- und Umweltschutzvorschriften. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Heunetze aus Plastik – Gefahr für Tiere und Natur

In der modernen Landwirtschaft wird Stroh, Grassilage oder Heu noch auf dem Feld zu großen Quader- oder Rundballen gepresst und zur Stabilisierung mit Folie oder Netzen aus Kunststoff umwickelt. Kein Problem, wenn das Wickelmaterial vor dem Verfüttern entfernt wird. Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, schließlich legen sich Menschen ja auch keine in Kunststoff eingeschweißten Lebensmittel auf den Teller. Umso erstaunter waren wir, als wir bei unseren Recherchen zu dem Thema gleich auf mehreren Reiterhöfen Heu-Rundballen im Wickelnetz auf Koppeln vorfanden. In allen Fällen hatten die Pferde die Kunststoffnetze bereits zerbissen, um an das Heu heranzukommen. Kleine und größere Netzteile lagen verstreut auf den Weiden herum.

Aus diesem fahrlässigen und rechtswidrigen Verhalten ergeben sich zahlreiche unmittelbare sowie potenzielle Gefahren. Pferde oder Ponys sind nämlich nicht in der Lage, die filigranen Netzfäden vom Heu trennen und können diese mitfressen. Im günstigsten Fall wird das Plastik wieder ausgeschieden. Es kann aber auch beispielsweise zu einer lebensbedrohlichen Kolik oder einem Darmverschluss kommen, der eine Notoperation erforderlich macht. Die herumliegenden Wickelnetz-Teile sind außerdem für Wildtiere wie Vögel und Mäuse gefährlich. Sie können sich in den Plastikfäden verfangen oder kleine Teilchen mit der Nahrung oder auch als Futter aufnehmen und daran zugrundegehen. Außerdem tragen Wildtiere zur Verbreitung des umweltschädlichen Plastiks bei, da sie die Netzfäden zum Beispiel zum Nestbau verwenden. Der Kunststoff Polyethylen, aus dem auch die Netze bestehen, verrottet und verwittert nicht. In der Natur werden die Plastikpartikel kontinuierlich kleiner (Mikroplastik), ohne vollständig abgebaut zu werden. Die Wickelnetze werden quasi „unsichtbar“, verteilen sich jedoch als Mikroplastik. Dadurch kommt es, wie heute hinlänglich bekannt, zu einer Schädigung von Umwelt, Ökosystemen und Tierwelt.

Das Argument der Pferdebesitzer, dass ohne die Plastiknetze Heu verschwendet würde, kann schnell entkräftigt werden. So können die Rundballen nach Entfernung des Plastik-Wickelnetzes einfach in ein stabiles, großmaschiges Futternetz umgepackt werden.

Wer die eingewickelten Heuballen auf der Koppel als Futter auslegt, verstößt gegen Tierschutz- und Umweltschutzvorschriften. Wir haben daher umgehend Anzeige bei den zuständigen Veterinär- und Umweltbehörden erstattet.

Ringeltaube gerettet

An einem Donnerstag Mitte Februar tobten sich die Kinder einer Kita wie gewöhnlich im Garten der Einrichtung in Berlin-Friedrichshain aus. Das Gelände ist durch einen festen Zaun begrenzt, das Nachbargrundstück mit einer alten Ziegelmauer umfriedet. Dazwischen ein etwa 20cm breiter Spalt, der an diesem Tag einer Ringeltaube zum Verhängnis wurde. Sie war in den über 1,70m tiefen Zwischenraum geraten und saß nun fest. Hin und her laufen war zwar möglich, aber zum Ausbreiten der Flügel reichte der Platz nicht aus. Die aufmerksamen Kinder hatten das verzweifelte Tier in der Pause bemerkt und eine Erzieherin informiert. Diese war zufällig Mitglied bei aktion tier und bat uns um Hilfe. Wenn es irgendwie möglich ist, leisten wir zumindest im Großraum Berlin schnelle Hilfe. So auch in diesem Fall, wo eine Mitarbeiterin kurze Zeit später vor Ort war. Sie fädelte einen Kescher in den Spalt und führte diesen vorsichtig von hinten um die Ringeltaube herum. Der Vogel schien zu verstehen, dass dies ein Hilfsangebot war. Er setzte sich brav in den Kescher und krallte sich an dem Metallbogen fest. Dann ging es ganz ruhig, fast wie in einem Aufzug, nach oben. Sobald die Oberkante der Mauer erreicht war, hüpfte der offensichtlich unverletzte Vogel aus dem Kescher und flog ein Stück, bevor er sich in der Krone eines Baumes auf dem Nachbargrundstück niederließ.

Wir sind froh, dass die Taube mit einem Schreck davongekommen ist und ihr der Stress eines Tierarztbesuchs erspart blieb.

Ringeltaube in Not
Von selbst hätte sich die Ringeltaube nicht aus dem Spalt zwischen Mauer und Zaun befreien können. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Aufnahme eines jungen Mauerseglers

In unserer Berliner Geschäftsstelle werden häufig in Not geratene Vögel abgegeben. Anfang Juli war es ein kleiner, flaumiger Mauersegler. Er war augenscheinlich aus dem Nest gesprungen und ganz ausgetrocknet und zu schwach, um die Augen zu öffnen. Wir haben das Vögelchen sofort in die Obhut unserer Mitarbeiterin Jeanette Dressler gegeben. Sie ist ausgebildete Tierpflegerin mit Schwerpunkt Wildvogelpflege und kennt sich mit Mauerseglern sehr gut aus.

In diesem Sommer litten Mensch und Tier unter den hohen Temperaturen. Ganz besonders heiß wurde es manchen Vogelkindern in ihren Nestern. Die Küken können nicht einfach einen kühleren Ort aufsuchen oder Wasser trinken, wenn sie durstig sind. Der prallen Sonne ausgesetzt sind vor allem Nester an Gebäuden, zum Beispiel von Schwalben, Mauerseglern oder Spatzen. Aber auch Vögelchen in Nistkästen, die an sonnenexponierten Stellen hängen, haben es schwer. Wenn es gar nicht mehr auszuhalten ist, verlassen die Tiere ihre Brutstätte, obwohl sie noch lange nicht flügge sind. So auch unser Pflegling, der intensiv gepflegt und stündlich gefüttert werden musste.

Mauersegler-Küken
Der kleine Mauersegler ist zu schwach um die Augen zu öffnen. Foto: aktion tier

Igelfamilie in Not umgesiedelt

Im September hatte sich im Berliner Bezirk Schöneberg ein erwachsener Igel in die Einfahrt zu einem Innenhof verirrt. Ein Anwohner hatte das Stacheltier bemerkt und fragte sich, wo der Igel in dieser von Straßen und Gebäuden geprägten Gegend wohl hergekommen ist. Er stellte ihm im Innenhof regelmäßig Katzenfutter hin. Eines Tages tauchten dann Igelbabys an der Futterstelle auf. Folglich hatte eine trächtige Igelin in dem Hof Zuflucht gesucht und unter Ästen ihre Jungen zur Welt gebracht. Es war klar, dass die Tiere hier keine Überlebenschancen haben und auch die dauerhafte Fütterung unnatürlich ist. Als ein Igeljunges schließlich in einen Kellerschacht fiel und von dem Anwohner gerettet werden musste, war es an der Zeit, bei aktion tier anzurufen. Ein Rettungsplan war schnell geschmiedet, wir holten die Igelfamilie ab und brachten sie in die aktion tier-Eichhörnchenhilfe nach Teltow, wo Frau Lenn, die Leiterin der Eichhörnchenstation, in ihrem schönen, naturnahen Garten bereits ein großes Gehege zur Eingewöhnung aufgestellt hatte.

Die Kleinen wogen zwischen 250 und 350 Gramm. Damit sie den Winterschlaf überstehen, mussten sie noch zunehmen. Daher fütterte Frau Lenn die Tiere noch einige Woche im Gehege, bis alle das Idealgewicht erreicht hatten. In der zweiten Oktoberhälfte wurde schließlich die Türen geöffnet, so dass die Igel kommen und gehen konnten, wann sie wollten. Übergangsweise stand immer noch Futter zur Verfügung, an dem sich die Tiere nachts noch lange bedient haben, bis sie schließlich ein eigenständiges Leben in Freiheit führen konnten.

Projekte 2019

Wir haben auch in 2019 unsere eigenen Projekte weitergeführt und ausgebaut und waren sämtlichen langjährigen Partnern weiterhin verlässliche Förderer.

Hier 2 Beispiele:

Projekt Eichhörnchenseil

An unserem im Frühjahr 2014 über den Müggelseedamm in Berlin gespannten Eichhörnchenseil befestigen wir regelmäßig eine Kamera, um den Erfolg dieses Tierschutzprojektes zu dokumentieren. In diesem Jahr hing das bei Bewegung auslösende Gerät von Anfang März bis Ende September. Nach dem Abbau im Herbst war die Freude groß, denn es fanden sich 57 Aufnahmen von Eichhörnchen auf der Speicherkarte.

Wir konnten in jedem Jahr die niedlichen Nager bei der Nutzung der Brücke fotografieren, aber derart viele Aufnahmen gab es bisher noch nie. Anscheinend hat es eine Weile gedauert, bis sich der durch den Verkehr stark dezimierte Eichhörnchen-Bestand am Müggelseedamm mit Hilfe unseres Seiles wieder erholt hat und inzwischen recht viele Eichhörnchen diese sichere Überquerungsmöglichkeit nutzen. Die Hörnchenmütter zeigen ihrem Nachwuchs das Seil, so dass im Laufe der Zeit immer mehr Tiere auf die gefahrvolle Straßenüberquerung verzichten können.

Unsere „Seiltänzer“ wurden von der Kamera an unterschiedlichen Stellen auf der Brücke meist rennend, aber auch sitzend und springend erwischt. Außerdem zeigen die Bilder Tiere mit und ohne Ohrpinsel. Das ist völlig normal. Im Winter wachsen sämtlichen Eichhörnchen zum Schutz vor Schnee und kaltem Wind lange Haare an den Ohrspitzen. Im Sommer sind diese Pinsel kürzer oder manchmal auch gar nicht vorhanden.

Wir sind glücklich, dass sich unser Projekt Eichhörnchenseil so gut entwickelt hat und einen messbaren und dauerhaften Beitrag zum Eichhörnchenschutz leistet.

Projekt Tierschutzzimmer

Nachdem wir im Juni 2012 die „Geburt“ des Projektes aktion tier-Tierschutzzimmer gefeiert und danach mit der Umsetzung begonnen haben, konnten wir in darauffolgenden Jahren insgesamt 21 dieser innovativen Bildungseinrichtungen in Schulen und Kitas eröffnen.

Zur Erinnerung: Unsere Tier- und Naturschutzzimmer sind ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und seiner Stiftung Menschen für Tiere. Die Räume befinden sich zum Beispiel in Schulen und Horten, aber auch in Tierund Artenschutzprojekten. Sie werden von uns je nach Wunsch zum Beispiel mit Mikroskopen, Lupen, Experimentierkästen, Büchern, Fernsehern und Beamern ausgestattet. Nach der Eröffnung können die Schüler die Zimmer sowohl im Unterricht als auch in freien Stunden nutzen. So soll auf spannende und spielerische Art und Weise Wissen vermittelt und der respektvolle Umgang mit Natur und Tieren erlernt werden.

Im vergangenen Jahr 2019 konnten 3 weitere Tier- und Naturschutzzimmer eingeweiht werden:

Tierschutzzimmer in der evangelischen Oberschule „Erhard und Rudolf Mauersberger“ in Großrückerswalde am 4. April.

Das ist das 5te Tierschutzzimmer in Sachsen. Mit der Realisierung ging ein Wunsch der SchülerInnen in Erfüllung, die ein Jahr zuvor einen ganz besonderen Schulausflug in das aktion tier-Tierheim „Accion del Sol“ auf Teneriffa haben machen dürfen. Die Biologie- und künftige Tierschutzlehrerin Katrin Lange hatte uns kontaktiert, um einen Schulausflug der besonderen Art zu planen. Und aktion tier machte dies möglich! Zusammen mit elf SchülerInnen flogen Frau Lange und die Schulleiterin Frau Golla nach Teneriffa und verbrachten dort eine Woche im Tierheim. Die SchülerInnen absolvierten dabei ein Praktikum. Exakt ein Jahr nach diesem außergewöhnlichen Schulausflug feierten Schüler und Lehrer der `Erhard und Rudolf Mauersberger´- Oberschule am 4. April 2019 dann die Eröffnung des ersehnten Tierschutzzimmers.

In der aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen am 15. August.

Unser langjähriger Projektpartner hat in der Station eine Werkstatt in einen auch im Winter nutzbaren Schulungsraum umgebaut, der sowohl als außerschulischer Lernort für Schulkinder und Jugendliche als auch für die Erwachsenenbildung im Bereich Umwelt- und Artenschutz genutzt werden soll. Ein sehr sinnvolles Großprojekt, denn die in der Auffangstation lebenden Tieren sind hervorragende Anschauungsobjekte. Außerdem wurden im Laufe der Jahre bereits speziell für die Umweltbildung geplante Strukturen wie ein Naturlehrpfad (2007), eine Wiese mit Pavillon (2008) und Besuchertoiletten (2009) für Besuchergruppen geschaffen.

In Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Politik, Verwaltung und befreundeter Organisationen hat der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne den Schulungsraum in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen feierlich eröffnet. Auch unsere Tierschutzpädagogin Simone Schweiger hielt eine kleine Ansprache und überreichte das neue Tierschutzzimmer dem Leiter der Wildtierstation, Dr. Florian Brandes, symbolisch in Form einer Tafel.

Eröffnung des Tierschutzzimmers Sachsenhagen. V.l.n.r. Simone Schweiger (aktion tier Tierschutzlehrerin), Grant Hendrik Tonne (Niedersächsischer Kultusminister), Frank Behrens, (Stadtdirektor Sachsenhagen), Uwe Wolters (Vorsitzender des Fördervereins Wildtier- und Artenschutzstation e.V.), Dr. med. vet.Florian Brandes (Stationsleiter).

Tierschutzzimmer in der „Pous-Due-Jensen“-Schule in Wahlstedt am 28. November.

Hierbei handelt es sich um das erste Natur- und Tierschutzzimmer in Schleswig- Holstein, welches über einen Kontakt mit unseren Mitarbeitern an einem unserer Infostände entstanden ist. Die Mitarbeiter vom aktion tier-Aufklärungsteam ließen es sich dann auch nicht nehmen zur Eröffnung zu kommen.

Nach einer musikalischen Begrüßung durch die Schülerband folgte eine Ansprache der Schulleiterin Annette Grosse und unserer aktion tier-Tierschutzpädagogin Simone Schweiger. Zugegen war auch der interessierte Bürgermeister von Wahlstedt, Matthias-Ch. Bonse. Die `Poul-Due-Jensen´-Schule hat sich bereits mit Tierschutz auseinandergesetzt und hat eine vorbildliche „wilde“ bienen- und insektenfreundliche Wiese in einem Zwischenhof angelegt. Dieser steht ausschließlich Tieren zur Verfügung. Für Menschen gilt: Betreten verboten!

Sonstiges 2019

Mein tierfreundlicher Garten

Unsere im Mai 2018 gestartete Kampagne `Mein tierfreundlicher Garten´ war ein voller Erfolg und hat sich zum „Dauerbrenner“ entwickelt. Angesichts des dramatischen Rückgangs vieler heimischer Wildtierarten, allen voran der Insekten, nimmt die Bedeutung von Hausgärten zu.

Durch unsere auch in 2019 rege verteilte und versendete Gartenbroschüre mit umfangreichen Informationen zur naturnahen Gestaltung und Bewirtschaftung von privatem Grün tragen wir dazu bei, dass immer mehr Menschen einen Beitrag zum Natur- und Artenschutz leisten – direkt an ihrem Haus.

Wie in 2018 haben wir auch in 2019 wieder tausende Tütchen mit einer insektenfreundlichen Saatgutmischung herstellen lassen und breit verteilt. Denn Insekten finden oft keine geeigneten Nahrungsquellen, da in Privatgärten und Parks vorrangig Zierpflanzen verwendet werden, die wenig oder gar keinen Nektar und Pollen liefern.

Beratung zur tierfreundlichen Grünflächengestaltung in Wolfsburg

Dass unser Engagement zur tierfreundlichen Gartengestaltung weite Kreise zieht, zeigt sich zum Beispiel an der Kontaktaufnahme des VW-Autobauers aus Wolfsburg. Besser gesagt der Volkswagen Immobilien (VWI), die in der Stadt über 9.000 Mietwohnungen bietet, zu denen Grünanlagen mit einer Gesamtfläche von etwa 140ha gehören. Das entspricht einer Größe von fast 200 Fußballfeldern!

Erfreulicherweise hatte sich die VWI vorgenommen, ihre Grünflächen in Zukunft vermehrt unter ökologischen Gesichtspunkten zu planen und zu pflegen, um artenreiche, von heimischen Tieren besiedelte Lebensräume zu schaffen, die auch für die Bewohner als Bereicherung empfunden und gerne genutzt werden. Der Bitte der Immobiliengesellschaft um entsprechende Beratung sind wir Ende September 2019 gerne nachgekommen.

Eine aktion tier-Mitarbeiterin reiste an und ließ sich von Henning Kohn, dem Gesamtkoordinator der Grünflächengestaltung und -pflege der VWI, die stellenweise beeindruckend großzügigen Grünanlagen mit teilweise sehr altem Baumbestand zeigen, die vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für naturnahe Strukturen und Biotope boten. Darüber wurde intensiv gesprochen und erste Ideen wurden gesammelt. Unsere Mitarbeiterin erläuterte unter anderem, mit welchen heimischen Sträuchern man vorhandene Strukturen ergänzen kann und wo Steinhaufen platziert und mit anfallendem Schnittgut Totholzinsel geschaffen werden können, die zahlreichen Tieren Unterschlupf und Nahrung bieten. Auch ein naturnaher Teich war im Gespräch sowie die Anlage von strukturreichen kleinen Öko-Gärtchen, die von den Bewohnern bewirtschaftet werden könnten.

Die Volkswagen Immobilien GmbH hat bereits in der Vergangenheit einiges für den Tier- und Artenschutz auf ihren Grünflächen getan. Zum Beispiel wurde ein Schwalbenhaus aufgestellt, und an mehreren Stellen wurden Nisthilfen für Wildbienen angebracht. Außerdem wurde damit begonnen, eine Rasenfläche mit Hilfe von insektenfreundlichem Saatgut in eine artenreiche Blumenwiese umzuwandeln. Auch ein Schwalbenhaus mit integriertem Fledermausquartier war in einem ruhigen Winkel aufgestellt worden.

Als erstes praktisches Beispiel für die tierfreundliche Aufwertung hatte unsere Mitarbeiterin ein aktion tier-Igelhaus im Gepäck, welches in einer Hecke an einer ruhigen Wohnanlage im Randbereich von Wolfsburg aufgestellt wurde. Die Zusammenarbeit soll nun fortgesetzt werden.

Jahresbericht 2019 | Gewinn- und Verlustrechnung für das Vereinsjahr 2019