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20 Jahre Tierschutzarbeit

Christine Geburtig mit ihrer Hündin Senta.
Christine Geburtig mit ihrer Hündin Senta. Foto: Geburtig

Von Christine Geburtig, Juni 2013. Einige von Ihnen werden mich durch unsere Informationsstände oder durch unser Vereinsjournal kennen. Seit 1993 bin ich beruflich jeden Tag für den Tierschutz unterwegs. Das sind 20 Jahre, die mein Leben geprägt haben. Ursprünglich habe ich eine Ausbildung zur Kindergärtnerin abgeschlossen und als ich mich beim Tierschutzverein bewarb, hatte ich eigentlich nicht eine langjährige berufliche Perspektive erwartet. Mein Beruf im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit für aktion tier – menschen für tiere e.V. bedeutet täglich an öffentlichen Plätzen und Einkaufszentren Menschen über ein besseren und bewussten Umgang mit Tieren aufzuklären. Gerade zu Festtagen wie zu Weihnachten ist es immer ein Hauptthema, darauf hinzuweisen, Tiere nicht zu verschenken. Ganzjährig gibt es immer wieder verschiedene Kampagnen zum Thema Einkaufsverhalten von tierischen Lebensmitteln, Welpenhandel, Artenschutzthemen usw. Nebenbei organisierte ich ehrenamtliche Einsätze bei den aktion tier-Projekten, wie z.B. Mithilfe beim Aufbau der Katzenbabystation in Glindow, eines Welpengeheges in Meißen oder bei unseren regelmäßigen Arbeitseinsätzen bei Streuners Arche in Hastorf. Seit zwei Jahren lebe und arbeite ich neben meiner 40 Stunden Woche in der Aufklärungsarbeit im Tierschutzprojekt aktion tier Seefeld im schönen Mecklenburg- Vorpommern. Mit Hilfe von Freunden und Familie betreuen wir ca. 130 Tiere aus schlechter Haltung und Abgabetiere. Durch meine ursprüngliche Ausbildungsrichtung, der Umgang mit Kindern, kann ich auf dem Hof bei Kindern ein besseres Verständnis und Umgang mit Tieren wecken und ausbilden. Bei meiner täglichen Arbeit an unseren Informationsständen erhalte ich viel positives Feedback – leider auch einiges nicht so angenehmes. Es gibt viele Menschen mit großen Vorurteilen gegenüber unserer Arbeit, geschürt durch negative Presseberichte über aggressive Tierschützer oder auch unseriöse Spendensammler. Teilweise erlebe ich wenig Verständnis, warum ich mich überhaupt für den Tierschutz einsetze und nicht lieber für Kinder. Zum Teil treffen mich solche Aussagen, da ich beides sehr wichtig finde und ich durch meine Ausbildung zur Kindergärtnerin, viel ehrenamtlicher Arbeit auf Berliner Kinderbauernhöfen, im Streichelgehege im Kinderhospiz oder auch auf dem Hof, diesen Vorwurf bestimmt nicht gelten lassen muss. Diese Menschen würde ich gerne ein Wochenende zu solchen ehrenamtlichen Einsätzen mitnehmen. Es gibt auch Kommentare, man solle sich einen anständigen Beruf suchen. Ein Beruf, der durch das Fehlverhalten von Menschen gegenüber den Tieren und der Natur notwendig geworden ist.

Wir wollen keine Tierheime bauen

 – diese Aussage verstehen viele Menschen erst mal nicht. Wenn ich dann erkläre, was ein Tierheim für ein Tier bedeutet und auch die Kosten der Tierheime aufzeige, kommt ein erstes Verstehen. Viele wagen es nicht ins Tierheim zu gehen, „weil es so traurig ist“ – ja, das ist es auch, aber die Augen verschließen hilft nicht. Gerade auch deshalb ist es in der Satzung von aktion tier verankert, nicht nur die rund 100 Tierschutzeinrichtungen von aktion tier zu unterstützen, sondern auch eine gute Präventions- und Aufklärungsarbeit durchzuführen. Die Organisation von unseren Aufklärungsaktionen ist auch zum Teil nicht so einfach. Ob es darum geht, Genehmigungen von Behörden zu erhalten oder auch Marktleiter von Einkaufszentren zu bitten, gerade in den kalten Wintermonaten, in denen auch der abgehärtetste Tierschützer nach acht Stunden in der Fußgängerzone durchgefroren ist, uns eine kleine Fläche zur Verfügung zu stellen.

Ich treffe aber auch viele Menschen, die unsere Arbeit schätzen und gerne auch unterstützen. Ohne diese Menschen – vor allem unsere Mitglieder – wäre aktion tier nicht in der Lage, die Aufklärungsarbeit umzusetzen. Besonders für Kinder, die ja in 20 Jahren unsere nächste Tierschützergeneration ist. Durch unsere Arbeit kommen wir immer wieder mit Eltern, Lehrern und Erziehern in Kontakt, die den Tierschutzgedanken weitertragen können. Für mich ist es immer ein schönes Erlebnis, Menschen zu treffen, die schon ähnliche Tierschutzarbeit im privaten Umfeld betreiben. Ebenso, wenn ich am Ende eines Gespräches höre: „Danke für Ihre Beratung, das habe ich bis jetzt nicht gewusst“, z.B. bei der Überlegung, ein Tier anzuschaffen oder beim bewussteren Einkauf von tierischen Produkten. Besonders froh bin ich, wenn ich Eltern Alternativen zum Tierwunsch ihrer Kinder aufzeigen konnte. Wenn ich dann von der Teilnahme an unseren Tierschutzferien berichte, von der Überaktion nahme von Patenschaften von Tieren im Tierheim oder einfach das Gassi führen des Nachbarhundes zu organisieren und ihnen damit einen Weg aufzeige, dem Wunsch so teilweise nach zu kommen ohne selbst ein Tier anzuschaffen. Die Tierhaltung ist immer mit jahrelanger Verantwortung und viel Zeit, Geld und notwendigem Platz verbunden. Bei der Arbeit im Tierschutzverein gibt es auch Tage, an denen man knapp vor der emotionalen Kapitulation steht. Die Mitarbeiter und Tierpfleger in den Tierheimen erleben dies täglich, wenn sie verwahrloste Tiere aufnehmen. Ich hatte vor ein paar Wochen bei einer Tierschutzkontrolle am Wochenende solch ein Erlebnis. Nach der Einfangaktion mit zwei Kolleginnen von zwölf nicht kastrierten Katzen in einer Wohnung, erhielten wir die Information, noch einen anderen Fall ein paar Orte weiter zu überprüfen. Was mich da erwartete, schockierte mich. Eine ältere Doggen-Labradorhündin saß völlig abgemagert in einem dreckigen, nassen Zwinger. Beim Anblick von völlig verwahrlosten Schafen weiter hinten auf dem Grundstück, schossen mir die Tränen in den Augen. Wir informierten sofort Polizei und Amtstierarzt – an einem Sonntag immer etwas schwieriger. Nach drei Tagen bekamen wir durch die Behörden das OK, die Hündin nach der Beschlagnahmung raus holen zu dürfen. In solchen Momenten denkt man sich, „warum nehme ich nicht einfach sofort den Hund und die Schafe mit?“. Der Zwinger war leicht zu öffnen und die Hündin wäre sofort befreit worden. Aber außer für die Hündin hätte sich nichts geändert. Wir müssen dafür sorgen, dass eine Anzeige gegen den Tierbesitzer gemacht wird, damit dieser ein Tierhalteverbot bekommt. Da dies nicht der erste Hund war, den er verwahrlosen ließ, wird dieses in diesem Fall ausgesprochen. Für einige der Schafe kam leider auch unsere Hilfe zu spät.

Die Aufklärung der Bevölkerung ist im Tierschutz unerlässlich

Umso mehr zeigt dieses Beispiel, wie wichtig unsere Aufklärungsarbeit ist, damit Menschen wissen, wie sie sich bei Verwahrlosung oder Tierquälerei verhalten sollen. Es ist für mich unverständlich, wie Nachbarn nicht mitbekommen, dass nebenan 1700 Wellensittiche gehalten werden, ein verhungerter Hund im Nachbargrundstück im Zwinger oder 74 Katzen in einer Wohnung gehalten werden. Oft führe ich Gespräche an unseren Informationsständen, wie sich Nachbarn in so einer Situation verhalten können. In meiner Anfangszeit beim Tierschutz dachte ich immer, „wenn ich mal alt bin, werden wir nicht mehr so viele Tierheime brauchen und die Haltung der Nutztiere wird sich bis dahin maßgeblich verbessert haben“. Dieser Illusion bin ich mittlerweile beraubt, aber aufgeben kommt nicht in Frage. Ich kenne so viele Menschen durch die Tierschutzarbeit, die sich schon viel länger als ich beruflich oder auch ehrenamtlich einsetzen, um den Tierschutzgedanken weiter zu tragen. Ich freue mich immer, wenn Sie, liebe Mitglieder, an unseren Infoständen vorbei kommen oder uns auch auf dem Hof besuchen kommen.