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Aufklärung ist Tierschutz!

Die azsgesetzte Hündin Moon
Mangelnde Verantwortung: Hündin "Moon" wurde im tiefsten Winter einfach vor dem Gelände von aktion tier Meissen ausgesetz. Foto: © aktion tier Meissen

Gedankenlosigkeit und mangelnde Eigenverantwortung führen zu Problemen

Anders verhält es sich im Tierschutz. Die Erkenntnis der Eigenverantwortung stellt offensichtlich einen wesentlichen Unterschied der Bemühungen im Tierschutz zu denen anderer gesellschaftlich relevanter Bereiche dar. Hier reduziert man sich selber darauf, den Sinn des eigenen Handelns lediglich in einer Versorgung der Tiere, also nur in den Auswirkungen des eigentlichen Problems, zu sehen. Aber führt dieses Verhalten alleine zu einer grundlegenden Lösung der Probleme?

Die überwältigende Mehrheit der Tiere in den deutschen Tierheimen sind keineswegs plötzlich in Not geratene, sondern von ihrem Besitzer dort „entsorgte“ Tiere. Hätte sich dieser Mensch vorher über die Anforderungen der Tierhaltung informiert, wäre möglicherweise diesem Tier der Weg in eine derartige Einrichtung erspart worden. Die Gedankenlosigkeit eines großen Teiles unserer Gesellschaft führt immer wieder aufs Neue dazu, dass die Tierheime in Deutschland immer wieder neue Tiere aufnehmen müssen.

Welpenhandel in Osteuropa

Geradezu grotesk wirken die in jüngster Zeit gerne produzierten Fernsehberichte über den schwunghaften Welpenhandel aus Osteuropa. Heerscharen von deutschen Besuchern schlendern dort über die sogenannten „Polenmärkte“ direkt hinter der deutschen Grenze, um neben diversen Ramsch auch noch den Rassenhund zu Schnäppchenpreis zu kaufen. Die offensichtlich tierschutzwidrigen Umstände werden im Kaufrausch verdrängt ebenso wie die Frage, wie denn überhaupt das vermeintliche Sonderangebot zustande kommen kann. Schließlich liegen die Kosten nur einer einzigen Impfung oftmals über dem Kaufpreis für das angebotene Tier. Gleichzeitig wird dem Zuschauer in der Regel, als quasi abschreckendes Beispiel, eine Person präsentiert, die tränenreich die schreckliche und qualvolle Geschichte ihres preiswert erstandenen Welpen schildert. Das wochenlange Leiden des Tieres und die hohen Kosten der tierärztlichen Behandlung sind dabei die immer wiederkehrenden Erzählungen der Betroffenen. Kaum einer jedoch reflektiert dabei das eigene Handeln und seinen Anteil an dieser keineswegs einzigartigen Begebenheit.

Ein einziger Anruf bei einer Tierschutzorganisation hätte genügt! Ein einziger Moment der Reflektion des eigenen Handelns, des Nachdenkens über die Begleitumstände, wäre ausreichend gewesen, um die ausschließlich emotional bedingte Anschaffung dieses Hundes zu verhindern. Dem skrupellosen Händler, der seine Ware dort anbietet, ist das im Übrigen egal: Er hat seinen Verkauf getätigt und wird weiterhin fleißig nachzüchten, unter möglichst kostengünstigen, sprich tierschutzwidrigen, Bedingungen.

Es gibt kaum ein Tierheim in Deutschland, welches nicht Hunde aus Osteuropa, als vermeintlich niedliche und zudem preiswerte „Schnäppchen“ angeschafft, in seinen Reihen beherbergen muss. Denn bei Weitem nicht alle Käufer dieser Tiere sind auch im Nachhinein bereit, die hohen Kosten der tierärztlichen Betreuung zu bezahlen. Also, ab damit ins Tierheim, denn die sind ja dafür zuständig!

Es dürfte auf der Hand liegen, dass grundlegende Veränderungen auch im Bereich des Tierschutzes nur durch eine aufgeklärte Bevölkerung zu erreichen sind. Der Verein aktion tier hat diese wesentliche Erkenntnis auch in seiner Satzung verankert und bemüht sich seit vielen Jahren, diesen Anspruch möglichst umfassend nachkommen zu können. Denn trotz aller Erkenntnis stellt sich immer wieder die Frage, wie denn möglichst nachhaltig eine Informationsvermittlung in die Tat umgesetzt werden kann. Schließlich gilt es nicht nur einfache Botschaften zu transportieren, sondern möglichst auch die für die Probleme verantwortlichen Zusammenhänge zu vermitteln.

Leguan und Cobra. Foto: © aktion tier e.V.
Cobra und Leguan beim aktion tier-Kampagnenstart auf dem Berliner Alexanderplatz. Foto: aktion tier e.V.

aktion tier möchte das Ziel der Informationsvermittlung möglichst nachhaltig erreichen, indem wir im Laufe eines Jahres mehrere Kampagnen zu einzelnen Themen des Tierschutzes gestalten. Dabei werden entweder seit Langem vorhandene Missstände wie z.B. der Massentierhaltung aufgegriffen oder aber resultieren aus sich abzeichnenden, neuen Herausforderungen wie z.B. der stetig wachsenden Reptilienhaltung in Deutschland. Zu den einzelnen Themenbereichen werden gezielt spezielle, möglichst kompakte Informationsmaterialien erstellt und parallel dazu über unsere Homepage oder das Mitgliederjournal publizistisch aufbereitet, um ein hohes Maß der Verbreitung zu erreichen. Wesentlicher Bestandteil dieser Bemühungen ist jedoch der Teil unserer Gesellschaft, der eben genau nicht seine Informationen aus den Quellen des Tierschutzes bezieht, jedoch zu einem großen Teil für die eigentlichen Probleme verantwortlich ist. Es sind nicht die besonders grausamen und daher medial besonders interessanten Tierquäler, die für die Überbelegung in unseren Tierheimen verantwortlich sind. Das Heer der dort befindlichen Abgabetiere stammt zumeist aus ganz normalen Durchschnittsfamilien, die sich ihrer unüberlegten Anschaffung eines Haustieres „entledigen“ wollen. Dies geschieht zudem noch in dem Bemühen, eine möglichst tiergerechte Lösung zu finden, schließlich stellt das Tierheim immer noch die beste aller schlechten Lösungen dar. Dennoch ändert auch dieses Bemühen nichts an der Tatsache, dass jedem Tier der Weg in ein Tierheim erspart werden soll.