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Aufklärung ist Tierschutz!

Pfleger mit Hunden im aktion tier Tierheim Teneriffa.
Pfleger mit Hunden im aktion tier Tierheim Teneriffa. Foto: © aktion tier Teneriffa

Die überwältigende Mehrheit der Tierschutzvereine sieht seine Aufgaben darin, die Versorgung von Tieren zu erledigen...

Dies ist nicht etwa ein spanisches Phänomen, sondern lässt sich auch in Deutschland beobachten. Die überwältigende Mehrheit der Tierschutzvereine sieht seine Aufgaben darin, die Versorgung von Tieren zu erledigen, unabhängig davon, worin die Ursachen für die vorhandenen Missstände zu suchen sind. Gleich- zeitig bewegt man sich damit offensichtlich innerhalb der in unserer Gesellschaft definierten Parameter, welche Aufgaben und vor allem welche Funktion der Tierschutz zu erfüllen hat. Eine Art Notfallbereitschaft, die sich schon irgendwie um ein Tier kümmern wird.

Unabhängig davon, dass die Tierschutzvereine alles in ihren Kräften stehende tun, um in der Tat einem in Not geratenen Tier eine bedarfsgerechte Unterkunft zu ermöglichen, bedeutet diese Auffassung jedoch auch, dass an den eigentlichen Ursachen sich wenig ändern wird. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die vom Tierschutz beklagten Zustände sich in den letzten Jahrzehnten eigentlich kaum verändert haben. Übervolle Tierheime, zu wenig finanzielle Mittel und ein ständiger Druck, neue Kapazitäten der Unterbringung zu schaffen.

Daran dürfte sich auch in der Zukunft wenig ändern, solange (nicht nur unsere) Gesellschaft ein Übermaß an Tieren „produziert“, deren Schicksal die Unterbringung in einem Tierheim sein wird. Dies geschieht nicht etwa aus materieller Not, wie bisweilen gerne öffentlich dargestellt, sondern in den meisten Fällen aus der Kapitulation vor den vielfältigen Anforderungen einer Tierhaltung, die bei der Anschaffung einfach außer Acht gelassen wurden. Und so heißt es immer wieder: Endstation Tierheim. Damit ist man aber der Lösung des Problems keinen Schritt näher gekommen.

EU-Aktionsplan für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren

Foto: aktion tier e.V./Bauer

Auch wenn es sicherlich opportun sein mag, sich abfällig über die Strukturen der Europäischen Union (EU) zu äußern, hat man sich dort zumindest Gedanken darüber gemacht, wie man lösungsorientiert den vorhandenen Problemen zu Leibe rücken kann. So hat die Europäische Kommission bereits 2006 in ihrem Aktionsplan für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren festgelegt, dass sichergestellt werden soll, „dass Tierhalter/ Tierbetreuer sowie die allgemeine Öffentlichkeit stärker mit einbezogen und besser über die geltenden Tierschutznormen informiert werden und sich ihrer Rolle bei der Förderung des Schutzes und Wohlbefindens von Tieren voll bewusst sind.“ (Aktionsbereich Nummer 4 des Aktionsplans der Europäischen Kommission vom 23.01.2006) Dabei verweist die EU-Kommission völlig zu Recht auf die Eigenverantwortung der Bürger, indem sie auf deren Anteil zum Schutz der Tiere verweist.

Dieser Aspekt scheint für die meisten Tierschutzvereine nicht von besonderer Wichtigkeit zu sein. Deren Repräsentanten lassen zumeist den Ruf nach dem Gesetzgeber ertönen, der gefälligst gesellschaftliche relevante Belange, wie z.B. die Situation der Tierheime, zu lösen hat. Dabei wird jedoch immer wieder außer Acht gelassen, dass gesetzliche Regelungen stets eine Einschränkung der persönlichen Freiheit bedeuten, die ja gerade in Westeuropa ein hohes Gut darstellt, und auch immer wieder der umfassenden Kontrolle bedürfen. Gleichzeitig darf man natürlich nicht vergessen, dass die überwältigende Mehrheit der Tierbesitzer sich durchaus verantwortungsbewusst gegenüber den eigenen Haustieren verhält. Missstände in der Haltung dieser Tiere geschehen weit weniger aus einem niederträchtigen Verhalten heraus, sondern sind zumeist der Unkenntnis über die Bedürfnisse des Tieres geschuldet. Und genau dort versucht die Europäische Union anzusetzen.

Dies macht auch Sinn, da in wichtigen Bereichen wie z.B. dem Umweltschutz, der Armutsbekämpfung in der Dritten Welt oder der Gesundheitsvorsorge alle Bemühungen immer den Aspekt der Aufklärung in sich tragen. Kein nachhaltiges Hilfsprojekt in Afrika wird sich selber darauf reduzieren, lediglich Lebensmittel zur Verfügung zu stellen, sondern wird auch Anstrengungen darauf verwenden, durch Aufklärung der Menschen den grundlegenden Problemen zu Leibe zu rücken. Veränderungen im Umwelt- und Klimaschutz wären ohne den Aspekt der Information und des verantwortungsbewussten Verhaltens der Menschen von vorn hinein zum Scheitern verurteilt. Besonders augenfällig sind Programme der Gesundheitsvorsorge wie z.B. der AIDS-Prävention. Niemand würde ernsthaft dazu auffordern, lediglich Kondome bereit zu stellen, sondern die Menschen sollen durch Aufklärung zu einer Verhaltensänderung, sprich ihrer Eigenverantwortung, bewegt werden.