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Wir wollen keine Tierheime bauen!

Wären Hunde, Katzen oder andere Haustiere nicht leichtfertig angeschafft worden, müssten sie nicht im Tierheim untergebracht werden. Foto: aktion tier e.V.

Allen diesen ungewollten Lebewesen ist gemein, dass sie von einem Menschen angeschafft wurden. Das ist in unserer Gesellschaft sehr einfach und es gibt vielfältige Möglichkeiten dafür. Es steht außer Frage, dass ein Tier eine wichtige Bereicherung des eigenen Lebens sein kann und viele Haustiere eine wichtige soziale Funktion erfüllen. Jedoch ist die Anschaffung eines tierischen Familienmitglieds mit einer hohen Verantwortung verbunden. Sie ist nicht gleichzusetzen mit dem Kauf eines Haushaltsgerätes und beinhaltet weder Garantie- noch Umtauschrechte. Ein Haustier ist ein Lebewesen, mit dessen Anschaffung man ein hohes Maß an Verantwortung für sein gesamtes, teilweise sehr langes Leben übernehmen muss.

Wären die eingangs erwähnten privaten Pferde nicht leichtfertig angeschafft worden, müssten diese nicht auf einem Gnadenhof untergebracht werden. Dasselbe gilt für über 90% aller Hunde, Katzen und anderen Tiere, die zurzeit in einem Tierheim leben. Um die Zahl der „Wegwerftiere“ zu verringern, muss man bei den Menschen, den potenziellen Tierhaltern ansetzen, damit diese sich über die Tragweite und die möglichen Konsequenzen ihres Handelns im Klaren sind.

Denn nur die reifliche Überlegung VOR dem Kauf beispielsweise eines Hundes minimiert die Wahrscheinlichkeit, dass dieser über kurz oder lang zum Abgabetier wird. Auch wenn es viele nicht hören wollen: Es ist nicht erstrebenswert, ein Tier in einem Tierheim versorgen zu müssen!

Nur tierschutzbewusstes Denken und Handeln verhindert Tierleid!

Es gilt den Menschen zu verdeutlichen, dass nur über ein tierschutzbewusstes Denken und Handeln auf Dauer Tierleid verhindert werden kann. So ist auch die Massentierhaltung und die damit verbundene Tierqual nur möglich, wenn der Verbraucher im Supermarkt zu Billigfleisch oder Eiern aus Käfighaltung greift. Dieses Bewusstsein über die Eigenverantwortung ist in der Bevölkerung noch nicht ausgeprägt, was sich auch in der kontinuierlich hohen Zahl der Abgabetiere in den Tierheimen widerspiegelt. Will man diese Situation verändern, muss man in den Köpfen der Menschen beginnen.

Dies sieht auch die Europäische Kommission so. Sie hat bereits 2006 den Auftrag an ihre Mitgliedsstaaten vergeben, für eine bessere Information der Tierhalter über den Tierschutz Sorge zu tragen. Unsere Bundesregierung scheint diese nationale Aufgabe allerdings nicht sonderlich ernst zu nehmen. Folglich können nur einzelne Tierschutzorganisationen versuchen, der Verpflichtung zur flächendeckenden Aufklärung nach zu kommen. aktion tier hat daher ganz bewusst das Thema „Aufklärung zum Tierschutz“ als einen wesentlichen Punkt in seiner Satzung verankert und ist damit verpflichtet, diesem Auftrag verbindlich zu entsprechen. 

Gespräche im Vier-Augen-Prinzip

Wir führen jedes Jahr mehr als 4000 einzelne Informationsstände und -kampagnen durch, um die Menschen für den Tierschutz zu sensibilisieren. Hierbei setzen wir auf das sogenannte „Vier-Augen-Prinzip“, d. h. unsere Mitarbeiter versuchen, im persönlichen Dialog alle Belange des Tierschutzes anzusprechen. Sie tun dies an gut frequentierten Plätzen, in Einkaufzentren oder Fußgängerzonen, kurz überall dort, wo man den ganz normalen Bürger antrifft. Es werden jährlich über 300.000 dokumentierte Einzelgespräche geführt und Informationsschriften zu allen Bereichen, in denen der Mensch durch ein bewusstes Verhalten zum Wohle des Tieres beitragen kann, verteilt. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung unserer satzungsgemäßen Vereinsaufgaben.

Dafür werden wir paradoxerweise regelmäßig angegriffen. Teils durchaus sachlich und vor dem Hintergrund einer völlig zulässigen kritischen Diskussion, vereinzelt jedoch mit einer Polemik, die offenkundig nur darauf abzielt, eine der größten Tierschutzorganisationen in Europa dauerhaft zu schädigen. Trauriger Höhepunkt waren im Herbst 2009 erschienene Berichte einzelner Zeitungen. Darin wird unterstellt, dass die aus unserer Aufklärungsarbeit resultierenden Kosten zu hoch seien, die angestellten Mitarbeiter ihrem eigentlichen Auftrag nicht nachkommen würden und der Sinn einer möglichst flächendeckenden Information über Tierschutz fragwürdig sei. Selbst der Umzug unserer Geschäftsstelle nach Berlin solle mit völlig aus der Luft gegriffenen 100.000,-€ zu Buche geschlagen haben. Gleichzeitig wurde wieder die Forderung erhoben, dass eine Tierschutzorganisation sich ausschließlich um die Versorgung von Tieren kümmern muss!

Interessanterweise werden solche Forderungen überwiegend von Menschen erhoben, deren Beschäftigung mit dem Thema Tierschutz bislang nur oberflächlich war. Sie wollen unseren innovativen Ansatz und dessen positiven Auswirkungen nicht verstehen, da ihnen die dafür notwendige Bereitschaft sowie die Erfahrung bei der Umsetzung der Aufgaben im Tierschutz fehlen. Auch gibt es durchaus eine nicht unbeträchtliche Zahl von Personen, die ein Interesse daran haben, eine nachhaltige Veränderung zu verhindern. Schließlich ist der Markt für Heimtiere aller Art sehr groß und demzufolge sind damit auch wirtschaftliche Interessen verbunden. Auch haben sich viele Tierschutzvereine mit der derzeitigen Situation arrangiert, zumal sie letztendlich auch eine Form von Daseinsberechtigung darstellt.

Deshalb gibt es immer wieder einzelne Personen, die aus überwiegend eigenen Interessen die Erfolge unserer Arbeit schlichtweg in Abrede stellen. Sie wollen nicht verstehen, dass ein nachhaltiger Tierschutz und positive Veränderungen für die Tiere in den Köpfen der Menschen beginnen. Sie leugnen, dass mehr als 90% aller Beratungen, die weiterführend über unsere Fachleute in den Geschäftsstellen durchgeführt werden konnten, über den Erstkontakt an unseren Informationsständen erfolgten. Diese vermeintlichen Kritiker wollen nicht erkennen, dass unsere Mitarbeiter mit ihrer Arbeit Menschen erreichen, die sich normalerweise nicht für Tierschutz interessieren. Und sie wollen nicht begreifen, dass die Kollegen an den Infoständen unsere Botschafter auf zwei Beinen sind. Ihre Arbeit macht es überhaupt erst möglich, dass wir einen Zugang zu vielen Menschen bekommen, um unser Anliegen zu transportieren!