Erwachsene Wespen sind Flüssigfresser. Sie können keine größeren festen Nahrungsbestandteile zu sich nehmen, da durch die schmale Wespentaille zwischen Rumpf und Hinterleib ausschließlich flüssige oder verflüssigte Nahrung passt. Daher ernähren sie sich vorrangig von zuckerhaltigem Blütennektar, dem Saft von Früchten oder Bäumen sowie von zuckerhaltigen Lebensmitteln wie Limo oder Marmelade. Wichtige Energiequellen sind außerdem die zuckerhaltigen Sekrete, die sie von ihren Larven erhalten, wenn sie ihnen tierisches Eiweiß bringen. Denn anders als die Arbeiterinnen-Wespen sind die Larven besonders auf die Verwertung von Protein spezialisiert und benötigen dieses auch für ihr Wachstum.
Warum Wespen manchmal an Menschen knabbern
Man sitzt ruhig draußen und liest ein Buch – plötzlich landet eine Wespe auf der Haut, beißt zu und versucht, ein Stückchen Haut abzutragen. Will sie uns etwa fressen?

Wurde eine geeignete Proteinquelle entdeckt, benutzen Wespen ihre Mundwerkzeuge (Mandibeln) wie Scheren, um aus der Beute ein Stückchen herauszuschneiden. Der Brocken wird dann zerkaut und zu einer kleinen Kugel geformt, die aber nicht heruntergeschluckt, sondern im Ganzen ins Nest gebracht und dort an die Larven verfüttert wird.
Hauptsache Eiweiß
Wespen nutzen jede Proteinquelle zum Sammeln von Larvenfutter, die sich ihnen ohne großes Risiko bietet. Sie gehen zum Beispiel aktiv auf die Jagd, vor allem nach Raupen, Spinnen und anderen kleinen Insekten. Es gibt außerdem gut dokumentierte Fälle sowie eigene Beobachtungen, in denen Wespen gezielt verwundete Tiere oder verletzte Jungvögel im Nest aufgesucht haben, um Fleischstücke aus ihnen herauszubeißen.
Beim Finden von Aas und offenen Wunden spielen Gerüche eine wichtige Rolle. Sie signalisieren den Wespen, dass sich hier eine leicht verfügbare Proteinquelle befindet, die direkt portioniert und abtransportiert werden kann.
Welche Rolle spielt der Mensch?
Menschen und andere große, wehrhafte Säugetiere gehören grundsätzlich nicht zum typischen Beutespektrum der Wespen. Auf der Suche nach geeigneter tierischer „Babynahrung“ kann allerdings auch menschliche Haut interessant werden. Vor allem, wenn die Person ruhig dasitzt und dadurch wehrlos erscheint. Wie unsere Biologin mehrfach an sich selbst festgestellt und auch von anderen Menschen gehört hat, versuchen Wespen vor allem bei Menschen, die ruhig dasitzen, kleine Hautfetzen herauszubeißen. Ihre kräftigen Mundwerkzeuge (Mandibeln) können dabei sogar eine kleine Verletzung verursachen.
Dass Wespen menschliches Gewebe offenbar als verwertbares tierisches Material behandeln und Haut abtragen, ist ein ungewöhnliches und bislang kaum beschriebenes Verhalten. Es unterscheidet sich von der bekannten Nutzung von Aas oder bereits vorhandenen Wunden, denn hier erzeugt die Wespe die Verletzung selbst. Als aggressiven Angriff würden wir das trotzdem nicht bezeichnen, sondern eher als Reaktion auf für sie interessantes organisches Material. Wespen sind kurzsichtig und können selbst auf 50 cm Entfernung nicht erkennen, ob sich vor ihnen ein Mensch befindet. Sie würden bestimmt ihre Mandibeln von uns lassen, wenn sie realisieren könnten, wie groß wir sind.
Keine Panik
Wenn man zum Ziel einer dieser seltenen „Knabberattacken“ wird, merkt man das sofort, denn der beherzte Biss einer Wespe kann ganz schön zwicken. Trotzdem sollte man in dieser Situation nicht panisch um sich schlagen, denn hektische Bewegungen könnten die Wespe zum Stechen reizen. Besser ist es, sie vorsichtig mit der Hand oder einem Blatt Papier wegzuschieben.




