Insekten, wir brauchen euch!
Warum sind Insekten so wichtig? Welche Ursachen hat das Insektensterben? Was kann jeder Einzelne tun, um Insekten zu helfen? Und warum gäbe es ohne Insekten keine Schokolade?
Über 50 Prozent aller heute bekannten Tiere sind Insekten. Bisher wurden erst etwa eine Million Arten erforscht. Es soll jedoch wesentlich mehr geben. Charakteristisch für Insekten sind die sechs Beine und der in drei Teile untergliederte Körper, der aus Kopf, Brust und Hinterleib besteht. Aufgrund dieser Gliederung werden sie auch als Glieder- oder Kerbtiere bezeichnet. Zu den bekanntesten Insekten zählen Ameisen, Käfer, Schmetterlinge, Heuschrecken, Fliegen und Bienen.
- Warum sind Insekten wichtig?
- Ohne Mücke keine Schokolade
- Gründe für das Insektensterben
- Ohne Insekten wäre ein Überleben schwierig...
- Um die Honigbiene müssen wir uns keine Sorgen machen
- Wildbienen sind in Gefahr
- So können Sie Insekten sinnvoll unterstützen
- aktion tier setzt sich für Insekten ein
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- Weitere Artikel zur Kampagne
Warum sind Insekten wichtig?
Die meisten Pflanzen benötigen zur Fortpflanzung einen fremden Bestäuber, der den Pollen der einen auf die andere überträgt. Erst dadurch kommt es zur Befruchtung und zur Entwicklung von Samen und Früchten. Insekten wie Honigbienen, Wildbienen, Schwebfliegen, Wespen, Schmetterlinge und Käfer besuchen die Blüten, weil sie den von den Pflanzen produzierten Pollen und Nektar fressen. Beim Flug von Blüte zu Blüte wird quasi nebenbei der Pollen übertragen. Die bedeutendsten Pflanzenbestäuber sind Wildbienen (mit den Hummeln) und Honigbienen.
Insekten haben daneben noch eine weitere sehr wichtige Bedeutung als Nahrung für andere Tiere. So ernähren sich räuberisch lebende Arten wie Laufkäfer, Marienkäfer oder Heuschrecken größtenteils von anderen Insekten und deren Entwicklungsstadien. Beide Gruppen spielen eine große Rolle für Wirbeltiere wie Eidechsen, Vögel, Fledermäuse, Maulwürfe, Igel und Spitzmäuse, die sich vorrangig oder sogar ausschließlich von Gliedertieren ernähren.
Erwähnenswert ist außerdem, dass Sechsbeiner sowie Tausendfüßer, Spinnen, Asseln und Milben maßgeblich an der Zersetzung zum Beispiel von Totholz, Blättern und toten Tieren beteiligt sind. Mit Hilfe von Bakterien und Pilzen entsteht schließlich fruchtbarer Humus, der Pflanzen wertvolle Nährstoffe liefert.
Ohne Mücke keine Schokolade
Nur zwei Arten winziger Mücken, sogenannte Schokoladen-Gnitzen, sind in der Lage, Kakaoblüten zu bestäuben. Das ist die Voraussetzung für die Entwicklung von Kakaobohnen, dem Grundstoff für die Schokoladenherstellung.
Gründe für das Insektensterben
Manche erinnern sich vielleicht an früher, als man eine längere Autofahrt ab und an unterbrechen musste, um die Windschutzscheibe zu reinigen, weil sie mit toten Insekten übersäht war, was die Sicht erschwerte. Heute bereitet uns das dramatische Insektensterben große Sorgen. Von den 33.300 in Deutschland vorkommenden Arten geht bei 15.000 der Bestand zurück. Das heißt, es gibt weniger Individuen. Bei knapp 10.000 Arten gibt es inzwischen sogar derart wenige Exemplare, dass sie in den Roten Listen als gefährdet oder stark gefährdet eingestuft werden. Die Gründe für den dramatischen Insektenschwung sind, wie immer, vorrangig menschengemacht.
Intensivierung der Landwirtschaft
Der Hauptverantwortliche für das Insektensterben ist die intensive Landwirtschaft. Auf immer größeren Feldern erfolgt die hochtechnisierte Massenproduktion von Lebensmitteln.
Die ehemals strukturreichen Landschaften mit Äckern, Wiesen, Weiden, Streuobstwiesen, Feldgehölzen und blütenreichen Randstreifen boten Insekten alles, was sie zum Leben brauchten. In den heute vorherrschenden lebensfeindlichen Agrarsteppen mit Monokulturen finden wir dagegen kaum noch Bienen, Heuschrecken, Käfer und Schmetterlinge.
Hinzu kommt der massive Einsatz von Dünger in der modernen Landwirtschaft. Durch hohe Düngergaben auf Wiesen und Weiden werden die Pflanzen mit viel Stickstoff versorgt. Schmetterlingsraupen und andere Insekten, die sich von diesen ernähren, kommen mit der hohen Nährstoffkonzentrationen nicht zurecht. Ihre Verdauung ist auf die nährstoffärmeren früheren Verhältnisse eingestellt. In der Folge verschwinden vor allem immer mehr Schmetterlinge. Auch in den Randbereichen gedüngten Ackerflächen.
Die gerne und oft verwendeten chemischen Pestizide sind ein weiterer Sargnagel für unsere Insekten. Sie sind gegenüber Schädlingsvernichtungsmitteln genauso empfindlich wie die Schädlinge, die bekämpft werden sollen. Aufgenommen werden die Pflanzenschutzmittel und weitere, in der Landwirtschaft eingesetzte Gifte mit den Blütenpollen und dem Nektar. Vorrangig Nervengifte aus der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide sollen das Immunsystem, die Fruchtbarkeit und das Orientierungsvermögen vor allem von Bienen beeinträchtigen.
Versiegelte Flächen
In Deutschland wird permanent natürlicher, belebter Boden asphaltiert, betoniert und zugepflastert. Vor allem für Industrie-, Gewerbe- und Wohnbebauung sowie für Straßen. Dieser sogenannte Flächenverbrauch hat viele negative Folgen. So können die Böden unter den überbauten Arealen weder Wasser noch Nährstoffe aufnehmen, alles Leben darin stirbt ab. Außerdem geht mit jeder Flächenversiegelung Lebensraum für Pflanzen und Tiere verloren. Es ist erwiesen, dass die zunehmende Verstädterung maßgeblich zum Insektensterben beiträgt.
Lichtverschmutzung
Auch die übermäßige Nutzung von Licht ist für unsere Insektenbestände problematisch. Städte sollen nachts bis zu 4.000 mal heller sein als natürliches Licht zum Beispiel von Sternen oder dem Mond. In der Folge sollen allein durch die Straßenbeleuchtung in einer Nacht über eine Milliarde Insekten sterben, die aus ihren natürlichen Lebensräumen gelockt werden.
Ohne Insekten wäre ein Überleben schwierig...
...wenn nicht sogar unmöglich. Daher müssen wir aktiv werden, um das weltweite Insektensterben zu stoppen!
Um die Honigbiene müssen wir uns keine Sorgen machen
Seit Jahren wird über Bienensterben und Bienenschutz geredet und geschrieben. Meistens sind Honigbienen (Apis spec.) gemeint und in den Artikeln abgebildet. Wenngleich es in Deutschland noch freilebende, wilde Honigbienen geben soll, lebt doch die Mehrzahl dieser Insekten als unser kleinstes Nutztier zur Produktion von Honig und Wachs in menschlicher Obhut. Ähnlich wie bei der Haltung anderer Nutztiere werden Rassen und Kreuzungen bewusst gezüchtet, um bestimmte, ertragssteigernde Eigenschaften zu verbessern. Verbreitet sind vor allem Kreuzungen aus Dunkler Biene, Kärntner Biene und Italienienischer Biene sowie die Honigbienen-Rasse Buckfast-Biene. Solange es Imker gibt, muss man sich um den Fortbestand dieser Insekten keine Sorgen machen.
Wildbienen sind in Gefahr
Alle Bienenarten außer der Honigbiene sind Wildbienen. Was viele nicht wissen: Auch Hummeln gehören zu den Wildbienen! Im Gegensatz zur Honigbiene sind wildlebenden Bienen tatsächlich in Gefahr. Denn von den rund 580 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten sind bereits über 5% der Arten vom Aussterben bedroht und über 35% werden als im Bestand gefährdet eingestuft. Wird diese Abwärtsspirale nicht gestoppt, ist mit weitreichenden Folgen zu rechnen – auch für den Menschen. Denn die kleinen Insekten vollbringen eine beachtliche Bestäubungsleistung und sorgen dadurch für gute landwirtschaftliche Erträge im Obst- und Gemüseanbau.
Wildbienen sind Turbobestäuber
Wildbienen bestäuben um ein Vielfaches schneller und effizienter als Honigbienen. So kann eine Wildbiene täglich bis zu 5000 Blüten besuchen, während die Honigbiene nur maximal 300 Blüten schafft. Etwa 650 Weibchen der Wildbienenart Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) sind in der Lage, einen Hektar blühende Apfelbäume zu bestäuben. Nimmt man Honigbienen, muss für die gleiche Fläche mindestens ein Volk mit etwa 20.000 Arbeiterinnen eingesetzt werden. Vor allem im gewerblichen Obstanbau werden daher zunehmend gezüchtete Hummeln und Mauerbienen eingesetzt, die es bereits im Handel zu kaufen gibt.
Wildbienen sind Spezialisten
Genauso wichtig wie die Quantität ist die Tatsache, dass Wildbienen sehr viel spezieller als Honigbienen bestäuben. Zahlreiche Arten sind auf eine bestimmte Pflanzenfamilie oder -art spezialisiert, deren Pollen sie sammeln und als Nahrung für die Larven verwenden. Oft erkennt man schon am Namen, welche Pflanzen bevorzugt werden. Zum Beispiel bei der Glockenblumen- Sägehornbiene (Melitta haemorrhoidalis), die ausschließlich den Pollen von Glockenblumen sammelt. Vor allem die extrem wählerischen (oligolektischen) Wildbienen-Arten haben zunehmend Probleme, ihre Futterpflanze zu finden. Stirbt die Pflanze aus, kann auch die Biene nicht fortbestehen – und umkehrt.












