Insekten, Spinnentiere und Schnecken

Wildbienen sinnvoll unterstützen – Nisthilfen: nur ein kleiner Baustein

Künstliche Nisthilfen mit Möglichkeiten der Eiablage für Wildbienen sind natürlich besser als nichts, aber leider auch noch lange keine wirksame Methode, viele verschiedene und vor allem seltene Wildbienenarten zu unterstützen und somit dem Insektensterben entgegen zu wirken.

Wildbienen lieben Witwenblumen
Wildbienen lieben Witwenblumen (Knautia spec.) aus der Familie der Geißblattgewächse. Foto: Ursula Bauer

Denn von den rund 580 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten nutzen nur einige wenige diese von Menschen angebotenen Nisthilfen. Dazu gehören unter anderem die solitär lebenden Löcherbienen, Scherenbienen, Pelzbienen und Mauerbienen. Hummeln, die ja auch zu den Wildbienen gehören, können mit den Nistkästen gar nichts anfangen, da sie Staaten bilden und in Nestern leben. Um mehr und vor allem in ihrem Bestand gefährdete Arten zu fördern, sollte man sich nicht darauf beschränken, eine Nisthilfe im Garten aufstellen, in der dann einige gängige Wildbienenarten ihre Eier ablegen.

Bieten Sie geeignete Blüten an

Sehr viele Wildbienenarten sind mehr oder weniger stark auf eine bestimmte Pflanzenfamilie oder -art spezialisiert, deren Pollen gesammelt und als Nahrung für die Larven verwendet wird. Oft erkennt man schon am Namen der Biene, welche Pflanzen bevorzugt werden. Zum Beispiel bei der GlockenblumenSägehornbiene (Melitta haemorrhoidalis), die ausschließlich den Pollen von Glockenblumen sammelt. Vor allem die extrem wählerischen (oligolektischen) Arten haben oft Probleme, ihre Futterpflanze zu finden. In unserer intensiv genutzten Agrarlandschaft ist der Einsatz von Pflanzenschutzmittel und Dünger hoch, so dass zum Beispiel Ackerwildkräuter und blütenreiche Randsäume keine Überlebenschance haben. Gleiches gilt für Grünland, welches außerdem bis zu sechsmal im Jahr gemäht wird. Unter diesen Bedingungen können keine artenreichen Blumenwiesen gedeihen. So werden die Spezialisten unter den Wildbienen immer seltener, und zahlreiche Arten sind bereits ausgerottet worden oder vom Aussterben bedroht.

Daher ist es wichtig, eine große Palette geeigneter Futterpflanzen im Garten zu kultivieren. Geeignet sind unter anderem:

Gewöhnlicher Hornklee

Gewöhnlicher Hornklee.
Foto: Ursula Bauer

Pflanze:
Schmetterlingsblütler (z.B.Hasenklee Trifolium arvense, Zaun-Wicke Vicia sepium, Hornklee Lotus corniculatus).
Wildbienenarten:
u.a. Mauer- und Blattschneiderbienen.

Rundblättrige Glockenblume

Rundblättrige Glockenblume. Foto: Ursula Bauer

Pflanze:
Glockenblumen (z.B. Rundblättrige Glockenblume Campanula rotundifolia, Wiesenglockenblume Campanula patula)
Wildbienenarten:
u.a. Sandbienen, Glockenblumen-Sägehornbiene, Scherenbienen

Schafgarbe

Schafgarbe
Foto: Ursula Bauer

Pflanze:
Korbblütler (z.B. Wegwarte Cichorium intybus, Rainfarn Tanecetum vulgare, Schafgarbe Achillea millefolium)
Wildbienenarten:
u.a. Löcherbienen, Hosenbienen, Seidenbienen

Thymian

Thymian
Foto: Ursula Bauer

Pflanze:
Lippenblütler (z.B. Thymian Thymus spec., Salbei Salvia spec., Minze Mentha spec.)
Wildbienenarten:
u.a. Wollbienen, Pelzbienen, Schürfbienen

Fenchel

Fenchel
Foto: Ursula Bauer

Pflanze:
Doldenblütler (z.B. Fenchel Foeniculum vulgare, Wilde Möhre Daucus carota, Engelwurz Angelica spec.)
Wildbienenarten:
Sehr viele unterschiedliche Wildbienenarten

Natürliche Nistplätze schaffen

Etwa 70% unserer heimischen Wildbienen nisten im Boden. Zum Beispiel die etwa 150 heimischen Sandbienen-Arten (Andrena spec.). An trocken-warmen, vegetationsarmen Stellen graben sie Gänge oder kleine Hohlräume in den Boden und bauen darin ihre Brutzellen, in welche die Eier gelegt werden. Einige Arten bevorzugen Sandboden, andere Lehm und wieder anderen ist die Bodenbeschaffenheit egal. Die Frühlings- und die Efeu-Seidenbiene (Colletes cunicularius und Colletes hederae) beispielsweise nistet vorrangig in Sand und ist daher oft auf Spielplätzen zu finden.

Im Handel erhältliche Samenmischung

Die Kräutergärtnerei Syringa beispielsweise bietet zwei von Experten entwickelte Samenmischungen an, die auf die Bedürfnisse der auf ganz ausgewählte Pflanzen spezialisierten, heimischen Wildbienen abgestimmt sind. Natürlich werden die Blüten außerdem von anderen Wildbienen und Insekten besucht.

Im Grunde ist es einfach, diesen Insekten zu helfen: Sie können zum Beispiel an einer sonnigen Stelle mit Sand gefüllte Blumenkästen aufstellen oder einen kleinen Sandhaufen anbieten, an einem geschützten Bereich am Haus einen Streifen ohne Bewuchs lassen oder ein Beet bewusst nicht komplett bepflanzen. Auch Blumentöpfe mit einem Sand-Erde-Gemisch werden angenommen.

Andere Wildbienen wie die Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) oder die Garten Blattschneiderbiene (Megachile willughbiella) beißen ihre Brutröhren in totes oder morsches Holz. Hier bietet sich an, im Garten zum Beispiel an einer sonnigen Stelle einen Haufen dicker Äste aufzustapeln oder einen abgestorbenen Baum einfach stehen zu lassen.

Schließlich gibt es auch noch eine Reihe von Arten, die senkrechte Strukturen bevorzugen. Pelzbienen beispielsweise nutzen geschützte Lehm- und Lößwände an Abbruchwänden von Gewässern oder in Tongruben zum Bau ihrer Nistgänge. Mit Lehm verputzte Fachwerk-Bauten oder Mauern werden auch gerne genutzt und sollten daher nach Möglichkeit einfach belassen und nicht „schön“ gemacht werden.

Ursula Bauer

Diplom-Biologin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

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