aktion tier Tierheim Teneriffa

Feier zum 20-jährigen Jubiläum

Am 21.07.2026 jährte sich die Eröffnung des aktion tier-Tierheims „Acción del sol“ auf den Tag genau zum zwanzigsten Mal. Zu diesem Anlass hatte aktion tier e.V. Vertreter aus den umliegenden Städten und Gemeinden sowie des Regierungspräsidiums eingeladen, um dieses Jubiläum gemeinsam zu begehen. Zahlreiche Repräsentanten der Verwaltung von Teneriffa waren der Einladung gefolgt und gaben dem Anlass einen feierlichen Rahmen.

Stellvertretende Bürgermeisterin Clari Perez und Holger Knieling.
Stellvertretende Bürgermeisterin Clari Perez und Holger Knieling. Foto: © aktion tier

In einer kurzen Ansprache brachte Holger Knieling, Geschäftsführer des Vereins aktion tier e.V., seine Dankbarkeit für die in vielen Fällen konstruktive Zusammenarbeit mit einzelnen Gemeinden zum Ausdruck. Gleichzeitig betonte er, welch große Anstrengung es für eine deutsche Organisation bedeutete, ein derart großes Tierheim Jahr für Jahr mit einem hohen Qualitätsanspruch zu betreiben.

„Möglich ist dies nur, weil wir eine solch große Unterstützung aus Deutschland erfahren. Ohne unsere deutschen Mitglieder wäre der Betrieb eines solchen Projektes undenkbar!“

Es ist in den letzten Jahren zwar gelungen, die Förderung durch die Gemeinden und das Regierungspräsidium „Cabildo“ zu erhöhen, aber noch immer kommt der Großteil der erforderlichen finanziellen Ressourcen für den Betrieb des Tierheims aus Deutschland.

Auch wenn die langjährige Leiterin des Projektes, Marion Gonzalez, die Tierheimleitung inzwischen an ihren Sohn Alan übergeben hat, ist ihre Person immer noch untrennbar mit diesem auf Teneriffa einmaligen Projekt verbunden. In ihrer Ansprache brachte sie vor allem ihre Dankbarkeit denjenigen gegenüber zum Ausdruck, die sich in unterschiedlichen Bereichen für das Tierheim über Jahre hinaus eingesetzt haben. Eine dieser Personen ist Manuel, der seit Jahren immer wieder zur Verfügung stand, wenn in einer der mit uns kooperierenden Gemeinden ein Hund gefunden wurde und ins Tierheim gebracht werden sollte. Egal zu welcher Tag- oder Nachtzeit – Manuel stand immer bereit, wenn wir ihn um Unterstützung gebeten haben.

Ohnehin gibt es eine breite ehrenamtliche Unterstützung für das Tierheim, die aus Menschen unterschiedlicher Nationalitäten besteht.

Aber auch staatliche Organe haben ihren Beitrag für den Erhalt des Tierheimes geleistet. Exemplarisch dafür sei das direkt angrenzende Umweltprojekt der Regierung ITER genannt, das uns aus Windkraft gewonnene Elektrizität und in Meerwasserentsalzungsanlagen produziertes Wasser zu Verfügung stellt. Auch das „Cabildo“ hat in den letzten beiden Jahren einen Fond zur Unterstützung der Tierheime auf Teneriffa bereitgestellt, von dem auch das Tierheim „Acción del sol“ großzügig profitiert hat.

Die amtierende Bürgermeisterin von Arona, Fátima Lemes Reverón, und ihre Stellvertreterin Clari Perez ließen es sich nicht nehmen, persönlich an der Veranstaltung teilzunehmen. Zu diesem Anlass übergaben sie im Namen der Gemeinde eine gravierte Plakette, in der sie ihre Dankbarkeit für die gute Zusammenarbeit und ihre Wertschätzung der tiergerechten Unterbringung in unserem Tierheim zum Ausdruck brachten. Immer mehr spanische Gemeinden betrachten es als wichtig, dass die in ihrem Gebiet aufgefundenen Straßenhunde nicht nur irgendwie verwahrt werden, sondern wünschen sich eine bedarfsgerechte Versorgung, verbunden mit der Möglichkeit, möglichst schnell ein neues Zuhause finden zu können.

Diesem Anspruch wollen auch wir gerecht werden. Allerdings können wir momentan nicht allen Anfragen von Kommunen gerecht werden, die eine Zusammenarbeit mit uns anstreben. Um ein derartiges Tierheim handlungsfähig betreiben zu können, bedarf es immer wieder der Bereitstellung freier Kapazitäten, um aufgefundene Straßenhunde unverzüglich aufnehmen zu können. Dies kann nur gelingen, wenn eine entsprechend hohe Anzahl von Tieren in ein neues Zuhause vermittelt werden kann. In den zurückliegenden Jahren wurde ungefähr die Hälfte der inzwischen rund 10.000 aufgenommenen Hunde auf Teneriffa vermittelt, während die andere Hälfte mit Hilfe unserer Projektpartner in Deutschland an neue Besitzer übergeben werden konnte. Möglich war dies nur, weil sich eine entsprechende Anzahl an Flugpaten finden ließ, die die Hunde im Flugzeug nach Deutschland überführten. Leider bieten inzwischen immer weniger Fluggesellschaften den Service an, bis zu drei Hunden in den Maschinen mitnehmen zu können. Dies macht es immer schwieriger, trotz einer entsprechenden Nachfrage, eine Vermittlung in Deutschland in die Tat umzusetzen. Dort erfreuen sich die Hunde aus dem Tierheim Teneriffa einer großen Beliebtheit, da diese bereits alle notwendigen medizinischen Behandlungen erhalten haben und die in die Auswahl einbezogenen Tiere eine hohe soziale Verträglichkeit an den Tag legen.

Eine Herausforderung stellt die inzwischen stark angewachsene Anzahl der sogenannten „Listenhunde“ dar, die in der Praxis so gut wie unvermittelbar sind. Dies ist in Spanien dadurch bedingt, dass die Anforderungen an die Haltung dieser Hunde derart hoch sind, dass kaum jemand bereit ist, diese zu erfüllen. Eine Vermittlung in Deutschland kann ebenfalls nicht durchgeführt werden, da die Fluggesellschaften einen Transport dieser Tiere kategorisch ausschließt. Völlig unabhängig davon, ob diese Hunde sozialverträglich sind oder nicht, müssen sie teilweise jahrelang im Tierheim bleiben. Eine für uns unerträgliche Situation, die wir jedoch ohne die Hilfe anderer nicht selber lösen können.

Trotz aller anstehenden Herausforderungen kann man dennoch feststellen, dass bei vielen der umliegenden Gemeinden ein Umdenken im Umgang mit den Straßenhunden der Insel festzustellen ist.

Vielen Menschen ist es wichtig, sich ihrer Verantwortung zu stellen und diesen Tieren eine qualitativ hochwertige Unterbringung zu ermöglichen. Die Gemeinde Candelaria hatte extra zwei Vertreterinnen entsendet, um ihrem Wunsch Ausdruck zu verleihen, mit uns zusammenzuarbeiten. Dabei wurde deutlich gemacht, dass unser Tierheim ihren Vorstellungen eines humanen Umganges mit den Hunden am nächsten käme, obwohl die Gemeinde nicht im nahen Einzugsbereich des Tierheims angesiedelt ist. Wir werden versuchen, diesem Wunsch nachzukommen, da die Gemeinde Candelaria auch in anderen Bereichen des Tier- und Umweltschutzes sehr engagiert ist.

Philipp Wiese und Olavo de Almeida vom aktion tier-Aufklärungsteam unternahmen einen Spaziergang mit ein paar Hunden.
Philipp Wiese und Olavo de Almeida vom aktion tier-Aufklärungsteam unternahmen einen Spaziergang mit ein paar Hunden. Foto: © aktion tier

„Ich bin gerne nach Teneriffa gereist, um hier bei der Vorbereitung und Durchführung des Jubiläums zu helfen. Gleichzeitig lernte ich das Projekt kennen und muss zugeben, dass ich von dem Tierheim sehr beeindruckt bin“, sagt Philipp, der aus Schleswig-Holstein kommt. Der bei der Fertigstellung des Tierheims noch völlig unbepflanzte Vorplatz ist inzwischen zu einer grünen Oase geworden. In der Mitte befindet sich ein kreisförmiges Rondell mit darum befindlichen Sitzplätzen, an dem auch die Zusammenkunft zum 20-jährigen Jubiläum stattfand. In der Regel ist dies jedoch der Ort, an dem sich Schulkinder zusammenfinden, die anlässlich eines Besuchs im Tierheim dort Tierschutzunterricht erhalten. Seit Bestehen des Tierheims konnten so annähernd 100.000 Schulkinder erreicht werden, die entweder das Tierheim besucht haben oder von uns in ihren Schulen besucht wurden

Philipp und Osazuwa mit Olavo im Kostüm.
Philipp und Osazuwa mit Olavo im Kostüm. Foto: © aktion tier

„Eine beeindruckende Zahl!“, sagt Olavo, der in Brasilien geboren wurde und in Deutschland aufgewachsen ist. „Mir war es schon immer wichtig, dass einer jüngeren Generation der Respekt vor Tier und Natur vermittelt wird. Das versuche ich auch im Rahmen meiner Tätigkeit und vielen Gesprächen mit der Bevölkerung in Deutschland zu erreichen“. Auch Osazuwa, der aus Stuttgart angereist war, zeigte sich sehr beeindruckt: „Ein tolles Projekt und Respekt für Marion, Alan und alle anderen Beteiligten, die dieses Projekt hier aufgebaut haben!“. Trotz aller zum Ausdruck gebrachten Bewunderung kannte Tierheimleiter Alan Gonzalez dennoch kein Erbarmen: Die angereisten Mitarbeiter mussten sich in der Reinigung der Tierunterkünfte, der Pflege einzelner Hunde und ausgiebigen Gassi-Gängen bewähren. Olavo wurde zudem die undankbare Aufgabe zuteil, in einem übergroßen Hundekostüm die Besucher der Jubiläumsfeier zu begrüßen. In Anbetracht der dort herrschenden hochsommerlichen Temperaturen wahrlich kein Vergnügen! 

Der Tierschutzunterricht auf Teneriffa kommt immer gut an.
Der Tierschutzunterricht auf Teneriffa kommt immer gut an. Foto: © aktion tier