Wenn man sich auf die reinen Fakten beschränkt, kann man das durchaus mit Fug und Recht behaupten. Rund 5000 Hunde fanden in dieser Zeit eine Aufnahme und wurden in der Einrichtung ihren Bedürfnissen entsprechend betreut. Die tierheimeigene Tierarztpraxis ermöglicht es, annähend fast alle notwendigen tiermedizinischen Maßnahmen vor Ort durchführen zu können. Rund 98 % aller bis jetzt aufgenommenen Tiere konnten in ein neues Zuhause vermittelt werden; davon ca. die Hälfe vor Ort, die andere Hälfte über unsere Projektpartner oder vereinseigenen Tierheime hier in Deutschland. Und nicht zu vergessen wurden Arbeitsplätze außerhalb der Tourismusbranche geschaffen; für eine fast vollständig vom Reisefieber der Menschen abhängige Insel wie Teneriffa ein nicht ganz unerheblicher Aspekt.
20 Jahre Tierschutz auf Teneriffa!
Am 21. Juli 2026 wird es auf den Tag genau 20 Jahre her sein, dass das aktion tier-Tierheim „Acción del Sol“ auf Teneriffa mit prominenter Begleitung offiziell eingeweiht wurde. Nach rund 1,5 Jahren Bauzeit und einer Vielzahl von kleineren und größeren Hindernissen war auf der beliebten spanischen Ferieninsel eines der modernsten Tierheime in ganz Südeuropa errichtet worden. Eine Erfolgsgeschichte?

Betrachtet man jedoch nüchtern alle Ziele, die wir uns damals in unser Aufgabenheft geschrieben haben, fällt die Bilanz der letzten 20 Jahre in einzelnen Belangen aber nicht immer so positiv aus. Begonnen hat alles mit einer Initiative der Inselregierung, deren damaliger Ministerpräsident Don Ricardo Melchior sich an uns gewandt hatte. Auf einem illegal besetzen Gelände hatte ein „Tierschützer“ eine Anzahl von fast 300 Hunden zusammengepfercht, die dort weder eine bedarfsgerechte Unterkunft noch eine notwendige Versorgung gefunden hatten. Diese Zustände zu beenden war ein wesentliches Ziel der Verantwortlichen. Im weiteren Verlauf kamen Vertreter des sogenannten „Cabildo“, unter dessen Dach die Verwaltung von Teneriffa zusammengefasst ist, und unser Verein überein, dass uns ein entsprechendes Grundstück im Süden der Insel zur Verfügung gestellt wird, auf dem das neue Tierheim errichtet werden kann.
Zudem würden über ein direkt angrenzendes Umweltprojekt der Regierung nachhaltig erzeugte Windenergie zur Stromversorgung und aus Meerwasser gewonnenes Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden. Im Gegenzug sollten die erbärmlich gehaltenen Hunde in das neue Tierheim überführt werden.
Vor diesem Hintergrund konnte mit dem Neubau begonnen werden, und nach dessen Fertigstellung wurden umgehend die Voraussetzungen für die Aufnahme der Hunde geschaffen.
Allein dieses Procedere stellte die erste Mammutaufgabe dar, denn eine derart große Anzahl von Tieren mit völlig unklarem Gesundheitszustand konnte nicht einfach so überführt werden, sondern musste mühsam in kleinen Gruppen nach entsprechender tiermedizinischer Behandlung, Impfung, Entwurmung und Quarantäne sukzessive nach und nach in ihr neues Zuhause gebracht werden. Nachdem dieser über Monate andauernde Prozess nahezu vollständig abgeschlossen war, teilte uns besagter „Tierschützer“ plötzlich mit, dass die letzten verbliebenen Hunde seine privaten Hunde seien, die er nicht in das neue Tierheim überführen wolle. Als wir unser Unverständnis darüber zum Ausdruck brachten und diesem Vorgehen eine Absage erteilten, brachte er die Hunde ohne unser Wissen an einen anderen Ort. Dafür war er sogar bereit, den ihm zugesagten Arbeitsplatz im Tierheim zu verlieren.
Wer ähnlich wie wir damals mit Fassungslosigkeit auf dieses Verhalten reagiert, dem sei gesagt, dass es eine simple Erklärung gibt. Es gelingt leider vielen Menschen an vielen Orten der Welt, sich über einen langen Zeitraum als außerordentlich engagierte Tierschützer zu generieren, denen angeblich das eigene Wohl nicht so sehr am Herzen liegt, wie das der Tiere. Dank Social Media und mit entsprechender eigener Darstellung und einer oftmals unkritischen Anhängerschaft werden sie über lange Jahre nicht als das wahrgenommen, was sie tatsächlich sind, nämlich Animal-Hoarder (Menschen, die Tiere sammeln). Gleichzeitig darf man nicht unterschätzen, in welchem Umfang daraus auch eine finanzielle Unterstützung resultieren kann. Kaum einer der sicherlich aus edlen Motiven heraus handelnden Unterstützer stellt sich die Frage, woraus denn diese Personen ihren eigenen Unterhalt bestreiten, wenn sie doch 365 Tage im Jahr nur für die Tiere da sind. Wir erleben es in unserem Tierheim annähernd jeden Tag: Ein sauberes Tierheim mit gepflegten und versorgten Tieren wird wohlwollend wahrgenommen, eine Unterstützung jedoch eher dort hinterlassen, wo es besonders erbärmlich aussieht…
Und so bleibt am Ende eine sehr zynische Antwort auf die Frage, warum diese Person ein auf den ersten Blick völlig irrationales Verhalten an den Tag gelegt hat: keine Hunde, kein Geld. Es dauerte auch nur wenige Monate, bis auf einem anderen Grundstück der Hundebestand wieder bis auf weit über 100 Tiere angewachsen war. Somit war statt der angestrebten Lösung des Problems lediglich eine Verlagerung dessen vorgenommen worden und zeigt exemplarisch, dass viele Probleme im Tierschutz lösbar wären, wenn nicht das Verhalten einzelner Menschen diese Lösung immer wieder torpedieren würde.
Rund 5000 Hunde
wurden in den letzten 20 Jahren im aktion tier-Tierheim Acción del Sol aufgenommen und ihren Bedürfnissen entsprechend betreut. 98 % der Tiere konnten in ein neues Zuhause vermittelt werden.
Mit der Neuerrichtung des Tierheimes war auch unsere Hoffnung verbunden, mit den umliegenden Gemeinden eine nachhaltige Zusammenarbeit im Tierschutz beginnen zu können.
Ähnlich wie in Deutschland sollte der Versuch unternommen werden, Fundtierverträge zur Aufnahme von entlaufenden Hunden abzuschließen und auf diesem Wege auch eine finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand an den laufenden Betriebskosten zu erreichen. Dieses Unterfangen war nur in Teilbereichen erfolgreich und sehr stark an die jeweiligen politischen Gegebenheiten bzw. im Amt befindlichen Bürgermeistern und Leiter der Ordnungsämter geknüpft. Auch wenn inzwischen immer wieder einzelne Politiker den Versuch unternommen haben, vorhandene Missstände im Tierschutz nachhaltig zu beseitigen, wurden diese Bemühungen nach einem Machtwechsel im Amt häufig wieder eingestellt. Dennoch gibt es einzelne Gemeinden, mit denen wir bereits seit Anbeginn an zusammenarbeiten.
Im letzten Jahr hat auch erstmals das „Cabildo“ einen nennenswerten Betrag zur Verfügung gestellt, um Unterstützung für den Betrieb des Tierheimes bereitzustellen. Nach uns vorliegenden Erkenntnissen soll dies auch im aktuellen Jahr 2026 erfolgen. Dafür sind wir sehr dankbar, da die laufenden Betriebskosten und steigenden Preise eine große Herausforderung darstellen, die zum überwiegenden Teil von unserm Verein aus Deutschland getragen werden müssen. Dennoch würden wir uns eine intensivere Zusammenarbeit wünschen, da viele der Probleme des Tierheims einfach nicht von uns allein gelöst werden können. So ist es in Spanien gesetzlich vorgeschrieben, sein eigenes Haustier mit Chip oder Kennzeichnung zu versehen, um bei einem Entlaufen eine möglichst schnelle Rückführung sicherstellen zu können. Dem kommen leider nur wenige Tierbesitzer tatsächlich nach, so dass es in vielen Fällen mehr als schwierig ist, in den Gemeinden aufgefundene Hunde einem Besitzer zuzuordnen. Hier bedarf es mehr Kontrollen oder Aufklärung seitens der Gemeinden. Gleiches gilt für die in Spanien immer noch beliebte Kaninchenjagd, die traditionell mit Hunderassen wie Galgos oder Podencos durchgeführt wird, die extra dafür gezüchtet werden. Nach Ende der Jagdsaison werden immer wieder gerade ältere oder nicht gesunde Tiere von skrupellosen Jägern einfach ausgesetzt und landen anschließend bei uns im Tierheim (wenn sie Glück haben). Im Tierheim befindet sich inzwischen eine nicht unbeträchtliche Anzahl dieser Hunde ohne eine große Chance auf ein neues Zuhause. Gleiches gilt für die sogenannten „Listenhunde“, deren Vermittlung sehr aufwändig oder aber auch überhaupt nicht möglich ist.
Letzten Endes ist jedoch jedes noch so ambitionierte Projekt zum Scheitern verurteilt, wenn es nicht gelingt, die passenden Personen dafür zu finden, die mit vollem Einsatz und weit über ein normales Maß hinaus dieses mit Leben erfüllen.
Glücklicherweise ist uns das gelungen, denn mit Marion Gonzalez konnte kurz nach der Fertigstellung eine Leiterin gefunden werden, die das Tierheim „Acción del Sol“ im wahrsten Sinne des Wortes zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht hat. Inzwischen hat ihr Sohn Alan die Tierheimleitung übernommen und führt diese Arbeit verantwortungsbewusst aus. Dennoch ist Marion immer noch dicht am Tierheim dran, und wer sie kennt, weiß, dass Ruhestand nicht so „ihr Ding“ ist. Dies gilt vor allem für einen Bereich, den sie erst im Laufe der Jahre selbst aufgebaut hat. Gemäß unserem Verständnis, dass die Versorgung von Tieren zwar wichtig ist, aber nicht die eigentliche Lösung des Problems darstellt, hat Marion vor vielen Jahren begonnen, Kindern und Jugendlichen in Form von Tierschutzunterricht und Besuchen im Tierheim einen verantwortungsvollen Umgang mit Tier und Natur nahezubringen. Sie besucht auch weiterhin regelmäßig Schulen auf der Insel, die inzwischen überwiegend dieses Thema als ein sehr wichtiges erkannt haben. Gerade auf Teneriffa als eine vom Tourismus abhängige Insel mit allen daraus resultierenden Problemen werden derart viele Umweltsünden begangen, dass man befürchten muss, das eigentliche Kapital der Insel, nämlich die einzigartige Natur, auf Dauer verloren geht. Nachhaltig denkende Menschen vor Ort haben das erkannt und wissen unser Bemühen um die präventive Tier- und Umweltbildung zu schätzen.
Am eigentlichen Jubiläumstag wird es im Juli 2026 lediglich einen kleinen Festakt geben, zu dem wir Entscheidungsträger aus der Region eingeladen haben. Dies in der Hoffnung, bei dieser Gelegenheit anstehende Probleme ansprechen und gemeinsam mit den lokalen Verantwortlichen lösen zu können. Nur gemeinsam können wir unserem ursprünglichen Ansatz gerecht werden, auf der Insel Teneriffa Strukturen zu schaffen, die die Anzahl der ausgesetzten Hunde nachhaltig verringern und einer nachfolgenden Generation eine einzigartige Natur zu erhalten, die Urlauber aus ganz Europa erfreut. Zum Glück auch in Deutschland, so dass viele unserer Mitglieder inzwischen einen Aufenthalt auf Teneriffa mit einem Besuch des Tierheims verbunden und uns im Anschluss ein überwältigend positives Feedback gegeben haben.
Und eines sollte man auch an dieser Stelle klar und deutlich betonen:
Ohne die Unterstützung der Mitglieder aus Deutschland wäre dieses Projekt in Spanien überhaupt nicht möglich!

















