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Stadttauben: Gefiederte Obdachlose

Stadttauben haben es in Deutschland schwer. Sie werden gehasst und verfolgt, weil sie in Scharen auftreten und bettelnd zwischen unseren Füßen herumlaufen, weil ihre Exkremente Gebäude und Plätze verschmutzen und weil sie angeblich schreckliche Krankheiten verbreiten.

15. Januar 2018
Ein Beitrag von Ursula Bauer
Wir sind für das Elend der Stadttauben verantwortlich. Foto: © Ursula Bauer

Es wird viel unternommen, um die Vögel zu vertreiben, aber wenig, um ihnen zu helfen. Dieser Flyer liefert Informationen und Fakten gegen weit verbreitete Vorurteile. Er soll Verständnis und Mitgefühl für das schwere Los der gefiederten Obdachlosen in unseren Städten wecken und Wege aufzeigen, die ein friedliches Miteinander ermöglichen können.

Wildtauben und Haustauben

Bei uns in Mitteleuropa kommen diese vier Wildtaubenarten vor:Die Stammform aller Haustauben ist die natürlicherweise rund um das Mittelmeer beheimatete Felsentaube (Columba livia). Aus dieser Wildtaube wurden mehr als 800 Rassen von Haustauben gezüchtet, die unter anderem als Flugtauben (Brieftauben), zur Fleisch- und Eierproduktion oder zu Ausstellungszwecken gehalten werden.

Begehrter Taubenmist

Bereits im Alten Ägypten (viertes Jahrtausend vor Christus) soll die domestizierte Form der Felsentaube in speziellen Taubenschlägen gehalten worden sein. Später verbreiteten dann die Römer die Haustauben-Haltung in Nordafrika und Mitteleuropa. Was heute Anlass zu Ärger und Beschwerden gibt, war früher heiß begehrt: der Taubenkot.

Ägypter, Assyrer, Phönizier und Griechen hielten die Vögel sogar in erster Linie wegen ihrer Exkremente, die bei Gärtnern und Bauern als wertvoller Dünger geschätzt wurden. Teilweise hat man die Taubentürme sogar nach jeder Kotentnahme zugemauert, um zu verhindern, dass der Dung gestohlen wurde.

Stadttauben sind verwilderte Haustauben!

Bis zum zweiten Weltkrieg hielten viele Städter Haustauben vor allem als Fleisch- und Eierlieferanten. Während des Krieges wurden auch die meisten Taubenschläge zerstört. Zu den „ausgebombten“ Vögeln gesellten sich zahllose Tiere, die aus Mangel an Futter von ihren Züchtern vor die Tür gesetzt wurden.

In den Ruinen fanden die herrenlosen Tauben gute Brutbedingungen und, mit zunehmendem Wohlstand in der Nachkriegszeit, auch genug Futter. Bis heute stranden regelmäßig Rasse- und vor allem Brieftauben in unseren Städten. Zum Beispiel, weil sie sich verfliegen, vor Erschöpfung nicht mehr weiterkönnen oder von Greifvögeln von ihrem Kurs abgebracht wurden. Diese Haustauben schließen sich dann den vorhandenen Stadttauben an und verpaaren sich mit diesen.

Wer soll das bezahlen?

Durch das dargestellte Stadttaubenkonzept könnten die bisherigen, immensen Reinigungskosten deutlich reduziert werden. Die gesparten Mittel müssen jedoch zur Realisierung der Stadttauben-Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden, damit Privatpersonen und Tierschutzvereinen, die sich aktuell im Stadttaubenschutz engagieren, nicht der Atem ausgeht.

Verursacher in die Pflicht nehmen

Taubenzucht und -sport gehören zu den direkten Verursachern des Stadttauben-Problems, denn durch sie kommen immer wieder neue verirrte und erschöpfte Tauben in unsere Städte. Daher braucht es neben einem tierschutzgerechten Stadttaubenmanagement auch Regelungen zur Bekämpfung dieser Ursachen.

Kampagnenvideo

aktion tier- Aufklärungskampagne

Im Jahr 2018 haben wir den Stadttauben eine Kampagne mit zahlreichen Informationsveranstaltungen gewidmet. Den Auftakt bildete eine große Ausstellung im A10 Center im brandenburgischen Wildau. Mit zahlreichen Objekten und über 50 lebensgroßen Kunsttauben haben wir die Probleme wie beispielsweise die Verschmutzung von Gebäuden und Plätzen durch Taubenkot verdeutlicht. Auch die aus Tierschutzsicht harten Bedingungen, unter denen die Vögel in unseren Städten leben müssen, wurden visualisiert. Schließlich wurde aber auch die Lösung der Probleme durch ein tierschutzgerechtes Stadttaubenmanagement dargestellt. Da der wichtigste Aspekt hierbei betreute Taubenschläge ist, hatten wir unter anderem einen Mini-Taubenschlag mit Nestern aufgestellt, wo Besucher echte Taubeneier durch Kunsteier austauschen konnten.

Download

Kampagnenflyer: Stadttauben - gefiederte Obdachlose

Unseren Infoflyer zur Kampagne „Stadttauben – gefiederte Obdachlose“ können Sie hier kostenlos herunterladen.

Dipl. Biologin Ursula Bauer

Geschäftsstelle Berlin

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