Wildtierhilfe

aktion tier Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen

Die aktion tier Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen (Niedersachsen) ist eine staatlich anerkannte Auffangstation für Wildtiere. Jährlich finden rund 2500 verletzte oder verwaiste heimische wie auch exotische Wildtiere Hilfe in der Station. Zudem werden verschiedene Artenschutzprogramme umgesetzt.

Die Wildtier- und Artenschutzstation ist seit dem Jahr 2004 ein Gemeinschaftsprojekt von der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen und aktion tier e.V. Foto: © aktion tier e.V./Bauer

Hilfe für Wildtiere in Not

Verletzte und verwaiste Wildtiere aller Arten werden auf dem 20 ha großen Gelände der Wildtierstation versorgt und untergebracht, bis sie wieder gesund sind. Wenn möglich, werden sie dann wieder ausgewildert: das ist immer das oberste Ziel. Zu den tierischen Patienten der Wildtierstation gehören Luchse, Schildkröten, Papageien, Greifvögel, Wasservögel, Störche, Rehe, Füchse, Hasen, Eichhörnchen, Igel, Siebenschläfer und viele andere Tierarten. Zudem können hier Exoten und sogenannte Gefahrtiere untergebracht werden.

Aktiv im Artenschutz

Die Wildtierstation führt verschiedene Artenschutzprojekte durch, um heimische Wildtierarten zu erhalten. Hier einige Beispiele:

Bestandsstützung der Wechselkröte

Seit dem Frühjahr 2019 ist die Wildtier- und Artenschutzstation an einem Projekt zum Schutz der Wechselkröte (Bufotes viridis) beteiligt. Die Wechselkröte steht in Niedersachsen auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht. Sie hat in den letzten 100 Jahren rund 80% ihres niedersächsischen Bestandes eingebüßt und kommt nur noch in den Landkreisen Wolfenbüttel und Helmstedt an wenigen Standorten vor.

Wiederansiedlung des Europäischen Nerzes

Im Jahr 2010 startete ein lange vorbereitetes Wiederansiedlungsprojekt, um den Europäischen Nerz am Steinhuder Meer wieder heimisch zu machen. Europäische Nerze starben etwa 1925 in Deutschland aus. Gründe dafür waren vor allem die Vernichtung der Lebensräume der an Sumpf- und Gewässerbiotope angepassten Art und die direkte Verfolgung als Pelztier. Das Gemeinschaftsprojekt ist erfolgreich: Eine der seltensten Tierarten in Europa lebt heutzutage wieder am niedersächsischen Steinhuder Meer und pflanzt sich dort auch erfolgreich fort.

Wiederansiedlungsprojekt für die Moorente

Die Moorente (Aythya nyroca) ist eine weltweit gefährdete Vogelart. Der letzte Brutnachweis vom Steinhuder Meer (Niedersachsen) stammte vor Projektbeginn aus dem Jahr 1980. Ziel dieses Projektes war es, die Moorente in Niedersachsen wieder heimisch zu machen. Das Projekt konnte erfolgreich abgeschlossen werden: Insgesamt wurden 798 Moorenten ausgewildert.

Wiederansiedlung des Steinkauzes

Insgesamt 41 Steinkauze wuchsen in der Wildtierstation Sachsenhagen heran, um dieses Artenschutzprojekt zu unterstützen. Die Vögel wurden im nördlichen Harzvorland wiederangesiedelt.

 

Europäische Sumpfschildkröte in der Wildtierstation.

Aufklärungsarbeit

In der Wildtierstation wird eine umfangreiche Aufklärungsarbeit durch Tätigkeiten in der Umweltpädagogik zum Wohle der einheimischen Tierwelt geleistet. Denn falsche Haltung und Unkenntnis der Artenschutzgesetze führen oft zu Problemen! Das Team der Pflegestation berät über den artgerechten Umgang mit Wildtieren und zur Haltung von Exoten wie Papageien und Reptilien. Bei Stationsführungen können Interessierte mehr über den Artenschutz und die Arbeit in der Station erfahren. Zudem gibt es auf dem Gelände ein aktion tier- Tierschutzzimmer, um gezielt jungen Menschen Tiere und die Natur näherzubringen.

Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen

Seit den 90er-Jahren wird die von der Landesregierung Niedersachsen behördlich anerkannte Wildtierstation auch zur Unterbringung beschlagnahmter exotischer und heimischer Wildtiere genutzt. Behördlich beschlagnahmte Papageien, Reptilien und nicht mehr wildbahntaugliche Tiere werden an wissenschaftlich geführte Tierparks und Zoos weitervermittelt.

Dieser Wüstenluchs war beschlagnahmt worden, weil seine Halterin ihn mitten in einem Wohngebiet in einer Wohnung gehalten hatte. Nun ist er in der Wildtierstation.

Die aktion tier Wildtier- und Artenschutzstation ist seit dem Jahr 2004 ein Gemeinschaftsprojekt von der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen und aktion tier – menschen für tiere e.V.  Die Station wurde 1982 auf Gut Düendorf bei Wunsdorf ursprünglich als Auffangstation für Eulen und Greifvögel gegründet. Seit dem Jahr 2001 befindet sich die Wildtierstation im Stadtwald von Sachsenhagen.

Gefahrtierhaltung

Die aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen hat als eine von wenigen Einrichtungen vom Landkreis Schaumburg die Genehmigung zur Haltung von sogenannten Gefahrtieren erhalten. Denn oft sind es gefährliche Tiere wie Giftschlangen, Raubkatzen, Skorpione oder andere giftige Tiere, die in den Händen verantwortungsloser Halter gefunden werden. Die Haltung solcher Tiere ist nicht bundesweit einheitlich geregelt, aber natürlich müssen immer höchste Sicherheitsanforderungen erfüllt sein, so dass niemand gefährdet werden kann!

Damit die aktion tier Wildtierstation Gefahrtiere aufnehmen kann, waren umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter, die Erstellung von Notfallplänen und nicht zuletzt die Ausstattung von Räumen mit Schleusen und sicheren Terrarien nötig, in denen diese Tiere gefahrlos verwahrt werden können.

Wolf in der aktion tier Wildtierstation
Im Fall des "Rätselwolfes" musste das Team der Wildtierstation erst einmal herausfinden, ob es sich um einen Hund oder einen Wolf handelte. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen / Brandes

Wolfsberatung in Niedersachsen

Stationsleiter Dr. Florian Brandes und Jürgen Müller wurden im Juli 2014 vom Niedersächsischen Umweltministerium zu Wolfsberatern für den Landkreis Schaumburg ernannt. Aufgaben der Wolfsberater für ihr jeweiliges Gebiet sind:

  • Kontinuierliche Mitwirkung bei der Datenerhebung zu wild lebenden Wölfen und Weitergabe der Daten an die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., den NLWKN und die unteren Naturschutzbehörden
  • Recherche, Aufnahme und Überprüfung von Wolfsbeobachtungen, Spurenhinweisen etc.
  • Erstsicherung und –begutachtung bei Übergriffen auf Nutztiere
  • Beratung, praktische Unterstützung und Information beteiligter Interessengruppen (z.B. Nutztierhalter, Jäger, Förster) sowie der allgemeinen Öffentlichkeit.

 

Kontakt

Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen

Florian Brandes Wildtier- und Artenschutzstation e.V. Hohe Warte 1 31553   Sachsenhagen
Deutschland

Tel.: +49 5725 708730
E-Mail: info[at]wildtierstation.de
Website: http://www.wildtierstation.de

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