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Knochen füttern „ja“ oder „nein“? – Die Gretchenfrage

Hundebesitzer lieben ihre Tiere. Was liegt da näher, als ihnen ab und zu mal einen ganz besonderen Leckerbissen zu gönnen. Gesund soll die Zwischenmahlzeit sein und am besten auch noch aus natürlichen Zutaten bestehen. Im Idealfall ist der Vierbeiner mit dem Genusshappen über einen längeren Zeitraum beschäftigt, und Spaß machen soll die Knabberei auch noch.

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Auch wenn Hunde Knochen lieben — bestimmte Kriterien muss man beachten.
Auch wenn Hunde Knochen lieben — bestimmte Kriterien muss man beachten. Foto: Carsten/Pixabay

Bei der Überlegung, was man seinem Schatz denn Gutes tun könnte, landet man zwangsläufig irgendwann bei der Frage, ob man dem Hund Knochen füttern darf. Denn eben dieser erfüllt auf den ersten Blick alle oben genannten Kriterien. Knochen bestehen aus unverarbeiteten Nährstoffen und liefern dem Tier über längere Zeit Unterhaltung. Doch sind sie wirklich gesund für meinen Hund? Und wenn ja, welche Knochenarten und in welcher Menge darf ich sie meinem Schatz geben? Diese Fragen sind gar nicht so leicht zu beantworten. Es gibt gute Argumente für das Verfüttern von Knochen aber eben leider auch etliche, die dagegensprechen.

Beginnen wir mit den „Pros“. Ganz vorne steht hier der Spaßfaktor. Die Vierbeiner lieben es, genüsslich auf den Knochenstücken herum zu kauen. Von allen Seiten wird geschabt und genagt, und hat man endlich alle Seiten bearbeitet, beginnt das Spiel von vorne. Schöner Nebeneffekt: Durch das intensive Bearbeiten der Knochenmasse wird beginnendem Zahnbelag der Garaus gemacht. Durch die Reibebewegungen wird er regelrecht abgerubbelt, fast wie beim Zähne putzen. Und lecker ist das Ganze natürlich auch. Je mehr Fleisch anhaftet, umso besser. Das war es nun aber auch schon mit den positiven Aspekten der Knochenfütterung. So schön es auch ist – es gibt einige Gefahren, die diese Art der Nascherei mit sich bringt. Vor allem Tiere, die gerne schnell alles hinunterschlingen, neigen zu Problemen nach der Knochenmahlzeit.

Für viele Hunde ist das Abnagen eines Knochens eine gute Beschäftigungstherapie.
Für viele Hunde ist das Abnagen eines Knochens eine gute Beschäftigungstherapie. Foto: © AdobeStock/alexei_tm

Daher nun zu den „Cons“ wie man auf Neudeutsch sagt. Die Knochenmasse kann zu massiven Verstopfungen führen. Betroffene Tiere können keinen Kot mehr absetzen. Manchmal gelingt es dem Tierarzt, den Darm vom Anus her auszuräumen. Wenn nicht, hilft nur eine Operation, bei der der Darm eröffnet wird und der Chirurg den harten Knochenzement entfernt. Zudem können Knochen splittern. Beim Bruch entstehen scharfe Kanten, die die Magenwand schädigen oder den Darm gar durchbohren können. Aus diesem Grund sollten auch keine Hühnerknochen verfüttert werden. Sie haben in ihrem Innenraum kleine Luftbläschen. Bricht so ein mit Blasen durchsetzter Knochen, ist dieser besonders scharfkantig. Da starkes Erhitzen Knochen zudem brüchig machen kann, sollten Knochen besser roh verfüttert werden. Dieser Punkt führt aber dazu, dass Schweineknochen schonmal gänzlich ausfallen, da Schweinefleisch nicht roh verfüttert werden darf. Es kann das für Menschen ungefährliche Aujeszky-Virus enthalten, das beim Hund eine Tollwut ähnliche Symptomatik auslöst. Tierbesitzer greifen daher dann gerne zu Markknochen. Hierbei handelt es sich um die langen Röhrenknochen vom Rind, in deren Innerem das rote Mark steckt, das Hunde gerne herauslecken. Doch auch diese ringartigen Knochenstücke bergen große Risiken – nur zu gern stülpen sie sich über den Unterkiefer und verkanten sich. Oft können sie nur mit einer Knochensäge zerteilt und auf diese Weise entfernt werden. Auch hierfür muss das Haustier in aller Regel narkotisiert werden, um zu gewährleisten, dass es sich bei den Sägearbeiten ruhig verhält und nicht verletzt wird. Große Mengen Knochen bringen zudem den Nährstoffhaushalt durcheinander. Da sie sehr mineralienhaltig sind, kann es zum Ungleichgewicht in der Versorgungssituation führen.

Markknochen vom Rind verkeilt sich gerne im Maul.
Markknochen vom Rind verkeilt sich gerne im Maul. Foto: © Dr. Tina Hölscher, aktion tier

Was bleibt? Knochenfütterung ist risikobehaftet.

Wenn Tierbesitzer unbedingt Knochen füttern wollen, dann sollten sie folgende Punkte beachten:

  • Mit der Gabe von wenig Knochensubstanz beginnen, so dass sich der Magen-DarmTrakt des Hundes an das neue Substrat gewöhnen kann. Der Besitzer kann auf diese Weise in Ruhe beobachten, wie sein Liebling das unbekannte Futtermittel verdaut. 
  • Insgesamt sollte die Knochenfütterung nur einen sehr kleinen Anteil der Gesamtmenge an Futter ausmachen, da sonst die Nährstoffversorgung aus dem Ruder laufen kann. 
  • Da Knochen nicht stark erhitzt werden dürfen, muss die Fütterung roh erfolgen. Das bringt mit sich, dass kein Schweinefleisch zum Einsatz kommen darf. Die Ware muss superfrisch sein, da ansonsten eine Keimbelastung vorliegt, die zu Durchfällen führt. 
  • Wenn Markknochen verfüttern werden, dann vorher in Stücke teilen, keine ganzen Ringe anbieten. 
  • Hühnerhälse, Kalbsrippen oder Lammknochen eignen sich gut, sie sind nicht spröde und brechen nicht scharfkantig

Welpen und junge Hunde sollten in keinem Fall Knochen bekommen.

Ihr Verdauungstrakt und hier vor allem ihr Gebiss ist nicht in der Lage, Knochen entsprechend zu verarbeiten. Außerdem brauchen junge Tiere eine ausgewogene Versorgung mit Mineralstoffen. Bekommen sie zum normalen Futter Knochen, kann es hier zu einer Überversorgung kommen, die in ernste Krankheitsbilder münden kann.

Fazit:

Entscheiden muss jeder Tierbesitzer selbst. Ob die Freude am Kauen die Risiken einer Knochenfütterung aufwiegt liegt, in seinem Ermessen.

Dr. med. vet. Tina Hölscher

Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.