aktion tier Eichhörnchenhilfe | Eichhörnchenschutz

Alarmstufe Rot!

Im Jahr 2025 wurden rund 50 Eichhörnchen aufgenommen – viele davon in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen. Mehrfach mussten Tiere vor Ort eingefangen werden, um sie aus akuten Gefahrenlagen zu retten oder medizinisch zu versorgen. Die langjährige Erfahrung zeigt dabei einen deutlichen Negativtrend: Im Vergleich zu früheren Jahren wirken die Bestände zunehmend geschwächt, und viele Stationen teilen die Einschätzung, dass die Tiere an den Beginn eines ernsthaften Rückgangs geraten sind.

Foto: © aktion tier-Eichhörnchenhilfe

Als Ursachen gelten vor allem Klimaveränderungen sowie die fortschreitende Zerstörung und Bebauung naturnaher Lebensräume. Parallel dazu häufen sich Meldungen von Naturfreunden, die berichten, dass verwilderte Grundstücke und Grünflächen gerodet werden, ohne vorher zu prüfen, ob geschützte Arten wie Fledermäuse, Igel, Eichhörnchen oder bestimmte Vogelarten betroffen sind. Hier versucht das Team, schnell zu beraten und zu unterstützen – ein Problem, das sich bereits 2025 deutlich zeigte. 

Auch während des Jahres waren viele Tiere in einem extrem schlechten Zustand. Sie litten unter schweren Durchfallerkrankungen, Endo- und Ektoparasiten sowie allgemeiner Schwäche. Die Behandlung solcher Fälle ist zeit- und kostenintensiv und erfordert lange Pflegephasen. Dennoch konnten zahlreiche Tiere erfolgreich rehabilitiert und wieder ausgewildert werden. Auch die jüngeren Wintergäste, die nicht mehr rechtzeitig vor der kalten Jahreszeit in die Freiheit entlassen werden konnten, entwickeln sich in der Voliere gut und sollen im Frühjahr in die Auswilderungsvoliere umziehen.

Der Erste, der 2025 zu uns kam, war Alfred, ein stattlicher Kerl, der schon ein paar Jährchen draußen gelebt hatte. Leider war das Wachstum seiner Schneidezähne derart entglitten, dass er kurz vor dem Verhungern stand und schon recht schwach war. Der rechte obere Zahn wuchs nach außen und in die Wange, der linke obere Zahn in den Unterkiefer und einer der unteren stieß durch die Lippe. So etwas kann z. B. passieren, wenn einer der Zähne abbricht und dadurch das Gleichgewicht der stetig nachwachsenden Schneidezähne gestört wird. Gottseidank haben wir entsprechende Möglichkeiten, so einem Tier gleich hier in der Station zu helfen.

Und dann zogen hauptsächlich junge Eichhörnchen ein. Wendy, ca. 4 Wochen, war ausgekühlt und dehydriert.

Tory, 5 Wochen, die vor Krähenschnäbeln gerettet wurde, hatte ein angebrochenes Beinchen und später lange Zeit Hautprobleme.

Der wunderschöne Peter Pan fiel vom Hausdach. Vielleicht, weil er sich auf die Suche nach seiner Mutter machte, die nicht wieder kam. Hörnchen, die aus einer großen Höhe herunterfallen, haben oft blutige Nasen und abgebrochene Schneidezähne, so auch er.

Eichhörnchen Lumy
Lumy Foto: © aktion tier-Eichhörnchenhilfe

Ein Schicksal hat uns ganz besonders berührt: Lumy, 6 Wochen, saß auf der Straße neben ihrer überfahrenen Mutter, die sie in ein anderes Nest bringen wollte. Dabei hatte die Kleine so viel Glück, dass sie verschont blieb. Auch Hörnchen trauern und müssen Traumata verkraften. Am besten hilft den Hörnchenkindern die Gesellschaft anderer.

Oft werden umherirrende Geschwister, die ihre Mutter suchen, nicht zusammen aufgefunden, sondern einzeln. Aber manchmal gibt es auch so etwas wie bei Snoopy und Lee, 7-8 Wochen jung. Ein Hörnchenjunge lief auf eine Familie zu. Tierliebe Menschen nahmen ihn mit nach Hause kontaktierten uns. Einen Tag später rief eine Nachbarin dieser Familie an, die ein kleines Hörnchen unter einem Auto sitzen sah, das sich schnell in ihre Hand kuschelte. 

Lee, ganz klar Snoopys Schwester, war schon schwächer. Aber die Wiedersehensfreude der Beiden war unbeschreiblich herzerwärmend. Wenn die Hörnchenkinder dann so weit sind, dass sie in die Freiheit gehen können, dann ist das für uns eine große Freude, durchmischt mit etwas Wehmut. Wir haben einige in die schöne Auswilderungsvoliere bringen können. Nach kurzer Zeit konnten sie in ihrem eigenen Tempo die Umgebung erkunden. Manche übernachteten sofort draußen, andere kamen noch ein paar Tage zurück und schliefen lieber noch in ihrem Schlafsack und taten sich am Volieren-Buffet gütlich.

Wir helfen öfter vor Ort, wenn Eichhörnchen in Not geraten

Ein Einsatz wird uns im Gedächtnis bleiben: Der Anrufer berichtete von einem Hörnchen, das in einem Schacht sitzen würde, schon zwei Tage lang, und offensichtlich nicht allein herauskam. Während in Berlin und Umgebung am Vatertag die Menschen bei Sonnenschein fröhlich unterwegs waren, nahmen wir das Dilemma in Augenschein und verbrachten den halben Tag im kalten „Hausinnern“. So etwas hatten wir noch nicht gesehen. Im Innern eines mehrstöckigen Mietshauses war ein offener kleinerer Bereich. Das Eichhörnchen muss vom Dach heruntergefallen sein. Zum Glück ist dieser kleine Bereich durch Fenster der angrenzenden Wohnungen einseh- und betretbar. Wir stiegen durch ein Badezimmer im Erdgeschoss in den Schacht.

Das Hörnchen hatte sich dort natürlich schon umgesehen. Es kam zwar die glatten Wände nicht hoch, wollte sich aber nicht einfangen lassen und verschwand in einem Loch in der Wand. Es war zwecklos. Wir stellten Futter hin und kamen mit einer Falle wieder. So klappte es schließlich. Kaum wurde ihm die Falle draußen in dem schönen großen Innenhof geöffnet, flitzte das befreite Eichhörnchen auf einen Baum. Dafür lohnte sich der tagelange Einsatz! Und warme Tage gab es ja dann auch noch genug...

Mehr zum Thema Eichhörnchen erhalten Sie in der aktion tier-Broschüre, die Sie kostenfrei unter www.aktiontier.org im Downloadbereich herunterladen, telefonisch unter 030 3011162-55 oder per E-Mail unter shop[at]aktiontier.org bestellen können.

Tanya Lenn

Leitung "aktion tier Eichhörnchenhilfe"