Viele Transporte dauern viele Stunden, manche sogar mehrere Tage. Besonders problematisch sind Fahrten in Ländern außerhalb der Europäischen Union. Dort endet zwar der Geltungsbereich europäischer Vorschriften nicht automatisch, ihre Einhaltung lässt sich jedoch kaum noch wirksam kontrollieren. Wissenschaftliche Gutachten und europäische Institutionen weisen seit Jahren darauf hin, dass gerade auf diesen Langstrecken erhebliche Tierschutzprobleme auftreten. Die Belastungen für die Tiere sind enorm. Enge Platzverhältnisse erschweren das Liegen oder eine stabile Körperhaltung. Bei starkem Bremsen oder in Kurven verlieren Tiere das Gleichgewicht und verletzen sich. Hinzu kommen Lärm, Erschütterungen und der Kontakt mit fremden Artgenossen. Im Sommer drohen Überhitzung und Hitzestress, im Winter Kälte und Zugluft. Vor allem junge, kranke oder geschwächte Tiere leiden unter den Strapazen. Nicht alle Tiere überstehen die Reise. Immer wieder kommt es zu Verletzungen, Erschöpfung oder Todesfällen.
Tiere auf Dauertransport – Millionen Lebewesen auf langen Wegen
Jedes Jahr werden in Europa große Mengen lebender Tiere transportiert. Nach Angaben der Europäischen Kommission sind es mehr als eine Milliarde Tiere pro Jahr, die innerhalb der Europäischen Union oder in Drittstaaten befördert werden – darunter Rinder, Schweine, Pferde, Schafe, Ziegen und Geflügel. Die Gründe für diese Transporte sind vielfältig. Tiere werden zur Mast, zur Zucht oder zur Schlachtung über weite Strecken gefahren. Dass ein Tier möglichst nahe am Ort seiner Aufzucht geschlachtet wird, ist längst nicht die Regel. Stattdessen hat sich in Europa eine hoch spezialisierte Agrarwirtschaft entwickelt. Mastbetriebe, Schlachthöfe und Verarbeitungsunternehmen befinden sich häufig in unterschiedlichen Ländern. Für die Tiere bedeutet das: lange Reisen, obwohl sie das Ziel ihrer Zucht nie lebend erreichen müssten.

Gleichzeitig wird seit Jahren kritisiert, dass die Vorschriften in den Mitgliedstaaten unterschiedlich streng kontrolliert und durchgesetzt werden. Dabei ist das Problem seit Langem bekannt. Wissenschaftler weisen wiederholt darauf hin, dass lange Transportzeiten das Risiko für Schmerzen, Stress, Hunger, Durst und Verletzungen deutlich erhöhen. Die Europäische Union arbeitet deshalb an einer Überarbeitung der Vorschriften für Tiertransporte. Diskutiert werden unter anderem kürzere Transportzeiten, mehr Platz für die Tiere und strengere Regeln bei hohen Außentemperaturen. Die langen Tiertransporte sind jedoch kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das auf maximale Wirtschaftlichkeit ausgerichtet ist. Tiere werden dort gemästet, verarbeitet oder geschlachtet, wo die Kosten am niedrigsten sind. Die Belastungen für die Tiere werden dabei als unvermeidbarer Bestandteil der Produktion hingenommen. Gerade Transporte in Staaten außerhalb der Europäischen Union werfen zusätzliche Fragen auf, weil sich die Einhaltung der europäischen Tierschutzstandards dort kaum noch wirksam überwachen lässt.
Dabei gäbe es Alternativen. Viele Fachleute fordern seit Jahren, Tiere möglichst in der Nähe ihres Haltungsbetriebes zu schlachten und stattdessen Fleisch oder genetisches Material zu transportieren. Das würde Millionen Tieren stunden- oder tagelange Fahrten ersparen. Auch regionale Wertschöpfungsketten könnten dazu beitragen, Transportwege deutlich zu verkürzen. Letztlich stellt sich eine grundsätzliche Frage: Muss ein fühlendes Lebewesen quer durch Europa gefahren werden, nur weil dies wirtschaftlich günstiger ist? Eine Landwirtschaft der Zukunft sollte nicht darauf beruhen, Tiere wie beliebige Handelsware über Tausende Kilometer zu transportieren. Je regionaler die Erzeugung und Verarbeitung organisiert werden, desto eher lässt sich unnötiges Tierleid vermeiden. Lange Tiertransporte sind kein Naturgesetz – sie sind die Folge politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen. Deshalb können sie auch verändert werden.
Warum werden Tiere überhaupt lebend ins Ausland transportiert? Es geht vor allem ums Geld – nicht um die Tiere.
Auf den ersten Blick wirkt es unlogisch, Schweine, Rinder, Pferde oder Kälber über Hunderte oder sogar Tausende Kilometer lebend zu transportieren. Aus Tierschutzsicht wäre es sinnvoller, die Tiere möglichst nah am Herkunftsbetrieb zu schlachten und anschließend das gekühlte Fleisch zu transportieren. Genau das fordern auch das Europäische Parlament und zahlreiche Veterinärverbände. Tatsächlich entscheiden jedoch häufig wirtschaftliche Gründe. Schlachtungen und Weiterverarbeitung sind in einigen EU-Ländern günstiger, zudem haben sich viele Betriebe auf bestimmte Arbeitsschritte spezialisiert. Da die Transportkosten im Verhältnis zum Wert der Tiere oft nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten ausmachen, lohnt sich für Unternehmen der Transport lebender Tiere trotz großer Entfernungen. Die Leidtragenden sind die Tiere. Stunden- oder tagelange Transporte bedeuten für sie enormen Stress, Hitze oder Kälte, Durst, Erschöpfung und Verletzungsgefahr. Besonders empfindlich sind sehr junge Tiere, deren Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Immer wieder sterben Tiere bereits während der Transporte oder müssen nach der Ankunft aufgrund ihres schlechten Zustands notgetötet werden. Genaue EU-weite Zahlen zu allen Transporttodesfällen gibt es jedoch nicht, da diese nicht vollständig und einheitlich erfasst werden. Studien und Berichte der EU weisen aber darauf hin, dass insbesondere Jungtiere und lange Transportzeiten mit einem deutlich erhöhten Risiko für Erkrankungen und Todesfälle verbunden sind.





